Studium deluxe

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Danksagung.

Ein bisschen Hochgefühl war schon heute, als ich die beiden Bücher, Hardcover-Klebebindung, schwarz mit weißer Schrift, in den Händen hielt. Nach all dem Stress - eine verwundene, aber nacherzählt sicher langweilige Geschichte - fiel mir ein, dass keine Danksagung drin steht. Einiges tut aber Not.

Ich danke Stefan. Für sein kritisch-aufmerksames Lektorat. Und dafür, dass er sich heute den ganzen Vormittag von mir hat stressen lassen. Weil plötzlich alles ganz schnell gehen musste. Weil ich meine Gedanken nicht zusammen hatte. Weil meine Hände in solchen Situationen immer schnell zu zittern anfangen. Und weil ich weiß, was das alles eigentlich für ein Glück ist.

Ich danke Frau Bretschneider. Weil sie auf mich gewartet hat, bis ich dann mal kam mit den Büchern und den Anträgen. Und weil sie meinen peinlichen Fauxpas auf Seite eins so locker nimmt.

Ich danke der Frau vom Copy-Shop. Weil sie eine Arbeit von zwei Stunden auf knapp eine eingekürzt hat. Und weil sie mir die gebrannte CD geschenkt hat, für die Bibo.

Ich danke der Frau von der Bibo. Weil sie mir erlaubt hat, die CD nachzuschicken, die ich vergaß. Und weil es “ihr in der Seele wehtat, euch das immer abzuziehen.” Sie meinte angelaufene Mahngebühren für nicht rechtzeitig abgegebene Bücher, von denen sie mir ein gutes Stück erlassen hat.

Ich danke dem Hartz-IV-Empfänger, der sich und sein Sternburg gestern neben mich auf die Parkbank setze, skeptisch auf meine ZEIT Campus schaute und sprach: “Ich will nicht wissen wie alt Sie sind. Aber ich hab mit 13 schon im Wald Rinde von den Bäumen geschält.” Ich danke ihm deswegen, weil er natürlich recht hat: Es ist ein Privileg, sich einer Langzeitadoloszenz der Selbstfindung, Menschwerdung und der nur latenten Neigung zum Studieren hingeben zu können.

Ich danke der Fußball-EM. Weil sie mir vier Wochen lang Ausreden verschafft hat.

Ich danke meinem Schweinehund. Weil er sich am Ende doch überraschend schnell mit einem einfachen Stöckchen-Trick überlisten lies.

Ich danke den Olympischen Spielen. Weil sie erst jetzt stattfinden.

Ich danke mir. Weil ich mich autodiktaktisch durch die Kapitel “Wissenschaftliches Arbeiten”, “Konzentration” und “Geistige Ausdauer” gequält habe.

Ich danke der Hochschule Mittweida. Weil sie das nötig gemacht hat.

Ich danke dem Wissensdurst. Weil er das möglich gemacht hat.

… die der Begrenztheit meiner geistigen Lesitungsfähigkeit und der völligen CPU-Auslastung im Hirn geschuldet ist, hier ein paar Sachen zum Stichwort “Mittweida” (jaaa, hatten wir lange nicht):

Ein Video. (Kannte ich nicht, fand ich sehr gut gemacht. Und amüsant. Nein, kein Wehmut)

Noch ein Video. (Witzig!)

Ein Link. (unkommentiert)

PS.: 65 Seiten. So dick ist meine Bachelor-Arbeit. 65 fertige Seiten. Brain-Death? (Nein, immer noch kein Wehmut, aber saufen wär’ nicht schlecht, Kinder. Ich mach nur noch so Erwachsenen-Kram. Ich weiß natürlich, dass das kommen musste, das gehört doch dazu, Mensch! und überhaupt - es ist schon in Ordnung: ich hatte es mir aber schöner ausgemalt.)

“Sicher in Frankfurt (Oder)” heißt die Seite, die man auf der Webpräsenz der Europauniversität Viadrina findet. Unter anderem sind dort “einige Tips zur Erhöhung Ihrer persönlichen Sicherheit” zu lesen:

Es lohnt, etwas genauer hinzuschauen! Man braucht keine Angst zu haben, in Frankfurt (Oder) zu studieren. Aber manche Orte sind gefährlicher als andere. Gewalttäter halten sich vor allem abends gerne in der Nähe von Bahnhöfen, Straßenbahnhaltestellen, bestimmten Gaststätten und Einkaufszentren auf.

Gefährliche Situationen erkennen! Gewalttäter sind regelmäßig 16 bis 25jährige junge Männer, oft schon an ihrem typischen Outfit - kurzhaarig oder Glatze, Springerstiefel, Jacke mit Aufnähern (z.B. “My race is my pride”) - erkennbar. Sie treten oft alkoholisiert in Gruppen auf.

Merkwürdig erscheinende Gespräche vermeiden! Fragen nach dem Herkunftsland, Geld oder Zigaretten dienen oft nur dazu, näher an das Opfer heranzukommen. Die scheinbar zum Gruß ausgestreckte Hand schlägt plötzlich zu. Sich von Anpöbeleien nicht provozieren lassen!

Ein Mobiltelefon ist nützlich. Die Polizei (Notruf Tel. 110) reagiert rasch. Zudem sind die Täter häufig bereits polizeibekannt und werden regelmäßig schnell ermittelt. Es ist wichtig, möglichst sofort eine Anzeige zu erstatten.

Wär das nicht was für htwm.de?

Ich bin ein Nörgler. Das muss ich offen zugeben. Ich nörgle gern. Gänzlich ohne Lösungsansätze, aber auf hohem Niveau. Manchmal nörgle ich sogar wider besseren Wissens, einfach um des Nörgelns willen. Oftmals wirke ich deswegen verbittert oder pessimistisch. Verbittert bin ich nicht. Jedenfalls nicht, nachdem ich genug genörgelt habe. Das ist, so vermute ich, ein Grund, mich nicht zu mögen. Das macht das Nörgeln umso interessanter. In den vergangenen Tagen gab es nun aber wirklich viel zu nörgeln.

Nörgelgrund Nummer 1: Die Blockwochen

Ich finde die Inhalte des Unterrichts interessant und ich bin froh, dass zu wissen, was ich vorher nicht wusste und jetzt weiß. Zu nörgeln gibt es dennoch einiges: Hat was von Torschlusspanik, jetzt so kurz vor dem Abflug den Studierenden nochmal sowas wie Wissen beizubringen. In zwei Wochen von 0 auf 100, das ganze Wissen eines Studiengangs in 10 Tagen - wäre ein guter Werbeslogan für den Fachbereich. Mehr als diese 2 Wochen braucht es nicht: Es wiederholt eh schon viel dagewesenes, nur besser. Da bekomm ich richtig Lust, nochmal ein echtes Studium anzufangen. Mit dem Bereuen hab ich’s ja nicht so, schade ist es aber schon, bloß zu erahnen, was ich alles nicht weiß, wohl aber gerne wissen würde.

Nörgelgrund Nummer 2: MOF trifft Menschen - Die Blockwochen Teil Zwei

Ich weiß schon, warum ich normalerweise keine Vorlesungen besuche: wegen den Kommilitonen. Freilich bei Weitem nicht wegen allen, aber leider stechen diese ganzen peinlichen Existenzen heraus, die ich das ganze Studium nicht sah und die nun glauben, ihre Stunde sei gekommen. Sie schreiben eifrig mit und motzen rum, wenn sie mal nicht schnell genug hinterherkommen. Sie tun so, als wüssten sie viel. Dabei wissen sie nur das, was sie irgendwo gelesen haben. Sie gehen mir auf den Sack. Und sie halten mich auf. Nicht mehr lange…

Nörgelgrund Nummer 3: Kompetenz trifft charakterliche Schwäche - Die Blockwochen Teil Drei

Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es, wenn Menschen ihren Job nicht anständig machen. Ich muss mir keinen gelangweilten Dozenten geben, der angepisst ist aufgrund der Umstände, die ich unter Nörgelgrund Nummer 2 beschrieb. Seinen durchaus interessanten Stoff schlicht durchzieht und seine Arroganz bezüglich der verweigerten Wissenspreisgabe an dieses Publikum noch nicht mal zu vertuschen versucht. Da hab ich wirklich Besseres zu tun. Nörgeln zum Beispiel. Wer keinen Bock hat, kann wegbleiben. Dann nimmt er für diesen Drecksunterricht wenigstens nicht den - vermeintlichen - Nokia-Style Dumping-Lohn mit.

Nörgelgrund Nummer 4 - Die Mensa

Warum gibt’s um 13 Uhr schon nur noch ein eingeschränktes Angebot? Warum schmeckt’s da immer so scheiße? Warum bezahl’ ich immer höhere Preise für den Fraß? Warum muss man immer warten? Auch wenn niemand ansteht? Warum muss man an den Tischen zwischen den beiden Mensasälen sitzen? Warum hab ich mittags Hunger?

Nörgelgrund Nummer 5 - Medienmagazine

Warum höre ich auf SR 2 quasi das gleiche Medienmagazin wie auf B 5? Was machen die mit den Gebühren?

Nörgelgrund Nummer 6 - Das Wetter

Spaß.^^

Warum so inkosequent? Warum kann man als Film-Typ keinen Film, als Layout-Typ kein gesetztes Buch/Zeitung/Zeitschift/whatever oder als Radio-Typ kein Super-Beitrag abgeben? Also, man müsste natürlich über die Rahmenbedingungen nachdenken, die Erwartungen und Maßstäbe, sodass die Bachelorarbeit schon die Anforderungen eines Beleges übersteigt, aber das wäre doch zumindest im Sinne des Mittweidaer Modells oder täusche ich mich? Wissenschaftliche Arbeit, pff! Da ist das ganze Studium nichts mit Wissenschaft, die praktischen Seiten des Studiums werden zurecht gehypt und am Ende steht eine wissenschaftliche Abhandlung? Das ist irgendwie nicht sinnvoll, nicht konsequent, nicht logisch.

Gleich vorweg: Ich entschuldige mich gar nicht dafür, es muss einfach jetzt mal sein. Mir sind in den vergangenen Wochen soviele Hutschnüre gerissen, da muss ein verdammtes Ventil her.

Ich bin ja kein Radio-Nerd, aber ich hab’s wirklich gerne gemacht. Ich weiß, dass man die Drops auf die Ramp und nicht vor dem Lied spielt und ich weiß, dass man Promos weder an- noch abmoderiert. Das passiert bei 99drei. Aber hey: Der Krebsschaden liegt ganz woanders.

Da wird in der Redaktionskonferenz halt man ganz spontan entschieden, dass in den Nachrichten ab sofort die bundesweiten Nachrichten ganz vorn gelesen werden. Bundesweite Nachrichten?? Da bin ich ganz konkret aus allen Wolken gefallen. Wogegen will man denn mit diesen bundesweiten Nachrichten ankommen? RTL? ZDF? Radio PSR? Den einzigen Trumpf zu verspielen, den man hat, wissentlich ins Verderben zu rennen: Das ist peinlich und eine flammende Hommage an die eigene Faulheit. Klar, wenn keiner rausgeht, Töne holt, seit Wochen keine Stadtratssitzungen mehr besucht werden, wo will man denn die lokalen Nachrichten herhaben? Ist ja auch ganz entspannt, so vom MDR abzuschreiben oder aus dem RTL-Videotext.

Radio Mittweida ist deutlich studentischer geworden. Da wird eben im Feierabend ein russischer Austauschstudent zum Reden ins Studio geholt. Oder alle zwei Minuten der Studentenfasching geteast. Ja, nett alles, wenn man ein klassisches Campusradio sein will. Aber das haben auch die ganzen Germanistikstudenten da draußen an sämtlichen Unis Deutschlands. Die Ausbildung für Leute, die wirklich mal was im Radio machen wollen, die muss bei einem “echten” Radio, so mit Nachrichten sammeln, O-Töne, schön in der lokalen Scheiße waten, stattfinden. Dass die Studenten, die da jetzt am Ruder sind, das nicht wissen - geschenkt. Aber da muss ja jemand dafür verantwortlich sein. Für die Ausbildung. Der tut dieses ganze Wischiwaschigemache so gar nicht gut. Ich finde, da sollte eingeschritten werden, wenn sich das Laissez-fair-Prinzip aus dem Rahmen heraus bewegt.

Apropos Verantwortliche: Seit 05 haben die Medienstudenten scheinbar keinen echten Radiomenschen mehr abgeworfen. Oder er versteckt sich bisher gut. Läuft da was falsch beim Einstellungsverfahren? Will man nur Kamera-Nerds und Schnitt-Freaks ranzüchten?

Vom Fußvolk erbittet man sich immer Feedback bei 99drei, man ist ja ganz offen und unautoritär. Am 1.12. hab ich eine lange lange Feedback-Mail geschrieben. Weil ich es nicht gut fand, mich als Moderator immer selber um das Thema Aktuell kümmern zu müssen. Weil ich es nicht gut fand, wenn ich plötzlich mal ohne Nachrichtenmann im Studio stand. Weil ich es nicht gut fand, mir ständig Geningel vom Kaliber “Füllt doch mal die Schichten!” und “Die CvDs haben auch nicht immer Zeit!” anhören zu müssen. Bis heute keine Antwort. (Außer von einem der fünf (!) beteiligten Personen aus der Chefetage) Obwohl mir natürlich immer wieder gesagt wurde, wie gut doch mal so eine Mail sei und wie sehr man sich damit beschäftige. Kotzen könnt ich da, ganz ehrlich.

Nun ist es ja nicht schlimm, wenn man keine Ahnung hat. Schließlich sind das hier alles Lehrprojekte und manch hartes Wort in diesem Post angesichts dessen scheinbar nicht gerechtfertigt. Aber bei soviel himmelschreiender Arroganz, da gibt’s keine Entschuldigung. In jeder Mail ans Fußvolk herumzuposaunen, wie toll doch alles ist und wie gut das Radio ist, wenn man keine Ahnung hat und die Realitität einfach mal erbärmlich ist, ist schlicht peinlich.

Den Post hätte ich wohl nicht geschrieben, wenn man sich bei 99drei jetzt nicht auch noch vor der gesamten Studentenschaft Mittweidas lächerlich gemacht hätte. Eben kam eine E-Mail vom StuRa, Titel: “Radio Mittweida - jeder kann mitmachen”, Inhalt: wir brauchen Hilfe. Alle Studenten werden darin aufgefordert bei Radio Mittweida mitzuarbeiten. An sich so schlecht nicht, wenn die Rahmenbedingungen andere wären. In der E-Mail steht, dass Radio gar nicht so schwer isst [sic!] und: “Ein Radiosender ohne eine gute Webpräsenz ist heutzutage nicht mehr wegzudenken.” Unter der Mail steht übrigens kein Absender. Das ist dem Verfasser kaum zu verdenken, wer will sich schon für so einen Schwachsinn verantwortlich zeichnen.

Das Schlimme am deutschen Steuerrecht ist ja, dass es in der Praxis tatsächlich Anwendung findet.

WTF?

Das hier ist ja wohl die Oberhammerfrechheit! Wozu wird denn bitte die Erhöhung des Studentenwerksbeitrags? Die Mensa hat schließlich ihre Preise schon im Einzelnen deftig erhöht! Wer legt sowas fest? Wo wird mir sowas erklärt? Hier! Der Freistaat Sachsen kürzt also seine Mittel für Studentenwerke, soso. Das ist eine ziemliche Schande, so insgesamt, immer auf Bildung, Kultur, Kindererziehung - man kennt ja die Stammtischparolen. Aber: Dresden zum Beispiel hat seinen Studentenwerksbeitrag auch erhöht, um 14 Euro auf 58 Euro. Immer noch geringer als hier! Anderes Beispiel: Chemnitz (was auch eine richtige Uni ist, keine popelige Fachhochschule und keine popelige Bergakademie). Studentenwerksbeitrag 42 Euro! Klar, ist der gesamte Semesterbeitrag in beiden Städten höher, dafür kann man aber auch das ganze Semester mit der Bahn und so rumfahren (in Mittweida kann man nüscht, will man aber auch nüscht können). Die Angaben für Chemnitz und Dresden gelten freilich noch für das WS 07/08 während die MW-Preise schon für das SS 08 gelten, da kann man bei Chemnitz und Dresden eventuell auch noch Erhöhungen erwarten. Aber: Dresdner Mensa mit Mittweidaer Mensa zu vergleichen würde nicht gut ausgehen für dieses Drecksloch hier. Gut, dass das eventuell der letzte Beitrag ist, den ich zahlen muss!

PS: Komm mir jetzt bitte keiner damit, ich solle doch froh sein, keine Studiengebühren zahlen zu müssen! Äpfel und Birnen, sag ich da nur! Und: Nein, ich möchte verdammt noch mal nicht in Mittweida hauptwohnsitzlich gemeldet sein, um den Semesterbeitrag zurückerstattet zu bekommen!

MW-Mythen

Heute beim Vorstellungsgespräch:

“Ich kenne Mittweida. Bei mir können Sie in den sechs Monaten mehr lernen als in ihrem ganzen Studium.”

Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte. Aber damit stirbt auch der letzte Mythos dieser Hochschule: Der Mythos vom guten Ruf nach außen.

Hab heute, 16. November, um 10:32 eine Pressemitteilung erhalten, die auf den 13. November datiert ist und ein Ereignis abhandelt, das vom 24.-29. September stattfand. Preisfrage: Von wem stammt die Pressemitteilung?

Irgendeine mysteriöse Kraft hat mir gestern 118 Besucher (jaja, long tailig….) beschert, Rekord für November laut Google, laut Blogcounter nicht, aber der ist eh dreckig. Und plötzlich ist Mittweida auch wieder auf Platz 1 der Orte, aus denen die Besucher insgesamt kommen. Hmm. Buschfunk virtuell.

Vermessen?

Ja, ich werde meine Zeit brauchen, um mir die Inhalte der drei Vorlesungsreihen, deren Veranstaltungen ich mehrheitlich aus Faulheit aus Protest gegen die Redundanz im Studiengang wegen wichtiger anderer Verpflichtungen nicht besuchen konnte, anzueignen. Aber wird das länger dauern, als die Zeit, die ich gebraucht hätte, um die Vorlesungen zu besuchen? Wohl kaum.

Ich denke dann immer: “Mensch, das war ja doch alles recht interessant, was da erzählt wurde. Hättest du vielleicht hingehen sollen.” Im gleichen Atemzug fällt mir aber auf, dass mit halbwegs intensiver Beschäftigung an zwei/drei Tagen ebenso genug getan ist und ich bestens Bescheid weiß.

Oder weiß ich eben nicht bestens Bescheid? Ist die Annahme, ich könnte mir alleine und in weniger als der Hälfte der Zeit das, was man sich laut Studienordnung in x Semesterwochenstunden erklären lassen sollte, aneignen, einfach nur vermessen? Ich hoffe und befürchte mit einem Seitenblick auf die Qualität des Studiums, dass die Prüfung kommende Woche meiner Herangehensweise Recht geben wird.

Die Medienforum-Beiträge gibt’s ab sofort auf sevenload.de. Nicht alle, aber ein paar, der Rest kommt wohl noch. Und wessen Vortrag haben die Medienforums-Leute als erstes auf ihrem Blog eingebaut? Richtig, Oliver Gehrs’. Brav. ;)

Andere Frage: Die Rechte daran, mussten die im Nachhinein von jedem einzelnen Referenten erfragt werden oder tritt man mit seinem Vortrag auf einem derartigen Forum automatisch die Nutzungsrechte an seinem Gesagtem ab?

Wie schon erwähnt, ich hatte ja Kopfschmerzen, ziemlich derbe gar. Nun saß ich da, im erhitzenden Scheinwerferlicht und dachte, dass ich eigentlich lieber im Kissen ruhen würde. Nützt alles nüscht, konnte das ja unmöglich verpassen.

Schleppender Start. Moderator Holger Hank mit einiger Euphorie und Wortgewandtheit gab sein bestes, aber irgendwie wollte die Diskussion nicht in Gang kommen. Na klar, dass hier war eine Diskussion um die New Economy, das es verdammt wirtschaftlich wird, hätte ich mir denken können. Aber muss man sich deswegen vor einem Haufen, allenfalls mit gefährlichem Halbwissen gewappneter Studenten, in Ausführungen darüber verlieren, wieviel Venture Capital von damals jetzt noch da ist und wie und wo es vermutlich investiert wird? Horst Müller gab dann - glücklicherweise nicht zum letzten Mal an diesem Abend - den Erklärbär, und so erfuhren wir nicht nur zu meiner Erleichterung, was Venture Capital eigentlich ist. Das geklärt, konnte es endlich losgehen. Werbung ist scheiße, keiner braucht Werbung, Werbung stört alle, Werber sind Pisser von Rainer Meyer auf der einen; wie soll sich das Internet ohne Werbung finanzieren?, das kostet doch auch alles was, und personalisierte Werbung ist besser als bloße Störfeuerwerbung von Marc Schwieger und Nico Lumma auf der anderen Seite. (Alle Diskutierenden und ihr Tun hier.) Die Werbefaschisten gegen die personalisierte Antifa. Und dazwischen der Erzkonservative Müller, der immer mal ein bisschen journalistischen Anspruch und Ansätze einer Qualitätsdiskussion in den Raum warf. Ein sehr nett anzuschauende Demonstration, was die Gladiatoren so drauf haben, in der Arena. Lumma rannte gleich mal mit seinem Stuhl auf die andere Seite des Podiums, um Meyers “die da drüben” abzuwürgen, schien sich dann aber doch thematisch mehr dem Tchibo-Mann Schwieger zugeneigt, denn er ging wieder zurück. Dieses kleine Stuhl-zur-Schau-tragen der Höhepunkt der Diskussion, war es doch symptomatisch. Die Fronten eh verhärtet, ging es vornehmlich darum, Argumente, die man kennt, kennt man den Krieg, besonders explosiv zu platzieren. An der Heeresspitze Lumma und Meyer. Der eine kaute gelassen Kaugummi, während er die Herrlichkeit des Geldes als Antrieb für alle Mechanismen im Web2.0 lobte, der andere sezierte mit einem sehr höflich-seriösen Auftreten und einer derben Sprache alle Argumente logisch und mit dem Rückenwind des Publikums. Ein bisschen schmierig wirkten beide. Der eine, weil er Werber ist und Werber nun mal schmierig sind, der andere, weil er zu sehr den Gutmenschen gab. Vielleicht als Abgrenzung vom grimmig-bösen Don Alphonso, vielleicht aus missionarischem Eifer. Das ist auch völlig egal, denn ich schweife ab.

Neben den Glanzfiguren des Abends blieb der Rest blass, was man schade finden kann oder auch nicht. So ist es immer. Gewürzt haben Evsan mit seinem “Ich bin der Techniker und hab keine Ahnung vom Geschäft, aber Videos sind toll!”-Gerede, Schwieger mit Anekdoten aus seinem Familienleben und Müller mit den präzise vorgebrachten Nachfragen und dem Hochhalten der journalistischen Flagge die Sache allemal. Aber da ist es nunmal wie mit dem Salz - weniger ist mehr.

Das Ende habe ich verpasst, denn neben dem Medienforum ging das Leben in Mittweida nunmal weiter und um 18.30 Uhr eine Ausschusssitzung los. Im inhaltlichen Sinne verpasst habe ich sicher nicht allzu viel, wie schon gesagt: Das Panel war wie ein politisches Gipfel-Treffen. Die wirklich wichtigen Dinge werden schon im Vorfeld geklärt, die Positionen sind klar - es geht nur noch um das wie. Und vielleicht um ein zwei neue Denkanstöße.

Insgesamt dennoch auch ein positives Bild von diesem Abend. Kommentar zur Organisation spar ich mir, das wurde schon genug getan. Außerdem: Wir alle wissen, was Earned Media ist.

Diesen Vortrag musste ich mir mit meinem Inneren hart erkämpfen. Doch lieber Lückerath und DWDL? Letzlich siegte der vermeintliche Underdog Jan Schmidt, Vorträge im Studio B hatte ich zu dem Zeitpunkt ja schon genug gehört und weitere vor.

Mit drei Mythen der Blogosphäre wollte Schmidt aufräumen: Der Blogger ist übergewichtig und trägt Dreitagebart, Weblogs machen jeden zum Journalisten und 99 Prozent aller Weblogs sind Müll. Sehr nett vorbereitete Powerpointpräsentation, die in wissenschaftlicher Korrektheit abarbeitete und die Mythen zu widerlegen versuchte: 66 Prozent aller Blogger sind laut einer Zufallsstichprobe, die in den Long Tail sticht, weiblich. Der Mythos jedoch entsteht, da die Autoren der “Top-Blogs” nur zu 25 Prozent weiblich seien. Überhaupt war der Vortrag sehr von Zahlen geprägt - zu erwarten bei einem Wissenschaftler. Überhaupt: Seine Nüchternheit tat gut. So behandelte er unaufgeregt das Thema Blogger vs. Journalisten und erklärte mir zum ersten Mal wirklich gut, das Blogs überhaupt keine Relevanz haben müssen und auch nicht wollen. Natürlich, das wusste ich, auch die Sache, dass Blogs nun mal vorrangig private Relevanz haben - er meinte, dass sie genau deswegen auch gar nicht an öffentlicher Relevanz gemessen werden müssen.

Insgesamt ein solider Vortrag mit ein paar neuen Denkanstößen und vielen wissenschaftlichen Untermauerungen schon bestehenden Wissens. Auch nett: Die nach kurzer Diskussion entstandene Antwort darauf, warum wir denn diesen verdammten Long Tail ernstnehmen müssen, warum Blogs was “Gutes sind”. Schmidt lächelnd: Für ihn als Wissenschaftler ein interessantes Phänomen der Kommunikation und gesellschaftlich eine soziale Veränderung hin zu öffentlich-privater Kommunikation. Irgendwie kryptisch, aber irgendwie nett befriedigend.

“Die beim Spiegel, können ja gar nicht schlecht sein, bei den 300 Mitarbeitern oder wie viel die haben.”

“Die Zeit ist irgendwie auch scientologisch.”

“Am Ende ist es ja egal, welche Zeitung man liest, unter der Absetzung von Merkel machen es die ja alle nicht.”

Kollegen-Bashing der ganz feinen Art - eine perfekte Zusammenfassung für den Vortrag von DUMMY-Gründer Oliver Gehrs. Ich wünschte mir, ich hätte ein paar Pointen aufgeschrieben, dann könnte ich hier mehr davon wiedergeben. Fest steht: Der Vortrag war ganz ganz großes Kino und mein persönlicher Höhepunkt des Medienforums.

Gehrs ist ein verdammt witziger Zeitgenosse, er hört sich zwar mit Sicherheit gern reden und zieht mit Vorliebe seine One-Man-Show ab, dafür aber ist es eine ganz hervorragende.

Das Thema seines Vortrags war eigentlich sein DUMMY. Darüber hat er auch ein bisschen was erzählt, nutzte das allerdings später nur als Katalysator, um alle abzuwatschen - von FAZ bis taz ein Rundumschlag durch die deutschen “Qualitätsmedien”. Beeindruckender Weise hatte er kein wirkliches Konzept - was die Sache aber umso durchdachter wirken ließ. Er selbst wusste das natürlich genau, und versuchte das zu seinem Vorteil zu deuten, betonte immer wieder: “Ich hab ja keine so ne Powerpoint-Präsentation”. So wie all die anderen Deppen, hätte man anfügen können.

Gehrs ist ein verdammter Klischeewälzer. Die Deutschen würden immer grüner, aber nicht so mit Vollbar, Jesuslatschen und Reformhaus. Mehr so mit veganem Essen aber schicker Frisur. Aber, und auch das ist ein Klischee: In Berlin habe man den Eindruck, dass ganz Deutschland Röhrenjeans trüge und diese komischen Tücher, die plötzlich in sind.

Das stimme nicht - und damit komme ich zu der Aussage, die Gehrs ganzen Vortrag durchzog, die beste insgesamt war, keine neue zwar, aber mit soviel Witz und Inbrunst vorgetragen, dass es mir beinah so vor kam: Die Gesellschaft splittere sich auf, es gibt nicht mehr die eine Bewegung, die unser ganzes Land oder Europa oder die Welt erfasse. Deswegen seien Formate wie DUMMY oder Monopol die zukunftsweisenden. Und zwar weil sie nur 40.000 bis 50.000 Exemplare Auflage hätte - und nicht trotz.

Gehrs hat Recht und trotzdem muss ich jetzt mal einen Satz sagen, von dem ich nie dachte, dass ich ihn jemals sagen würde, so schlimm ist er eigentlich: Deutschland und vorallem die deutschen Mainstream-Medien sind noch nicht reif für diese Erkenntnis. Schluchz. Ich befürchte fast, sie werden es nie sein, zumindest nicht solange, wie ich lebe. Uns weiter erzählen, alle mögen Dieter Bohlen und alle finden Diäten-Erhöhung scheiße. Einfach weil sie nicht begreifen, das Auflage und Quoten und so (”und so” und “irgendwie so” sind im Übrigen Gehrs Lieblingsfloskeln) nicht wirklich wichtig sind.

Um von meinem missionarischen Amen-Gelaber mal wieder auf dem Vortrag zurückzukommen: Ich wette, Gehrs hat ein paar DUMMY-Abonnementen mehr bekommen hier in Mittweida. Den minutenlangen Applaus gab’s obendrauf.

Schade, dass Christiane Sommers Beitrag zum Erfolgskonzept brand eins heute ausfiel, das finde sicher nicht nur ich. Was war denn da los? Ich hab gehört, sie sei krank gewesen.

Schade, dass es die Mediennacht-Karten nicht ohne After-Show-Party zu kaufen gibt. Ich hätte mir Latente Talente wirklich gern angesehen, allein schon wegen des Bloggens und Redens darüber. Aber sechs Euro für eine bloße Übertragung? In unbequeme Hörsäle? Bitte!

Schade, dass ich unheimliche Kopfschmerzen habe. Mein zusätzliches Augenflimmern heute morgen sagt mir, dass ich nun wohl auch im Kreis der Migräne-Erkrankten aufgenommen wurde, na vielen Dank. Da müssen meine Reviews leider noch warten. Aber sie kommen, bestimmt. Zum köstlichen Oliver Gehrs, zum korrekten Jan Schmidt und zum zweiten Panel zur New Economy 2.0. Sie kommen. Gestern hab ich ja gelernt, dass das Internet nicht unbedingt schnell sein muss, sondern das eher ein selbstauferlegter Fluch ist. Na da. Freu ich mich auf mein weiches Kissen.

Ich dachte, ich komme um diesen Post drumrum, denn auch wenn manchmal der Eindruck entstehen sollte: Eigentlich mag ich es nicht, mich an etwas abzuarbeiten oder gar mich an einzelnen Personen hochzuziehen. Aber umso länger die erste Podiumsdiskussion des Medienforums heute gedauert hat, um so sicherer war ich mir, dass ich diesen Post genauso schreiben muss. Um zu verarbeiten was ich sah. Es brennt mir förmlich in den Fingern.

Ich fange von vorn an, macht man ja eigentlich nicht, aber nur so ist das, was ich zu sagen habe, nachvollziehbar. Es geht um das Panel zum Thema “Wieviel ist Content noch wert?”, hoch interessant in Zeiten von Bürgerjournalismus und Grabenkämpfen zwischen Bloggern und Journalisten. Moderiert wurde das Ganze von Inge Seibel-Müller, wer im einzelnen mitdiskutierte und was die alle für Jobs haben, kann man hier nachlesen. Den Beginn markierte eine minutenlange Einführungsrede von Seibel-Müller, bei der ich spätestens nach dem fünften “Ähm” die Geduld verlor. Nicht so sehr das große Problem, jeder kann bei sowas aufgeregt sein. Schlimm wurde es erst, als es so schien, als bekäme jeder Diskutant vor der eigentlichen Diskussion endlos lange Zeit für selbstpropagandierende Dampfplauderei. Zunächst bekam Lars Langenau Gelegenheit, süddeutsche.de anständig zu hypen. Übrigens: Das “SZ Online” (der Online-Auftritt der Sächsischen Zeitung) und “süddeutsche.de” zwei verschiedene Dinge sind, musste sich Inge Seibel-Müller erstmal erklären lassen. Peinlich. Spätestens aber, als c’t-Mann Jürgen Kuri die dritte Nachfrage zu der Verteilung von Content, der von Offline-Journalisten und Online-Journalisten produziert wird, beantworten durfte, begrub selbst DUMMY-Gründer Oliver Gehrs lächelnd seinen Kopf in den Händen. Ich fühlte mich an schlimmste Christiansen-Zeiten erinnert, als der letzte der gefühlt 154 Gäste nach einer halben Stunde zu Wort kam. Hier schien es ungleich länger zu dauern.

Dann endlich, war er an der Reihe, mein Messias für diesen Abend, sein Irokese wurde qasi umrandet von einem Heiligenschein: Sascha Lobo. Er schwitze so sehr, ob man die Einführung nicht etwas straffen könne. Außerem müsse man die Zuhörer ja nicht quälen. Meinen spontanen Szenenapplaus hatte er sich mit diesem Satz redlich verdient. Damit wurde der Abend besser, insgesamt soger sehr gut. Man begann zu diskutieren. Wird es die Zeitung in ein paar Jahren oder Jahrzehnten noch geben? Ist ein Klick auf eine Bilderstrecke genauso viel wert, wie der auf einen Artikel? Und: Haben es die Journalisten der klassischen Medien nicht verdient, jetzt in der Content-Scheiße zu stecken? Haben nicht sie den Niedergang des Qualitätsjournalismus eingeleitet? Gehrs versuchte sich als Klassenclown und Kulturpessimist, Lobo fasste sich ständig an seine Schuhsohlen, gab aber sehr schlaue Sachen von sich, Wilfried Hub vom Vogtland-Anzeiger hypte den Lokaljournalismus (meinen inneren Applaus übrigens für seine nüchterne Sichtweise auf die Zukunft des Print) und Lars Langenau, der sah einfach alles ein, fand süddeutsche.de aber auch am Ende noch spitze. Muss er auch. Über der Szenerie schwebte einer, der gar nicht dabei war: Stefan Niggemeier. Aber ja, er ist Bild-Blog-Betreiber und süddeutsche.de kann er auch nicht leiden, natürlich, er brauchte seinen Platz.

Eine wunderbar nicht-hormonische Runde mit verdammt interessanten Diskussionsansätzen, die ich hier im Einzelnen nicht wiedergeben will und auch gar nicht wiedergeben kann. Alles hätte so schön sein können, wäre da nicht Inge Seibel-Müller gewesen. Diese zeigte sich nicht sonderlich gut vorbereitet, als sie Lobos Riesenmaschine mit einer klassischen Zeitung verglich - Entschuldigung, aber das ist ja noch nicht mal provokativ! - , verstrickte sich in Face-to-Face-Randdiskussionen um die rechtliche Problematik von Foren-Beiträgen und das schlimmste: Sie war selbst Teilnehmerin der Diskussion! Und hatte damit natürlich keine Zeit, sie anständig zu leiten, stellte meist zur falschen Zeit die falschen Fragen. Moderatoren sollten sich meiner Meinung mit zu aggressiv und konsequent vorgetragener Meinung zurückhalten. Ihr jedoch schien “Verteidigungslinie der klassischen Medien im finalen Kampf gegen die Eindringlinge aus dem Online-Bereich” in Neon-Leuchtbuchstaben auf die Stirn geschrieben. In sehr kleinen Buchstaben freilich, bedenkt man die Begrenztheit einer Stirn, aber in leuchtenden Buchstaben. Immer, wenn jemand auch nur latent eine Lanze für Print schlug, blitzte sie Lobo triumphierend an, als wolle sie sagen: “Siehste, da hast du es!” Vogtland-Anzeiger-Hub schien den Bann zu brechen, als der sagte: “Die Diskussion dreht sich nicht darum, ob gedrucktes (Seibel-Müller bevorzugte übrigens mir unerklärlich die irreführende und völlig unzureichende Bezeichnung “geschriebenes”) oder Infos im Online-Bereich qualitativ besser sind, sondern darum, wie man allgemein Qualitätsjournalismus machen kann.” Dieser Satz musste später aber noch von mehreren Seiten aufgegriffen werden, denn Seibel-Müller übte sich auch weiterin nicht gerade in Zurückhaltung, sondern weiter konsequent in Lobo-Bashing. Der wusste sich köstlich zu wehren. Als die Moderatorin Lars Langenau gegen einen scheinbaren Lobo-Angriff schützen wollte, erklärte dieser trocken: “Ich habe nicht ihn angegriffen, sondern Sie!” Seibel-Müller tat übetrieben entrüstet, das Publikum lachte.

Insgesamt: Eine verdammt gelungene Veranstaltung, was sich schon in meinem Elan zeigt, so emotionsgeladen darüber zu berichten. Als die Diskussion endlich in Gang kam, war sie vorzüglich. Zwar wurden die Ziele, die Inge Seibel-Müller zu Beginn ausgab, nicht erreicht, und das richtet sich diesmal nicht gegen ihr Wirken, denn: Das ist normal. Diskussionen brauchen Platz, um sich zu entwicklen. Außerdem wird der Heilige Gral für die Zukunft des Journalismus sicher nicht in zwei Stunden im Studio B der Hochschule Mittweida gehoben. Deshalb: Meinen Respekt für die explosionsgeladene und kurzweilige Zusammenwürfelung der Teilnehmer und für die Spitzzüngigkeit und klugen Sätze der Diskutierenden selbst.

Deppen!

Also ich rege mich gerade sehr auf, weswegen ich unbedingt mal was MW-nerdiges bloggen muss.

Da gibt es so eine Wissenschaftskonferenz, SATERRA, an der HSMW. Und es gibt dazu eine Pressemitteilung, die so ist, wie man sich so Pressemitteilungen eben vorstellt: Lang, viel Blabla, wenig Konkretes. Das alles wäre nicht so schlimm, wenn man Folgendes nicht wüsste: Die PM wurde natürlich ausdrücklich NICHT an Hochschulmedien gesandt. Auf meine Nachfrage hin, warum, folgende Erklärung: Die SATERRA wird von einer externen PR-Agentur beworben. Erste Frage: Bitte??? Die Hochschule leistet sich keine anständige Öffentlichkeitsarbeit aber eine externe PR-Agentur? Zweite Frage: Wieso um Himmels Willen sendet diese PR-Agentur nichts an die Hochschulmedien, wo sie doch schon eine so hochprofessionelle PM gebastelt hat? Ich weiß, wer am Ende wieder der erste ist, der sich bei uns über fehlende Berichterstattung beschweren kommt….

Und um mich weiter darüber auszulassen, tut grad so gut: In der PM steht Folgendes:

Das detaillierte Tagungsprogramm ist unter http://htwm.de/tagungen veröffentlicht. Dort lassen sich auch alle Informationen zu den einzelnen Tagungsgruppen, den Teilnehmern und zum Rahmenprogramm der SATERRA abrufen.

Jaaa, das nennen die also “detailliertes Tagungsprogramm”? Bitte?? Und wo finde ich die Informationen zu den einzelnen Tagungsgruppen und Teilnehmern? Nicht, dass mich die nach all dem Wischi-Waschi-Blabla in der PM großartige interessieren würden, aber mal angenommen: Das ist doch das letzte, selbst die SATERRA 2001, Lichtjahre weit weg in der Medien- und Kommunikationsentwicklung, war da besser.

Und ganz um Schluss: Das Medienforum ist Rahmenprogramm der SATERRA? Selten sowas Lächerliches gehört. Die SATERRA-Deppen dachten wahrscheinlich, sie tun dem Medienforum noch einen Gefallen, in dem sie es in ihrem erbärmlichen HTML-Dokument erwähnen. Das Medienforum, das nach Aussage der Organisatoren - und diese kann ich nach allem, was ich davon weiß, nur dick und doppelt unterstreichen - mehr für die Außenwirkung der Hochschule tut, als alle Tage der offenen Tür zusammen - dieses Medienforum hat die Dilettanten von der SATERRA sicher bitter nötig.

Disclosure: Dieser Post ist fernab von privaten Kleinkriegen, Grabenkämpfen innerhalb der HSMW oder sonstigen Unterstellungen meine persönliche und private Meinung darüber, dass sowas a) nicht geht und ich mich b) ungern für eine Berichterstattung über sowas mit so einem Vorlauf prostituieren lasse. Noch kann ich mir diesen Idealismus leisten, hier im Wohlfühlbiotop für Nachwuchsjournalisten.

Frage

Finden es die Verantwortlichen nicht wenigstens ein bisschen komisch, dass man eine Vorlesung zu haargenau dem selben Thema wie ein Semester zuvor zu haargenau dem selben sinnlosen Belegthema ein zweites mal besuchen muss? Das, und schon das an sich ist bezeichnend, wäre meine letzte kleine Hoffnung für Geist an dieser Hochschule.

Ich hatte mal was gebloggt. Damals ging das Thema ja auch recht fluchs und ausführlich durchs Blogger-Land. Nur einen Monat später erscheint dann ein Artikel dazu auf mm.de. Nun könnte man meinen, ich sei ja mit meinen 13 Tagen nach Erscheinen auch nicht gerade früh dran, aber hey: Ich will kein aktuelles Internet-Medium sein.

Mal abgesehen davon, dass der Artikel mit dieser Uni-Münster-Studie einen für jeden der sich im Inernet aktiv bewegt - und das ist ja die Zielgruppe einer Internet-Plattform, wenn ich nicht irre - einen erbärmlich inaktuellen Aufhänger hat, ist das Thema nett, aber längst durchgekaut. Auch das fände ich nicht schlimm, handelte es sich um einen Kommentar oder hätte der Artikel sonst irgendwelche Neuigkeiten, wenigstens nett formulierte Textpassagen zu bieten. “Weblogs werden zunehmend relevanter”. Wow. Erzähl mir was neues. “Etwa ein Drittel der befragten Blogger bevorzugt über das eigene Leben und persönliche Erfahrungen zu berichten, also in Form eines Tagesbuchs.” Nee, echt jetzt?

Zum gefühlt abertausendsten Mal wirft der Artikel die Frage auf, ob Blogger Journalisten verdrängen. Schnarch. Gut, zugegeben, die Studie wirft diese Frage auch auf. Aber sie erörtert sie wenigstens fundierter, als mit den mickrigen Umfragezahlen im Artikel wiedergegeben wird. Wenn also schon eine inaktuelle Studie als Aufhänger genutzt wird, dann eine längst müßige Frage aufgeworfen wird und man es dann nicht einmal fertig bringt, das PDF über die Studie so genau zu lesen, dass man die durchaus auch interessanten Ergebnisse im Artikel unterbringt, weiß ich auch nicht mehr weiter. Schon, dass in den Links unter dem Artikel nur ein auf das PDf hinweisender Artikel und nicht das PDF selbst verlinkt ist, lässt mich über die Tiefe der Recherche nichts Gutes spekulieren.

Zusammengefasst also: Ein Artikel, der durchweg an der Oberfläche kratzt - und das, obwohl über einen Monat für umfassende Recherche und eigene Gedanken Zeit gewesen wäre. Zum Schluss dann noch ein logisch nicht ganz nachvollziehabrer Lokalbezug: Erst spricht man richtig davon, dass vorallem Privatblogs die Bloggerwelt bevölkern, und führt in Beispielen aus der Mittweidosphäre ausschließlich Themenblogs bzw. “Kollektivformate” an.

Ich lese viele schlechte Artikel, damit das nicht geschieht, müsste ich meine Zeit im Internet mindestens halbieren und meine Neugier durch drei teilen. Nicht über alle lasse ich mich aus, und zur Ehrenrettung von mm.de muss ich sagen, dass ich mich seitdem hier (erneut verlinkt) an keinen guten, mit neuen Meinungen/Erkenntnissen gespickten Artikel übers Bloggen mehr erinnern kann. Warum wird also ausgerechnet dieser mm.de-Artikel Ziel meiner Schmähungen? Weil hier selbst in der Bildunterschrift inaktuelle Allgemeinplätze Platz finden und mein Kopfschütteln abrunden.

Le[e]hre

Als der Dozent den Raum betritt, ist dieser kaum zur Hälfte gefüllt. “Wer hat hier jetzt keinen Unterricht?” Etwas mehr als die Hälfte der Hälfte gibt Handzeichen. “Sie wissen ja, was Sie zu tun haben. So einen Unfug wollen wir hier nicht einführen, dass Sie auf den Tastaturen hacken und stören.” Ich gehöre zu den Störern und packe meine Sachen. Als einer der letzten verlasse ich den Raum, sehe ein klägliches Überbleibsel an Studenten sitzen und höre die Worte, mit denen der Dozent einleitet: “Letze Woche hat das ja nicht geklappt mit dem Unterricht, da waren Sie ja nicht da.” Typisch, denke ich mir.

Das Sommersemester läuft nun schon lang genug, ohne dass mir interessanter und die Grenze des Prekären nicht überschreitender Mittweida-Buchfunk-Inhalt zugetragen worden wäre. Das hat sich geändert. Juchhee.

Endlich wird sie Thema, in den Gesprächen, in den “Ich-muss-gleich-zum-Treffen”-Gehetze: die Mediennacht. Die einen wuseln schon pausenlos für die Nacht der Nächte, andere überlegen, ob sie sich vom allgemeinen Wuseln noch vor dem Wusel-Overkill abmelden und den letzten geht das Gewusel schon wieder mächtig auf den Kranz. Reingeredet wird viel, überall, kein Raum für eigene Ideen, die ganze Mediennacht die Umsetzung einer Einzelperson auf Organsiations-Egotripp. Und keiner der Wuselnden setzt sich gegen den Oberwusler zur Wehr, murrend wird weiter gewuselt. Ach ja, eine Gruppe bezüglich der Mediennacht hab ich vergessen, eine verschwindend kleine: Die Gruppe derjenigen, die sich nirgendwo eingeschrieben haben. Die mit Kaffee und Zigarette vor der Mensa sitzen und sich das Wuseln oder das Jammern der Wuselnden angucken, nicht schadenfroh, wohl aber interessiert. Einschätzen können sie kaum, was wirklich läuft im Mediennacht-Team, wohl aber alle Informationen aufsaugen, sich ihre eigenen Klischees mit Gerüchten zurechtdenken anstatt zu wissen und auf das Ergebnis gespannt sein. Ich bin gespannt. Gespannter bin ich aber auf das Medienforum, von hier höre ich nur Gutes, engagiert ist man auf der Suche nach guten Referenten. Den Organisatoren wünsche ich wirklich viel Glück dabei (auch ohne trashig-passende Grußkarte) und dass die Gewalt gegenüber denen diesmal ausbleibt. Wie sagte doch neulich jemand so schön allgemeinplätzig? “Dann können die den Laden dicht machen.”

Die 06er mögen es nicht, was über sie gechrieben wird. Weder von mir noch von ihr noch überhaupt. Interessanter als die o6er als verschmolzene und mystische Spezies ist aber derzeit auch das friendly fire, mit dem sie sich beschießen, Techniker gegen Manager,so hört man. Wenn ich etwas über CN/CK05 nicht sagen kann, dann ist es, dass wir uns derart rassistisch nicht mögen. Die Gräben ziehen sich durch den gesamten Jahrgang, hätte ich beinah gesagt, aber dazu später mehr. Bei den 06ern jedenfalls muss der Hass groß sein, die Techniker sind wohl die Ober-Nerds, die sich für um ein zehnfaches besser halten als die Manager. In einem ominösen 06-Forum muss es dementsprechend verbittertes Tastaturgehacke gegeneinaner geben. Ich kenne sowohl Techniker als auch Manager 06. Einige sind Nerds, manche mag ich nicht, andere sind mir spucke. Viele von denen, die ich jede Woche in der NOVUM sehe, mag ich inzwischen. Ich glaube, die meisten sind Manager, meine Sympathien sind also verteilt. :P Ändert nichts dran, dass ich alles, was dem gesamten Absatz zu Grunde liegt, affig finde. Mittweida kriegt halt jeden. Und auch Hahnenkämpfe brauchen Gründe. Anlässe.

Nun zu 05. Wer nur Genörgel und Abgewatsche lesen will, sollte jetzt aussteigen, zum Schluss kommt was Postives: Ich hatte immer das Gefühl, dass es im Jahrgang 05 statt Technik gegen Management Fernsehen gegen NOVUM gegen Radio gegen mm.de hieß. Wenn aufflammender Nationalsozialismus etwas positives hat, dann, dass auf einmal alle miteinander reden. Was gemacht werden kann oder muss, Informationsaustausch, Offenheit. Kreative Unterstützung statt schwelender Grabenkämpfe. Find ich gut. Und damit steh ich nicht alleine da. Auch gut.

Wenn es regnet ist Mittweida eine Qual. Wenn die Sonne scheint, deckt sie schonungslos alles auf, was hier zum Kotzen ist.

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Es folgt das reflexionslose Protokoll einer Situation meines Alltags.

Radioredaktionsraum

Icq ploppt auf. “Ich dachte, du wolltest den Beitrag schneiden, stattdessen icqst du.”

Ich: “Ich hab hier was Witziges über Birnen gefunden.”

Kopfhörer werden abgenommen: “Was??” - “Ich hab was gefunden. Soll ich’s dir mal zeigen?”

Jemand ohne Kopfhörer: “Darf ich’s auch sehen?”

Versammlung um meinen Bildschirm. Birnen werden für witzig oder wenigstens interessant befunden, Feststellung: ”Du hast wirklich nichts zu tun.”

Versammlung um meinen Tisch wird aufgelöst, Sitzplätze werden eingenommen. Fünf Minuten vergehen.

Ich: “Ich fange jetzt an zu arbeiten.” Schweigen. “Scheiße, ihr hört ja nix.”

Anderes Icq-Fenster ploppt auf: “ok” 

Lachen.

Köpfhörer werden abgenommen. “Was??”

“Ich fange jetzt an zu arbeiten.” - “Ach so.”

Kopfhörer auf. Kopfhörer wieder ab.

“Ich auch.”

Huch!

Was ist denn das? Dachte ich, als ich heute neben einer netten Greim-Redline-Einführung (”Und hier finden Sie die Formatvorlagen. Huch, das sind ja noch die alten!”) einen Blick auf den Rechner meines Nachbarn warf. Podcast? Hochschule Mittweida? Mmh, ist es mir tatäschlich gelungen, etwas zu verpassen, gärt der Käse und erzeugt Nebel unter der Glocke? In der Mittweidosphäre jedenfalls gab es keinen Hinweis drauf. Zur Sichherheit hab ich noch gegoogelt. Nichts. Guerillamarketing. Zufallsmarketing.

Über das Projekt selber… ja gut, finde ich eine nette Idee. Gibt ja keine Campuszeitung hier. Das Meiste war zwar nichts Neues für mich und ich musste schmunzeln, über die unbedarfte Euphorie, mit der der Podcaster über die Pensionierung eines Konstruktionsprofessors berichtete und mit welcher Ernsthaftigkeit er sich bei “Professuren Verfahrenstechnik/Oberflächentechnik und Werkstofftechnik” nicht versprach. An sich aber hübsch, irgendwie. Gut ist dieses Blick-über-den-Medien-Tellerrand-Feeling. Aber wer weiß davon? Bin ich wirklich die Einzige, die das verpasst hat? Bin ich hier die Dumme oder doch die Leute vom Podcast? Nicht mal er hat drüber berichtet, dabei sucht er sich doch bestimmt dafür immer durch alle FH-Foren, auch die, die man nur mit den Programmen auf den Mulab-Rechnern ansehen kann. Diese Podcaster jedenfalls sollten mal hier anfragen, ob noch Themen gebraucht werden. Oder Plakate aufhängen. Oder Marktschreier vor der Mensa in der Mittagspause engagieren. Danach können sie sich um die Gestaltung ihrer Seite kümmern. Denn das es für einen gut gemachten reinen Hochschul-Podcast eine Zielgruppe gibt, kann ich mir gut vorstellen. Hör ich doch immer die Rufe aus vielfarbigen Maschinenbauer-Kehlen mittwochs vor der Mensa nach mehr Campus-Relevantem in der NOVUM.

Folgendes Spiel: Alle malen mit wenigen geometrischen Figuren ein Bild. Danach finden sich immer 2 Partner zusammen und nun soll der eine nach den Erklärungen des anderen die Figur des jeweiligen Partners nachmalen. Dabei sitzen beide Rücken an Rücken.

Erster Versuch

Original:

Kopie:

Schon ganz gut. Dann tauschen Maler und Beschreiber die Rollen, der Schwierigkeitsgad wird erhöht. Der Maler darf nun keine Nachfragen mehr stellen und auch nicht signalisieren, ob die Geschwindigkeit des Beschreibers genehm ist.

Zweiter Versuch

Original:

Kopie:

Man beachte die unterschiedliche Interpretation von “dann ein kleines Dreieck mit der Spitze nach unten in das untere Drittel des Rechtecks malen.”

Und warum machen wir das? Damit wir nach Hardcore Vorlesung nicht einschlafen. Damit wir lernen, wie wichtig präzise Kommunikation ist. Und was ein gleichschenkliges Dreieck ist.

Draußen bläst ein frischer Wind, sogar die Vorlesungen werden abgesagt. Ich hab mich kurz gefragt, warum und ob wir denn vielleicht auf dem Weg zur FH versichert sind. Für jemanden wie mich, der sich immer irgendwie weh tut, selbst ohne Sturm, wäre das wirklich wichtig zu wissen. Jetzt, wo ich das schreibe, wird mir die Dummheit der Frage klar. Natürlich sind wir versichert. In Deutschland gibt’s für alles eine Versicherung.

Edit: Eben im Printpool, O-Ton Prof. Graßau: “Sie haben ja alle die Email gelesen, ich mach jetzt hier einen kleinen Stubendurchgang und bitte Sie, 15:30 Uhr nach Hause zu gehen. Alles andere ist dann auf eigenes Risiko, unterschätzen Sie das nicht.” Auf meine Nachfrage, ob denn das Dach einstürzen könnte: “Das weiß ich genau so wenig wie Sie. Ich bin optimistisch und hoffe einfach, dass hier heute Nacht weder das Dach noch sonstwas wegfliegt. Sonst müsste ich ganz anders handeln.” Lustig. Es geht wohl wirklich um Versicherungen.
Und, eine Person neben mir, nachdem Prof. Graßau gegangen war: “Ich hol mal meinen Laptop aus dem Stuido.” Den, den er neben den Studiokameras platziert hatte. Nobel geht Haus vier zu Grunde.

Apropos: Gestern Kaminer in der Mensa gehört. Köstlich. Mein kleines, persönliches postalkoholisches Aufmerksamkeitsdefizit erzwang zwar eine überhöhte Anstrengung beim Zuhören, aber es hat sich gelohnt. Klischees über Deutschland und Klischees über Menschen. Sogar eigene Klischees erfindet der Mann. Schön.

Ansonsten ist es hier zur Zeit sehr ruhig. Lust zu bloggen hab ich keine, Gründe dafür auch nicht. Themen hab ich dagegen viele, nur um die Worte ist es schlecht bestellt. Natürlich bin ich auch faul. Jedenfalls warte ich einfach, bis es vorbei geht.

Ich schreibe gerade an dem Beleg für Internationale Mediensysteme. Ganz stimmt das freilich nicht, denn ich blogge. Aber zumindest sollte ich mich Frau Balabans Aufgabe widmen. Die denkbar einfach ist: Darstellung des Mediensystems eines beliebigen Landes. Für sich genommen ist das kein Drama. Zusammen mit Frau Balabans Auffassung von wissenschaftlichem Arbeiten allerdings schon. Kleiner Auszug: “Jede wissenschaftliche Arbeit braucht eine Forschungsfrage. Unsere wäre also zum Beispiel: ‘Wie sieht das Mediensystem im Land X aus?’” Toll. Das Maß an geistiger Eigenleistung ist geradezu überwältigend. Da hab ich schon in der Schule spannendere Hausarbeiten geschrieben. Schlimmer ist, dass Frau Balaban aber nicht konsequent bei ihrer Linie des geringsten Gedankenvolumens bleibt. “Was ich absolut nicht will, ist Copy und Paste aus dem Internet. Auch nicht, dass Sie Passagen nur umschreiben. Ich krieg das raus!” droht sie mütterlich mit dem Zeigefinger. Klar, wir haben ja auch alle Zeit, mal eben ein halbes Jahr lang im Blätterwald und dem Kastenflimmern des Landes unserer Wahl zu verbringen. Sechs Monate, vorausgesetzt, wir beherrschen die Muttersprache bereits. Das ist meines Erachtens einer von drei Wegen, um ein konsequentes Abschreiben zu vermeiden. Ein anderer wäre die Aufstellung einer anständigen Forschungsfrage. Und den dritten, ja, den hat uns Frau Balaban leider auch verbaut: Die Betrachtung der Medienlandschaft im Land X unter anständigen Gesichtspunkten. Dazu wäre eine anständige Lehrveranstaltung nötig ganz gut gewesen. Aber abgesehen von leidlich spannendem Pseudo-Nähkästchen-Blablubb (was hat die Frau Balaban eigentlich gemacht? Außer Internationale Mediensysteme zu studieren? Ist das hier nicht eine Fachhochschule?) und sinnfreien, aufgrund von Schriftgröße 8 kaum zu erkennenden Dreiecken, die wohl irgendeine Theorie über die Grundtypen der Mediensysteme dieser Welt darstellen sollten, kam nicht viel. Den Rest der Zeit haben die, die dann noch zu den Vorlesungen kamen wir damit rumgebracht, Kommilitonen beim Referieren über die Mediensysteme in anderen Ländern zuzuhören. Die Powerpoint-Folien waren schön.

Nun habe ich also die Wahl: Mich selber in das Thema Internationale Mediensysteme einarbeiten und eine anständige, nicht geklaute Belegarbeit schreiben. Oder Copy-and-Paste-Deluxe alá Denise. Ich denke darüber nach, wenn mein Anfall pseudointellektueller Gewissenhaftigkeit vorüber ist.

Es gibt so Worte, die lassen in unseren Köpfen ganze Klischeedürfer entstehen. “Hollywood” oder “BILD-Zeitung” sind so Worte. “AMAK” auch. Heute ging’s uns mit “Bundeswehrradio” so. Wir griffen ziemlich tief in die Schublade mit der Aufschrift “Militär”. Ein bisschen was kam auch aus der mit “Drill Instructor” oder “Jarhead-Erinnerungen”. Wir malten also in grün-braunen Tarnfarben Bilder von Soldaten, die im Studio vor der Moderation die Hacken klangvoll zusammenschlagen, in Boot-Camp-Sing-Sang “Eeeesss issstt jeeeetztttt 13.52 Uhr [gesprochen Dreizehnhundertzweiundfünfzig]!!!!!!!!!!!!!!” ins Mikrofon schreien und Hörern, die bei jeder Moderation salutierend vor einem anachronistischem Lautpsprecher stehen, der aufgrund der Lautstärke in Comic-Filmchen-Manier vibriert. Ich fügte in Gedanken noch einen muskulösen, uniformierten Oberfeldwebel mit melancholischem Blick als Referenten hinzu.

Zuerst schien alles nach Plan zu laufen. Der Herr Major (ich hab mich schon beim Ausfüllen des ADM-Zettels nach seinem Namen gefragt) redete ziemlich monoton, verzichte zwar auf übertriebene Lautstärke, hatte aber hässliche Folien mit kalten Fakten. Es fielen so Wendungen wie “wir müssen unsere Koopoerationspartner idendifizieren” und “wir brauchen kommunikative Geister”. Allerdings hielt er die militärische Contenence nicht lange. Er weichte auf im zivilen Suud von Studio B, wo sich Wehrdienstverweigerer und andere Weichfluffies beim bloßen Auf-dem-Boden-sitzen schnell mal eine Nierenbeckenentzündung holen. Dachten wir bei “und solchem Blabla” noch, er habe sich nur kurzzeitig gerührt, war uns spätestens bei “wir werden uns da keine Plätzchen reinpfeifen” klar: Das ist hier alles gar nicht so! Die Ausschnitte aus Radio Andernach klangen auch mehr nach Hitradio RTL als nach Wochenschau-O-Tönen. Wie enttäuschend!

Und der Major hatte auch eine hässliche Garde-Uniform an und war noch nicht mal schmutzig vom Im-Schlamm-wälzen.

Bei mir war der Ton gut, das Licht einfach nur hell und die Farben echt. Zählt aber nicht viel, denn für mich hab ich nicht gebuzzert.

Ich hab ja schon mehrfach erwähnt, dass ich die Idee wirklich gut finde. Lokalbezug auf Samstagabend-Unterhaltungs-Hochglanz poliert. Der soziale Gedanke ist gut rübergekommen. Zumindest für die Leute in den ersten beiden Stuhlreihen vor der Bühne und vielleicht noch für die von der stehenden Live-Front. Die sind auch richtig mitgegangen, haben im und manchmal außerm Takt geklatscht, an den richtigen Stellen gelacht und haben ihre Langeweile auch bei der sechsten Wiederhohlung von B-B-B-B-B-B (die Reihenfolge der Professoren spar ich mir, selbst wenn ich mich daran erinnern könnte) gut verborgen. Für die Leute in den Nebenräumen, denen ja neben dem Feeling auch der gute Ton fehlte, muss allerdings manches echt ermüdend gewesen sein. Obwohl die sich ja wenigstens im Lippenlesen üben konnten.

Alles in allem verdammt schade. Da proben eine ganze Menge Leute wochenlang unter Schlafmangel für “die Show” und dann geht Elementares elementar schief. Das ist wie, wenn ich ein Fußballspiel sehen will und bei Bayern München lande.

Mir für meinen Teil hat’s wirklich Spaß gemacht. Den anderen auf der Bühne ging es sicher ähnlich. Schade, dass wir das nicht transportieren konnten und unsere glorreichen Kommentare und Ständchen zum großen Teil ungehört blieben. Aber wenigstens hat der FB Medien nicht gewonnen.

Wo könnte eine solche, sicher lieb gemeinte Widmung stehen? Auf den ersten Seiten eines Dan Brown-Romans? In einem Sachbuch zum Thema Eheberatung? Zu Beginn einer Autobiografie, die im weiteren Verlauf Drogen- und Alkoholexzesse kombiniert mit dauernder Untreue offenbart? Nein, viel besser:

Wenn ein langweiliges hilfreiches Statsitik-Lehrbuch als Plattform dienen muss, um eheliche Zuneigungen zum Ausdruck zu bringen, fällt ein Rückschluss auf den Ehealltag nicht schwer.

“Schatz, reichst du mir bitte das Salz?” - “Der Salzstreuer bildet genau den Median zwischen uns beiden, du kannst dich genausogut hinbeugen.”

“Die Fenster sollten mal wieder geputzt werden” - “Ich hab hier eine grafische Datenauswertung der letzten Monate in Form eines Histogramms, die eindeutig darstellt, dass du nur in 23 % aller Fälle die Fenster geputzt hast!”

“Was wollen wir heute zum Mittag essen? 1- Spinat, Kartoffeln und Rührei; 1a-Spinat, Kartoffeln Speigelei; 2-Schweinemedallions ins Pfeffersauce, Reis oder 3- Sauerbraten, Klöse und Rotkraut? Keine Mehrfachantworten möglich!”

Ich wette, bei ihr ist das so.


Die Mittweidaer Mensa ist ein delikater Kommunikationsort. Da diskutiert man über die Schlürftechniken in Walt-Disney-Filmen oder missbraucht wehrlose Mensa-Löffel für Uri-Geller-Versuche. Legt man die Servietten nach dem Essen eigentlich säuberlich gefaltet unter das Besteck oder werden sie einfach unter den Tellerrand gestopft? Eine Sein-oder-Nichtsein-Frage.

Das Mensa-Personal wirkte dieser idyllischen Atmosphäre bisher immer mit konsequenter Unfreundlichkeit entgegen. Heute allerdings trug sich folgende putzige Geschichte zu: Als ich meinem Körper nach einem fettigen Schnitzel mit fettigen Pommes und fettiger Mayonnaise noch nicht genug geschädigt fand, lief ich unentschlossen, doch nach Zucker lechzend, zu den Desserts. Die nette Dame in blau-weiß schien meinen ratlosen Blick prompt zu bemerken: “Suchen Se was beschtimmtes?” - “Naja…” - “Nehm Se den Schoggo-Pudding. Da machn Se nüscht vorgehrt, der is immr gud!” So nett auf die Vorzüge der Mensa-Speisen hingewiesen, griff ich unverzüglich nach diesem Angebot an geborgter Entscheidungskraft. Und dem Pudding. Er war wirklich gut.

So kann’s bleiben. Da gehen uns auch nie die existentiellen Sinnlos-Tischgespräche aus.


Frau Dr. Silke hat uns heute wieder mit einer dieser Doppelvorlesungen Statisktik beglückt. Spannend. Informativ. Viel zu kurz. Alles was so einfach sein könnte, diktiert sie uns gebetsmühlenartig in solch komplizierten Sätzen, das wir alle gezwungen sind, intentsivst über Häufigkeiten, Streuungsmaßzahlen und Kategorien nachzudenken. Das erhöht den Lerneffekt. Und: Ich habe ein so unbändiges Vertrauen in die Richtigkeit der Dinge, die sie uns da beibringt. Es ist gut zu wissen, dass man die Summe einer Summe bilden kann und der Student mit seiner Wortmeldung dagegen natürlich trotzdem recht hat. Das kommt meinem Harmoniebedürfnis sehr gelegen. Das Beste, das wirklich Allerbeste an Frau Dr. Silke allerdings ist ihre Liebe zu dem was sie tut. Selbst ein undankbares, unbestimmbares, langweiliges phi wird mit einem Herzchen geehrt. Das rührt mich beinahe zu Tränen.

Ich mag “Die Zeit”. Vielleicht ein bisschen konservativ, aber hier kriege ich alle Ereignisse der Woche, auch die, die ich aufgrund des MW-Zirkus’ verpasst hab, erklärt. Jetzt haben die Jungs um di Lorenzo zusammen mit CHE ihr Hochschulranking rausgebracht. Immer sehr interessant zu lesen. Was da aber über die FH Mittweida steht, erschüttert mein Vertrauen in die Komptenzen des Blattes doch arg. Bei Praxisbezug im Medienbereich gibt’s eine 2,4 und wir landen in der “Schlussgruppe”? Ich weiß ja nicht, wen die gefragt haben, aber ich fühle mich praktisch ganz gut ausgelastet. edit: die meinen die Betreuung durch die FH während des Praxissemesters. Na, dazu kann ich nüscht sagen, noch. Das hätte man aber auch deutlicher kennzeichnen können… Dafür dann Einskomma-Noten bei der Ausstattung der Räume und Arbeitsplätze. Nur gut, dass die Boxen in den Hörsälen nie rauschen und die PCs z.B. im Printpool immer einwandfrei funktionieren… Insgesamt 2,4 für die Studienbedingungem im Fachbereich… Mehr bekommt “Die Zeit” auch von mir nicht fürs Ranking!