Sport

You are currently browsing the archive for the Sport category.

Bestandsaufnahme

So kurz vor Ende der Gruppenphase, wird’s Zeit, den großen Fußball-Analysten zu geben. Raushängen zu lassen. Hab ich nun schon genug getan, mit geringen Publikum vorm Fernseher. (Fast) Keine Prognosen, nur Tendenzen.

Gruppe A

Portugal enttäuscht mich. Hört sich komisch an, wo sie doch Gruppensieger sind. Aber was Ronaldo durch den Einfluss des englischen Fußballs gelungen ist, kann er bei der EM kaum zeigen, weil es seiner Mannschaft nicht gelungen ist: Die erquickende Verbindung von Genilität, Charakter und Pragmatismus. Die Portugiesen spielen schön wie immer und vergessen dabei wie immer, dass der Ball nicht zwingend lange an den Fuß, sondern ins Tor gehört. Und sie werden rumheulen und foulen, wenn sie gegen Deutschland eben doch mal den Ball verlieren.

Tschechien ist raus. Nicht zwingend aus der EM, aber aus dem Fußball-Geschäft. Den Ball nach vorn zu schlagen und auf Kollers haarlose Stirn zu hoffen, ist kein modernes Spiel. Es ist ein unsympathisches Spiel. Und die Tschechen machen nicht den Eindruck, als könnten sie es besser. Nicht jetzt und nicht in den nächsten fünf Jahren.

Die Türkei gehört eigentlich nicht nach Europa, aber das ist nicht das Thema. Der Fußball der Türken ist streckenweise nett und wenn die Klasse nicht mehr reicht, dann kämpfen sie wenigstens. Spielen ein bisschen so, wie Deutschland einst und hätten gegen die einfallslosen Tschechen sogar ein Weiterkommen verdient.

Die Schweizer müssen sich nicht grämen. Sie sind noch nicht wirklich reif, um in einem Turnier zu bestehen und verdient ausgeschieden. Aber junges Potential (was sich zwangsläufig ergibt aus einer so hervorragenden Jugend- und Integrationsarbeit. Letzteres ist ja eigentlich untypisch für die Schweiz, aber das ist schon wieder nicht das Thema) und eine nette Spielanlage sind unverkennbar. In zwei Jahren kann man mit ihnen rechnen.

Gruppe B

Die Kroaten werden es in jeder erdenklichen Konstellation schwer haben im Viertelfinale. Slaven Bilic ist mir zwar trotz seiner Zuhälter-Aura sympathisch, aber sein Team gibt nicht so viel her, wie immer behauptet wird. Bisher hat es sich zwar klug angestellt - es wurde ihm aber auch immer leicht gemacht. Die Spieler haben nicht wirklich was gezeigt. Zeigen müssen könnte man anfügen, aber das lasse ich nicht gelten. Wer sich zeigen kann, muss es tun. Sonst hat er nichts zu zeigen.

Deutschland wird zwar natürlich schlecht geschrieben nach dem Deppen-Spiel gegen Kroatien. Was aber freilich kein Symptom war für das Können der Mannschaft - das einzuschätzen ist nun wirklich kein Kunststück, aber eben auch nicht polemisch genug. Echte Sorgen mache ich mir um Lehmann. Der ist offensichtlich unsicher. Alle anderen fangen sich wieder und spielen so, wie Jogi es will. Und der will Fußball, wie ich ihn mag.

Österreich strengt sich an. Herauskommt Fußball, der in etwa so sympathisch ist, wie der eines sich mit Herzblut gegen den Abstieg stemmenden Bundesligavereins. Aber auch in etwa so zum Haare raufen.

Polen ist, entgegen dem Text ihrer Nationalhmyne, leider verloren. Beenhakker ist mir sympathisch und macht einen guten Job - genau wie seine Mannschaft. Aber zum ganz großen Fußball gehört halt auch Talent.

Gruppe C

Genial und effektiv, Individualität und Mannschaftssinn: Die Niederlande präsentieren den perfekten Fußball. Das kann nur eine logische Konsequenz haben.

Die Schwäche der anderen ist Rumäniens Stärke.  Aber wer hat schon erwartet, dass Mannschaften (ein noch zu nennender Teilnehmer ausgenommen) bei der EM nicht auch Fußball spielen können, außer vielleicht Italien und Frankreich?

Die Zeiten, in denen schöner Fußball aus Frankreich kam, sind schon lange vorbei. Bisher waren Henry und Co. aber wenigstens noch effektiv. Und kampfstark. Nun sind sie nur noch Ribéry. Dass das nicht reicht, überrascht vermutlich nur Raymond Domenech. Aber der wechselt ja auch Anelka zu Gomis und Henry ein und lässt besagten Ribéry 90 Minuten lang über rechts spielen. Wer das tut, stellt auch sein Auto direkt vor dem Elysée-Palast ins Halteverbot.

Italien ist ein einziges Minenspiel. Und das ist unterhaltsamer, als mit ansehen zu müssen, wie Italien immer noch schlechten Fußball spielt. Mit Hang zum tschechischen, mit dem Unterschied, das hier nicht nach Kollers sondern nach Tonis Kopf gesucht wird. Immer wieder. Und wieder. Bis dann mal irgendwie ein Eckball unglücklich auf Panuccis Fuß fällt und der es nicht schafft, selbigen wie seine Kollegen vom Tor wegzudrehen. Die Italiener spielen vielleicht noch einen etwas besseres Fußball als Tschechien. Aber nur, weil sie mehr gute Fußballer haben. Abgesehen davon sind sie mit diesem unmodernen Spiel genauso raus.

Gruppe D

Ich hatte nicht mit so gutem Fußball der Spanier gerechnet. Warum? Sie hatten immer gute Leute und selten was gerissen. Diesmal aber kann es sich Trainer Argonés sogar leisten, die völlig gesunden Fabregas und Xabi Alonso für nur lächerliche 15-20 Minuten einzuwechseln. Das sollte Gegner aufhorchen lassen. Auf David Villa (wie konnte Valencia nur mit diesem Mann fast absteigen??) als Torschützenkönig der EM hat aber vorher wahrscheinlich auch niemand getippt. Es sei denn, man wusste, dass Aragonés Torres nicht als Mittelstürmer sondern als Vorlagengeber bringen würde.

Schwedens goldene Zeiten sind vorbei. Zwar tragen noch die meisten der Spieler des Landes diese Farbe auf dem Schopf, aber die, die das des Glanzes wegen nicht tun und an früheren Erfolgen maßgeblich beteiligt waren, gehen mindestens straff auf die dreißig zu und haben ihren Zenit schon lange überschritten: Henrik Larsson, Marcus Allbäck, Freddie Ljungberg. Gut, das wenigstens Zlatan Ibrahimovic wieder trifft. Das rettet in’s Viertelfinale.

Russland hat die jüngste Mannschaft des Turniers, spielt anständig Fußball, wackelt in der Abwehr und kann in der Zukunft was reißen. Diesmal noch nicht.

Ich wundere mich, dass Griechenland zum Turnier zugelassen wurde. Denn die Sportart, die die Iakosse dort auf den Rasen zementieren, mag vieles sein, aber nicht Fußball. Ich habe schon vor Anpfiff der EM gehofft, dass uns das nur drei Spiele lang angetan wird. Und meine Gebete wurden erhört.

Es ist keine große Kunst, auf Portugal als Europameister 2008 zu setzen. Seit Jahren schon spielen die Portugiesen auf hohem Niveau, gelten als eine der besten Mannschaften Eurpoas, wenn nicht gar der Welt. Paradox, aber trotzdem sind sie irgendwie immer wieder ein sogenannter Geheimtipp. Weil sie nie was gewinnen. Noch nicht mal mit Rui Costa, Figo, Xavier und wie sie alle hießen aus der sogenannten “Goldenen Generation”. Aktuell mit Carvalho, Paulo Ferreira und Meira, mit Quaresma, Petit, Deco und bestimmt auch mit Nani und mit dem an Genie und Arroganz sowieso jedem Fußballer überlegenden Cristiano Ronaldo beschwören manche Experten die “Postgoldene Generation” herauf. “Wir haben keine Schwächen”, sagt Hugo Almeida sehr richtig in einem sehr richtigen Text. Ein Grund mehr, nicht auf Portugal zu setzen. Ich tu’s trotzdem. Schon allein, weil’s ja halt meine Kragenweite ist. Damit also noch weit vor Anpfiff des ersten Spiels setze ich völlig unkreativ und mainstreamig auf Portugal. Und halt schon mal die Taschentücher bereit.

Richtigstellung.

Am Ende steht das Ergebnis, wie es zu Stande kam, interessiert dann keinen mehr.

Ich möchte hier und heute und vor aller Welt festhalten: Das stimmt nicht. Fußball ist kein Ergebnis-Sport.  Für den Fan bleiben jede Spielphase und die darin versteckten Oase der großen und wichtigen Spiele im Gedächtnis. In allen Einzelheiten. Wie war das damals, als Stuttgart ManU schlug, 2:1, in seinem ersten Champions-League-Heimspiel? Ronaldo und van Nistelrooy entzaubert durch Hleb und Kuranyi (heute bekannt als “Der Verräter” oder einfach “Tevin Turanyi”). Von einer “Weltklasse-Leistung” sprach man, die “jungen Wilden” damals auch Tabellenführer in der Liga. Da entlud sich die ganze heimliche Verehrung des bescheidenen Mittelklasse-Fußball-Fans in einem Feuerwerk des ehrlichsten Stolzes überhaupt. Wie war das damals in der gleichen Saison, als man gegen Chelsea ausschied, wegen einem vermaledeiten Eigentor? Das war echte Trauer, weil sie liebevoll war. Wie war das damals, als mit Sammer und dann Trappatoni der Abstieg (nicht wirklich versteht sich) kam? Als drei Punkte einfach mal nichts wert waren, weil jeder ganz genau wusste: Da hatten sie nur Glück, das war kein Schritt voran. Das ist ein Gefühl,  mal Unbehagen, mal große Hoffnung, das können die Erbsenzähler von Sport-Reportern gar nicht nachvollziehen. Oder wollen es nicht, im Schlagzeilen-Drogen-Rausch. Wie war das damals, wenn man ganz genau spürt: Das ist der richtige Weg. Egal ob man auf Tabellenplatz 18 oder Tabellplatz -1 anfängt - das wird noch was in dieser Saison. Man weiß es einfach, trotz allem Fluchens, Zauderns und Zeterns. Und wie ist es jetzt: Ausgeschieden aus der Champions League, sang- und klanglos mit drei Punkten. Gegen Barca ein 1:3. Dann erzähl ich in zwei drei Jahren von dem geilen Freistoß, den da Silva da in einer der ersten Minuten unter die Latte zirkelte. Dann ist das Ergebnis völlig egal, und es zählt nur noch, wie es zu Stande kam.

Aber was machen Trainer und Manager vor entscheidenden Spielen, etwa im Europacup, wo es um Millionen geht – wenn man glaubt, dass die anderen nicht nur Vitaminpillen schlucken?

Bei den Bayern geriet auch Dettmar Cramer ins Visier, der den Verein in den Siebzigerjahren trainierte. Sepp Maier behauptete in einem Buch, dass »der Cramer kleine weiße Tabletten verteilt hat, mir aber keine geben wollte, weil ich sie nicht brauchte. Ich sei schon aufgedreht genug. Auf meine Frage, was das für Tabletten seien, antwortete er augenzwinkernd: ›Salztabletten. Die sollen bloß meinen, es wäre Doping.‹ Ein bisschen habe ich mich gewundert, warum ich dann keine bekommen habe.«

Der Radprofi Jesús Manzano bezeugt, er habe Real-Stars bei Fuentes ein- und ausgehen sehen. Der Hexer gibt zwar kein Doping zu. Aber warum sonst sollte sich die Creme der iberischen Fußballklubs, neben Real angeblich der FC Barcelona, Betis Sevilla und Valencia, um einen Gynäkologen reißen? Auf Druck von Spielerfrauen?

»Es gibt Sportarten, gegen die kommt man nicht an, weil sie eine enorme Justizmaschine aufbauen können. Die kann sogar jene um den Job bringen, die den Sport regieren.«

»Auf der Versammlung ist über Trainingskontrollen konkret nicht gesprochen worden, und eine Beschlussfassung zwischen DFB und DFL ist mir nicht bekannt.«

Lesen! Bevor in zwei/drei Jahren die nächsten großen Enthüllungen Visionen kauputt machen.

Diesmal lustig

Und wieder und wieder und wieder

[K]eine Hommage

Ein kleiner Schmerz schoss mir heute morgen vom Bauch bis ins Herz, als ich las: “Nach dem Dopingfall Winokurow wird die Tour zur Farce”. Winokurow? Fremdblutdoping? Mit dem Ergebnis, ein Zeitfahren zu gewinnen? Ja, ich weiß, wissen hätte ich es müssen. Klagte ich doch erst vor kurzem all die an, die mit sorgloser Blauäugikeit über die Tour berichten und überrascht sind, wenn wieder jemand gedopt ist. Irgendwie bauen ich und der Radsport aber immer noch auf unseren Nichtangriffspakt, auf das stille Abkommen, beide zu wissen, was Sache ist, aber nicht darüber zu reden. Ein bisschen Selbsttäuschung, ein bisschen wie beim Rauchen in der Mittagspause: Alle entspannen, keiner denkt an Lungenkrebs.

Read the rest of this entry »

Ich bin aufgeregt. Wirklich. Glaubt mir eh keiner, is aber egal. Jedenfalls habe ich gerade sehr viel Zeit aufgebracht, mich durch alle Seiten zum Thema im Internet zu lesen, hab sogar journalistische Grausamkeiten opportunistisch ignoriert, einfach des Themas wegen und weil ich nicht genug kriegen kann von all den Lobpreisungen und den “Wer hätte das gedacht!”-Rufen. Den zweifellos besten, gnadenlosesten, ehrlichsten, treffendsten, witzigsten sprachlich versiertesten Text hab ich mir aufgrund von externer Empfehlung für den Schluss aufgehoben. Die Verlinkung interessiert keinen, is aber egal. Nochmal, nur damit alle über meinen Gefühshaushalt Bescheid wissen: Ich bin nicht sicher ob ich schlafen werde können. Wirklich. Glaubt mir keiner, is aber egal. Vielleicht muss ich auch weinen. Egal wie’s ausgeht.

Verdammt lang her…

:)

Auch wenn die Weltmeisterschaft jetzt vorbei ist: Fußball ist immer noch wichtig!

Übrigens eine nette Kombo, die häufiger mal zusammen vors Mikro treten sollte.

Aus!

Ich hatte ganz vergessen, dass Fußballspiele auch verloren gehen können.

Ein wirklich sehr heißes und hartes Spiel, das wir da gesehen haben. Vier Platzverweise im Spiel Portugal gegen Niederlande. WM-Rekord. Da fliegt in einer, zugegebener Maßen einschläfernden ersten Halbzeit Costinha vom Platz und Tom Bartels lässt sich in seiner lethargischen Analyse der Härte des Spiels nicht aus der unerträglichen Ruhe bingen: “Und da bekommt er Gelb-Rot. Wir mussten in diesem Spiel nicht lange darauf warten, bis der erste Mann eine zweite Gelbe kassiert und damit vom Platz geschickt wird.” Kein aufbrausendes “Und das ist der Platzverweis für Costinha, völlig zu Recht!” Kein mitfühlendes “Ganz bitter, die Portugiesen eine ganze Halbzeit in Unterzahl gegen immer stärker werdende Niederländer!” Kein blumiges “Und da muss der Schiedsrichter zum gelben Karton in seiner in dieser ersten Halbzeit viel bemühten Brusttasche greifen.” Als würde er auf Bayern alpha in einer Vormittagssendung vor drei Hausfrauen ein Kochrezept verlesen. Ein so hoher Schlaftabletten-Faktor qualifiziert ja noch nicht mal für den Skispringen-Kommentar, bei dem Bartels wohl besser geblieben wäre…

Über die mehr als überschaubare Kompetenz der RTL-Kommentatoren ist viel geschrieben worden in den vergangen WM-Tagen. Daran, dass immer nur das erklärt wird, was jeder Zuschauer mit seinen eigenen Augen auf dem Fernsehbildschirm sehen kann, hab ich mich ja längst gewöhnt. Das ist auch bei den öffentlich-rechtlichen Beckmanns und Rethys keinen Strich besser. Aber das Fußball mit fehlender Emotionalität auf das Niveau von “Backen mit ohne Liebe” degradiert wird, ist unverzeilich.

Und jetzt, wo die Portugiesen ausgelassen jubeln, sind die ersten Sätze: “Portugal steht im Viertelfinale gegen England. Die Niederlande waren hier über 90 Minuten das bessere Team, die Portugiesen haben tapfer verteidigt.” Toll. “Es war ein Spiel, das von der Dramatik lebte.” Nur der Kommentator war offensichtlich längst tot.

Edit: Hab ich mich verhört oder hat Ulrike von der Groeben diesem begeisternden Fußball-Abend auf RTL eben die Krone aufgesetzt? “Zurück zu Günther Jauch und Toni Völler.” …

Jenseits von Ballacks Wade werde ich in den nächsten vier Wochen nur rudimentäres Interesse für Dinge aufbringen können, die nicht rund sind und nicht ins Eckige müssen. Großbildleinwände, Biergartengarnituren und Bratwürste werden mich vergessen machen, dass ich keine persönlich ausgestellten, nicht übertragbaren, sauteuren Karten habe. Ob die schwarz-rot-goldenen Tränen dann am Ende aus Freude oder aus Trauer kullern, spielt fast keine Rolle. Denn wie immer im Leben Fußball geht’s um was anderes, als den nackten Sieg.

P.S.: Wer Weltmeister wird? Deutschland wurde im eigenen Land bisher immer Weltmeister…