… wenn einem beim schnaufenden Versuch, sein Rad am Geländer einer Bücke anzuschließen, der Schlüsselbund (an dem natürlich ausnahmslos ALLE lebensrelevanten Schlüssel befestigt sind) durch die Finger gleitet, gefährlich zwischen zwei Holzplanken hängenbleibt, jedoch beim tapsigen Versuch, ihn rauszufischen, quälend langsam aber doch unafhaltsam ganz durchrutscht, unter der Brücke im schmalen, aber schnell fließenden Fluss ausgerechnet auf einem glitschigen, moosbewachsenen Stein hängen bleibt und man es dann noch schafft, ihn trockenen Fußes wiederzubeschaffen, obwohl dieses Unterfangen weitaus schwieriger ist, als das erst kürzlich famos gescheiterte, den Schlüssel zwischen den Holzplanken ohne ein Durchschrutschen herauszuangeln?
You are currently browsing the archive for the Alltagskunst category.
… die der Begrenztheit meiner geistigen Lesitungsfähigkeit und der völligen CPU-Auslastung im Hirn geschuldet ist, hier ein paar Sachen zum Stichwort “Mittweida” (jaaa, hatten wir lange nicht):
Ein Video. (Kannte ich nicht, fand ich sehr gut gemacht. Und amüsant. Nein, kein Wehmut)
Noch ein Video. (Witzig!)
Ein Link. (unkommentiert)
PS.: 65 Seiten. So dick ist meine Bachelor-Arbeit. 65 fertige Seiten. Brain-Death? (Nein, immer noch kein Wehmut, aber saufen wär’ nicht schlecht, Kinder. Ich mach nur noch so Erwachsenen-Kram. Ich weiß natürlich, dass das kommen musste, das gehört doch dazu, Mensch! und überhaupt - es ist schon in Ordnung: ich hatte es mir aber schöner ausgemalt.)
Der ist heute schon sehr früh gefallen, in einem Leserbrief, abgedruckt in der Sächsischen Zeitung.
“Eine Stadt am Fluss hat Brücken, die sind dort ganz normal.”
Hat mich sehr erheitert, in seiner Schlichtheit.
Ich habe Angst davor, in zehn bis 20 Jahren ein sehr hässlicher Mensch zu sein. Mit glasiger Haut, Augenhöhlen so groß wie Tennisbällen und brüchigen Fingernägeln. Ich befürchte nicht, aus Gründen der Überarbeitung und Abmattung so auszusehen, denn erstens werde ich irgendwann meine Bachelor-Arbeit geschrieben und einfach nur noch einen Job haben und zweitens mag ich es, beschäftigt zu sein. Ich langweile mich schnell. Was mir Sorgen macht, ist meine Unfähigkeit zur Regeneration. Ich habe wieder angefangen, meine Kiefer nachts aufeinander zu pressen, als müsste ich meinen Zahnabdruck in Stahlplatten stanzen. Morgens (So etwa zwei Stunden bevor ich aufstehen müsste. Also mitten in der Nacht.) wache ich dann mit Schmerzen zwischen Ohrläppchen und Kinn auf und denke nach. Ich denke an nichts bestimmtes – Himmel, was wäre es für ein Segen zu denken: „Du musst noch Fakten zur Kriminalität Sachsens im Ländevergleich recherchieren“ oder „Unter Punkt 2.1.3 musst du noch die Gedanken über die Kinder von Opaschowskis Medienrevolution einfügen“. Stattdessen fahre ich in einer kafkaesken Gedankenendlosschleife meinen PC hoch, blättere in Büchern oder telefoniere. Wie in Trance bin ich weder fähig, die Gedanken mit Leben zu füllen noch zu schlafen. Irgendwann schaffe ich es dann doch, um mich zehn Minuten später vom Weckerklingeln vor den Spiegel zwingen zu lassen – ein Bild, bei dem jedem meine Angst klar werden würde.
Nun frage ich euch, ihr Gelassenen, euch, denen die ganze Zeit die Sonne aus dem Arsch zu scheinen scheint, denen scheinbar regelmäßig Strohballen durch einen wohltuenden und von mir herbeigesehnten Leerraum zwischen Ohr und Ohr fliegen: Wie macht ihr das? Nicht, dass ich nicht auch gelassen wäre – schlagen um mich Raketen ein, rutscht einer meiner Schreibtischstuhlrollen in einen der Krater, hol ich noch nicht mal den Verbandskasten. Ist der Angriff aber längst vorbei, hallt das Pfeifen der Raketen lauter in meinen Ohren nach, als es im Original tatsächlich war. Wenn mich jemand fragt, wies mit der Arbeit läuft sage ich: „Super, ich habe viel geschafft.“ oder „Ich komme gut voran“. Nicht allein deswegen, weil es stimmt, sondern auch weil ich mir irgendwie Gelassenheit zusammenklauben muss, die ich eigentlich nicht habe. Nicht morgens um fünf. Also, wie macht ihr das?

Es gibt nichts Besseres zur Zeit.
Eben erschrak ich, wie überassoziiert ich bereits bin:
Sachsen ist Schrittmacher der Solarenergie.
textete ich und dachte: ‘Eigentlich ein Stino-Satz, aber die Alliteration ist hübsch.’ Um es mir dann blitzschnell durch den Kopf schießen zu lassen: ‘SSS? Kann man das machen? In Sachsen? In Deutschland?’ Ich beruhigte mich schnell wieder und lächelte: ‘Klar, kann man.’ Und dachte: ‘Wie blöd, manchmal könntest du dich selbst an die Wand stellen, für solche geradezu pawlowschen Gedankenreflexe. An die Wand stellen? Kann man das machen, in dem Zusammenhang?’
Fünf Minuten habe ich gestern gebraucht, um mir eine Zugverbidnung rauszusuchen. Fünf Minuten, für eine mit Zugbindung und Dauer-Spezial-Preis. Im Internet bestellen - das mag die Deutsche Bahn gar nicht, schiebt den Riegel Kreditkarte vor, also ausgedruckt das Ding und ab zum Schalter. Dort drückte eine grummelige Mittvierzigerin gefühlte 15 Minuten auf ihrer Tastatur herum, murmelte irgendwas in ihren Bart, ich verstand nur Versatzstücke: “…komisch…ach hier…nee….Rückfahrt?…will ja nur die Hinfahrt….was ist denn jetzt?… ah!” Dann gab sie mir meinen Ausdruck ohne Ausdruck im Gesicht zurück und meinte: “Wenn Sie das am Schalter kaufen, kostet es 64 Euro statt der 59. Draußen am Automaten oder im Internet sind’s 59.” Ich bedankte mich süffisant und holte mir mein Ticket am Automaten.
“Wo kommst du her? Was machst du so?” Ich schloss kurz die Augen und ärgerte mich. Gerade war ich den Mann mit der viel zu hohen Stimme, der mal wieder im Auftrag der Bahn die Reisenden befragt, losgeworden, hatte ihn weggeschickt, gesagt, ich sei jetzt nicht in der Stimmung für Sowas. Und nun kniete er da auf den Sitzen vor mir, lehnte die Arme über die Kopfstützen, wie ein hyperaktives Kind und sah mich an, seine Augen nur halboffen. Ich sagte ihm kurz, was er wissen wollte und klappte mein Buch wieder auf, ein klares Zeichen, dachte ich. “Ich mache ab kommender Woche eine Langzeittherapie.”
Ich sah ihn an. Nervös fuhr er mit seinen Fingern unter den Augen und der Nase entlang. Sein Gesicht war rot an diesen Stellen. Auf seinem braunen Kapuzenpulli stand “Ruhrpott”, aber ich hörte an seinem Dialekt, dass er den nicht aus Patriotismus trug. “Die letzte hab ich vier Wochen durchgehalten. Aber die jetzt, die ist gut. Ich darf von Anfang Besuch bekommen und telefonieren. Mein Radio darf ich auch mitnehmen.” ‘Er meint die Langzeittherapie’, nahm ich den Faden für mich wieder auf, während er plötzlich in seinen Sitz zurück rutschte, sich hinlegte, um sofort danach einen anderen Platz in seinem Vierer-Sitz-Karree zu wählen. “Was therapierst du denn?”, fragte ich. “Drogen”, antwortete er.
Das Wort ging in einer der Haltestellen-Ansagen auf dieser Strecke durch Felder und vergessene Ortschaften unter, aber ich hatte es verstanden, mehr aus einer Ahnung heraus, als aus tatsächlichem akustischem Verstehen. “Ich war auch schon mal im Knast”, erzählte er weiter und eine Sitzreihe weiter vorn drehte sich eine ältere Dame um und sah mich, die ich mich längst zu ihm gesetzt hatte, flüchtig an. “Drei Monate”, fügte er hinzu und wirkte auf eine perfide Weise stolz. “Aber ich hatte Glück. Die JVA in Leipzig war gerade fertig saniert, drei Wochen früher und ich wäre noch in die alte gekommen. Ich war 17.” “Wie alt bist du jetzt?” , fragte ich. “23. Du auch, oder?” “21″ “Stand schon mal was von dir in der Zeitung?” “Ja.” “Was denn?” “Etwas zur Eröffnung des Feuerwehrgerätehauses, über den Bürgermeister. Sowas.”, antworte ich und wunderte mich darüber, wie wenig selbstironisch ich es meinte. “Aber du rennst nicht so mit dem Fotoapparat hinter Promis her, oder?” Ich musste lächeln. “Nein.” “Über mich stand auch mal was in der Zeitung: ‘Mit 17 knackten die Hanschellen’ in der OAZ und ‘Timo M. klaute Oma Handtasche und warf sie um’ in der Bild. Aber”, er raunte das Wort fast und beugte sich vor, “ich hab den Raub nicht begangen. Der Koschke war’s. Ich war nur dabei. Ein Jahr und drei Monate Bewährung.” “Soviel steht auf Raub?”, fragte ich. “Ja, drei bis fünf Jahre. Ich musste eigentlich gar nicht ins Gefängnis, ich kam in so eine WG. Aber da flog ich bald raus, wegen Drogen.” Er widmete sich wieder den roten Stellen in seinem Gesicht.
“Wie lange geht deine Therapie?” “Ein halbes Jahr ist mir bewilligt worden. Ich seh schwarz. Nach drei Tagen bekomme ich immer Bluthochdruck.” Er stand plötzlich auf und ging zur anderen Seite des Zuges und sah aus dem Fenster. Als er zurück kam, erwartete ich keine Erklärung. “Ich will von den Drogen weg. Immer diese Sache, wo kommt die Kohle her, wo die Drogen.” “Wie bist du denn dazu gekommen?” “Mein Vater hatte einen Jugendclub in Mügeln, da hab ich mit elf das erste Mal gekifft. Kiffen und diese ganze Chemie - da wird man blöde im Kopf, oder?” Ich nickte. “Ich nehm jetzt nur noch Drogen, mit denen ich klar denken kann, damit ich klarkomme”. Er nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche und ich fragte mich, ob da Wasser drin sei. “Ich trinke am liebsten stilles Wasser. Medium geht auch noch. Löscht den Durst”, sagte er, sprang auf und wechselte den Sitz. “Meine Mutter hat einen 13 Jahre jüngeren Freund neuerdings und nimmt Folsäure und sowas. Sie will schwanger werden. Mich hat sie damals im Stich gelassen… Also nicht im Stich gelassen. Aber sie hat sich einen Köter geholt.” Er machte eine Pause, um zu Trinken und ich versuchte, den Zusammenhang zu verstehen. “Wir mussten dann aus dem Haus raus, also das war gemietet. Und im Neubau war kein Platz für mich. Da saß ich kurz auf der Straße.” Er sah mich das erste Mal bedeutungsschwer an, für die eine Sekunde, die er seine Augen weiter als bis zur Hälfte offen halten konnte. “Also ich kann noch bei ihr Mittagessen und so….”, er winkte ab. “Hast du einen Freund oder so?” “Ja.” “Ich hab auch eine Freundin. Aber die hat schon ein Kind, Montag, Dienstag und Mittwoch muss sie sich darum kümmern.” Er richtete sein Basecap und sah zum Fenster raus. Ich wunderte mich kaum über die Freundin und das Drei-Tages-Kind.
“Hast du eine Ausbildung?” rutschte es mir raus und ich ärgerte mich sofort darüber, wie vorhersehbar die Frage war. “Nein, aber einen Schulabschluss. Das ist sehr gut.” Seine Finger schabten wieder über sein Gesicht. “Ich will Koch werden, nach dem Entzug. Das will ich unbedingt schaffen.” Diese Worte schienen ihm genau soviel zu bedeuten, wie all das, was er vorher gesagt hatte. “Mit Drogen arbeiten, ist Scheiße. Das habe ich schon versucht, hatte ja schon Mal eine Ausbildung, ein/zwei Jahre, Koch. Da bin ich rausgeflogen, wegen Drogen.” Der Lautsprecher verkündete Oschatz als nächsten Halt. “Da muss ich raus”, sagte er, zog seinen Pullover aus und packte ihn in seinen Rucksack. “Was hast du eigentlich in Leipzig gemacht heute?” “Kumpel besucht, Drogen geholt.” Er legte seine Füße auf den gegenüber liegenden Sitz, nahm sie aber gleich wieder runter. “Da kriegt man Ärger. Da vorne sitzt noch der Typ von der Marktforschung.” Er grinste. Der Zug hielt und er sprang hektisch auf. “Also dann, mach’s gut, war nett”, sagte er noch und war weg. Ich erinnerte mich, dass ich mitgehört hatte, wie er im Fragebogen “Allgemeine Besorgungen” als Reisegrund angab.
Ich gestern, vor den bronzenen Überbleibseln von Erich Kästner wartend, ein vermeintlicher Inder tritt auf mich zu.
Er: “Do you speak English?”
Ich: “Yes.”
Er: “Fine, ’cause I don’t speak German, only English. Do you want friendship with me?”
Ich: “What?”
Er: “Do you want friendship with me?”
Ich sehe in kurz schweigend und verblüfft an: “Now and here?”
Er: “Yes.”
Es rollt meine Verabredung heran.
Ich: “Ähm, these are friends of mine and we meet to go to the cinema.”
Er: “Okay, thank you for talking with me. Most people here just don’t talk with me.”
Ich: “No problem. Bye.”
“Es gibt zu viele Trittbrettfahrer, die sagen: Der Staat wird mich schon nicht hängen lassen, wenn ich nicht spare. Dieses Verhalten kann nicht toleriert werden”
Da hat mal jemand etwas sehr Schlaues gesagt. Und wird, wenn es überhaupt jemand von diesen “Trittbrettfahrern” mitbekommt (spätestens werden sie es aber wohl durch die Bild-Zeitung mitbekommen) ordentlich Prügel vom Pöbel beziehen. Das mag arrogant klingen und angesichts der größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich (das hab ich aus den Medien abgeschrieben. So klingt es auch.) zynisch. Aber ich hatte das zweifelhafte Vergnügen mir erst kürzlich wieder die Tiraden eines Vorzeige-ALG II-Empfängers anhören zu dürfen. Sinngemäße Auszüge:
…. Erst mal abwarten, die werden mich schon nicht verhungern lassen. … Ich hab mir ja schon billigere Wohnungen angeschaut, aber die hatten entweder kein Fenster im Bad oder der Küche und das Wohnzimmer war auch zu klein. … Deutschland ist das reichste Land der Welt, das Geld ist nur falsch verteilt. … Früher, wo die großen Betriebe bei uns [kleines Scheiß-Kaff im sächsischen Dunkelland, Anm. d. Red.] noch offen hatten, haben die Leute im Dreischicht-System gearbeitet. …
Das es diesen Staat, der sich das und noch viele andere Nettigkeiten erlaubt hat, heute nicht ohne Grund nicht mehr gibt - für solche Gedanken reicht der Horizont einfach nicht. Und dafür, dass jeder selbst auf sein bisschen Leben aufpassen muss und der Staat nicht Papi-Ersatz für Erwachsene ist, auch nicht. Und das man, wenn man keine Kohle hat, entweder seinen Arsch drehen muss oder eben mit einem Bad ohne Fenster zufrieden sein muss (was als Verzicht lächerlich wäre, wäre der Tellerrand nicht die Landesgrenze von Deutschland Sachsen) - dafür reicht der Horizont auch nicht. Mir wird richtig schlecht, wenn ich mir sowas anhören muss. Und wütend bin ich auch.
PS: Erstens bin ich Fan von Prof. Hans-Werner Sinn und zweitens liegt es mir fern, zu pauschalisieren. Aber das ist mein Erfahrungshorizont. Nicht nur in diesem einen Fall.
Es ist ihnen egal, welches Wetter ist. Sie sind immer da. Meistens sind sie alt. Die weiblichen Exemplaren tragen Gold in Ohren und Mund, die männlichen Gelenktaschen und einen analogen Fotoapparat, mit dem sie alles fotografieren, das irgendwie nach Kunst aussieht. Sie haben Zeit, den ganzen Tag Zeit, manchmal sogar drei. Ich nenne sie Touroristen und diese Stadt ist voll davon. Sie schlendern überall oder, schlimmer noch, stehen herum, zu einer beachtlichen Masse breit gezogen, mit Vorliebe auf Radwegen. Sie schimpfen, wenn ich durchs Bild fahre. Ich erkläre ihnen dann gar nicht erst, dass es mich auf den Monat hochgerechnet 80 Minuten Arbeitszeit kosten würde, würde ich immer anhalten, um jedem Hobbyfotografen eine freie Sicht auf das Terrassenufer zu gewährleisten. Das würden sie nicht verstehen, wie sie sich überhaupt nicht vorstellen können, dass Menschen in dieser Stadt einfach nur von A nach B müssen, sie wundern sich immer nur, warum manche Touristen keinen Reiseführer dabei haben.
Am Freitag war herrliches Frühlingswetter und außerdem Brückentag. Das Terassenufer war voller bunter Flecken und ich dachte mir, na herrlich, jetzt da durch. Ich fuhr direkt an der Elbe entlang, das hielt ich für das klügste, auch, wenn es ein Umweg war. Leider hatte ich die Dampferanlegestellen nicht auf der Rechnung. Ich fuhr schlich also von Pulk zu Pulk und klingelte immer zu. Eine Frau brabbelte mir irgendwas auf hessisch zu. Ich musste einen schwachen Moment gehabt haben und erklärte ihr höflich, dass das ein Radweg sei, auf dem sie stünde. Sie keifte zurück: “Dafür habe ich bezahlt!” Mein schwacher Moment hielt an und ich sagte ruhig, dass sie vielleicht das Ticket für eine Fahrt auf der Gräfin Cosel bezahlt habe, dass darin aber wahrscheinlich nicht das Standrecht auf einem beliebigen Fleck Dresdner Radweg inbegriffen sei. Griesgrämig nickte sie mit dem Kopf in Richtung Frauenkirche und meinte lapidar: “Was denken Sie wohl, von wessen Geld ihr das alles bezahlt habt?” Daraufhin erklärte ich ihr, wie froh ich sei, dass nach all den Westimporten mit Uns Stani endlich ein Sachse Ministerpräsident wird. Danach hatte ich meinen schwachen Moment überwunden.
Da ich täglich etwa vierzig Minuten auf dem Fahrrad verbringe und es in Dresden doch häufiger regnet, als ich zunächst annahm, habe ich mir neulich einen Regenponcho gekauft. Das mag spießig sein, aber wer wird schon gern nass? Heute regnete es. Und es wehte ein starker Wind. Ich hüllte mich in meinen Poncho und stieg aufs Rad. In Höhe der Frauenkirche (für Ortsunkundige: nach etwa 500 Metern) waren meine Haare und mein Gesicht klitschnass (die Kapuze hielt dem Fahrtwind nicht stand), meine Füße angenässt und meine Oberschenkel betropft. Meine Brille war übersäht mit Tropfen und beschlug, wenn ich an einer Ampel anhielt und der Fahrtwind nicht für die Zerstäubung meiner feuchtwarmen Atemluft sorgen konnte. Das erhöhte den Nerdfaktor ungemein, zumal ich manchmal meine Nase rümpfte und den Kopf hob, um zwischen den Tropfen auf der Brille ein möglichst großes Sichtfeld auszumachen. Ich musste bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt meines Heimweges einsehen, dass ich mit meinem Poncho nicht nur aussah, wie ein Spießer, sondern gleichzeitig sehr erbärmlich. Mein anachronistisches Fahhrad und die hochgekrempelten Hosenbeine liesen mich zudem erscheinen wie ein Student der Forstwirtschaft im April 1968. Nur das dieser sicherlich einen Weg gefunden hätte, aus einem nutzlosen Poncho einen nützlichen zu machen. Und vermutlich hätte er sich auch keinen umweltschädigenden PVC-Poncho gekauft. Diese Gedanken hoben meine Laune kaum und während ich missmutig, mir meiner Erbärmlichkeit bewusst, durch den Regen rollte, war mir noch nicht klar, dass die eigentliche Erniedrigung des Tages noch kommen sollte. Auf dem Gehsteig ging eine Gruppe Kinder entlang, kleine Kinder, begleitet von zwei Damen, möglicherweise die Tagesmütter der Kinder. Eines der Kinder, ein Junge, lief voraus und musste sich auf Geheiß einer der Tagesmütter umdrehen und warten. Er erblickte meine heranrollende Erbärmlichkeit und verfolgte mit dem Kopf meinen Weg. Er stand da, die Hände in den Hosentaschen verstaut und schaute mich mit einer gekonnten Gelassenheit an, die ich noch nie bei einem Menschen unter 10 Jahren erlebt habe. Wahrscheinlich habe ich sie sogar überhaupt noch nie erlebt. Er stand da in einer hochwertigen Kapuzenjacke (dass sie hochwertig war erkannte ich vor allem an der Verarbeitung der Klettverschlüsse am Kragen, der widerstandsfähigen Kapuze und der kleinen Ausstüplung am oberen Kapuzenrand zum Schutz des Ponys) und ich wusste, dass kein einziges seiner vermutlich kurzen Haare unter der Kapuze heute noch nass würden, wenn er es nicht wollte. Er trug zwar eine Winnie Puh-Umhängetasche, aber die hatte er so lässig um rechte Schulter und linken Beckenknochen gehangen, dass ich ihn darum beneidete. So beobachtete er also diese peinliche Gestalt unter dem nutzlosen Regenponcho und übertrumpfte mich sozial. Ich wurde sozial übertrumpft von einem Achtjährigen.
Zu Hause angekommen zerriss ich meinen Poncho. Ich bin sicher, an dieser Stelle unterstellt ihr mir dramaturgische Schönfärbung. Und diejenigen, die mir diesen absolut wahren Sachverhalt glauben, glauben mir letztlich dann doch nicht, dass ich den Poncho völlig unabsichtlich zerriss. Beim Ausziehen, was ebenso absolut der Wahrheit entspricht. Aber erst in diesem naiven Schuldigwerden offenbart sich die eigentliche Dramaturgie dieser Geschichte.
Jeden Morgen fahre ich mit dem Fahrrad. Erst über die Elbe, dann an ihren Weltkultuerbe-Ufern entlang. Ich freu mich jedes Mal wieder, wenn meine Augen mit dem Blick auf die morgens irgendwie fast immer in Dunst getauchten Fassaden der Hofkirche und Co. wach wird. Heute haben Leute mit Ohrenschutz und Riesenbrillen die Wiesen gemäht. Es roch nach frischem Gras und gehexelten Schnecken. Ich freute mich noch mehr als sonst, weil ich das Gras-Schnecken-Gemeng gern rieche und weil in meinen Ohren von Bullets und Teeths die Rede war.
Jeden Morgen komme ich auch an dem berühmten Pavillon vorm Hotel Bellevue vorbei. Und jeden Morgen liegt er da, ein Penner auf seiner Bank. Jeden Morgen hat er seine Asics (!) fein säuberlich mit den Schnürsenkeln an einem der Streben der Bank festgemacht.Jeden Morgen schläft er noch, egal ob ich halb neun, um neun oder nach neun vorbeikomme. Außerdem hat er keine Zeitungen, nicht mal nur eine Decke: Er hat einen Schlafsack. Und nach dem Aufwachen den besten Blick der Stadt. Kein Mitleid also: Heiterkeit.
Heute sah ich schon von Weitem eine Horde Grundschulkinder in dem Pavillon stehen. Und dachte: Da musste er heute wohl mal eher aufstehen. Als ich näher kam dann nur noch Schmunzeln: Er lag da, wie jeden Morgen, den Kopf bis auf ein kleines Stück Haarschopf vom Schlafsack bedeckt. Die bunten Kinder lärmten um seinen grauen Schlafsack, beachteten ihn nicht und blieben selbst unbeachtet. Hätte ich mehr als mein halbkaputtes Handy dabei gehabt: Das wäre das Motiv meines Lebens gewesen. So blieb mir nichts anders, als das Gras-Schnecken-Gemeng zu atmen und die Musik lauter zu drehen. Passte ja auch irgendwie.
Kaum zwei Wochen da, tritt der Chef zurück. Sind’s wenigstens spannende Zeiten.
Ich predige das ja immer, Blogs als Kommunikationsmittel. In Kontakt bleiben. Was wüsste ich schon noch von so mancher Person, bloggte sie nicht? Schlicht nüschst. Dazu habe ich letztens in einem Fachaufsatz, den ich für meine Bachelor-Arbeit laß, einen netten Satz gefunden. Der liegt daheim auf meinem PC. Ich reiche ihn nach. Vielleicht. Bachelorarbeit, übrigens einer der Gründe warum hier nicht so viel los ist. Kann ich eh nur nach der Arbeit machen, wo die Zeit schon knapp genug ist.
Also ein Wechselspiel zwischen Bachelor-Arbeit und sowas wie einem echten Job ist der Grund für die Flaute hier. Job heißt, Pressemitteilungen schreiben, manchmal. Wer in letzter Zeit mal ein bisschen seine Nase in die Tiefen sächsischer Politik gesteckt hat, weiß in etwa, das es genug zu tun gibt für die Herren und Damen Kommunikationsprofis hier in der Staatskanzlei. Mehr dazu, wenn mir jemand 25.000 Euro leiht.
Kernkompetenz Kommunikation also, das gilt nicht nur für Blogs sondern auch für den Bereich, in dem ich hier am schönen Dresdner Königsufer arbeite. Um das deutlich zu machen, fuhren Kollege Kommunikationprofi, Chef von dem Laden und früher mal beschäftigt bei einem großen sächsichen Privatradiosender mit der ganzen Mannschaft nach Leipzig. BMW gucken. Kluger Schachzug. Die konzetrieren sich nämlich auch voll auf ihre Kernkompetenzen dort: Karosseriebau, Lackiererei, Montage, Qualitätskontrolle. Alles andere is outgesourct. Sogar die Leute, die da in den BMW-eigenen Montagehallen rumlaufen und die Teile ans Band ranschleppen, sind nicht bei BMW, sondern bei einer externen Logistikfirma angestellt. Bis zwei Meter vors Band ist BMW nicht zuständig. Trotzdem kommt immer genau das Cockpit (natürlich nicht von BMW zusammengeschraubt, das macht Thyssen. Haben eine Halle auf dem Gelände - kurze Kommunikationswege) in genau das rote Einser-Cabrio, in das es soll. Genauso Motor, Reifen, Gertiebe, Kabelbaum, Sitze and so on. Just in time ans Band. Manchmal auch just in sequence. Der Hammer, logistisch gesehen. Auch sonst nicht schlecht: Die Dame, die uns freundlich rumführte, uns sinnfrei Schutzbrillen tragen lies und Mäntel überziehen (wirklich, wirklich gänzlich sinnfrei. Die Lackiererei-Räume zum Beispiel waren sowas von keimfrei. Und zusätzlich durch Panzerglas von den mänteltragenden Besuchern abeschirmt. Aber schon wieder ein kluger Schachzug in Sachen Kommunikation: So haben wir uns zugehörig gefühlt und berichten zu Hause am Abendbrot-Tisch: “Ich hab heute bei BMW eine Schutzbrille getragen. Genau wie die Schweißer.” Toll!), uns Getränke anbot und uns am Ende “immer viel Freude am Fahren” wünschte - ja, die machte ihren Job gut, sprach von “unsere Firmenpsychologie” und “unsere erster lackierte Karosse”. Dabei gehört auch sie nicht zu BMW. Die Besucherführungen hat BMW outgesourct. An eine Agentur. Kernkompetenzen, die Lektion ist nun wirklich gelernt.
So, was wollte ich sagen? Achja, dieses Blog sollte sich auf seine Kernkompetenzen besinnen, heißt: Mehr Einträge für euch, meine Leser, was mein Leben so macht. Ich geb mir Mühe. Ansonsten treffen wir uns ja alle, Samstag, bei uns. Ihr wisst es ja.
Auch wenn heute wettertechnisch Weltuntergangsstimmung ist in Dresden: Die Dampfer tööten den ganzen Tag fröhlich an meinem Büro-Fenster vorbei - die sind einfach nicht totzukriegen durch Nebel und tiefhängende Wolken. Sonst: Schick, alles schick. Bin auch nicht totzukriegen durch Nebel und tiefhängende Wolken.
Stefan und ich geben eine Party. Unsere Einzugsfeier. Kommen kann, wer will mit wem er will. Nur vorher Beschied sagen wäre nett, damit wir kalkulieren können, wieviel Flüssigkeit notwendig sein wird, um eure durstigen Hälse zu tränken.
Die Facts:
Einzugsfeier bei Peikert/Dietze
Samstag, 5. April, so gegen 8 Uhr abends
Behringstraße 40, 01159 Dresden, 4. Stock, es gibt ‘nen Aufzug
Schlafplätze (komfortabler Laminatboden) sind genügend da, sagt nur Bescheid, wir teilen dann zu.^^ Tag ist variabel, der 5. ist steht aber erstmal, sollten zu viele Absagen kommen, sag ich nochmal Bescheid.
Bis dann, wir freuen uns.
Es war ja anfangs ganz nett mit dir, aber zum Schluss war es einfach nur noch zum Kotzen. Das ist dir in deiner ewigen Arroganz und deinem unglaublich langsamen Denken(einer der Hauptgründe für unsere Trennung) wohl nicht aufgefallen, aber ich war dir einfach in allem schier unglaublich überlegen. Sofort, als ich das merkte, wusste ich: das geht nicht lange gut. Ich hab dich dann noch ein bisschen hingehalten, weil ich brauchte ja jemanden wie dich und was neues war leider nicht in Aussicht. Durch einen glücklichen Zufall hat sich das jetzt geändert und ich muss sagen: Ich bin sehr glücklich, wir verstehen uns gut, kommen sehr viel schneller auf den Punkt, als das mit dir der Fall war. Aber, sei nicht traurig: Deine Gehirnwäsche war komplett, ich kenn mich mit sowas aus, und so findest du sicher jemand Neues. Machs gut!
Wer ihn haben will, Mail an mich. Wenn man ihm nicht zu viel abverlangt und wirklich nur als Laptop und nicht als Ersatz für einen Desktop-PC verwendet, dann ist er durchaus noch recht nützlich. Die Daten:
- acer Travelmate 2355XCi-100
- 1,4 GHz
- 14.1″ XGA TFT LCD
- 40 GB HDD
- DVD/CD-RW
- 256MB DDR
- 802.11b/g wireles LAN
Ist ca. 2,5 Jahre alt und hat neu 699 Euro gekostet. acer-Treiber für Lautsprecher, USB und so gibts dazu, ne Windows-Version aber nicht. Man beachte die nette Verzierung. Wer scharf darauf ist, sich meine Daten wiederzuholen: Vergesst es, ich hab da so ein nettes Programm drüberlaufen lassen, dass hat alles mit irgendwelchem sinnlosen Kauderwelch überschrieben. Also formatiertem Kauderwelch natürlich.
Update: Die versprochenen Fotos hat er gemacht und online gestellt. Wer mehr will: Kommt einfach vorbei und schauts euch live an.
Von hier, Dresden Friedrichstadt. Alles schick, Warmwasser in der Küche lässt sich nicht aufdrehen bzw. der Hahn brach ab. Aber ich bin sicher, dass regelt der Hausmeister. Ansonsten: Seit ner Stunde oder so mehren hier zwei (!) Elektroinstallateure rum und kriegen den Kabel Deutschland-Anschluss nicht zum Laufen. Arg! Keine Ahnung, ich glaube die machen das zum ersten Mal. Trotzdem Internet weil irgendso ein schlaues Häschen sein WLAN nicht geschützt hat. Bald mehr. Fotos und so.
Es gab da ja schon mal so einen Vorfall. Nun, stürmen solls morgen, und zwar einigermaßen gewaltig:
Nach derzeitigen Berechnungen können in Schauer- und Gewitternähe bis ins Flachland einzelne Orkanböen auftreten und vereinzelt können sich auch Tornados bilden!
In Sachsen sieht das so aus:

Nun, unsere Schränke sind massiv und die Kisten gut bepackt.
So, vorgestern hab ich für meine völlig veranzte Mensa-Karte doch tatsächlich noch volle acht Euro Pfand zurückbekommen, gestern gab ich meine Haus-4-Karte ab, 12,50 - das tat gut. Und das, obwohl ich gar nicht so sehr für publikumswirksame Gesten bin. Danach dann noch ins Einwohnermeldeamt, rumgetönt, wie froh ich bin, hier endlich raus zu kommen und dann von der netten Dame gleich mal für mehrere Minuten ignoriert worden, bevor ich mich endlich abmelden konnte. Geritzt. Heute dann bot sich mir, aus meinem Fenster blickend, ein Bild, das jeden Anflug von Wehmut, sodenn er denn je existierte, sofort ausmerzte:
Links.
Rechts.
“Liebe bedeutet nicht, sich anzuschauen, sondern gemeinsam in eine Richtung zu blicken.”
Die arbeitslose Friseurin mit formschön platinblond gefärbten Haaren - das gewisse Etwas bekommt die Frisur durch den sich klar abzeichnenden Ansatz - und ihr Freund, der arbeitslose Arbeitslose mit dem Billig-Pizza-Gesicht, blicken mit einem Kissen unter dem Arm auf die Rochlitzer Straße und wundern sich noch nicht einmal drüber, wie schnell sie in dieser Stadt alt geworden sind.
Ich bin dann mal weg. Auf meiner Ente.
Genau wie sie suche ich schon eine Weile nach einem unkomplizierten Diktiergerät, dass ich nicht wie einen Riesen-Kasten mit mir rumschleppen muss, dass aber gleichzeitig digital aufnimmt. Nicht mit Kasette und so. Die CeBIT bringt es hervor:

Klein ist es, kinderleicht zu bedienen, schick sieht es noch dazu aus. Heißt InstantVoiceMemo und kann neben der Diktierfunktion als normaler USB-Stick genutzt werden. 1 GB bisher nur, mehr ist angekündigt. Gibt’s momentan für 35 vorzubestellen, ist allerdings österreichische MwSt drin. Kommt ab April oder so in den Handel. Gekauft!
Was mir grad auffällt: Das nenn ich mal Earned Media…
Tobi bittet zu so einer Stöckchen-Sache. Mit Büchern und so. Keine Prügel diesmal, einfach nur mal wieder ein Eintrag hier. Der schnell geht. Und irgendwie lustig ist.
Also, that’s it:
1. Nimm das erste Buch in deiner Nähe, das mindestens 123 Seiten hat.
2. Öffne das Buch auf Seite 123.
3. Finde den 5. Satz.
4. Poste die nächsten 3 Sätze.
5. Wirf das Stöckchen an fünf Blogger weiter.
Neben mir auf meinem Beistelltisch zum Schreibtisch liegt jede Menge Papier, ein Haufen Zeitungen, ne Postkarte, Kopfhörer, ein Locher, Immatrikualtionsbescheinigungen und … ein Buch, na Gott sei dank, mein Intellekt ist noch nicht gefährdet! Ziemlich dünn… 141 Seiten, puh! Seite 123 aufschlagen…
“Sie gingen mit mir in einen anderen Raum. Hoch oben, aus einem Loch an der Wand, kam ein halber Stier heraus , oder vielleicht war es ein ganzer, ja es waren ganze Stiere, wenn ich’s mir recht überlege, sie hatten alle vier Beine dran, und einer kaum aus dem Loch, an einem Haken, man hatte ihn gerade abgemurkst, und der Stier blieb direkt über mir hängen, hing direkt über mir an diesem Haken. Sie haben ihn gerade gekillt, dachte ich, sie haben das verdammte Ding gekillt.”
Mann, was für Mann’sche Monstersätze. Sie stammen von Charles Bukowski aus “Ein Profi. Stories vom verschütteten Leben”
So, fünf Leute. Ich werfe weiter an Robert (ich würde wetten, er liest auch so Sachen unter seiner Tageslichtlampe), Jojo (ich möchte ein Comic dazu sehn) und Hagen | Sören | Clemens (für jeden einen Satz) und Stefan (hab ihn selten mit einem Buch gesehen. Vielleicht findet er ja ein Tafelwerk oder so). Das sind ja sechs. Aber nur vier Blogs. Mittelwert fünf. Läuft.
Ich bin ein Nörgler. Das muss ich offen zugeben. Ich nörgle gern. Gänzlich ohne Lösungsansätze, aber auf hohem Niveau. Manchmal nörgle ich sogar wider besseren Wissens, einfach um des Nörgelns willen. Oftmals wirke ich deswegen verbittert oder pessimistisch. Verbittert bin ich nicht. Jedenfalls nicht, nachdem ich genug genörgelt habe. Das ist, so vermute ich, ein Grund, mich nicht zu mögen. Das macht das Nörgeln umso interessanter. In den vergangenen Tagen gab es nun aber wirklich viel zu nörgeln.
Nörgelgrund Nummer 1: Die Blockwochen
Ich finde die Inhalte des Unterrichts interessant und ich bin froh, dass zu wissen, was ich vorher nicht wusste und jetzt weiß. Zu nörgeln gibt es dennoch einiges: Hat was von Torschlusspanik, jetzt so kurz vor dem Abflug den Studierenden nochmal sowas wie Wissen beizubringen. In zwei Wochen von 0 auf 100, das ganze Wissen eines Studiengangs in 10 Tagen - wäre ein guter Werbeslogan für den Fachbereich. Mehr als diese 2 Wochen braucht es nicht: Es wiederholt eh schon viel dagewesenes, nur besser. Da bekomm ich richtig Lust, nochmal ein echtes Studium anzufangen. Mit dem Bereuen hab ich’s ja nicht so, schade ist es aber schon, bloß zu erahnen, was ich alles nicht weiß, wohl aber gerne wissen würde.
Nörgelgrund Nummer 2: MOF trifft Menschen - Die Blockwochen Teil Zwei
Ich weiß schon, warum ich normalerweise keine Vorlesungen besuche: wegen den Kommilitonen. Freilich bei Weitem nicht wegen allen, aber leider stechen diese ganzen peinlichen Existenzen heraus, die ich das ganze Studium nicht sah und die nun glauben, ihre Stunde sei gekommen. Sie schreiben eifrig mit und motzen rum, wenn sie mal nicht schnell genug hinterherkommen. Sie tun so, als wüssten sie viel. Dabei wissen sie nur das, was sie irgendwo gelesen haben. Sie gehen mir auf den Sack. Und sie halten mich auf. Nicht mehr lange…
Nörgelgrund Nummer 3: Kompetenz trifft charakterliche Schwäche - Die Blockwochen Teil Drei
Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es, wenn Menschen ihren Job nicht anständig machen. Ich muss mir keinen gelangweilten Dozenten geben, der angepisst ist aufgrund der Umstände, die ich unter Nörgelgrund Nummer 2 beschrieb. Seinen durchaus interessanten Stoff schlicht durchzieht und seine Arroganz bezüglich der verweigerten Wissenspreisgabe an dieses Publikum noch nicht mal zu vertuschen versucht. Da hab ich wirklich Besseres zu tun. Nörgeln zum Beispiel. Wer keinen Bock hat, kann wegbleiben. Dann nimmt er für diesen Drecksunterricht wenigstens nicht den - vermeintlichen - Nokia-Style Dumping-Lohn mit.
Nörgelgrund Nummer 4 - Die Mensa
Warum gibt’s um 13 Uhr schon nur noch ein eingeschränktes Angebot? Warum schmeckt’s da immer so scheiße? Warum bezahl’ ich immer höhere Preise für den Fraß? Warum muss man immer warten? Auch wenn niemand ansteht? Warum muss man an den Tischen zwischen den beiden Mensasälen sitzen? Warum hab ich mittags Hunger?
Nörgelgrund Nummer 5 - Medienmagazine
Warum höre ich auf SR 2 quasi das gleiche Medienmagazin wie auf B 5? Was machen die mit den Gebühren?
Nörgelgrund Nummer 6 - Das Wetter
Spaß.^^
Es war ja nicht so leicht. Irgendwie dachte ich aber, der Abschlussball ist ja ein guter Anlass, mal ein Kleid zu tragen, is mal was andres so. Nun, war recht aufwendig, meine Jeans-und-Sneakers-Körper in ein Kleid zu quetschen, ohne das es aussieht, als sei mein Jeans-und-Sneakers-Körper in ein Kleid gequetscht worden. Danke für die Geduld meiner Begleiter. Ich weiß, es war hart.
Angezogen wirkt es besser. Kann man sehen, nächste Woche.
Das habe ich ja schon immer gewusst, manchmal ein bisschen angefangen neben dem Schreiben zu jonglieren, aber es nie wirklich konsequent durchgehalten. Der Beitrag hat mich dazu animiert, auch mal wieder danach zu suchen:
Außer der klassischen Dreier-Kaskade gelingt mir zwar fast nichts mehr und mit den verbliebenen Mini-Tricks (”Außenrumwerfen”, “Regentropfen” und verschiedene Techniken zum auffangen und loswerfen) kann ich sicher niemanden mehr beeindrucken, aber es macht doch immer sofort wieder Spaß. Und so ein bisschen Kreativ-Doping is schon gut. Die Hacky-Sacks sind ungleich stylischer als die klassischen Jonglierbälle, aber sie liegen nicht so gut in der Hand und stinken ein bisschen nach dem Bong-Wasser, in dem sie früher regelmäßig getränkt wurden. Für noch mehr Klischees wie gesagt diesen Beitrag klicken.
Manchmal würde ich mich gerne malen können. Ich, inmitten von Bürokram, Clipheftern und kleinen, säuberlich sortierten Häufchen von bedruckten A4-Blättern, bin im Stuhl zurückgelehnt und starre vorbei an der Schreibtischlampe, neuerdings mit Energie-Spar-Leuchtmittel, aus dem Fenster. In der rechten Hand einen Füller, gerade eben mit frischer Tinte wieder zum Leben erweckt und vor mir einen Briefumschlag. DIN C 4, weiß und mit Papprückwand. Und der falschen Postleitzahl.
Der Soundtrack dazu:
Working for the church while your life falls apart
Und plötzlich hab ich Lust, mich ganz übel zu betrinken.
Heute ist der erste Tag, an dem ich denke: Ich habe meine Erkältung so gut wie überstanden. Und bin deshalb, was natürlich nicht wirklich überraschend ist, sehr euphorisch und energiegeladen. Einige Worte dazu, was ich so treibe, hier in Downtown Mittweida:
- mir vornehmen, dass ich unbedingt häufiger den Tag des besonderen Films in der Filmbühne nutzen muss, solange ich noch hier bin
- überlegen, wo meine Möbel ab 1. April hinkommen
- überlegen, wo ich ab 1. April hinkomme
- Vorlesungen besuchen. Sind die letzten vor der Prüfung. Gleich drei mal die Woche. Ich fühle mich überanstrengt.
- mir vornehmen, öfter schwimmen zu gehen. Und in die Sauna. Gut, ein kleines Problem muss ich hinsichtlich dessen noch lösen: Mittweida hat kein Schwimmbad. Und nur zwei überteuerte Saunen. Eine davon ist hässlich, die andere kenne ich nicht.
- viel Kram erledigen. Projektarbeit ist fertig, nächsten Montag Kolloquium. ADM vollkriegen, heißt, meinen IFA-Eintrittschein finden. Notenauszug holen. Bachelorarbeit anmelden. Ich denke, da kommt noch mehr Gerenne auf mich zu. Is ja nicht so, dass ich an einer gut organisierten Hochschule studieren würde. Da gehen Unterlagen schon mal verloren, kann ja passieren.
- die Bachelorarbeit: Nimmt thematisch Formen an in meinem Kopf. Heute für 10 Euro Zeitungen gekauft: alle dem Tode geweiht. Ja, ich weiß es besser und hebe den Heiligen Gral. Werdet es alle sehen. Am 31. März. Dann ist die Bachelor-Arbeit nämlich fertig. So!
- Mietvertrag kündigen. Das Datum zurückdatieren. Philipp hat das glücklicher Weise geklärt. überlege, was ich noch alles kündigen muss. oder umschreiben.
- bewerben. hab ne schöne excel-datei mit allen potenziellen Arbeitgebern. Und den Konditionen, Bewerbungsschluss usw. Sie heißt Quo vadis.xlsx
- arbeiten. Bedeutet physiologisch sitzen und starren. Ich brauche einen Ausgleich.
- einen Rodelausflug fürs Wochenende planen. Sachsens längste Naturrodelbahn. 1,5 km lang und über 170 Höhenmeter! Einer der Lieblingsorte meiner Kindheit.Will jemand mit?
- mir denken: du hast zu viel Energie und du machst wie immer zu wenig draus. Jetzt schalt doch mal das Internet ab.
- just nach diesem Gedanken bloggen
Eben erschrack ich, weil neben mir mein Handy klingelte. Einmal.
+49069661021836
Das stand auf dem Display. Ich wunderte mich, gab zu erst die Vorwahl bei Google ein. Frankfurt, hm. Kenn ich keinen, auch keine Bewerbung o.ä. dort laufen. Dann mal aus Spaß die ganze Nummer bei Google eingegeben. Schade, dass ich nicht gleich zurückgerufen habe. Man wollte mich nur über einen Gewinn informieren.
Es lebe das Web2.0! Sagt auch er hier. Und hier gibt es sogar schon eine Liste, mit all den Nummern, die wohl grade rumrufen. Also aufpassen. Jetzt geht die Kacke auch auf dem Telefon los. Dabei hab ich meine Handy-Nummer gar nicht bei StudiVZ angegeben…
Am Vorabend
Plötzlich kratzt es im Hals. Du schluckst und schluckst. Es geht nicht weg. Dann wartest du kurz. Du schluckst wieder. Es ist immer noch da. So geht das eine Weile, bis du einsiehst: Das geht heute nicht mehr weg. Du kennst dieses Kratzen. Was da kommt, das kommt nicht in Frieden. Noch schnell zu einer Nachtapotheke, Grippostad oder Mucosulvan kaufen? Den Gedanken verwirfst du schnell, kostet schließlich ein Haufen Geld, das Zeug. Und du bist ja nicht aus Zucker. Vor dem Schlafen trinkst du noch schnell eine den Saft einer ausgepressten Zitrone und freust dich, dass du so ein Öko-Hausmittelchen genommen hast statt der teuren Chemikalien. Dein Gewissen kann jetzt jedenfalls gut schlafen.
Der erste Tag
Deine Nase ist verstopft und an den Rändern schon verkrustet, die Augen gehen kaum auf vor Dicke und im Hals kratzt es natürlich. Du hustest vorsichtig und bemerkst dabei den Kopfschmerz. Scheiße, denkst du dir, ist der Mist schon da? Genervt stehst du auf, unter Schmerzen duschen, kaum was essen und Tee machen. Du denkst dir: Viel zu viele Menschen verwechseln einen kleinen Schnupfen mit einer Grippe. Vorsichtshalber steckst du dir aber doch ein Thermometer unter den Arm. Deine Nase läuft. Du kaufst dir teure Taschentücher, Obst und so einen isotonischen Mist für deine Nase. Richtige Nasentropfen machen abhängig und die Nase trocken. Bis zum Abend schaffst du es gerade noch, die Filme auszuleihen und sie dir alle nach einander reinzuziehen. Du überlegst, dass eine Erkältung für gewöhnlich 9 Tage bleibt. 3 Tage kommts, 3 Tage bleibts, 3 gehts. Noch 8 Tage.
Der zweite Tag
In der Nacht hast du dir schon alle 2 Stunden Nastentropfen reingehauen. Die, die abhängig und die Nase trocken machen. Du überlegst, gar nicht erst aufzustehen, tust es dann aber doch. Das übliche Prozedere. Deine Haare sind fettig aber du zu schwach, um sie dir zu waschen. Dein Körper fühlt sich an, wie eine kleine vertrocknete Pflaume, die den Baum, an dem sie hängt tragen muss. Du beginnst, den Vorabend mitzuzählen. 3 Tage kommts, 3 Tage bleibts, 3 gehts. Noch 6 Tage.
Der dritte Tag
Du bildest dir ein, es geht ja schon wieder. Stehst auf, wäschst die Haare und sehnst dich sofort nach deinem Bett. Du lässt dir eine Wärmflasche machen und dich zudecken. Wenn man 18 Stunden am Tag schläft, sieht die Welt auch nicht besser aus, das musst du einsehen. Zwischen zwei Abschnitten deines Deliriums rufst du Mutti an. Nachdem du dein Handy zwischen all den vollgerotzten Taschentüchern gefunden hast. Du denkst an Thymian-Erkältungsbäder und Wick-Vaporup-Einreibungszeug. Sowas gibt’s in nicht in deiner Hausapotheke, seitdem du so unabhängig bist, es gibt noch nicht mal eine Hausapotheke. Du bist so krank, ningelst du. Hättest du doch Grippostad genommen. Oder Mucosulvan. Dafür ist es nun zu spät. Du sagst nichts. Zum Arzt sollst du gehen. Du legst auf. 10 Euro Praxisgebühr, pff.
Wenn eine Erkältung eine Hyperpel ist, dann ist das der Höhepunkt. 3 Tage kommts, 3 Tage bleibts, 3 gehts. Noch 5 Tage. Optimistisch gerechnet.
Im Radio sangen die Stars. Take Me To The Riot.
Ich: “Das ist die Hymne unserer Generation”
Er: “Wieso? Was heißt denn Riot?”
Ich: “Keine Ahnung. Es kommt nur in so vielen Songs vor.”
Dann schlug ich Riot nach und freute mich darüber, wie sehr ich unwissend Recht hatte.
Über Lied und Video kann man sich übrigens auch freuen:

Scheiß Montagsproduktion! Fing schon Ende November an zu murren, im September gekauft! Nach ewigem Suchen ist die Quittung wenigstens aufgetaucht! MediaMarkt
Elektro-Discounter, ich komme!
Wenn man in Sachsen groß wird, ist man einiges gewohnt. Da vergisst man gern, dass man zwar im Osten lebt, aber immerhin im Vorzeigeland ebendieses Ostens. Nun war ich am Wochenende auf einer Reise und musste durch Brandenburg. Durch ganz Brandenburg will ich fast sagen. Ich war noch nie wirklich aktiv in Brandenburg, deswegen konnte ich dieses erste Mal mit offenem Mund alle Klischess bestätigt sehen. In gefühlt 120 Dörfern war an einem stinknormalen Donnerstag niemand - wirklich niemand - auf den Straßen, vor den Filialen der örtlichen Sparkassen hingen große Flyer mit “Unsere Mitarbeiter haben keinen Zugriff auf das Bargeld” (was machen die denn sonst da in den Sparkassen?), die wohl Räuber fernhalten sollten, bevor eben diese Sparkassen wieder Beiträge bei Kripo Live wert sind und: Am Straßenrand wurden Allee-Bäume gepflanzt! Ohne Scheiß.
In einem Ort namens Haßleben gibt es eine Straße, die es sich bei geschätzt drei Einwohnern und einem Hund wohl nicht lohnte, umzubenennen: Straße der DSF heißt sie 18 Jahre nach dem Mauerfall, hat sogar ein neues, bundesdeutschen Straßennamenschild. Nebenan spielt der Eintracht Haßleben ohne Zuschauer Fußball. Ganz normal, Sonntag Vormittags in der Gemeinde Boitzenburger Land, Landkreis Uckermarck. Der Fußball-Club wurde übrigens 1992 gegründet, ein Jahr, nachdem der VEB SZM Haßleben, ehedem Vorzeige-Schweinemast-Betrieb der DDR mit 150.000 Schweinen, schließen musste. Und 800 Menschen in die Arbeitslosigekeit entließ. Heute sieht es auf dem Gelände so aus:
Erinnerte mich an Bilder aus Tschernobyl, überstürzt verlassen, im Pförtnerhäuschen steckten noch verkeimte Wasserkocher in der Steckdose. Die Initivative PRO Schwein Haßleben übrigens, deren Internetseite im Fenster des Häuschens beworben wird, wollte 2004 mal einen neuen Schweinemastbetrieb aufbauen, Haßleben wieder zu altem Glanze verhelfen quasi. 85.000 Schweine sollten es werden, auf der Suche nach Investoren für 25 Millionen Euro waren die 22 damals zumeist arbeitsuchenden Mitglieder der Organisation - vermutlich haben die alle mal im VEB gearbeitet. Nun denn, die Geschichte zog sich hin, 2006 hatte sie ihren Höhepunkt: Zugereiste und Wochenendhäuschen-Haber (es gibt in Haßleben wirklich neue hübsche Häuser, nicht weit vom ehemaligen Schweinestall - diese Bewohner müssen ihr Leben wirklich lieben) waren gegen den neuen Schweinemastbetrieb und mit ihnen zusammen einige Tierschützer. Haßleben hatte damals mit 30 Prozent die höchste Arbeitslosenquote Deutschlands, hat sich bis heute sicher nicht viel dran geändert, zumindest schaut der Ort so aus. Aber weiter im Text: Die Schweine-Hasser und Schweine-Befürworte stritten sich, sozialer Abstieg gegen den Geruch von frischem Schweinekot im Kaminschacht. Irgendwann entschied der Landkreis darüber, ob der Bau einer modernen Schweinemast-Anlage offiziell ausgeschrieben werden darf. Und damit endet die Geschichte, der letzte Eintrag auf der PRO Schwein-Seite ist vom Jahresende 2006 - wahrscheinlich fiel die Entscheidung nicht so positiv aus. Für eine eigene Wikipedia-Seite für Haßleben hat’s jedenfalls nicht gereicht.
Nun meine Fragen:
1. Wozu 85.000 Schweine in Nordbrandenburg? Mir ist zumindest in der Mittweidaer Mensa noch kein Mangel an Schweinefleisch aufgefallen. Über den ökonomischen Nutzen jedenfalls diskutierte man in Haßleben irgendwie gar nicht.
2. Wozu die Diskussion um Schweinegeruch? In der DDR wohnten in drei niedlichen Plattenbauten auf der Straße der DSF Leute 300 Meter Luftlinie von den mit 150.000 Schweinen gut gefüllten Ställen entfernt - und damals gab es auch heiße Sommer, wie uns Bilder von Männern in stylischen Sport-Hotpants beweisen. Heute sieht die Plattenbausiedlung in Haßleben jedenfalls so aus:
Mmh. Ich wollte eigentlich etwas wirklich witziges schreiben. Über Haßleben. Kaakstedt. Und wie die Dörfer in Brandenburg eben so heißen. Aber es ist nicht witzig.
Heute nacht wieder schlecht geschlafen. Lag wahrscheinlich am Sturm, der die Weihnachtsbeleuchtung vor meinem Fenster hin und her schleuderte, sodass an der Decke lustige Schattenspiele entstanden. Die erschreckender Weise viel interessanter waren als die Innenseite meiner Augenlider.
Wie ist das eigentlich mit dem Klimaschutz, hm? Energiemmission der allerfeinsten Art, die ganze Nacht durch, direkt vor meinem Fenster! Ich hoffe, es handelt sich wenigstens um Energiesparglühbirnen. Von Osram. Um der deutschen Wirtschaft noch was Gutes zu tun.
Und alle Viertelstunde geht der Kühlschrank an, summt vor sich hin, um sein Innenleben kühl zu halten. Das hat übrigens nichts mit sinnloser Energiemmission zu tun, sondern mit Altersvorsorge. Denn der Kühlschrank kühlt nur Bresso. Und Milch. Milchprodukte sind das neue Öl.
In der anderen Viertelstunde, in der der Kühlschrank schwieg, stellte ich mir vor, wie die Weihnachtsbleuchtung draußen vom Wind aus der Verankerung gerissen wird und jede einzlne Energiesparglühbirne von Osram mit einem netten Klirrgeräusch unten auf der Rochlitzer zerschellt. Ich rede mir ein, dass das normal ist. Und kein Zeichen für unterdrückte Aggression. OderHass gegen die deutsche Wirtschaft. Oder ein bisher unentdeckter Winkel meines Herzens, der für den Klimaschutz schlägt.
Heute nacht schlecht geschlafen. Zwischen zwei und vier hatte ich einen sich fiebrig anfühlenden kleinen Kater. Der Glühwein, aufgeheizt im Einmachding von der Mensa! Um sieben wurde ich dann irgendwie wach, hellwach, hatte aber extreme Kopfschmerzen, beschloss also, nochmal zu schlafen. Konnte ich lange nicht, dann fiel ich in eine Klartraumphase. Ich träumte von Whirlpoolen, Kriegsräten um dicke Baumstämme rum und ja, um meinem Skandal-heischenden Lesern Futter zu bieten: Sex. Um zehn dann ein Anruf, schläfst du noch? - Ja, irgendwie schon. Und das alles unter der schlimmsten Mondphase, die es gibt: Die typische Weihnachtsbeleuchtung Mittweidas ist auf der Rochlitzer Straße in Höhe meines Fensters angebracht worden. Normalerweise decke ich jede Lichtquelle, speziell aggresive Dioden, ab. Mit Socken oder T-Shirts. Kann nur bei absoluter Dunkelheit schlafen. Diesmal ist das nur unter Einsatz meines Lebens drei/vier Meter über dem Erdboden möglich. Fröhliche Schlaflosigkeit also die kommenen Monate!
Ich würde schon gern mal wieder sturzbetrunken aus dem Club heimtorkeln. Kurz vorm Gehen müde und verzweifelt meine Hosentaschen durchwühlen und wissen, dass ich da nichts mehr finde. Auf der Straße Fußballhymnen grölen und mich unter dem Licht jeder zweiten Laterne schlafen legen wollen. Zu Hause kurz vorm ins Bett fallen den Sonnenaufgang durch das Fenster beobachten und merken, wie sich die Welt gut anfühlt. Dann schlafen, schlafen, unruhig, aber weich und am nächsten Tag bis sieben Uhr abends im Schlafshirt rumlaufen. Mit dem Leben jonglieren und mich fragen, wo mein Platz in der Welt ist. In Cappuccino-Tassen ohne Boden rühren, Ziele haben, aber keine Pläne. Glauben, dass da noch mehr kommen muss, mich aber nicht fragen müssen, was später ist.
Irgendwie will mir das nicht gelingen.
Heute morgen bei vorzüglichem Latte- , Orangensaft- und frische Brötchen-Frühstück kam mir diese vorzügliche Geschichte zu Ohren:
Sie kam an eine Ampel, die auf rot geschalten hatte. Dort standen schon eine Oma und eine Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern, die Jaqueline und Leonie hießen. Die Mutter regte sich über die Ampel auf. “Letztes Ma hab ich hier ne Virdellstunde gewartet, bis ma grün worde!” Sie lunzte durch das um den Ampelmast versammelte Pulk an Menschen in Richtung des “Signal kommt”-Leuchtgerätes. Es war aus. Sie wunderte sich. Sie wollte sich aber auch nicht durchquetschen, um draufzudrücken. Die Straße überqueren konnte sie aber auch nicht, wegen der Kinder. Also wartete sie. Die Mutter erklärte Jaqueline und Leonie derweil: “Also die ham jetzt noch Rot, wenn die dort Rot begomm, begomm die grün und danach begomm die dort drüben Rot und dann gömmer gehn.” Jaqueline schien sich mit dieser Ampelschaltungslogik überschauenden Intelligenz ihrer Mutter nicht zufrieden zu geben und drückte auf das “Signal-Kommt”-Leuchtgerät. Die Mutter empörte sich. “Nein, Schackeline, das ist nur für Blinde!”
Dann wurde grün.
Schade, dass Christiane Sommers Beitrag zum Erfolgskonzept brand eins heute ausfiel, das finde sicher nicht nur ich. Was war denn da los? Ich hab gehört, sie sei krank gewesen.
Schade, dass es die Mediennacht-Karten nicht ohne After-Show-Party zu kaufen gibt. Ich hätte mir Latente Talente wirklich gern angesehen, allein schon wegen des Bloggens und Redens darüber. Aber sechs Euro für eine bloße Übertragung? In unbequeme Hörsäle? Bitte!
Schade, dass ich unheimliche Kopfschmerzen habe. Mein zusätzliches Augenflimmern heute morgen sagt mir, dass ich nun wohl auch im Kreis der Migräne-Erkrankten aufgenommen wurde, na vielen Dank. Da müssen meine Reviews leider noch warten. Aber sie kommen, bestimmt. Zum köstlichen Oliver Gehrs, zum korrekten Jan Schmidt und zum zweiten Panel zur New Economy 2.0. Sie kommen. Gestern hab ich ja gelernt, dass das Internet nicht unbedingt schnell sein muss, sondern das eher ein selbstauferlegter Fluch ist. Na da. Freu ich mich auf mein weiches Kissen.
Ich hatte mich ja schon mal dazu ausgelassen und auch das schon mal erwähnt. Ich glaube, ich muss beide Thesen ausbauen bzw. zu einer verdammt gut durchdachten und alles umreißenden These zusammenfassen:
Wer alt ist, ist zu alt, um das Altsein zu genießen. Ergo: Wer schon alt ist, wenn er noch jung ist, ist jung genug, um das Altsein zu genießen.
So. Jetzt ist es endlich raus. Wie ich dazu komme? Ganz einfach: Jung sein war noch nie was für mich.
Wenn man jung ist, muss man ganz viele schreckliche Sachen machen. Alkohol trinken. Viel zu laute Musik hören. Bars oder Diskotheken gut finden, wo man sich ob noch viel lauterer Musik nicht unterhalten kann, bestenfalls Bier über die Schuhe gekippt bekommt und schlimmstenfalls Jacke und Schlüssel geklaut. Studieren. Merken, dass man noch nichts weiß. Man darf nicht ans Heiraten denken und schon gar nicht ans Kinderkriegen, wäx! Man muss so Sachen sagen wie “Na logen, Alter” oder “Na, wieder fit?”.
Man muss sich rechtfertigen, wenn man das alles nicht mag. Das tue ich hiermit. Ganz offiziell. Ich mag Spaziergänge, Wärmflaschen, Natur, Städtereise, Rentenversicherungen und Luftbefeuchter. Ich gehe mit Vorliebe früh ins Bett und habe gern mindestens acht Stunden Schlaf. Ich koche gern. Ich mag Spieleabende mehr als Trinkgelage. Auf meinem Fensterbrett steht ein Topf mit Basilikum und ein Topf mit Schnittlauch. Ich ziehe nachts immer die Vorhänge zu. Ich hätte gern eine rückenschonende Matratze, kann ich mir aber nicht leisten, was leider leider das Hauptproblem an meiner These ist: Sie ist nicht finanzierbar.
Neulich hab ich einen Wellness-Tag in einem Kurbad verbracht. Eigentlich müssten derartige Einrichtungen von jungen, völlig zermatschten Workaholics überflutet sein. Es sind nur alte Leute da. Für die ist jeder Wellness-Kram aber schon zu spät.
Natürlich: Mein ganzes Gerede fust auf Klischees. Endlich wieder, umwälzen wie die Scheiße auf dem Kompost vor’m Winter. Aber mal ehrlich: Ein bisschen hab ich recht, finde ich. Deswegen geh ich jetzt schlafen.
171 ungelesene Blogbeiträge, 26 Emails auf drei Adressen (was meinem Ego nicht gut tut, war ja aber auch Wochenende dazwischen), acht ungehörte Podcasts - war was?
Ich war mal weg, abgetaucht, nicht im ICQ, Emails und SMS unbeantwortet gelassen, alles so eben, drei Tage lang. Warum? So sehr im Stress wie sie bin ich nicht, bestimmt nicht, Mittweida ist um einiges beschaulicher als Berlin. Nur hab ich in den vergangenen Wochen soviel Medien- und Kommunikationskram konsumiert, wie noch nie in so kurzer Zeit. Einfach zu viel. Morgens Feeds, beim Duschen das Radio, beim Frühstück die Süddeutsche, mittags das Amtsblatt, am frühen Nachmittag die neuesten Feeds, auf dem Weg von A nach B Musik, irgendwann noch eigener Medienkram, abends Podcasts, dann Fernseh-Nachrichten, ein Magazin vorm Einschlafen und wenn man schon beinah eingeschlafen ist, noch ein Podcast. Was mit Medien oder das Radio Eins Medienmagazin, versteht sich. Dazwischen immer wieder Emails, Telefonate, SMS, ICQ, manchmal sogar Reden und irgendwo hinrennen, um - ja um an Infos für neue Emails, Telefonate, SMS, ICQ und Texte zu kommen. Ich will gar nicht von Burnout reden, ich kann sowas vertragen. Irgendwie kam es mir nur so… falsch vor. So hetzend, so medial, einfach so sehr nach dem Kir Royal-Klischee der deutschen Medienlandschaft. Jetzt hab ich wieder richtig Bock. Mein Feed wartet mit hoffentlich netten Texten auf mich, ich werd die Emails durchschauen, Podcasts hören und ganz sicher ein später was schreiben. Wie vorher, der Jahrmarkt wartet und ich steig wieder auf, aufs elektronische Pferd.
Ach, und wen es interessiert, was ich gemacht habe (ein bisschen vom alten Exhibitionismus is scheinbar über geblieben): Geschlafen, gegessen, eingekauft, spaziert, alte TV-Serien gesehen und gelesen. Bücher. Ganz klassisch.
Abends, in einem ganz normalen Schlafzimmer der Republik. Zwei Personen mit Kopfhörern eines mobilen Abspielgerätes von Apple im Ohr.
Er: “So stellt sich die Web 2.0-Welt ihre Schäfchen vor. Podcast hören und Blog betreiben”
Sie: “Und dabei nichts verdienen.”
Er: “Genau.”
Pause
Sie: “Na dann ist ja alles geritzt. Wenn man für nichts etwas bezahlt, muss man auch nichts verdienen.”
“Lebenspraktische Dinge dagegen gehören für den verträumten Idealisten nicht zum wirklich Wichtigen. Mit den profanen Anforderungen des Alltags beschäftigt er sich nur, wenn es unumgänglich wird.”
“Oberflächlicher Smalltalk ist nicht seine Sache, wenn man mit ihm befreundet sein oder eine Beziehung haben will, muss man seine Gedankenwelt teilen und bereit sein, sich wirklich auf tiefgründige Gespräche einzulassen.”
Mag ich sowas? Manchmal schon.
War eben im Zirkus und hab eine entscheidende Frage beantwortet bekommen:
Was macht man als gänzlich unbegabter Bursche, der in eine Zirkusfamilie hineingeboren wird?
Möglichkeit eins: Man schlägt mit regelmäßiger Genauigkeit den Tusch erst NACHDEM in der Manege der entscheidende Sprung getan oder die entscheidende Figur geturnt wurde.
Möglichkeit zwei: Man regelt den manuell und direkt zu bedienenden Scheinwerfer.
Da lob ich mir das heimische Bier.
Besonders abergläubig bin ich nicht. Trotzdem lese ich immer, wenn mir irgendein Boulevard-Blatt in die Hände kommt, mein Horoskop. In den nächsten Minuten habe ich den Inhalt dann vergessen. Ich schmeiße auch Zettel von Glückskeksen sofort weg, statt sie fein säuberlich mit Datum und Knack-Anlass an meine Pinnwand zu heften. Trotzdem hab ich mir am Wochenende zum ersten Mal so Tarot-Karten legen lassen. Und ob der mystischen Atmosphäre (so ‘ne Hexe mit tiefer Stimme in irgeneinem geistebahnartig-dekorierten Hinterzimmer, nur der Dialekt hat mich ein bisschen an Nina Hagen erinnert, was aber der komischen Stimmung keinen Abbruch getan hat) hab ich mir alles gemerkt.
Ich werde einen Liebesbrief, Kuss oder sonstwas erhalten. Kunststück. Er hatte die Karte auch, aber lassen wir das, abergläubig bin ich nicht und kitschig auch nicht.
Feste Bindung. Kommt noch? Is schon? Wurde langsam interessant, aber ich glaube ja nicht dran.
Den Namen der dritten Karte habe ich vergessen. Ich solle nur besser erst denken, bevor ich rede, hieß es. Gelächter im Raum.
Schon vor dem Mittag die Schreibtischlampe angeschalten. Unruhe verspürt ob der gegen die Dachfenster prasselnden Regentropfen. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich mir früher Schnecken als Haustiere hielt. Die klebten bei Regen auch immer völlig unruhig an der Innenwand ihrer Einweckgläser.
Doofer Spruch. Manchmal wünschte ich, es wär einer.
Gestern hab ich zum ersten Mal in diesem Berlin, in dem ja angeblich die große Weltpolitik und ne Menge Medien- und Fernsehkram gemacht werden sollen, eine semiprominente Person gesichtet, ihn hier:
Verliebt in Berlin-Gucker oder Ehemalige werden ihn kennen. Für mich wurde es schon Zeit. Nachdem ich nun jeden Tag an anzugtragenden Mitte-Hanswursten vorbeiflaniere, wurde es schon Zeit, mal irgendwie einen Hauch von diesem ganzen Berlin-Promi-Flair um die Nase wehen zu spüren. Ich hab mich jedenfalls darüber gewundert, dass der ViB-Typ auch im echten Leben so eine komische, angegelte Frisur trägt.
Titel geklaut. Serienidee geklaut. Einfach alles geklaut. Trotzdem: Es gab ein Leben, welches das meine war, da war ich noch weit entfernt von dem Gedanken, mir mit der Medienbranche selbiges zu versauen. Oder kurz davor, eigentlich egal, denn ich hab schon in der dritten Klasse auf einen Steckbrief “Journalistin” als Berufswunsch geschrieben. “Archäologin” stand damals aber auch noch recht hoch im Kurs. Ich wette, bei beiden Worten hab ich irgendwo nachgeschlagen. Auf dem Steckbrief sind jedenfalls keine Schreibfehler. Aber ich komme vom Thema ab: Ich hatte schon viele Jobs. Und ich möchte darüber bloggen. Aber machen wir es so: Ich umschreibe, was ich gemacht habe, und ihr ratet, was ich gemacht habe, ja? Der Gewinner (der erste Kommentator, der richtig liegt, logisch) bekommt nichts. Es wird auch einfach zu einfach werden. Wenn ihr darauf keinen Bock habt, dann lass ich das beim nächsten Mal, nur momentan bin ich latent gelangweilt und will was Neues probieren. Also, Start.
Prä-Generation Praktikum
Mein erstes Praktikum also. Schülerpraktikum, zwei Wochen. Wie immer hatte ich keinen Plan. Keinen Plan, was ich mal machen wollte und keinen Plan, dass die Zeit, bis ich einen Praktikumsvertrag vorlegen müsste, schnell verfliegen würde. Ich war also ein bisschen in zeitlich-inhaltlichen Schwierigkeiten, hab das Praktikum dann aber trotzdem noch irgendwie pünktlich anfangen können.
Es verschlug mich an einen Ort, den ich damals schon von früher kannte. Nur jetzt kam mir alles sehr viel kleiner vor, als ich es in Erinnerung hatte. Es roch aber noch immer gleich, was regelmäßig Würgereize ob Erinnerungen an aufzuessenden Rosenkohl und auszutrinkenden Kinderkaffe in mir hervorrief.
Mein Arbeitstag sah in etwa so aus: Er fing früh an. Zuerst war es laut. Plaste schlug auf Plaste, Holz auf Holz und Plaste auf Holz. Getrippel und Geschrei. Manchmal stank es. Ich musste sehr oft nach unten schauen und in kleinen Räumen befanden sich viele Menschen. Mittags wurde es dann ruhiger und manchmal machte ich ein Schläfchen auf einer viel zu kurzen Matraze. Nachmittags ging’s dann nicht mehr so lange und die vielen Menschen in den kleinen Räumen wurden weniger. Manches Mal musste ich dann noch Essensreste von Stuhlbeinen wischen.
Highlight war, als die vielen Menschen die kleinen Räume verließen und ein bisschen herumliefen. Meine Aufgabe beschränkte sich dabei auf Schieben und Rufen. Manchmal schob ich etwas zu unaufmerksam über Füße drüber.
Fazit: Nett. Ich hatte nicht so viel zu tun und konnte lachen. Die Menschen waren mir sympathisch und ich Ihnen auch. Sie mochten meine Knie und vereinzelt klammerten sie sich buchstäblich an meinen Rockzipfel, damit ich nicht ging. Aber: Kein Job fürs Leben, viel zu wenig mit Wörtern zu tun. Schülerpraktikum - beurteilt nach seinem eigentlichen Nutzen - in den Sand gesetzt.
Die S-Bahnen fahren nicht. Es interessiert sie nicht. Sie sind gewohnt, dass etwas schief läuft, hier in der Großsstadt. Es ist egal, ob sie darauf vorbereitet waren oder nicht, es stört sie einfach nicht. Sie suchen sich wie selbstversändlich einen neuen Weg. Einen neuen Weg, um dahin zu kommen, wo sie jeden morgen hin kommen. Die neue Umgebung beachten sie dabei nicht. Statt über Brücken, strömen sie eben durch unteridische Gänge. Mit dem gleichen Gesicht wie jeden Tag. Dem gleichen Lied aus den Kopfhörern wie jeden Tag. Desinteressiert an der Lage, desinteressiert am Leben.
Neben mir sitzt eine dicke Frau und telefoniert. “Du, ich wollte dir nur kurz sagen, die S-Bahnen streiken. … Ja, sie fahren nicht, ich bin jetzt schon 20 Minuten länger unterwegs als normal und immer noch nicht da.” Sie lacht. “Ich wollte dir nur Bescheid sagen, dass du dich besser darauf einstellen kannst.” Ich lächle.
Es gibt ja Leute, die interessieren sich für mein Leben. Und unter diesen Leuten gibt es Leute, die kennen ja Berlin nicht. Deswegen mal eine kleine, nicht wirklich feine, aber ausreichende Sammlung von Impressionen von hier.
Der Blick aus meinem Fenster. Noch. Bis heute. Oder morgen. Ich fahre jeden Tag mit dieser gelben Bahn. Ist eine U-Bahn, auch wenn es aussieht, als wäre sie eine S-Bahn. Und da steige ich in diese gelbe Bahn ein:
Auf dem Weg zur Arbeit sehe ich ihn. Und mache daran den Tag fest: Besonnt, benebelt, beregnet.
Da wo der Pfeil hinzeigt, da arbeite ich, nämlich genau hier:
Ob das Handeslzentrum oder der Copy Fix mein Arbeitsplatz ist - darüber schweige ich mich aus.
Und hier nochmal was nettes: Ich mit Berliner Ziegen.
Hab mich heute sehr wohl gefühlt, als ich die Anzeigen am Bahnhof problemlos lesen konnte, mit meinen neu erstandenen geschenkt bekommenen Kontaktlinsen. Endlich kann ich die Preise beim McDonald’s lesen. Endlich kann ich Leute nicht nur an ihrem Gang, ihrer Jacke oder Tasche erkennen. Endlich verpeile ich es nicht mehr, Menschen zu grüßen, nur weil ich sie nicht erkenne. (Eine Ausrede weniger, aber wenn im Falle eines Falle hatte ich dann eben gerade keine Linsen drin.) Endlich kann ich den Backofen öffnen, ohne das die Brille beschlägt. Und über die Vorteile im Winter, wenn man vom Kalten ins Warme kommt, will ich gar nicht erst reden.
Weil Leute im Anzug, schätzungweise Mitte/Ende 30, in der S-Bahn stehen, und 4 Stationnen lang nichts anderes machen, als in das Magazin zu starren.
Bevor dieser Post richtig anfängt, muss ich etwas klarstellen: Ich bin in einer Stadt mit in den guten Tagen meines 18jährigen Dortverweilens 250.000 Einwohnern geboren (da kann ich quasi bald alleine wohnen) und aufgewachsen. Den Großteil der vergangenen zwei Jahre habe ich in Mitttweida verbracht, 15.000 Einwohner und es werden weniger. Ergo: JA, ich bin Menschenmassen, U-Bahnen, Bettlern, Zeitungsabo-Verkäufern, Coffee-to-go-Invasionen, vielen Autos und übermäßig vielen Fahrradfahrern (7.300 allein an der Oberbaum-Brücke. Jeden Tag. Hab ich heute in der Zeitung gelesen.) nicht gewachsen. Und JA verdammt, Großstädte beeindrucken mich.
Es gibt ein paar Dinge, die der Mensch schlicht braucht. Essen, Klamotten natürlich, Schlaf auch. Dazu muss der Mensch wohnen können, logisch. Wenn das nicht ganz so gesichert ist, drückt das die Lebensqualität enorm. Und für Menschen wie mich, hängt in solchen Situationen ein ganzer Hinkelstein am Herzen. Auch wenn ich mir dann immer einrede: “Is doch cool, so völlig unbedarft in die Zukunft, wirst schon sehen, wie es kommt, wenn es einmal kommt.” Aber - da kann ich mich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln - so bin ich nicht. Aber jetzt gehts mir gut, denn - kurzum - nächste Woche fahr ich nach Berlin und seit heute Mittag werd ich da auch wohnen können. Schön.
Es ist ja so: Ich arbeite nun schon eine ganze Weile im Kaufland. Und spätestens seitdem jenes an manchen Tagen in der Woche bis 22 Uhr geöffnet hat, kann man dort alle Sozialgruppen Mittweidas analysieren. Und es gibt sie wirklich. Die Klischees. Das vom stinkenden Penner, der sich eine kleine Flasche Goldkrone holt und dazu einfach an den Kassen vorbei zu den Zigarettenständern dahinter torkelt. Das vom Sternburg kaufenden Nazi. Das vom “Die Kartoffeln sind doch reduziert, oder?”-fragenden Renter. Das vom Studenten, dem Kartoffelpreise egal sind, weil er eh nur Pizza, Chips und Cola kauft. Abgesehen davon gibt es einige nette Beobachtungen. Manche davon machen mich schmunzeln, andere kopfschütteln. Eine Zusammenfassung.
Ich hab mir Schuhe bestellt. Hier und hier. Beide sind ausverkauft! Ist es zu fassen? Den einen gibt’s noch eine halbe Größe größer, das wäre kein ZehenBeinbruch. Aber ich weiß nicht recht, ob ich hoffen soll. Ausgerechnet jetzt, wo ich einen Schuhtick zu bekommen drohe.
Was sage ich in solchen Situationen?
Sie fordert auf, Füße zu zeigen. Schuhe vielmehr, zu Füßen würde eher sie auffordern. Aber egal. Ich habe keinen besonderen Schuhtick. Zumindest hatte ich keinen, bis ich vor kurzem eine Wette gewonnen habe und damit ein paar Schuhe. Die sind aber noch nicht da. Deswegen die, die ich gerade anhabe.

Converse: Jack Purcell Canvas Sneakers
Zugegeben, sie sind ein bisschen dreckig, aber nicht kaputt. Außerdem weiten sie sich langsam so aus, dass die Nähte nicht mehr drücken. Scheiß Leinenschuhe.
So, mitmachen sollten nun auch Stefan, Susi, Julian und Kristof.
Nachdem er hier schon den selben Frisör besucht hat, wie ich heute und drüber gebloggt hat, will ich es ihm nun gleichtun. Wirklich dekadent dieser Laden, ganz in schwarz-weiß, vier nichtstuende Damen erwarteten mich heute morgen und umsorgten mich sogleich aufgeregt. Manchmal fummelten wirklich drei (!) Leute in meinen Haaren rum. Unter sich waren sie nicht ganz so kollegial, die Gesellen schickten die Azubinen rum und fluchten, wenn diese nicht sofort auf das Gerufe reagierten und die Azubinen lästerten über das Rumgescheuche. Alles natürlich im Flüsterton, aber hallo, trage ich ein Hörgerät? Reinste Frisörinnen-Klischees also. Aber, here it is:


Mir gefällt’s. Es ist glatt und fliegt im Wind. Geht vielleicht demnächst noch wer zum Frisör, der das Stöckchen auffangen will?
“Die Volksbank Mittweida hat sich auch im Geschäftsjahr 2006 wieder hervorragend auf dem Markt geschlagen.” Ich sah in die Mitte des Tisches. Säuberlich aufgereiht standen da die kleinen Lichtenauer-Flaschen, sortiert nach den verschiedenen Farben ihrer Kronkorken. Ich hatte Durst. Ein Lichtenauer-Glas blitzte mich in greifbarer Nähe mit dem Kopf nach unten gestülpt an. “Wir müssen die Jugend gewinnen, die Jugend ist die Basis unserer Gesellschaft.” Der Flaschenöffner lag auf der anderen Seite des Tisches, ich konnte nur das Ende seines blauen Griffes sehen. Zu weit weg von meiner Hand. Neben mir saß ein sehr dicker Mann, dessen Bauch bis an die Tischkante reichte. Um ihn konnte ich unmöglich herumgreifen, selbst wenn ich drei Arme gehabt hätte. “Wir haben uns in der Region nicht nur als Finanzdienstleister, sondern auch als potenter Arbeitgeber etabliert.” Ich sah sofort, dass er nach dem Öffner gegriffen hatte. Er saß mir genau gegenüber, aber wenn er den Öffner nach getaner Arbeit etwas rechts von sich legen würde, würde ich probelmlos zugreifen können. Ich sah, wie sich der Kronkoren unter dem Druck des härteren Metalls in der Mitte umknickte und hörte die entweichende Kohlensäure zischen. Achtlos legte er den Öffner direkt vor sich ab. Ich war ein wenig erschüttert, nun konnte ich ihn nicht einmal mehr sehen. “Mit unseren starken Partnern sind wir in der Lage, alle Dienste im Finanzsektor abzudecken.” Der dicke Mann neben mir schob sich einen Schokokeks in den Mund und spülte die Krümel mit einem kräftigen Schluch Ginger Ale hinunter. An die Kekse wäre ich rangekommen, zum Runterspülen hatte ich nichts. Die zweite Flasche Ginger Ale aber stand direkt vor mir. Ungeöffnet. “Die Zusammenarbeit des Vorstandes mit dem Aufsichtsrat war über das ganze Jahr hervorragend und konstruktiv.” Ich sah sofort, dass der junge Mann neben mir, nach dem Ginger Ale griff und war kurz empört. Gleichzeit griff er aber nach dem Flaschenöffner und legte ihn direkt vor sich ab. Da lag er nun. Glitzerte und wartete nur noch darauf, von mir ergriffen zu werden. Ich sah ihn an. “Unsere Beteiligung an Projekten in der Region machen uns auch zu einem kulturell starken Partner.” Ich griff nach dem Öffner und fast gleichzeitig nach einer Flasche Tonic Water. Der Öffner lag gut in der Hand, das Glas der Flasche kühlte meine verschwitzte Hand und das Tonic meine Kehle. Durstig war ich nicht mehr. Dafür war mir jetzt langweilig.
Oder: Wie man viel von dem sagt, was man nicht sagen wollte und wenig von dem, was man sagen wollte
Auf meinem Abi-Zeugnis (das übrigens mein Leben lang mit dem Makel “Zweitfertigung” versehen sein wird, aber das ist eine andere Geschichte) steht, ich sei im Besitz des kleinen Latinums. In diesem Teil hat der Schriebs die gleiche Wirkung wie der Trauschein einer Scheinehe. (Trauschein - Scheinehe. Das ist ein hübscher Teil eines lustigen Kinderspiels, findet ihr nicht? Aber ich schweife ab.) Jedenfalls geht mein Wissen nicht sonderlich weit über die Übersetzung von “Casus Belli” hinaus. Das lag an folgendem: Wir hatten mehrere Lateinlehrer. Bei zweien von denen musste ich nichts lernen. Der erste war ein gealterter Schwuler mit einem Überbiss und viel zu wenig Durchsetzungsvermögen. Ich erinnere mich, wie wir einfach während des Unterrichts den Raum verließen, Blutpillen im Mund platzen ließen oder Karten spielten. Die Klassenarbeiten (ich musste nach diesem Wort echt kramen in meinem Kopf) bewältigten wir trotzdem mit unverhältnismäßig guten Noten, denn Herr P. hatte die gleiche Angwohnheit wie Frau S., die zweite Lateinlehrerin, von der ich sprach: Vor einer Arbeit gaben beide immer einen Pulk an Vokabeln heraus, die wir zur Vorbereitung lernen sollten. Wir stellten schnell fest, dass man diese nur mit denen unter den Texten in unserem Lehrbuch (meistens waren es die B-Texte einer Lektion) vergleichen mussten, um zu wissen, was drankam. Wortwörtlich. Wir hätten die Texte natürlich alle vorher übersetzen können und uns kleine Spicker schreiben können, damit wären wir gut durchgekommen. Aber auch schon damals waren wir faul und auch schon damals, zu Web1.0-Zeiten, gab es Internetforen. Auf einem von denen waren glücklicherweise alle Texte aus unserem Lehrbuch übersetzt. Das Prozedere war also folgendes: Jemand druckte sich Orinal und Übersetzung aus, am Tag vor der Klassenarbeit schrie derjenige durch den Raum, wer alles Spicker haben will und lief dann hoch zum Kopierer, um die Texte zehn bis fünfzehn Mal klein zu kopieren. (Das haben wir übrigens in Klasse 10 mit ganzen Bio-, Chemie- und Physikheftern getan, bzw. mit einem Hefter, der immer am übersichtlichsten und suabersten geschrieben war. Kein einziges Mal flogen alle auf.) Dann noch ausschneiden und fertig. Meistens war noch nicht mal ein Abgleich des Textes auf der Arbeit mit dem Text auf dem Spicker nötig, einfach abschreiben. Vielleicht kleinere, individuelle Formulierungen, aber selbst dazu war zumindest ich am Schluss zu faul. Herr P. wunderte sich nie über die Diskrepanz zwischen unserem Wissen und unseren Noten, Frau S. dagegen fand es zuweilen wenigstens seltsam, dass wir uns bei der “De Bello Gallico”-Übersetzung noch nicht mal merken konnten, was persuadere heißt - dieses Wort kam der sehr oft vor, der ganze Text bestand quasi daraus, dass Cäsar irgendjemanden zum Krieg gegen die Gallier persuaderte - und so gut in den Arbeiten waren. Aber auf die Füße fiel es uns nie. Nichtmal dieses eine Mal, als wir den Prüfungstext nicht anhand der Vokabeln ausfindig machen konnten und alle grottenschlecht abschnitten.
Jetzt hab ich extrem weit ausgeholt. Wir hatten jedenfalls noch eine dritte Lateinlehrerin, Frau Sch. Das war in den ersten beiden Jahren Latein. Bei ihr konnte ich alle quiquums dieser Welt konjugieren und auch übersetzen. Denn es war leicht. Meistens schrieben wir eine Probearbeit mit identischer Aufgabenstellung zu der im Ernstfall. Außerdem konnte auch sie sich nicht durchsetzen (Ihr wuchsen sogar graue Haare. Wirklich.) und wir schlugen immer irgendwie gute Noten in Vokabeltests raus oder schummelten ein wenig. (Kein Vergleich zu dem, was zwei Jahre später geschehen sollte!) Frau Sch. beschmierte sich vorn fröhlich mit Kreide (was aufgrund ihrer dunklen Haare und Klamotten sehr erheiternd war) oder schlief, den kleinen Arsch an die Fensterbank gelehnt, im Stehen. Sie sah wirklich richtig scheiße aus, aber das nur am Rande. Sie sagte oft: “Das habe ich akustisch nicht verstanden.” Kein Wunder, meistens war es laut. Der springende Punkt ist: Wir machten uns sehr über diese erhaben klingende Formulierung lustig.
Gestern habe ich mich nicht zum ersten Mal dabei ertappt, wie ich sagte: “Das habe ich akustisch nicht verstanden.” Ist ja auch logisch, man will ja nicht als dumm dastehen, wenn man einfach nur sagt, man habe etwas nicht verstanden. Es besteht ja nun doch ein erheblicher Unterschied zwischen - Achtung, vorallem Achtung Frau Sch., denn jetzt kommts - kognitivem Verstehen und akustischem Verstehen. Dieser kleine Absatz hier beinhaltet rudimentär das, was ich eigentlich sagen wollte. Das ich Angst habe, immer genau so zu werden, wie das, worüber man sich lustig macht. Ich wollte dazu weiter ausholen, bin nun aber zu faul,meiner Fingerkuppen schmerzen bereits und warten auf ihr Sprudelbad. (Stellt euch das wie einen elektrischen Eierkocher mit zehn Löchern vor. Der Whirlpool für meine geschundenen Finger.)
Das ist ein schlechter Abschluss für den Post, deshalb nochmal zum Schluss und zum Sinnmachen: Entschuldigung Frau Sch., dass ich mich damals bubenhaft über Ihre sehr eloquente und präzise Ausdrucksweise erheiterte. Ich war klein, dumm, unerfahren und trug die falschen Schuhe. Ich hatte einzig Angst vor Ihrer hervorstechenden Intelligenz und Ihrem überwältigenden Wortschatz. Ich wollte das auch. Und weil ich mir das in meiner kindlichen Arroganz nicht eingestehen konnte, blieb mir nichts anderes, als mich über Sie lustig zu machen.
Ups, hab ich jetzt etwa doch noch die Kurve in diesem Post bekommen?
Jaja, ich weiß. Nachlässig hab ich das Bloggen über Hermann irgendwie nicht gebacken bekommen. (haha) Genauso wenig wie den Kuchen selbst. Nein, im Ernst ich muss am Ende der Odysee erschüttert feststellen, dass ich einfach nicht in der Lage bin, etwas würdevoll zu Ende zu bringen! Ich hatte keine Zeit zum vorgeschriebenen Zeitpunkt und vor allem habe ich keinen Backofen. Nein, dass ist mir nicht erst aufgefallen, als der Kuchen schon in der Springform ruhte, ändert aber nichts an der Tatsache. Nun denn. Ich habe immerhin die Hermann-Kinder verteilt (mit einigen Problemen, wie ich erschrocken feststellte. Ich musste Werbung machen und sogar zu in unlauteren Wettbewerb mit konkurrierenden Hermann-Kuchen treten) und werde den Hermann einfach noch ein bisschen füttern und ihn am Wochenende backen. Das alles geschieht im Stillen, damit ich nicht erneut ein Scheitern eingestehen muss. Eine etwaige Erfolgsmeldung jedoch kommt. Vielleicht. Damit ihr nicht am Ausbleiben einer solchen doch noch mein Scheitern erkennt.
Zur Aussöhnung mit allen Hermann-Voyeristen folgt nun ein kleines Video von mir und Hermann aus besseren Tagen. Ohne Ton. Hermann kann eh nicht sprechen.
[MEDIA=1]

Gestern hab ich den Teig umgetopft. Weil ich auf einen Wachstumsschub gehofft habe. Er muss doch atmen können, der Kleine, dachte ich, vielleicht wächst er nur deshalb nicht. Geht es nur mir so, oder wirkt er verloren in der großen Schüssel?
Vielleicht helfen ja die 200 Milliliter Milch, die heute auf dem Rezept stehen. Hab ich gestern noch groß rumgetönt, dass ich einen Messbecher besitze, muss ich heute resigniert feststellen, dass ich diesen nicht mit nach Potsdam genommen habe. Also wieder abschätzen.

Sieht das nach 200 Millilitern Milch aus? Rühren ließ sich der Teig jedenfalls hervorragend. Eine wunderbar weiche Masse. Ich mag es, Teige zu rühren oder zu kneten, ich weiß nicht warum, aber es ist einfach so. Das hat etwas sehr anheimelndes. Und verspricht in den meisten Fällen baldiges Gaumenvergnügen.

Wie er da so friedlich und überhaupt nicht mehr klebrig in der Schüssel lag, da kam ich nicht umhin, ein bisschen mit dem Teig zu spielen. Kleine Tropfen zu zaubern. Oder einen Pizzateig zu klopfen. Ich hätte sogar beinah kosten wollen, er sah so lecker aus, fast wie Plätzchenteig. Aber der komisch-schale Biergestank, der ununterbrochen von dem Teig ausgeht, hat mich abgehalten. Da hab ich noch ein bisschen gerührt. Erwähnte ich, dass ich Rühren mag?
Irgendwie hab ich geahnt, dass das hier lustig werden würde. Einfach deshalb, weil ich nicht Backen kann. Nicht, dass es in diesem Fall viel zu tun gebe, aber über die Erfahrungsgrenze von Dr. Oetker-Backmischung-Zusammenrührern wird es vermutlich hinaus gehen. Nun aber zum heutigen Hermann-Tag.

Ich war einkaufen, zumindest die meisten von den Sachen musste ich vorsätzlich einkaufen gehen. Das werd ich demnächst alles brauchen. Rosinen oder so ein Luxuskram vielleicht noch, aber siehe da, die hab ich da. Irgendwo. Heute erstmal nur Zucker, 200 Gramm steht auf dem Rezept. Eine Waage habe ich nicht. Einen Messbecher dagegen schon. Sind 200 Gramm genauso viel wie 200 Milliliter?

Nach reiflicher Überlegung um den Unterschied zwischen Volumen und Gewicht, entschied ich mich abzuschätzen und schüttete vermutlich genau 200 Gramm Zucker in den Teig. Der ließ sich unglaublich schwierig umrühren und dürstet nach meinem rudimentärem Hausfrauenverständnis quasi nach der Milch, die er erst morgen bekommt.

Irgendwie ist der Teig auch nicht mehr geworden, er kommt mir eher eingefallen vor. Er bläht sich zwar immer auf, aber seine Dichte in dem aufgeblähten Teil ist so gering, dass er beim Rühren zusammenfällt. Ist das normal oder muss ich mir Sorgen machen?
Oder: ultimativer Tagebucheintrag mit Fortsetzungsgarantie
Ich hab in meinem Leben genau einen Kettenbrief beantwortet beziehungsweise weitergeleitet. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber irgendwie hatte dieser Brief in seiner Unbedarftheit mein Mitgefühl geweckt. Ansonsten hasse ich alles, was aussieht wie ein Kettenbrief, und mag noch so eine schöne Powerpoint-Präsentation dranhängen. Umso verwunderlicher ist meine aufgekratzte Freude über ihn hier:

Das ist ein Hermann-Kuchen oder wenigstens etwas, was einer werden will. Fünf Tage sind nun Zeit ihn zu hätscheln und tätscheln, das kleine Baby. Einen Namen hat er nicht, zumindest noch nicht, ich denke, ich werde ihn aber auch nicht benennen. Fünf Tage jedenfalls, in der ich, der Belanglosigkeit fröhnend, jeden Tag über den Zustand und die Zeit, die ich mit dem Kuchen verbringe, bloggen werde. Heute wollte er einfach nur umgerührt werden, steht im Rezept:

In der vergangenen Nacht ist er irgendwie schon richtig gewachsen. Bald werde ich ein größeres Gefäß für ihn finden müssen. Hach.
Übrigens: Wenn meine fünf Tage Pflege um sind, werde ich traditionsgemäß drei Teile von [jetzt rächt es sich doch, die Sache mit der Namenslosigkeit, soll ich schon wieder Kuchen sagen?] weitergeben. Zwei hab ich schon verplant. Für das dritte Stück nehme ich noch bis Sonntag Bewerbungen entgegen.
Fast zwei Jahre wohnt sie nun hier, seltsame Dinge sind geschehen, aber der farbschöne Aschenbecher, gesponsert von der Zigarettenmarke mit dem kleinen f und der großen 6, wurde bisher noch nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Doch nun erinnern da wo er stand nur noch der blasse Dreckabdruck und die Polizeimarkierungen an seine Existenz.
![]()
Gestohlen wurde er, von dreisten Unbekannten, die das Eigentum Einzelner nicht achten. Am vergangenen Donnerstag oder Freitag muss es gewesen sein. Sachdienlich Hinweise dazu, was sich in dieser Nacht auf der Terrasse an der Feldstraße 5 zugetragen haben könnte, nimmt jede Polizeidienststelle und meine Kommentarfunktion entgegen.

Am 26. März Geld überwiesen, heute in meinem Briefkasten gewesen, Bewertung fraglich. Zumindest hoffe ich jetzt, dass ich mein verschollenes Ladegerät nie wieder sehe.
PS: Ich danke allen, die mir in den schweren Stunden von Zeit zu Zeit ihr Ladegerät borgten.
In einem Ort mit geharkten Randstreifen, Hundehütten mit Schornsteinen, Dauercampern am vorstädtischen Waldbad, da, wo der Familienvater auch bei höchstens 13 Grad mit kurzen Hosen vorm Holzgrill steht und wo fremde Frauen aus fremden Fenstern fremde Menschen anlächeln, gibts auch solch rot-weiß-roten Paradiese für schwache Beine und junge Grashalme:


Es lebe die Faulheit.

Mittweida hat was hübsches, besonders, wenn die Sonne scheint. Die Rochlitzer Straße sieht dann hübsch aus, auch der Markt. Gestern habe ich mir am Stand vor der Bäckerei Möbius fünf Krapfen gekauft. Ich fand den Stand, obwohl er fast nichts kleinstädtisch-romantisches hatte, putzig in dem Moment. Irgendwie friedlich, wie die Krapfen da zuckerbestreut auf ihrem Blech lagen, über den Asphalt dufteten und einfach nur schön waren. Da war für ein paar Sekunden das, was ich Filmmusikmoment nenne. Da fehlt nur eine krafvolle Instrumentalmusik nach dem Vorbild von Rosamunde-Pilcher-Filmen, ja, allein der Gedanke daran, lässt meinen Blick fast kameratauglich weit werden. Die Stirn in Falten gelegt, ein halbes Lächeln um Augen und Lippen denke ich dann immer, wie gut es wäre, das weiche Gefühl im Bauch jetzt halten zu können. Aber schon der ordinäre Beutel aus Plastik, den die Verkäuferin umbarmherzig um die Bäckertüte voller Krapfen knotete, hat den Moment wieder zu einem aus dem Leben gemacht. Gefühlsduselei wegen Krapfenständen, Wehmut wegen Knotenbeuteln. Grübeln, weil Filmmusikmomente schön und flüchtig sind, Grinsen, weil das gut ist.
… löst doch tatsächlich einen Bloghype aus! Wenn einem nichts mehr einfällt oder man seinen Nachbarn im Großraumbüro nicht mag, redet man ja schon seit vor der Existenz von Blogs über das Wetter. Erst wars noch Kyrill, jetzt ist es schon schön pulvriges einfaches, weißes Zeug.
Ich mag Schnee auch. Mützen, Handschuhe und Schals sowieso. Ich hab sogar extra ein Termoplugin in meine Jacke eingereißverschlusst. Das Gefühl, wenn eingefrorene Wangen im Warmen wieder aufkribbeln, finde ich auch schön.
So, und um das abzuschließen, ein kleines Rätsel, angelehnt an ProSieben-Gewinnspielfragen: Was ist auf diesem Bild so herrlich sauber eingeschneit?

Zu gewinnen gibt’s eine Schneeballschlacht, höhö.
Draußen bläst ein frischer Wind, sogar die Vorlesungen werden abgesagt. Ich hab mich kurz gefragt, warum und ob wir denn vielleicht auf dem Weg zur FH versichert sind. Für jemanden wie mich, der sich immer irgendwie weh tut, selbst ohne Sturm, wäre das wirklich wichtig zu wissen. Jetzt, wo ich das schreibe, wird mir die Dummheit der Frage klar. Natürlich sind wir versichert. In Deutschland gibt’s für alles eine Versicherung.
Edit: Eben im Printpool, O-Ton Prof. Graßau: “Sie haben ja alle die Email gelesen, ich mach jetzt hier einen kleinen Stubendurchgang und bitte Sie, 15:30 Uhr nach Hause zu gehen. Alles andere ist dann auf eigenes Risiko, unterschätzen Sie das nicht.” Auf meine Nachfrage, ob denn das Dach einstürzen könnte: “Das weiß ich genau so wenig wie Sie. Ich bin optimistisch und hoffe einfach, dass hier heute Nacht weder das Dach noch sonstwas wegfliegt. Sonst müsste ich ganz anders handeln.” Lustig. Es geht wohl wirklich um Versicherungen.
Und, eine Person neben mir, nachdem Prof. Graßau gegangen war: “Ich hol mal meinen Laptop aus dem Stuido.” Den, den er neben den Studiokameras platziert hatte. Nobel geht Haus vier zu Grunde.
Apropos: Gestern Kaminer in der Mensa gehört. Köstlich. Mein kleines, persönliches postalkoholisches Aufmerksamkeitsdefizit erzwang zwar eine überhöhte Anstrengung beim Zuhören, aber es hat sich gelohnt. Klischees über Deutschland und Klischees über Menschen. Sogar eigene Klischees erfindet der Mann. Schön.
Ansonsten ist es hier zur Zeit sehr ruhig. Lust zu bloggen hab ich keine, Gründe dafür auch nicht. Themen hab ich dagegen viele, nur um die Worte ist es schlecht bestellt. Natürlich bin ich auch faul. Jedenfalls warte ich einfach, bis es vorbei geht.
Am Ende eines Tages bin ich immer froh, wenn er sich gelohnt hat. Die meisten meiner Tage lohnen sich, selbst die, an denen ich maximal sechs Stunden “wach” bin. Gut ist, wenn ich etwas gelernt habe. Fachlich, menschlich, sinnlos, wichtig, bald wieder vergessen, für immer gemerkt - völlig egal. Ich mag das Gefühl, ein bisschen klüger zu sein, als vorher. Auch, wenn’s erst hinther ist. Zuletzt gab es recht interessante Erkenntnisse:
- Ich bin erwachsener geworden. Hat man mir zumindest gesagt. Ich hab mich gleich gefragt, ob “erwachsen” ein Synonym für “ernst” ist, hab den Gedanken ob kleiner Geister aus Servietten, Sinnloswitzen und Bleistift schwingender Fragen wie “Willst du geimpft werden?” aber schnell wieder verworfen. “Reifer” sei demnach vielleicht das bessere Wort, war die Antwort auf meine Nachfrage. Mmh. Vielleicht stimmt’s, irgendwann muss es ja auch mal vorangehen.
- Proto-Semitisch ist eine Sprache. Mit hübschen Schriftzeichen. Einigen von denen sollte der Weg in die Neuzeit geebnet werden, die proto-semitische Schlange zum Beispiel ist recht sympathisch.
- “Durchgeführt” ist kein journalistisches Wort, Feiertage wie “Weihnachten” oder “Halloween” sind präpositionslos und Artikel fangen immer im Perfekt an. Letzteres hab ich Donnerstag (also heute vor einer Woche, Anm. meinerseits) gelernt und bereits Montag war es wieder vergessen. Mist.
- Wenn die Stadt Mittweida die Kostenstrukturen der Freiwilligen Feuerwehr - sprich Entschädigungen für die Feuerwehrmänner usw. - überdenkt und dann in der Beschlussvorlage “Gebührenerhöhung” steht, dann heißt das zwar, dass die Stadt mehr Geld für die Feuerwehr auszugeben gedenkt, nicht aber das sich gleichzeitig die Entschädigungen erhöhen. Im schlimmsten Fall erhöhen sich die Kosten der Stadt, aber die Gelder für den gemeinen Feuerwehrmann sinken. Logisch? Fand ich nicht. Deswegen steht in der NOVUM vom 5. Dezember, dass die Entschädigungen erhöht werden, obwohl sie tatsächlich gesenkt werden. Hängt wohl damit zusammen, dass ein neuer (?) Mannschaftswagen mit seinen Abschreibungen und anderem BWL-Kram in die Kalkulation mit eingeht, was die Kosten für Plätzchen-Matze und seine Freunde in der Verwaltung erhöht und zwar so sehr, dass die Entschädigungen gesenkt werden müssen. So steht das nicht in der Beschlussvorlage, so ist es aber. Ich entschuldige mich für die schlampige Recherche.
- Trotz allem: Recherche liegt mir. Mit unbestechlichem Scharfsinn, Kombination längst vergessen geglaubter und damals unwichtig erscheinender Gesprächsfetzen und ein bisschen Gegoogle, wusste ich, trotz strenger Geheimhaltung, dass es gestern dahin gehen sollte. Buttons gab’s zwar nur vom Support-Act, geil war’s trotzdem.
“Das ist wie in einem BRAVO-Fotoroman. Einer von uns müsste nur männlich sein und sich in seinem machohaften Leichtsinn in Gefahr bringen.”

Das Ziel: Mittweidas Wasserturm.

Die Vorbereitungen: “Hier muss es doch einen Strick geben!”

Die Fahne: Die Eroberung kann beginnen!


Der Aufstieg: “Warte in der nächsten Etage auf mich!”


Die Eroberung: “Im Namen von König Ludwig erkläre ich diesen Wasserturm zum Eigentum der Hochschule Mittweida!”

Die Sieger: “Wir brauchen einen Fotografen und eine Maske!”


Der Abstieg: “Runter isses ja doch einfacher als hoch!”

Er ist klein, trägt eine rote Jacke und seine aschblonden Haare ein bisschen länger als kurz. Er quetscht sich in der Mensa an den nahezu vollen Tisch hinter mir, geht vor der Mensa einen Umweg, um nochmal an mir vorbeilaufen zu können, schlendert just in dem Moment an Haus vier vorbei, wenn ich draußen stehe und geht - natürlich nicht ohne einen Blick ins Innere zu werfen - genau dann an der Bäckerei Möbius vorbei, wenn ich direkt am Fenster sitzend meinen Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne vernasche. Und immer lächelt er mich an, nickt gar manchmal wie zum Gruße. Ich kenne ihn nicht.
Heute hab ich mich an Kommilitonen meines Vertrauens gewendet und wurde prompt mit Fragen überhäuft. Ist er 06er? Medienstudent? Saß er in der NOVUM-Infoveranstaltung? Leute, keine Ahnung, ich weiß nichts über ihn! Er könnte allerdings eine Menge über mich wissen, sofern er meinen Namen kennt, mit Google umzugehen weiß und/oder einen studiVZ-Login hat. Vielleicht liest er das hier. Vielleicht schneidet er all meine NOVUM-Artikel aus und klebt sie über sein Bett. Vielleicht beobachtet er mich öfter, als es mir auffällt. Vielleicht kennt er meinen Stundenplan oder hat kopierte Seiten aus meinem Terminkalender (so oft wie ich irgendetwas rumliegen lasse…). Vielleicht taucht er demnächst im Alcatraz auf und fragt nach einer Bohrmaschine, oder, schlimmer, Tassen mit Blümchendekor. Vielleicht trägt er ein Foto von mir in seinem Portmonee. Vielleicht plant er einen Skiurlaub mit mir. Vielleicht lässt er unsere Namen in Ringe gravieren. Vielleicht hat er schon einen Kindergartenplatz für unseren Nachwuchs. Vielleicht hat er 2 Block A-Karten für den VfB gegen Bremen in der Rückrunde. Dann könnten wir auch über die Kinder nochmal reden.
Vielleicht hab ich aber auch nur mal irgendwann sturzbetrunken mit ihm geredet und er hofft, mich mit seinem Lächeln daran zu erinnern. Trotz meiner wiederholt irritierten Blicke.
Ich betrete den Warteraum, denn noch sind es mehr als zwanzig Minuten, bis mein Zug losfährt. Im Raum stehen sieben Sitzbänke, drei davon sind mit jeweils einer Person besetzt. Ich setzte mich auf eine, die zwischen, zwei anderen an der Wand steht. Meine Reisetasche und meinen Rucksack stell ich links neben mich, rechts neben mir wäre noch Platz für eine weitere Person. Links von mir auf der Bank sitzt eine ältere Frau, rechts von mir auf der Bank ein älterer Mann. Ich vertiefe mich in mein Buch. Nach einer Weile steht der Mann rechts neben mir auf und ich zucke ein bisschen zusammen, als er die Stille ziemlich abrupt mit “Kommste mit?” unterbricht. Während ich mich noch frage, wen er damit gemeint haben könnte, - einen Hund hatte er nicht dabei - antwortet die Frau links von mir: “Jetzt schon?” Antwort des ihres Mannes: “Nuja, zeitsches Kommen sischert de bestn Plätze.” Während die beiden mit etwa zwei Metern Sicherheitsabstand auf den Bahnhof humplen, frage ich mich, ob sie aufgrund der besten Plätze auch zwei Bänke mit einer bis ich kam leeren Bank dazwischen besetzten. Dick waren sie nicht.
“Du gehst zum Fotografen? In Mittweida? Das hätte doch der, der oder die machen können!” Jaja, ich weiß. Aber da bin ich eben konservativ. Neue Bewerbungsfotos? - Fotograf! Ganz einfache Rechnung.

Zuerst galt es, die Eingangstür zu finden. Ich lief um die Hänsel-und-Gretel-Villa (Bilder folgen) rum, fand aber nur Wäscheleinen. Wieder zurück um die Ecke stand plötzlich ein Mann schweigend in der Tür. Ich erschrak. “Ich hatte vergessen, für Sie die Tür offen zu lassen.” Sofort hatte ich Angst ein ungutes Gefühl. Der Mann war keimfrei und wirkte irgendwie psycho. Im Haus (ich hätte auch davon gern Bilder, aber ein “Darf ich Fotos von Ihrem Fotostudio machen?” wäre komisch gekommen) herrschte Totenstille. Kein Radio. Kein Kinderfüßchentrippeln. Noch nicht mal das beruhigende Geräusch eines Prozessorkühlers. Man führte mich in ein dunkles Büro. Ich sollte mich setzen. Gleichzeitig mit dem Schließen der Tür, durch die wir gekommen waren, öffnete sich eine andere und eine Frau trat heraus. “Das ist meine Tochter, die Fotografin.” In dem Tonfall, wie der Mann zu mir sprach, hätte er eben so gut sagen können: “Das ist meine Tochter, sie hat zur letzten Tag-und-Nacht-Gleiche die Führung unserer Gemeinschaft übernommen.” Mir wurde mulmig. Die beiden setzten sich mir gegenüber. Eine Schublade wurde aufgezogen. Statt des befürchteten “Ja, ich trete aus freiem Willen dem gemeinnützigen Verein ‘Sterile Keimfreiheit’ bei”-Knebelvertrags und passender Folterwerkzeuge zog der Mann nur Beispielfotos raus. Puh. Wir sprache wenige Worte über meine Vorstellungen. Meine Hand hinterlies auf dem schwarzen, blankpolierten Tisch einen schönen Abdruck. Dann ins dunkle Nebenzimmer. Auf den knarrenden Stuhl. Hinter mir fummelten die beiden schweigend die von mir gewünschte neutralere Rückwand ran. Dann wurden Stirn und Nasenspitze gepudert. Ich war angespannt und sagte nicht viel, nur: “Ja, der Weg hierher war ja auch bergig.” Die beiden lachten unheimlich. Ich grinste blöde. “Ja, sehr schön. Ich muss da nur noch mal eben die Lücke schließen.” Die Lücke in meiner Haarsträhne schlossen er und sie immer abwechselnd. Ansonsten schwiegen sie. Aber es klickte manchmal.
“Wie schnell brauchen Sie die Bilder?” - “Wie schnell schaffen Sie es denn?” - “Am Montag müssten sie fertig sein. Wir brauchen aber einen Termin. Wir sind nicht immer da.” - “Ich komme am Dienstag.” - “Da brauchen wir auch einen Termin.” - “Oke, ich komme wieder 14.00 Uhr.” Ich warf noch einen Blick auf die blitzende Tischplatte. Das bisschen Licht, das durch das hohe Fenster fiel, ließ tatsächlich noch den rudimentären Abdruck meiner fünf Finger erkennen. Aber ich hab da kein schlechtes Gewissen, denn sobald ich aus dem Haus war, haben die sicher aus einem der wuchtigen Schränke ihren “Pronto”-Möbelpolitur-Kanon geholt und meine Spuren beseitigt. Zwei sterile Handshakes und ein unheimliches Geleit zur Tür später war ich draußen. Durchatmen.
PS: Die Fotos sehen gut aus.

Tatort: Alcatraz-Waschsalon
#1
Letztes Semester. Asti und ich kaufen zwei Waschmarken. Astis Wäsche kommt in die Waschmaschine. Astis Wäsche ist fertig. Astis Wäsche kommt in den Trockner. Mist, Trocknermarke ist was anderes als Waschmarke. Asti hat keinen Wäscheständer. Asti hat keine Wäscheleine. Klammern hat sie. Hängen wir ihre Wäsche also im Trockenraum an dieser blauen Leine auf.
Nächster Tag: Astis Wäsche ist weg. Nein. Sie liegt auf dem Boden. Jemand schrieb einen bösen Zettel: “Nehmt beim nächsten Mal eure eigene Wäscheleine.”
#2
Letztens. Ich schreibe meinen Namen und meine Appartementnummer in den Planer. Komme zur stillschweigend vereinbarten Zeit mit meiner schmutzigen Wäsche. Eine Waschmaschine läuft, die andere ist kaputt. Fluche ein bisschen rum. Schreibe einen bösen Zettel: “Einschreiben is ne, oder wie? Erwarte Entschuldigungswaschmarke, App. 541″ Ich warte bis heute.
#3
Heute: Ich schreibe mich ein. Sinnlos, weil ich’s fünf Minuten vorher mache. Kein einziger steht Mittwoch drin, beide Waschmaschinen sind funktionstüchtig. Ich stecke meine Wäsche rein. Gehe ein bisschen spazieren, mehre ein bisschen im Internet rum, erinnere mich an die Wäsche. Unten: Beide Waschmaschinen laufen, meine Wäsche ist in meinen Wäschekorb gestopft. Diesmal kein böser Zettel. Hab aber trotzdem nach toten Ratten zwischen den nasskalten Stücken gesucht.
Eigentlich finde ich es immer ganz interessant, fremden Menschen bei fremden Gesprächen zu mir fremden Themen zuzuhören. Das befriedigt den Voyeur in mir. Heute allerdings, als ich wartend im Wartezimmer saß, nervte mich das Gemurfel zweier betagter Damen sehr. Ich wollte nur lesen und mir ab und an die Nase putzen.
[Gemurfel] “…Sie haben Ihren Mann ja nun auch schon 6 Jahre unter der Erde.” - “Im Mai werden es sieben….” [Gemurfel]
Ich sah mich kurz um. Keiner der Wartenden schien was Akutes zu haben. Alle waren mindestens 70 und ich glaube, die meisten von denen haben zwei/drei Arztbesuche in der Woche mit “Richter Alexander Holt” und “Lindenstraße” unter einen Hut zu bekommen. Leute mit akuten Dingen gehen nicht zum Arzt, sondern zu den “Altapharma”-Regalen im Rossmann. Die Praxisgebühr ärgerte mich gerade, denn ich hätte gern jemanden an meiner Seite gehabt, den die beiden Damen genauso hätten nerven können wie mich.
[Gemurfel] “…Ich hatte ja selber fünf Kinder damals…” [Gemurfel]
‘Boah,’ dachte ich. ‘Gleich kommt bestimmt ein früher-war-alles-besser-Satz.’
[Gemurfel] “…Früher hat man auch mal jemanden auf der Straße getroffen…” [Gemurfel]
Mit Nachdruck ermahnte ich mich, nicht nur dumm ins Buch zu gucken, sondern auch zu lesen.
[Gemurfel] “…Manchmal geh ich hinten in die Scheune und hacke Holz. Ich brauch’ die Ausarbeitung…” [Gemurfel]
Überrascht sah ich auf. Ja, stimmt, neben der Holzhackerin stand tatsächlich eine Krücke, so wie ich’s in Erinnerung hatte. Ich war beeindruckt.
[Gemurfel] “…68 Beileidskarten habe ich bekommen, von Ihnen war da ja auch so ein schöner Spruch dabei. Manchmal hole ich die raus und lese sie…” - “Ja, solche Tage kenne ich…” [Gemurfel]
Nachbar H. in meinem Buch rückte in den äußersten Dunstkreis meiner Wahrnehmung.
[Gemurfel] “…Die Kinder sagen immer: ‘Du hast’s doch gut hier!’ Aber das einem die Decke auf den Kopf fällt, wie schlimm es ist, den ganzen Tag niemanden zu hören, das verstehen die nicht… Das können die gar nicht nachvollziehen…” [Gemurfel]
Meine Oma lebt nicht mehr. Ich habe eine Großtante, die ich ab und an mal besuche. Aber auch das nicht mit ehrlicher Freude. Sie redet von Wärmekissen, Arztbesuchen, Schulterschmerzen und GZSZ. Sie fragt auch nach meinem Studium und ob ich einen Freund habe und so. Aber obwohl ich echt laut, langsam und deutlich spreche, nickt sie oft nur und sagt “Jaja, jaja”. Dann weiß ich, dass sie mich nicht verstanden hat. Ich wiederhohle mich manchmal, irgendwas ein drittes Mal zu sagen, bin ich aber zu faul. Oder zu ratlos. Vielleicht auch zu desinteressiert.
“Sie und ich, wir sehen uns auch zu selten.” - “Ja, sie gehen die eine Treppe nicht hoch, und ich gehe sie nicht runter….” - “Na, da alles Gute!”
Ich hatte ehrlich Mitleid. Und irgendwie ein schlechtes Gewissen. Vielleicht besuche ich meine Großtante am Wochenende. Aber wenn sie das erste Mal irgendein medizinisches Fachwort verwendet oder mich mit ihren großen Augen, in denen ich schon ein weißes Kleid gespiegelt sehe, nach meinem Freund fragt, werd ich’s langweilig finden.
Ich mag Suppen. Spargelcremesuppe, Blumenkohlsuppe, Pilzsuppe und gelegentlich auch Kartoffelsuppe. Vorallem mag ich Tütensuppen (die grünen, die gelb-roten schmecken zu sehr nach Gewürzmischung). Die gehen schnell. Und da ich immer nur esse, wenn ich eigentlich schon halb verhungert bin (Pico Ballas und die Kekse beim Latte Macchiato von Frau Lavazza zählen nicht als Essen), ist das unerlässlich. Ein Problem allerdings gibt es: Hintendrauf steht meistens “Beutelinhalt mit dem Schneebesen einrühren”. Ja, ich weiß, ich sollte es wissen und weiß es auch: Tut man das mit einem normalen Löffel, klumpt’s. Wegen Soßenbinderzeugs und so. Und da Tütensuppen abgesehen von ein bisschen Aroma und manchmal irgendeinem Gemüse- oder Pilzplagiat aus nichts anderem bestehen, klumpt’s doll. Aber ich hab meinen Schneebesen ziemlich zeitig im ersten Semester geext. Seitdem denke ich jedesmal, wenn ich eine Suppe “koche”: “Mensch, du musst einen Schneebesen kaufen!” Aber wie soll ich mir das merken? Als ich vorhin kurz vor Ladenschluss in den Simmel huschte, hab ich exakt die Hälfte von dem, was ich kaufen wollte, vergessen. Gekauft: Eine Packung “Hohes C” und das letzte Doppelbrötchen. Vergessen: Kaugummis und eine Vittel-Sportflasche. (Meine hab ich nämlich in der MuFa stehen gelassen. Wer sie findet, bevor ich eine neue kaufe, kriegt was. Vorne ist das Etikett ein bisschen abgepopelt und die blaue Schutzkappe über dem Sportverschluss fehlt.) Nur wegen Letzerer bin ich überhaupt bis zum Simmel gelaufen. Den Rest hätte es auch im LIDL gegeben. Arg.
Sollte ich demnächst mal mit einem meiner treuen Leser einkaufen gehen, erinnert mich an den Schneebesen.
Wenn jemand eine Arbeit zu erledigen hat, die er nicht erledigen will, dann heuert er einen Dienstleister an, der das für ihn übernimmt. So einfach funktioniert Marktwirtschaft. Freundschaftsdienste stehen nicht zur Debatte. Deswegen putzt Asti Tinas Fenster. Für fünf Euro plus Wasser und Haarshampoo.
Und weil ich’s irgendwie lustig fande, hab ich Fotos gemacht.


Derartiges liegt wohl im Trend.
PS: Asti putzt auch Bäder. Für sieben Euro. Eine erweiterte Preisliste veröffentliche ich demnächst hier. Wenn Asti mir die Anzeige bezahlt.
Während ich von einer emotionalen Notsituation in die nächste schlittere, passieren auch noch wichtige Dinge in Mittweida:
- Die ESP ist gelaufen. Bemerkenswert: Als ich im Club einfach nur mal auf Toilette musste, kam ich natürlich nicht wieder rein. Dieses Gequetsche und Geschiebe erinnerte mich zu stark an mittwöchliches Anstehen vorm FX in Chemnitz. Dazu dieser eine Clubber, der mir mit seinem verzweifelten “Macht eine Gasse!” vorkam wie der Kapitän der sinkenden Titanic. Als dann auch noch amateurhafte Fußballgesänge angestimmt wurden, suchte ich einen anderen Weg rein. Ich hämmerte ein bisschen gegen die Hintertür, dann kam ein Polizist. Staatsmächtig: “Was machen Sie denn hier?” - “Na, ich will da rein!” - “Ich auch!” - “Das kann ich mir gut vorstellen, dass Sie da rein wollen…” Ich bin dann mit einigen Schwierigkeiten über das Bambusgeländer geklettert.
- Apropos Polizei: Da war ich gestern, um für eine meiner vielen Versicherungen eine Anzeige aufzugeben ob meiner gestohlenen Jacke/Schlüssel. Der Beamte meinte, es wäre keiner da, alle im Einsatz und es könne gut ein bis zwei Stunden dauern, bis wieder jemand Zeit für mich hätte. Wahrscheinlich fühlte ich mich stark, weil die Gefahr, einen strafenden Blick oder Schlimmeres durch eine Wechselsprechanalage zu ernten, doch recht gering ist. Ich ungestüm: “Was machen die denn alle so lange?” Er patzig: “Ich wüsste nicht, was Sie das angeht.” Ups.
- Die Fachhochspielseite flasht neuerdings. Hat wohl wieder einer der
armen Säuefleißigen Eventler zwei/drei Nachtschichten eingelegt.
- Man kann zur Ampel an der Kreuzung Bahnhofsstraße/Heinrich-Heine-Straße hinkommen, und gleich grün haben. Allerdings passiert das nur einmal im Jahr.
- Erbärmlich ist, dass ich nach einem Jahr in diesem Städchen immer noch
recht häufigmanchmal einen Stadtplan brauche.
- Es gibt zwei Schuhläden auf der Rochlitzer Straße und in keinem gibt es Schuhe.
- Vermutlich gibt es keine 06er. Die, die fragen: “Biste och erstes Semester?” studieren meistens Gebäudemanagement.
- Der LIDL hatte gestern keine Pico Ballas. Schluchz.
Ich arbeite nebenbei in einer Kneipe, Beikoch heißt glaube ich die offizielle Bezeichnung für den Job. Freitag hatten wir eine neue Aushilfskraft. Ich kannte sie. Bis zur Neunten oder Zehnten gingen wir in dieselbe Schule und Klasse. Ich erinnerte mich, wie sie damals feierlich zu mir sagte, sie wolle Model werden. Zu der Zeit trug ich schlimme Klamotten und Haare. Ich hatte keine große Lust auf eine Unterhaltung, aber sie erkannte mich leider.
Sie: „Hi!“
Ich: „Hi!“
Sie: „Arbeitest du hier?“
Ich: „Ja, am Wochenende.“
Sie „Aha.“
(Schweigen)
Sie: (zeigt auf mein Abi-T-Shirt) „Du hast am WHG Abi gemacht?“
Ich: „Ja.“
Sie: „Studierst du?“
Ich: „Ja.“
Sie: „Was denn?“
Ich: „Medienmanagement.“
Sie: (überlegt kurz) „Aha. Macht’s Spaß?“
Ich: „Ja, ziemlich.“
(Schweigen)
Ich: „Und, was machst du so?“
Sie: „Na, ich arbeite jetzt hier!“
Sie ist das, was man landläufig als gut aussehend bezeichnet und wiegt auf 180 Zentimeter gut geschätzt 55 Kilo. Ihre neuen, wasserstoffblonden Haare auf dem Kopf passen auch viel besser zu dem was drin ist, als früher die dunklen. Warum es mit der Modelkarriere nicht geklappt hat, weiß ich nicht.
Der Satz allein ist deprimierend genug. Und ich fühlte mich wirklich schuldig.
Ich hatte ein ganzes “Hotel”-Spiel lang versucht, meine kapitalistischen Konkurrenten zu überreden, mich auf die Party zu begleiten. Heldenhaft wehrte ich mich, gewappnet mit eigener “Ich hab keine Lust auf deine Party und suche nach dem elegantesten Ausweg”-Erfahrung, gegen alle typischen Ausreden:
“Ich bin doch gar nicht für eine Party gekleidet.” - “Ich auch nicht.”
“Is denn da richtig was los?” - “Das ist die legendärste Sommerparty überhaupt!”
“Ich kenn dort doch keinen.” - “Ich kenne auch nur einen… Oder vielleicht sieben.”
“Ich weiß auch nicht, ob ich Lust hab.” - “Ich hab noch ne Flasche sauren Apfel in der Tasche.”
Eine Hotelkettenfusion, überhöhte Kartellstrafe und deutliche Niederlage später, wollten tatsächlich ALLE mitkommen. Ich hatte das wichtigere Spiel gewonnen.
Irgendwie schafften wir es, von McDonalds wegzukommen. Selbst die kaputte Lichtmaschine - “Das Auto fährt halt noch so lange, bis es stehen bleibt” - konnte vorallem meine Euphorie kaum bremsen.
Und dann die Ernüchterung: Ein völlig zugedröhnter Gastgeber, ständig aussetzende Musik, knapp zwanzig ebenfalls zugedröhnte Gäste. Mag’s daran gelegen haben oder vielleicht doch am Regen, die Mitgeschleppten wollten weder in den Pool springen noch auf meine verzweifelte Animationsshow und das “Aber wenn die Musik läuft, ist sie gut”-Getöns einsteigen.
So lösten wir zwölf Minuten nach unserer Ankunft die Gruppe auf und stapften durch den Regen zurück. Zum Glück hatte ich die Schuhe mit den Löchern in der “Markenschuhe so günstig”-Sohle an.
“Ei, guck ma, hier ist ja ein Radmarkt!”
Wer kennt ihn nicht, den Radmarkt, Herzstück jeder Stadt.
Gestern abend wollte ich mich einfach nur gedankenlos ins Mittweidaer Nobel-Nachtleben stürzen, aber irgendwie kam es noch vor 24.00 Uhr anders. Umvölkert von der gesamten schwankenden Mittweidaer Jugend, bat ich mit fester Stimme und nichts Böses ahnend um drei Kirschschnäpse. Und dann schlug es mir entgegen, schallend wie eine Ohrfeige: “Wie alt bist du?” Ich weiß nicht genau, wie lange ich den Satz nicht mehr gehört habe, aber es ist schon eine kleine Weile her. Deswegen fiel mir auch nichts Schlaueres ein, als ein verblüfftes “Was?” zurückzuhauchen. Zum Glück half mir ein “Das sind doch Studenten!” aus meiner unerklärlicher Weise einschüchternder Misere. Irgendwie hatte ich in der Überraschung nämlich ganz und gar vergessen, wie alt ich bin. Vielleicht war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt schon 16 Lenze zähle. Jedenfalls bekam ich den Schnaps und goß ihn mir beinahe schon triumphierend in die Kehle. Einen faden Nachgeschmack hatte er trotzdem: Obwohl ich nüchtern war und eine durchschnittliche Kontrolle über mein Verhalten hatte, wurde ich verdächtigt, zur singenden und schreienden Dorfjugend Mittweidas zu zählen. Ende.

Da ziehts mir echt die Schuhe aus! Gut, dass die Socken schon ein bisschen durchlässig sind, sonst wärs echt warmgeworden. Was mich morgens bewogen hatte, zwei paar Socken, und dazu noch die dicksten Wollsocken anzuziehen, war mir mittags im Sonnenlicht unerklärlich. Gut, dass der Sommer wieder da ist, und das das nun auch der letzte Idiot ich begriffen habe. Auch wenns dafür nasse Füße geben musste.

Die Mittweidaer Mensa ist ein delikater Kommunikationsort. Da diskutiert man über die Schlürftechniken in Walt-Disney-Filmen oder missbraucht wehrlose Mensa-Löffel für Uri-Geller-Versuche. Legt man die Servietten nach dem Essen eigentlich säuberlich gefaltet unter das Besteck oder werden sie einfach unter den Tellerrand gestopft? Eine Sein-oder-Nichtsein-Frage.
Das Mensa-Personal wirkte dieser idyllischen Atmosphäre bisher immer mit konsequenter Unfreundlichkeit entgegen. Heute allerdings trug sich folgende putzige Geschichte zu: Als ich meinem Körper nach einem fettigen Schnitzel mit fettigen Pommes und fettiger Mayonnaise noch nicht genug geschädigt fand, lief ich unentschlossen, doch nach Zucker lechzend, zu den Desserts. Die nette Dame in blau-weiß schien meinen ratlosen Blick prompt zu bemerken: “Suchen Se was beschtimmtes?” - “Naja…” - “Nehm Se den Schoggo-Pudding. Da machn Se nüscht vorgehrt, der is immr gud!” So nett auf die Vorzüge der Mensa-Speisen hingewiesen, griff ich unverzüglich nach diesem Angebot an geborgter Entscheidungskraft. Und dem Pudding. Er war wirklich gut.
So kann’s bleiben. Da gehen uns auch nie die existentiellen Sinnlos-Tischgespräche aus.

Nachmittags, so gegen halb sechs in Mittweida: 3 hungrige Studenten auf der Suche nach einer geeigneten Futterkrippe. Ja, was zu essen soll’s sein. Aber nichts Warmes. Nicht zu teuer. Und vor allem nicht zu weit entfernt. Salat? Das wär gut! Also auf zum neu deli. Da gibt’s Baguettes. Und Salat.
Baguettes? “Wir können doch halb sechs keine Baguettes mehr haben. Salat ist auch aus.” Schade eigentlich.
EssBar? Ja, ist auch gleich am Markt. Gibt’s da auch Salat? Naja, wir gucken erstmal rein.
Nein, die Karte gibt nur Warmes her. Nun sitzen wir aber schon. Und? Schnell weg… Jetzt sind wir immer noch hungrig.
Was gibt’s eigentlich in dieser Nascha Snack Bar? Wir gucken erstmal! Drinnen gibt’s wirklich nur Crepes und Langos, wie es draußen dran steht! Aber vielleicht hat der Dönermann Salat?
Hatte er. Und letztendlich aßen wir alle das gleiche. Wieder da angekommen, wo wir zu unserer Gastronomie-Rundreise aufgebrochen waren. Nachmittags, so gegen um sechs in Mittweida. Wo es einfach nur Salat sein sollte.


















Letzte Kommentare