Verrückt!

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Ich gestern, vor den bronzenen Überbleibseln von Erich Kästner wartend, ein vermeintlicher Inder tritt auf mich zu.

Er: “Do you speak English?”
Ich: “Yes.”
Er: “Fine, ’cause I don’t speak German, only English. Do you want friendship with me?”
Ich: “What?”
Er: “Do you want friendship with me?”
Ich sehe in kurz schweigend und verblüfft an: “Now and here?”
Er: “Yes.”
Es rollt meine Verabredung heran.
Ich: “Ähm, these are friends of mine and we meet to go to the cinema.”
Er: “Okay, thank you for talking with me. Most people here just don’t talk with me.”
Ich: “No problem. Bye.”

Und zwar nicht irgendeiner, sondern einer der besten der Welt zur Zeit:

Ja, da staunt ihr was? Warum ich mir das leisten kann? Das ist eine ziemlich simple Rechnung: Ich hab’ Talent, meine Zukunft wird großartig sein. 2012 werde ich so um die 10 Milliarden Dollar im Jahr verdienen. Davon bezahle ich dann das, was ich mir heute schon kaufe. Genial, oder?

Schwachsinn, findet ihr? Nicht, wenn’s nach ihm geht.

PS.: Dann schießt er so schöne Tore nur noch für mich:

PPS.: Wer findet, ich vermische hier blasphemisch zwei völlig gegensätzliche Dinge miteinander, dem gebe ich recht. Das kommt vom Presswurstmedienkonsum. Und meinem vielseitigen Interesse. Ich bin immer so schnell emotional dabei.

“Ich mach das immer vorher, sonst bekommt die Milch ein Loch!”

Das habe ich heute gesagt. Wer errät, in welchem Zusammenhang bzw. was damit und/oder wie das gemeint ist, dem erkläre ich, wie man Word-Fußnoten unversehrt in interaktive Word-Beschriftungskästen für Abbildungen und Tabellen bekommt.

Disclaimer: Der Beitrag schlummert schon eine Weile bei mit in den Entwürfen, bisher hab ichs irgendwie nie hinbekommen, dass trotz der vielen YouTube-Videos das Bloglayout nicht gänzlich zerschlagen wird - jetzt scheints aber zu gehen. Also verzeiht die Inaktulität, wers noch nicht kennt, der wird das so lustig finden, spätestens ab dem zweiten Video, das verzeiht alles!

Sarah Silverman ist wohl ziemlich fame in den USA: Stand-up Comedian und Schauspielerin. Außerdem ist sie mit dem Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel zusammen. Der inszeniert sich Matt Damon auf dem Kiker zu haben - und der spielt fleißig mit.

Nun hat sich die schon erwähnte Sarah Silverman, Freundind von Kimmel, eingemischt und gesteht: “I’m fucking Matt Damon”

Jimmy Kimmel schießt mit einer ganzen Armada von Stars zurück und gibt zu: “I’m fucking Ben Affleck”

Haben die alle nüscht zu tun in Hollywood? Ich lieg immer wieder, wenn ich das angucke. Urkomisch.

[via]

Urkomischer Abgesang auf die Herren (meistens sind es ja Herren) Journalisten, die sich im Feuilleton in fünfzeiligen Sätzen mit möglichst vielen Fremd- und Lehnwörtern (man beachte die Verwendung des Wortes “Wörtern” anstatt des Wortes “Worten”) mit gesellschafts- und zeitgeschichtlichen Phänomenen auseinander setzen.


Link: sevenload.com

[via]

Scheinwahl

Gerade wurde ich gefragt, was ich lieber mag.

Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt?

Ich wusste damit nichts anzufangen.

Für externe Links zeige ich mich ja nicht verantwortlich, hier muss ich aber nochmal eindeutig darauf hinweisen, dass ich mich von der verlinkten Seite und dem Video ausdrücklich distanziere. Es ist aber auch zu komisch.

Heute morgen bei vorzüglichem Latte- , Orangensaft- und frische Brötchen-Frühstück kam mir diese vorzügliche Geschichte zu Ohren:

Sie kam an eine Ampel, die auf rot geschalten hatte. Dort standen schon eine Oma und eine Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern, die Jaqueline und Leonie hießen. Die Mutter regte sich über die Ampel auf. “Letztes Ma hab ich hier ne Virdellstunde gewartet, bis ma grün worde!” Sie lunzte durch das um den Ampelmast versammelte Pulk an Menschen in Richtung des “Signal kommt”-Leuchtgerätes. Es war aus. Sie wunderte sich. Sie wollte sich aber auch nicht durchquetschen, um draufzudrücken. Die Straße überqueren konnte sie aber auch nicht, wegen der Kinder. Also wartete sie. Die Mutter erklärte Jaqueline und Leonie derweil: “Also die ham jetzt noch Rot, wenn die dort Rot begomm, begomm die grün und danach begomm die dort drüben Rot und dann gömmer gehn.” Jaqueline schien sich mit dieser Ampelschaltungslogik überschauenden Intelligenz ihrer Mutter nicht zufrieden zu geben und drückte auf das “Signal-Kommt”-Leuchtgerät. Die Mutter empörte sich. “Nein, Schackeline, das ist nur für Blinde!”

Dann wurde grün.

Werde ich jetzt vielleicht endgültig berühmt?

Zum Beispiel dann, wenn die Stichworte “ein orientalisch aussehendes Paar”, “im Dunkeln” und “ohne Auto” ausreichen, um einen GSG9-reife Durchsuchungsaktion zu starten. Und das alles auch noch wirklich passiert.

Anachronistisch

“1674 kauft Christian, der am 9. April 1844 geborene Sohn Caspar Sattlers, der 1673 verstorben war, das Haus für 200 Gulden [...], von den Erben, nachdem er am 29. November 1673 das Bürgerrecht von Mittweida erhalten hatte.”

Wie immer nichts bekommt der, der mir folgende Frage beantworten kann:

Wie lange dauerte eine Schwangerschaft zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert höchstens?

Kann es sein, dass uns die ehrwürdigen Nobelianer aus Stockholm dieses Jahr nicht viel mehr sagen wollen, als dass auch sie nur aller Welt nach dem Mund reden?

Dass sie Al Gore als Friedensnobelpreisträger auszeichnen, hätte vielleicht früher mal noch dazu führen müssen, das Wort Frieden in Richtung Umwelfrieden neu zu definieren. Aber im gleichen Atemzug der erhält der UN-Klimarat den selben Preis - ja, nun lässt sich der nach-dem-Munde-Rede-Nobelpreis kaum noch mit Gegenargumenten verteidigen. Alle reden vom Klima - einen Klimanobelpreis gibt es nicht, aber wir finden da schon was, das uns gut dastehen lässt, keine Sorge. In dem Zusammenhang fällt auch Doris Lessing auf: Eine - wenn sie es auch selbst abstreitet - Feministin, in Zeiten, in denen nicht wenige der Meinung sind, dass Feminismus wieder auf die Tagesordnung gehört und Alice Schwarzer wieder mehr Dummlapp-Zeit im Fernsehen bekommt. Das nenn ich mal “Hurra-Journalismus” “Hurra-Nobelpreisen”.

Parteipolitik

Ein Gespräch in einem lichtdurchfluteten, geschmackvoll eingerichteten Büro in der Äußeren Rittersbacher Straße in Fürth.

Gabriele Pauli (feilt ihre Nägel): “Der Seehofer und der Huber, die haben doch auch nichts neues zu sagen, in ihren Programmen.”

unbekannter PR-Berater: “Aber in Prognosen liegen sie vor Ihnen.”

Gabriele Pauli (wirft die Feile auf den säuberlich aufgeräumten Schreibtisch, steckt ihre Hose in die Stiefel und seufzt): “Ich weiß.”

unbekannter PR-Berater: “Sie müssen etwas unternehmen.”

Gabriele Pauli: “Mmmhhh…”

unbekannter PR-Berater: “Wie wärs, wenn Sie sich in Ihrem Programm an die Grundfeste der CSU machen?”

Gabriele Pauli: “Wie, wir sollen zukünftig nicht mehr auf die Dummheit der Bayern vertrauen?”

unbekannter PR-Berater: “Nein, ich meine eher so politsch-programmatisch.”

Gabriele Pauli: “Achso. … Wie wärs, wenn wir vorschlagen, alle Kameras auf Deutschlands Straßen und Plätzen abzubauen?”

unbekannter PR-Berater (überlegt kurz, schaut auf Paulis Einkaufstaschen, die sie vor die vor ihr Bücherregal gestapelt hat): “Nein. Sicherheitspolitik ist zu kompliziert.”

Gabriele Pauli: “Okay. Also die Kirche. Vielleicht sollten wir eine neue Übersetzung des Neuen Testaments schreiben oder die 10 Gebote abschaffen?”

Gabriele unbekannter PR-Berater (schaut sie empört an): “Sind Sie verrückt? Oder sprechen Sie meißnerisches Kanzleideutsch?”

Gabriele Pauli: “Reicht bayerisch nicht aus?”

unbekannter PR-Berater (ignoriert den Einwurf): “Wie wärs mit der Ehe? Konservativ aber sowieso out. Damit rennen wir offene Türen ein.”

Gabriele Pauli (jubiliert): “Wir schaffen die Ehe ab!”

unbekannter PR-Berater (stöhnt): “Bei den offenen Türen handelt es sich nicht um die Eingänge zum Kolosseum in Rom.”

Gabriele Pauli: “Was?”

unbekannter PR-Berater: “Vergessen Sie es. Wie wärs, wenn Sie vorschlagen, die Ehe auf 7 Jahre zu begrenzen? Das löst einen konservativen Aufschrei aus und ist außerdem modern - ohne Grundgebühr und Vertrgslaufzeit, Pre-paid, Flatrate - suchen Sie sich was aus.”

Gabriele Pauli (seufzt): “Okay, wenn Sie meinen. Schreiben Sie das auf!”

unbekannter PR-Berater: “…Kisch!”

Gabriele Pauli: “Was?”

unbekannter PR-Berater: “Vergessen Sie es!”

Gerade war ich für ein paar Minuten nicht ansprechbar. Mit offenem Mund saß ich vor diesen Berichten und Videos. Schlimm. Das Ende der Spaßgesellschaft.

Fast zynisch ist es daher, zum Mittweidaer Stromausfall zurückzukehren, dessen Ablauf hier von einem Betroffenen geschildert wird. Deshalb von mir nur kurz ein paar Daten und Fakten.

Zahlen

Dienstag gegen 5 Uhr morgens hat es im Umspannwerk angefangen zu brennen. Gebrannt hat es 4 Stunden und beschädigt wurden 25 Schaltkästen. Zu Hochzeiten waren 14.500 Haushalte ohne Strom. EnviaM-Sprecher Stefan Buscher hat sowas seit 10 Jahren nicht mehr gesehen. Der hat auch behauptet, bis 19 Uhr (gestern) solle der Strom wieder dasein. Offiziell behauptet er, heute morgen um 5 Uhr sei er wieder überall dagewesen. 24 Stunden ohne Strom wären das dann. Inoffiziell hört man was anderes. Der Brand soll 650.000 Euro Schaden angerichtet habe - Schadensersatz wird die envia auch noch zahlen müssen. 27 Besucher über Google so irgendeinem Suchbegriff rund um den Stromausfall zählt Blogcounter. Vearscht sich damit selbst. Die unique user-Zahlen sind um ein Vielfaches von 27 höher als sonst.

Medien

Es wurde eine ganze Menge darüber berichtet. Verlierer ist die enviaM selbst, auf deren Seite nichts aber auch gar nichts konkretes zum Stromausfall zu lesen ist. Nur soviel: Der Strom ist ausgefallen und inzwischen wieder hergestellt worden. einen Orden für dieses Wissen. Gewinner ist die Freie Presse. Bei der menschelts wenigstens noch: Nur knapp dem Tode entronnene Fische und Erhard Hellmig, der noch keinen neuen OP-Termin hat.

Meine Fragen: Wie viel Verantwortung packt man eigentlich auf die Schultern eines einzigen Umspannwerkes? Und sieht ein Notfallplan so aus, das die meisten Menschen erstmal 24 Stunden keinen Strom mehr haben? Wieso hat der HTWM-Server keinen Notfallplan? Und - jetzt kommt der Knaller - warum ist diese Gesellschaft so abhängig vom Strom?

Seit 7.30 Uhr haben die letzten in Mittweida Eingeschlossenen wieder Strom! 7.30 Uhr!!! Mehr als 24 Stunden ohne!

Was mich aufregt: HTWM geht immer noch nicht. Die hatten ja nun Stunden Zeit, sich auf ein eventuell wieder anspringendes Stromnetz vorzubereiten. Warum steht da nicht spätestens 8 Uhr einer auf der Matte und sorgt dafür, dass ich meine Mails wieder abrufen kann?? Arg.

Ausführlicheres folgt, wenn ich meine Quellen genau gesichtet und Betroffene gefragt habe.

Die HTWM-Seite geht seit heute morgen schon nicht. Medien Mittweida auch nicht. Schöner Dreck, die Rechnungszentrums-Bratzen mal wieder. Aber nein, die können diesmal gar nichts dafür!

Stromausfall in Mittweida!!!! Weil es im Umspannwerk gebrannt hat!

Kein Strom, in der ganzen Stadt! Kein Internet, kein ICQ, noch nicht mal 99drei! (Obwohl das inzwischen zu funktionieren scheint, steckt wohl an einem Notstromaggregat.) Abgeschnitten von der Außenwelt, mitten im finstersten Teil Sachsens! Ich bekomme Informationen aus dem Exil, von jemandem, der das Glück hat, auf der Rochlitzer Straße zu wohnen und dort ist wohl zwischenzeitlich schon wieder Strom. Ich werde die Welt über diesen außergewöhnlichen Vorfall auf dem laufenden halten. Hier gibts ja Strom.

11:48 Uhr: SMS aus Mittweida: “Strom weg! Mäh!” Ich rufe zurück: “Das weiß ich schon! Hab auch schon gebloggt. Nur leider kannst du das nicht lesen…”

11:52 Uhr: O-Töne aus dem dunklen Tal: “Son Dreck, es regnet und ist kalt und dann is noch nichma Strom!” - “Ich bin aufgewacht und nichts ging, gar nichts. Dann wollte ich ganz cool was am Schaltkasten machen, aber alle Sicherungen waren drin!” - “Ich hab mich dann noch ne halbe Stunde ins Bett gelegt!”

12:00 Uhr: 99drei scheint doch nicht zu funktinieren. Ich möchte gerne André sehen, wie er mit seinem Aufnahmegerät durch die Stadt läuft, O-Töne sammelt und sie mit seinem mobilen Akku-Schneidegerät zu einem Beitrag schneidet, der sofort, nachdem der Strom wieder da ist, gesendet wird.

12:44 Uhr: Im Osten nichts Neues.

12:54 Uhr: Unbestätigte News: Inzwischen versammeln sich schon ganz normale Bürger auf dem Marktplatz, der sonst nur bestimmten Randgruppen der Bevölkerung vorbehalten ist, um sich über die spärlich gestreuten Neuigkeiten zum Stromausfall zu erkundigen. Direkt und beim Bürgermeister.

13:12 Uhr: Plötzlicher Gedanke ob dieses Beitrages: War der Brand im Umspannwerk vielleicht vorsätzlich gelegt? In remember of it? “Offenbar” ein Kurzschluss sagt mir zu wenig. Wer mehr weiß, sagt Bescheid.

14:02 Uhr: Plötzlich auch wieder Aufregung in der Rochlitzer Straße: Erneut ist der Strom weg! Kurze Zeit später aber aufatmen: Strom wieder da. Allerdings: Kein gutes Zeichen für all die umliegenden, immer noch darbenden, stromlosen Bewohner der Region.

14:54 Uhr: Inzwischen sind erste Zahlen zum Unglück bekannt: Heute morgen sollen laut Envia M (deren Informationspolitik auf der Webseite auch spärlich ist. Kann ja aber von den Betroffenen doch keiner lesen) 14.500 Haushalte ohne Strom gewesen sein, einige sind inzwischen mit Notstromaggregaten angeschlossen. Wie lange die Dunkelheit für den Rest der Bevölkerung noch andauern wird, kann Envia nicht sagen.

15:04 Uhr: Die Brandursache ist weiterhin unklar.

15:29 Uhr: Beim MDR hat man Strom und kann daher Genaueres berichten. Erneut die Zahlen und - was viel ernüchternder ist: Das Umspannwerk ist weiter außer Betrieb und muss, bevor es wieder losgehen kann, erst von einer Spezialfirma gereinigt werden. Danach muss es repariert werden. Wie lange das alles dauert - unklar. Hat ja auch immerhin vier Stunden gebrannt.

15:50 Uhr: Neue Töne aus dem Exil: “Ich hab mehrere Stunden geschlafen und danach mein Zimmer ausgemessen.” - “Inzwischen hab ich 99 Prozent von Wladimir Kaminers ‘Ich bin kein Berliner’ [176 Seiten stark, Anm. d. Red.] gelesen. Was ich danach mache, weiß ich noch nicht.” Meine Empfehlung: Kerzen und Instant-Essen kaufen, bevor es dunkel wird und die Läden schließen.

16:07 Uhr: Nun scheint auch beim Stromversorger der Strom ausgefallen zu sein!

16.39 Uhr: Brandneue (höhö) Infos: Es soll noch einige Tage dauern bis, das Umspannwerk wieder voll in Betrieb genommen wird (alle 25 Schaltkästen sind beschäftigt), der Strom soll aber schon heute ab 19 Uhr wieder fließen. Der enviaM-Sprecher Stefan Buscher findet, sowas hat es seit 10 Jahren nicht mehr gegeben, eingesetzt hat sein Schuppen 14 Notstromaggregate und einige mobile Anlagen, damit die Landwirte ihre Kühe melken können. Der Schwelbrand ist scheinbar doch durch einen Kurzschluss entstanden, die Anlage wird zwei Mal im Jahr gewartet und die Kunden können sich den Ausfall bei der enviaM bezahlen lassen - die sind gut versichert. “Große Teile der Bevölkerung” sind noch immer ohne Strom.

16:44 Uhr: Ich hab jetzt Feierabend. Und geh einkaufen. In beheizten und beleuchteten Läden. Morgen dann Zusammenfassendes.

Hall of Fame

Es gibt auch gute Nachrichten über Sachsen! Der Wettbewerb “Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“ zeichnete 2007 unter dem Motto “FamilienLeben - InnenStadt” aus. Und wer ist unter den Preisträgern? Mittweida! Bekommt einen Anerkennungspreis über 8.000 Euro. Es wird noch besser: Ebenfalls einen Anerkennungspreis erhält: Mügeln! Und damit alle beisammen sind - Hauptpreisträger ist: Chemnitz! Da fällt mir an bitterböser Ironie nichts mehr ein. Ist ja aber an sich schon ironisch genug.

Kurz lachen.

Ich dachte mir zwar schon immer diffus, dass es sie wirklich gibt, diese diffuse Organisation aus dem Lied, dass man sich hier anhören kann. Gerade habe ich ein bisschen lustlos auf dem Portal meines Arbeitgebers rumgesurft, um irgendeine Inspiration für meine Arbeit hinter dem nächsten Link zu finden und kam dann auf eine Seite, über die ich kurz lachen durfte. Für Eingeweihte reicht ein kurzer Ausschnitt aus dem Screenshot der Seite, um zu wissen, warum ich lachte:

Es gibt sie tatsächlich. Irgendwie son Ding, das man erst richtig festgestellt, wenn’s ins Auge springt. Für mich jedenfalls.

Eigentlich schon peinlich, wenn man den Namen seiner Interviewpartnerin nicht richtig schreiben kann. Noch peinlicher finde ich es ja, dass es in der Überschrift passiert. Und dann im Text nie wieder. Der Text ist außerdem schon seit vier Tagen online und das Internet nicht unbedingt für seine Endgültigkeit bekannt. Was ich meine? Das hier. Der Autor steht mit seinem Fehler aber nicht unbedingt allein da: Google für falsch - 208.000 Ergebnisse und Google für richtig - 146.000 Ergebnisse.

Hatte gerade diese Seite offen, als ich wieder dazu übergehen wollte, etwas Sinnvolles zu tun und da stellte ich fest, das unten in der Taskleiste neben der Wikipedia-Seite “The Bat!” flatterte. Das schändlichste Email-Programm, dass ich jemals nutzte und da kam die Frage in mir auf: Haben die Entwickler aufgehört, das Programm zu entwickeln, weil das “The Bat!”, die gefährderte Fledermausart, hätte ausrotten können?

 

Ein Hoch auf Akismet!

[via]

Ich steh zur Ablöse hinter Kasse 6 bereit. Kassiererin: “Und, wie ist das Wetter draußen so?”

Mist.

Ich bekomme meine Faust nicht in meinen Mund. Stattdessen schabe ich meinen Gaumen auf. Und meinen Ellenbogen kann ich auch nicht lecken.

Leitbake.

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Ein bisschen verwirrt war ich schon kurzzeitg, als sich meinen verquollenen Augen heute morgen dieser Anblick bot. Aber schon wenige Sekunden später musste ich lachen über die noch recht verschwommene Erinnerung daran, wie ich die Bake gestern aus ihrer Versankerung riss sacht herauszog und wie eine Fußballtrophäe über meinem Kopf in die Wohnung trug. Das wunderte mich dann ein wenig, als ich sie anhob, denn sie ist doch recht schwer. Ich musste aber in diesem Moment schon wieder lachen, denn die Bake gibt das Kommentar zu allem selbst:

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Ja, liebe Polizei, ich bringe die Bake wieder zurück. Heute nacht.

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Der Bass rollt aus den Boxen gegen ein Wand aus Glas und wieder zurück. Der Platz fühlt sich so klein an, wie er ist. Auf der Bühne spritzen alternde und fettleibige Rocker hilflos mit Wasser und lassen sich für verjährte Erfolge feiern. Laut ist es. Jemand versucht einen Stage-Dive, die Masse, die in tragen könnte, existiert nicht. Das Publikum singt mit, es grölt die Texte, die, so erinnert es sich, man aus dem Radio kennt. Dazwischen wählt der Sänger aus seinem bunten Reportoire, dass von “Wo seit ihr Mittweida?” über “Ich muss schon sagen,…” bis hinzu “Respect for the Hochschule Mittweida” reicht. Er wirft seine Mütze ins Publikum, schon beim zweiten Song. Wie auf einer heiratsphoben Hochzeitsgesellschaft beim Brautstraußwerden kämpft niemand darum, später wird es seinem Handtuch genauso gehen. Die Hände in die Höhe, wird gefordert, das Publikum folgt, hüpft sich in einen Rausch und weiß nicht, wie paradox die Szenerie wirkt. Ein Megaphon und einige schiefe Metaphern später wird Zugabe gefordet. Auf der Bühne wird das Banner der Band angestrahlt, es wirkt, als wüsste keiner, was in einem solchen Fall zu tun ist. Dann kommt die Band zurück, man sieht es auf der Videowand. Jubel, “Totgesagte leben länger” brüllt es ins Mikrofon, nicht zum ersten Mal. Der letzte und beste Song, das Cover eines Klassikrocksongs. Die Menge tobt, der Sänger ruft “Fuck you”, eben sang er noch von Klischees. Nun einen Moment lang erneut Zugabe-Rufe. Dann ist es still. “Eine crazy Veranstaltung”, meinte der Sänger, irgendwann. Ich gebe ihm recht.

Fast zwei Jahre wohnt sie nun hier, seltsame Dinge sind geschehen, aber der farbschöne Aschenbecher, gesponsert von der Zigarettenmarke mit dem kleinen f und der großen 6, wurde bisher noch nicht in Mitleidenschaft gezogen.

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Doch nun erinnern da wo er stand nur noch der blasse Dreckabdruck und die Polizeimarkierungen an seine Existenz.

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Gestohlen wurde er, von dreisten Unbekannten, die das Eigentum Einzelner nicht achten. Am vergangenen Donnerstag oder Freitag muss es gewesen sein. Sachdienlich Hinweise dazu, was sich in dieser Nacht auf der Terrasse an der Feldstraße 5 zugetragen haben könnte, nimmt jede Polizeidienststelle und meine Kommentarfunktion entgegen.

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Blödheit

… ist es keine, wenn man den Zug verpasst. Wenn man aber 20 Minuten später am falschen Gleis steht, das erst merkt, wenn der Zug am richtigen abfährt und so eine ganze Stunde am Mittweidaer Bahnhof verbringt, trifft der Begriff schon eher zu.

Ich war ja jetzt schon eine Weile nicht mehr im Alcatraz. Die Wohnung chaost vor sich hin. Das ist keine Überraschung. Folgende ironische Begrüßung war angesichts dessen heute aber durchaus eine Überraschung:

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Wer weiß, wo ich wohne, weiß, dass ich keinen Fußabstreicher habe. Wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich mir keinen Fußabstreicher kaufen würde. Wer mich besser kennt, der würde mir DIESEN Fußabstreicher schon wieder zutrauen. Aber er gehört mir nicht. Ich neige von Haus aus zu leichter Paranoia. Nachdem mir nun neulich Javaanse Jongens ohne Anmeldung in jedweder Art einen Newsletter mit meinem vollen Namen zusendete (vielleicht hatten die irgeneine kranke Idee zur Überwachung eines jeden, der ihre Produkte kauft), bin ich übersensibilisiert und hab gleich unter den Abstreicher geguckt. Ich dachte an eine getrocknete Rose oder eine tote Ratte. Nichts von beidem. Auch kein Trittsensor, der mein Mietverhalten kontrollieren könnte. Der Abstreicher ist sauber. Noch. Deswegen behalte ich ihn. Wie auch immer er vor meine Tür gekommen ist.

Wetterfasching

Irgendwie war mir ja schon immer klar, dass mein Firefox-Addon “Forecastfox” kein Kachelmann ist. Sich um ein/zwei Grad verschätzt oder es manchmal eben morgen doch nicht schneit, obwohl unten kleine Schneeflocken zu sehen sind. Heute sehe ich allerdings schon den ganzen Tag dieses Bild:

Süß sind diese drei kleinen, nur leicht von einer freundlich weißen Wolken verdeckten Sonnen ja schon. Im Popup-Text steht: “Jetzt in Mittweida, Saxony, Germany: Leicht Bewölkt, 2° C” Leicht Bewölkt. Leichte Verzerrung der Wirklichkeit. Draußen is doch nun wirklich alles grau.

Wie das sein muss zu Fasching. Ich kann mich an keinen einzigen Fasching erinnern, an dem die Sonne schien. Wahrscheinlich kommt daher mein heute eher unterkühltes Gefühl Fasching gegenüber. Wenn Köln und Mainz ihre Kanonen aufeinander richten und statt mit Fußbällen oder Domen mit “Alaaf” und “Hellau” befüllen, kann das für mich nur noch mit  Funkenmariechen und Fernsehtuschs überboten werden. Wieso muss ich jedes Jahr neu lesen, dass die Strafe für Wildpinkler erhöht wurde? Warum finden es manche auch das dritte Jahr in Folge komisch, Karneval zum Anlass zu nehmen, die Funktionsweise von Kondomen zu erklären? Warum zum Teufel sind dieses Jahr Piraten in und Bunny-Kostüme out? Warum regt mich das eigentlich auf? Ganz einfach: Man kann dem nicht entkommen. Da wo ich herkomme, da klingeln kleine Kinder an der Haustür und sagen dämliche Gedichte über Töpfe und Berge auf und erwarten, dass sie was Süßes bekommen. Nicht genug damit, dass Rosenmontagsumzüge im Fernsehen gezeigt werden, nein, in den Nachrichten kommen die den ganzen Tag schon gezeigten Bilder von dämlichen Pappmaché-Figuren nochmal. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, wird deren gesellschaftliche Bedeutung erörert. In was für einem Land leben wir eigentlich? Da, wo politischer Protest auf Lastkraftwagen durch überfüllte Straßen gefahren wird und die verständnislose weil hoch alkoholisierte Masse mit roten Nasen, die traurigerweise noch nicht mal vom Trinken kommen, für ihr stupides Schunkeln mit Bonbons, die eh keinem schmecken und oft zwischen den Zähnen kleben, belohnt wird? “Da simma dabei, das is priiiihiiimaaaaaa!” “Am Aschermittwoch ist der Karneval vorbei, Karneval vorbei….!”

PS: Früher musste ich oft als Pseudo-Pocahontas angezogen rumrennen, statt als Hexe, was ich viel cooler gefunden hätte. Und immer war es kalt. Meistens musste ich eine Jacke anziehen, unter dem Kostüm, sodass ich recht kugelig aussah und mich auch so bewegte. Manchmal verlief die Schminke im strömenden Regen sogar. Ich fand das überhaupt nicht lustig. Einmal hatte ich eine Magen-Darm-Grippe. Da musste ich zu Hause bleiben und fand es auch nicht lustig. Fasching hat bei mir wirklich verkackt.

Der Zug ist eigentlich längst abgefahren (höhö) und ich wollte eigentlich auch nicht aufspringen (nochmal höhö), aber jedesmal, wenn ich mich in meinen Counter einlogge, muss ich so herzlich lachen über diese skurilen Suchbegriffe, die die Menschen zu meinem Blog führen, dass ich das der nach Unterhaltung gierenden Öffentlichkeit nicht vorenthalten kann.

Ich hab mich gefragt: Wer oder was sind diese Menschen, die da vor ihrer Google-Startseite sitzen und diese Begriffe eintippen?

Zuerst einmal die Schlauen, die die wissen, wie man mit einer Suchmaschine umgeht und die wohl auch gefunden haben, wonach sie gesucht haben. Kleiner Asuzug:

  • casus belli blog
  • casus belli
  • denise blog casus
  • denise nisi

Dann die nicht ganz so Schlauen, bei denen ich mir sage: Es ist ja legitim nach diesen Dingen zu suchen, aber warum kommst du mit deinen Problemen zu mir? Warum findest du nicht schon bei einer viel höher gelisteten Seite, was du suchst? Und liest du auch mal den Umgebungstext bei Google? Beispiele:

  • glashaus dresden schienen
  • foto blumenkohlsuppe
  • gucci-plagiate
  • sächsiches baugesetz
  • rückbauverfügung
  • § 9 juschg
  • loriot weihnachten pallhuber
  • wayne carpendale
  • heimwerkersoap

Dann kommen auch schon die Dummen. Wie kann man bei Google nur so eine Syntax eingeben? Damit kann man ja nur auf einen Blog kommen, der sich der gesuchte Dinge nur als Metapher oder als anderes Stilmittel bedient.

  • pantene pro-v aus polen?
  • warum braucht man einen computer?
  • ich hab meine netzwerkschlüssel verloren
  • alles ueber blesshuhn

Zum Schluss die Leute, die ich definitiv nicht auf meinem Blog sehen will. Geht bloß wieder weg, Arschlöcher!

  • neffe fickt tante
  • vater fickt tochter

Und damit das nicht so garstig endet, noch was zum Schmunzeln:

  • sprichworte bedeutung polen offen (schön, wenn ich helfen konnte)
  • t-shirt zusammenlegen mit trick (und “Hänschen Klein” auf der Halloween-Pfeife spielen)
  • htwm semesterbeitrag (www.htwm.de)
  • world of washcraft (vertippt oder kommt noch jemand auf so einen Schwachsinn?)
  • strumpfhosen im renneinsatz (geiler titel für eine Kurzgeschichte)
  • mundwinkel platzen auf (meine nicht, ich bin süchtig nach Lippenpflegeprodukten)

Wenn ich mich auf eines hier daheim ganz besonders gefreut habe, dann darauf, dass ich wieder Stunden damit verbringe werde, mich in ein vorhandes, funktionierendes, kabelloses Netzwerk einzuwählen, um dann irgendwann, alles und jeden um mich verfluchend, aufzugeben. So isses gekommen.

Heute dann Anruf beim technischen Kundendienst von T-Online:

Service-Tante: “Herzlich willkommen bei T-Online, hier ist hab ich vergessen, was kann ich für Sie tun?”

Ich: “Ja, hallo, ich kann mich nicht in unser WLAN einwählen. Was mich inzwischen auch nicht mehr wundert, denn bei meinem Bruder auf dem von Ihrem Techniker konfigurierten Laptop, wo die Einwahl funktioniert, ist der Netzwerkschlüssel achtstellig und der, den Ihr Techniker aufgeschrieben hat, ist zwölfstellig. Was soll ich jetzt machen?”

Service-Tante: “Was ist jetzt genau Ihre Frage?”

Ich: “Netzwerkschlüssel. Ich hab offensichtlich den falschen für unser drahtloses Netzwerk. Und ich brauche den richtigen.”

Service-Tante: “Da braucht man einen Netzwerkschlüssel?”

Ich: (aus dem Affekt) “O Gott….”

Service-Tante: “Ich verbinde Sie…”

Ich bin heute noch sehr oft verbunden worden, musste mehr als einmal erklären, dass ich schon mehrmals angerufen habe, schon oft Probleme hatte und nein, es hilft nichts die IP-Adresse manuell zu zu weisen. Nachdem ich dann ein bisschen die Nerven verloren habe, ein/zwei Mal für dumm erklärt wurde (”Manche Laptops haben so einen externen Schalter, um den WLAN-Adapter einzuschalten.”) und das Problem nicht mit dem Netzwerkschlüssel zu lösen war, schickt Telekom T-Online T-Com nun einen neuen Router zu. Ich glaube nicht, dass das Problem so gelöst wird und ich hab den leisen Verdacht, der letzte Service-Mann auch nicht, er war nur verzweifelt. Gut, dass der kein Chirurg ist. “Na, wenn Ihr altes Herz zwar gesund ist, aber nicht jeden an sich ranlässt und das offensichtlich auch nicht zu beheben ist, schicke ich Ihnen einfach ein neues zu.” Naja. Ich bin auch verzweifelt. Ein Versuch ist es zudem Wert und allemal besser, als wenn wieder ein kompetenzloser, unfreundlicher und teurer Techniker Hobby-Computerfreak ins Haus kommt.

Er ist klein, trägt eine rote Jacke und seine aschblonden Haare ein bisschen länger als kurz. Er quetscht sich in der Mensa an den nahezu vollen Tisch hinter mir, geht vor der Mensa einen Umweg, um nochmal an mir vorbeilaufen zu können, schlendert just in dem Moment an Haus vier vorbei, wenn ich draußen stehe und geht - natürlich nicht ohne einen Blick ins Innere zu werfen - genau dann an der Bäckerei Möbius vorbei, wenn ich direkt am Fenster sitzend meinen Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne vernasche. Und immer lächelt er mich an, nickt gar manchmal wie zum Gruße. Ich kenne ihn nicht.

Heute hab ich mich an Kommilitonen meines Vertrauens gewendet und wurde prompt mit Fragen überhäuft. Ist er 06er? Medienstudent? Saß er in der NOVUM-Infoveranstaltung? Leute, keine Ahnung, ich weiß nichts über ihn! Er könnte allerdings eine Menge über mich wissen, sofern er meinen Namen kennt, mit Google umzugehen weiß und/oder einen studiVZ-Login hat. Vielleicht liest er das hier. Vielleicht schneidet er all meine NOVUM-Artikel aus und klebt sie über sein Bett. Vielleicht beobachtet er mich öfter, als es mir auffällt. Vielleicht kennt er meinen Stundenplan oder hat kopierte Seiten aus meinem Terminkalender (so oft wie ich irgendetwas rumliegen lasse…). Vielleicht taucht er demnächst im Alcatraz auf und fragt nach einer Bohrmaschine, oder, schlimmer, Tassen mit Blümchendekor. Vielleicht trägt er ein Foto von mir in seinem Portmonee. Vielleicht plant er einen Skiurlaub mit mir. Vielleicht lässt er unsere Namen in Ringe gravieren. Vielleicht hat er schon einen Kindergartenplatz für unseren Nachwuchs. Vielleicht hat er 2 Block A-Karten für den VfB gegen Bremen in der Rückrunde. Dann könnten wir auch über die Kinder nochmal reden.

Vielleicht hab ich aber auch nur mal irgendwann sturzbetrunken mit ihm geredet und er hofft, mich mit seinem Lächeln daran zu erinnern. Trotz meiner wiederholt irritierten Blicke.

“Du gehst zum Fotografen? In Mittweida? Das hätte doch der, der oder die machen können!” Jaja, ich weiß. Aber da bin ich eben konservativ. Neue Bewerbungsfotos? - Fotograf! Ganz einfache Rechnung.

Zuerst galt es, die Eingangstür zu finden. Ich lief um die Hänsel-und-Gretel-Villa (Bilder folgen) rum, fand aber nur Wäscheleinen. Wieder zurück um die Ecke stand plötzlich ein Mann schweigend in der Tür. Ich erschrak. “Ich hatte vergessen, für Sie die Tür offen zu lassen.” Sofort hatte ich Angst ein ungutes Gefühl. Der Mann war keimfrei und wirkte irgendwie psycho. Im Haus (ich hätte auch davon gern Bilder, aber ein “Darf ich Fotos von Ihrem Fotostudio machen?” wäre komisch gekommen) herrschte Totenstille. Kein Radio. Kein Kinderfüßchentrippeln. Noch nicht mal das beruhigende Geräusch eines Prozessorkühlers. Man führte mich in ein dunkles Büro. Ich sollte mich setzen. Gleichzeitig mit dem Schließen der Tür, durch die wir gekommen waren, öffnete sich eine andere und eine Frau trat heraus. “Das ist meine Tochter, die Fotografin.” In dem Tonfall, wie der Mann zu mir sprach, hätte er eben so gut sagen können: “Das ist meine Tochter, sie hat zur letzten Tag-und-Nacht-Gleiche die Führung unserer Gemeinschaft übernommen.” Mir wurde mulmig. Die beiden setzten sich mir gegenüber. Eine Schublade wurde aufgezogen. Statt des befürchteten “Ja, ich trete aus freiem Willen dem gemeinnützigen Verein ‘Sterile Keimfreiheit’ bei”-Knebelvertrags und passender Folterwerkzeuge zog der Mann nur Beispielfotos raus. Puh. Wir sprache wenige Worte über meine Vorstellungen. Meine Hand hinterlies auf dem schwarzen, blankpolierten Tisch einen schönen Abdruck. Dann ins dunkle Nebenzimmer. Auf den knarrenden Stuhl. Hinter mir fummelten die beiden schweigend die von mir gewünschte neutralere Rückwand ran. Dann wurden Stirn und Nasenspitze gepudert. Ich war angespannt und sagte nicht viel, nur: “Ja, der Weg hierher war ja auch bergig.” Die beiden lachten unheimlich. Ich grinste blöde. “Ja, sehr schön. Ich muss da nur noch mal eben die Lücke schließen.” Die Lücke in meiner Haarsträhne schlossen er und sie immer abwechselnd. Ansonsten schwiegen sie. Aber es klickte manchmal.

“Wie schnell brauchen Sie die Bilder?” - “Wie schnell schaffen Sie es denn?” - “Am Montag müssten sie fertig sein. Wir brauchen aber einen Termin. Wir sind nicht immer da.” - “Ich komme am Dienstag.” - “Da brauchen wir auch einen Termin.” - “Oke, ich komme wieder 14.00 Uhr.” Ich warf noch einen Blick auf die blitzende Tischplatte. Das bisschen Licht, das durch das hohe Fenster fiel, ließ tatsächlich noch den rudimentären Abdruck meiner fünf Finger erkennen. Aber ich hab da kein schlechtes Gewissen, denn sobald ich aus dem Haus war, haben die sicher aus einem der wuchtigen Schränke ihren “Pronto”-Möbelpolitur-Kanon geholt und meine Spuren beseitigt. Zwei sterile Handshakes und ein unheimliches Geleit zur Tür später war ich draußen. Durchatmen.

PS: Die Fotos sehen gut aus.

Tatort: Alcatraz-Waschsalon

#1
Letztes Semester. Asti und ich kaufen zwei Waschmarken. Astis Wäsche kommt in die Waschmaschine. Astis Wäsche ist fertig. Astis Wäsche kommt in den Trockner. Mist, Trocknermarke ist was anderes als Waschmarke. Asti hat keinen Wäscheständer. Asti hat keine Wäscheleine. Klammern hat sie. Hängen wir ihre Wäsche also im Trockenraum an dieser blauen Leine auf.
Nächster Tag: Astis Wäsche ist weg. Nein. Sie liegt auf dem Boden. Jemand schrieb einen bösen Zettel: “Nehmt beim nächsten Mal eure eigene Wäscheleine.”

#2
Letztens. Ich schreibe meinen Namen und meine Appartementnummer in den Planer. Komme zur stillschweigend vereinbarten Zeit mit meiner schmutzigen Wäsche. Eine Waschmaschine läuft, die andere ist kaputt. Fluche ein bisschen rum. Schreibe einen bösen Zettel: “Einschreiben is ne, oder wie? Erwarte Entschuldigungswaschmarke, App. 541″ Ich warte bis heute.

#3
Heute: Ich schreibe mich ein. Sinnlos, weil ich’s fünf Minuten vorher mache. Kein einziger steht Mittwoch drin, beide Waschmaschinen sind funktionstüchtig. Ich stecke meine Wäsche rein. Gehe ein bisschen spazieren, mehre ein bisschen im Internet rum, erinnere mich an die Wäsche. Unten: Beide Waschmaschinen laufen, meine Wäsche ist in meinen Wäschekorb gestopft. Diesmal kein böser Zettel. Hab aber trotzdem nach toten Ratten zwischen den nasskalten Stücken gesucht.

Dammbruch

Eigentlich hatte die Stadtratssitzung zwischen all den “Kalkulationen zur Satzung über die Erhebung der Gebühren für die sinnlosen Satzungen” schon eine gefährliche Einnick-Phase erreicht. Richtig lustig wurde es allerdings, als vom Marktplatz grölende Nazi-Gesänge alkoholisierter Jugendlicher heraufschallten. Die konnten auch im Rathaussaal 1 nicht überhört werden. Damms bügermeisterlicher Kommentar: “Die freuen sich, dass wir die ganzen Beschlüsse gefasst haben.” Wie haben wir gelacht.

Weniger auskunftsfreudig war Damm kurze Zeit später. Von den Linkssitzlern kam der Vorschlag, in Reaktion auf die zunehmenden Probleme mit rechtsradikalen Tendenzen in der Stadt im nächsten Jugend- und Schulausschuss Folgendes zu diskutieren: die Einrichtung eines internationalen Kulturmarktes ab 2007 in Mittweida. Quasi als seltenes politisches Statement. Damm zum Protokollführer: “Nehmen Sie das bitte auf. Die kommende Ausschusssitzung ist zwar schon übervoll, aber bei einer der nächsten wird der Vorschlag zur Sprache kommen.” Klar, wichtiger ist sicher, dass sich der neue Bürgerpolizist vielleicht auch da nochmal vorstellt und die Passage über seine Familie und Ausbildung verlängert. Die feierliche Übergehung von Nazi-Aggressionen kann er freilich beibehalten. Dann lädt ihn der Damm bestimmt auf ein Bierchen im “Deutschen Haus” ein. Sind ja Oktoberfestwochen

Wo könnte eine solche, sicher lieb gemeinte Widmung stehen? Auf den ersten Seiten eines Dan Brown-Romans? In einem Sachbuch zum Thema Eheberatung? Zu Beginn einer Autobiografie, die im weiteren Verlauf Drogen- und Alkoholexzesse kombiniert mit dauernder Untreue offenbart? Nein, viel besser:

Wenn ein langweiliges hilfreiches Statsitik-Lehrbuch als Plattform dienen muss, um eheliche Zuneigungen zum Ausdruck zu bringen, fällt ein Rückschluss auf den Ehealltag nicht schwer.

“Schatz, reichst du mir bitte das Salz?” - “Der Salzstreuer bildet genau den Median zwischen uns beiden, du kannst dich genausogut hinbeugen.”

“Die Fenster sollten mal wieder geputzt werden” - “Ich hab hier eine grafische Datenauswertung der letzten Monate in Form eines Histogramms, die eindeutig darstellt, dass du nur in 23 % aller Fälle die Fenster geputzt hast!”

“Was wollen wir heute zum Mittag essen? 1- Spinat, Kartoffeln und Rührei; 1a-Spinat, Kartoffeln Speigelei; 2-Schweinemedallions ins Pfeffersauce, Reis oder 3- Sauerbraten, Klöse und Rotkraut? Keine Mehrfachantworten möglich!”

Ich wette, bei ihr ist das so.

Gestern abend wollte ich mich einfach nur gedankenlos ins Mittweidaer Nobel-Nachtleben stürzen, aber irgendwie kam es noch vor 24.00 Uhr anders. Umvölkert von der gesamten schwankenden Mittweidaer Jugend, bat ich mit fester Stimme und nichts Böses ahnend um drei Kirschschnäpse. Und dann schlug es mir entgegen, schallend wie eine Ohrfeige: “Wie alt bist du?” Ich weiß nicht genau, wie lange ich den Satz nicht mehr gehört habe, aber es ist schon eine kleine Weile her. Deswegen fiel mir auch nichts Schlaueres ein, als ein verblüfftes “Was?” zurückzuhauchen. Zum Glück half mir ein “Das sind doch Studenten!” aus meiner unerklärlicher Weise einschüchternder Misere. Irgendwie hatte ich in der Überraschung nämlich ganz und gar vergessen, wie alt ich bin. Vielleicht war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt schon 16 Lenze zähle. Jedenfalls bekam ich den Schnaps und goß ihn mir beinahe schon triumphierend in die Kehle. Einen faden Nachgeschmack hatte er trotzdem: Obwohl ich nüchtern war und eine durchschnittliche Kontrolle über mein Verhalten hatte, wurde ich verdächtigt, zur singenden und schreienden Dorfjugend Mittweidas zu zählen. Ende.


Da ziehts mir echt die Schuhe aus! Gut, dass die Socken schon ein bisschen durchlässig sind, sonst wärs echt warmgeworden. Was mich morgens bewogen hatte, zwei paar Socken, und dazu noch die dicksten Wollsocken anzuziehen, war mir mittags im Sonnenlicht unerklärlich. Gut, dass der Sommer wieder da ist, und das das nun auch der letzte Idiot ich begriffen habe. Auch wenns dafür nasse Füße geben musste.

Ahhh

Ich kann’s kaum glauben! Nach viereinhalb Folterminuten mit ihren “Die Sieger sind…”-, “Gleich bekommen sie ihre Trophäe…”-, “Die Zuschauer und die Jury haben entschieden..”-, “In wenigen Sekunden kennen wir die Dancing-Stars 2006…”-, “Ich wills gar nicht künstlich hinaus zögern…”-Orgasmen, hat Schmalzi-Wayne [mit seiner tollen Tanzpartnerin] “Let’s Dance” gewonnen! Danke RTL! Danke für eine zweite Staffel ohne die stereotypischen Moderations-Spannungsbögen und ohne Wayne Carpendale!

[Die Hoffnung stirbt zuletzt.]