liegt röchelnd in seinen letzten Zügen. Die Jauchs und Kerners dieser Welt haben ihre zu vorsätzlich tränendrüsendrückenden Jahresrückblickshows moderiert, Weihnachten hat es mal wieder nicht geschneit und ich versuche, meiner sentimentalen Ader die Blutzufuhr abzudrehen. So recht gelingen will es nicht. Schließlich ist schon wieder ein Jahr rum, noch dazu eines der bisher wichtigsten in meinem Leben. (Jaaa, jetzt ist der Zeitpunkt zum Schluchzen gekommen!) Gemäß irgendeinem blöden Kalenderspruch freue ich mich jetzt aber einfach mal, dass ich dabei gewesen bin und erlaube mir die Schwäche eines kleinen Rückblicks.
Den Januar hab ich freilich nicht nüchtern begonnen, hab mich schnell an die 06 gewöhnt und bin später dem Flexx beigetreten. Seitdem haben meine Gewichtsschwankungen in erschreckender Weise zugenommen.
Im Februar hab ich Strohballen zu den Klängen von Ennio Morricone durch Mittweida wehen sehen, mit der einzig verbliebenen Asti nichts mehr zu reden gehabt, deswegen ein Spiel von der Rückseite der Toffifee-Packung ausgeschnitten und zusammengeklebt. Zwei Etagen! Würfel hatten wir keine, aber unbegrenztes Vertrauen zu einander. Nebenbei hab ich in zwei Wochen fünf Belege geschrieben.
Zum März will mir einfach nichts einfallen. Ein Fehler in der Matrix? Mein altbekanntes Chronologisierungsproblem? Festplattenteilformatierung durch zu viel Alkohol? Schlaf? Arbeit?
Im April hab ich mir meine zarten, mit Florena Hand&Nail gepflegten Hände und einen Großteil des restlichen Körpers dreckig gemacht und das erste Mal ein eigenes Hexenfeuer aufgebaut, um es später angemessen mit Tequila und Grappa und den anderen Aufbauern zu begießen.
Im Mai hab ich mich emotional gequält, selbst nicht mehr verstanden und mit euphorischer Überschätzung der Situation eine Freundschaft kaputt gemacht.
Im Juni bin ich auf einer dermaßen geilen Fußball-Welle mit geschwommen, dass ich es nicht mal schlimm fand, mir nach dem Italien-Spiel jungenhaft die eine oder andere Träne in Leipzigs Straßenbahnen zu verkneifen.
Nicht nur, aber auch im Juli bin ich unterm Zaun auf den Chemnitzer Uni-Sportplatz durchgekrochen. Nicht ohne allerdings vorher eine Decke gegen den Schmutz unter zu legen. Die weißen Shorts dreckig zu machen, blieb beim Beachen ja noch genug die Möglichkeit.
Im August hab ich im Zelt geschlafen, unendlich oft Schwäne und Sonnenuntergänge fotografiert und mich von Fünftklässern im Fußball abziehen lassen. Um das zu verdauen, hab ich, meinem Intellekt frönend, sechs Stunden im Deutschen Historischen Museum verbracht und nachts zwei Stunden ununterbrochen Assoziationskette gespielt.
Im September hab ich mich über jedes „Gebatessssss“, jedes Alt-Opa-Schnaufen und jedes grinsende Hinterherlaufen gefreut und all das später dann schmerzlich vermisst.
Die Fachhochspiele im Oktober waren spaßig für mich, ich hab aber auch gelernt, dass ich besser was anderes machen sollte. Ansonsten kann ich mich irgendwie nur an viel Alkohol und noch mehr stupide Geistlosigkeit erinnern.
Der November wollte mir beibringen, dass Schlaf ein hohes Gut und Kreativität eine Droge ist. Nebenbei hab ich wieder mal den Mauerfall auf dem Klo hockend verpasst erlebt und sogar eine Banane abgestaubt. Wer hat die eigentlich?
Mit den Würfeln, die ich nach der Toffifee-Spiel-Aktion vom Februar gekauft hatte, schließt sich im Dezember der Kreis: Sie kommen zu ihrem ersten Einsatz. Außerdem hab ich das Pokern wiederentdeckt bekommen und menschlich ein paar der besten Entdeckungen des vergangenen Jahres oder vielleicht auch überhaupt gemacht.
Nachschlag?
Wörter des Jahres, sorgfältig ausgewählt
- Sozialpornografie
- Argentinen-Spiel („Argentinien“ ist hier Platzhalter, das Land ist aus denen, gegen dessen Nationalmannschaft Ballack und Co. gespielt haben, frei wählbar)
- Gemurfel
Sprüche des Jahres, merke: Running-Gags für 2007
- “Früher war Heinz ein Vorname. Jetzt ist Heinz ein Lebensstil.”
- „Guck mal, der Mond da hinter den Wolken, das hat man bestimmt mit dem Gauß’schen Weichzeichner gemacht!“
- „Beim Kopfrechnen habt ihr nur gelabert!“
Das Beste an 2006 war….
- die Sonne im Sommer
- die unendliche Geschichte „Terrassen-Krimi“
- die Unicum-Tüten in der Mensa
Das Schlimmste an 2006 war…
- die AMAKs und ihr Red-Bull-Schnaps
- das Fernweh und die Kater-Kopfschmerzen, wenn das Paracetamol gerade mal aus war
- dass ich nicht Bowlen kann
Und 2007? Vorsätze hab ich keine, wie jedes Jahr. Vermutlich werde ich einfach so weiter machen. Zu viel trinken, zu wenig schlafen. Im Haus vier am Automaten Kaffee schlürfen. Gegen Lantzschi noch viele tolle Battle-Texte verfassen. Zu jedem Stichwort eine Liedzeile anstimmen. Beim Activity gewinnen. Mein Gehirn nochmal wiegen lassen und auf mehr als 1034 Gramm hoffen. Mit Ohrstöpseln schlafen und ohne viel zu laute Musik hören. Meine Augenringe pflegen. In der Mensa Schnitzel mit Pommes und im Bukowski Nachos mit Käse essen. Zu viel Hesse lesen. Mit der Redaktion viele gute und schlechte NOVUMs produzieren. Und jeden Tag – wenn ich es nicht mal aus Versehen vergesse – froh darüber sein, dass ich doch nicht Rechtsanwaltsgehilfin geworden bin. Vielleicht zieh ich um, denn davon träumt mein prophetisches Gemüt zur Zeit ständig. Vielleicht gelingt es mir, Fotos von mir machen zu lassen, auf denen ich einfach nur – ohne Zunge, ohne Grimasse – in die Kamera gucke. Vielleicht geh ich endlich mal zum Zahnarzt. Vielleicht läuft mir die Liebe meines Lebens über den Weg. Vielleicht gewöhne ich es mir ab, an den Nägeln zu kauen. Vielleicht werde ich geduldiger. Vielleicht lass ich mich fürs Bloggen bezahlen und kaufe von dem Geld die AMAK AG. Auf jeden Fall aber freu mich mich drauf. Prost!
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