Empfehlungen

You are currently browsing the archive for the Empfehlungen category.

Ein echtes Kleinod findet sich heute im gedruckten SPIEGEL. Das liegt nicht am SPIEGEL, sondern an Hans-Werner Sinn, der Chef des Ifo-Instituts ist und den ich ja mag. Er lobt die Agenda 2010 und warnt davor, die Reformen nicht fortzusetzen. Er sagt, die Absenkung des deutschen Mindestlohns unter Schröder habe Deutschland, „den kranken Mann Europas“, ein bisschen gesünder gemacht. Auf Nachfrage erklärt er, natürlich habe es schon damals einen flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland gegeben:

“Lohnersatzleistungen, von der Sozialhilfe über die Arbeitslosenhilfe bis zur Frührente, wirken wie Mindestlohn. Die Gelder fließen, wenn man nicht arbeitet, und sie versiegen, wenn man es tut.“

Er spricht davon, dass der aktuelle Aufschwung ein guter ist, weil er erstmals seit 1970 die westdeutsche Sockelarbeitslosigkeit nicht um 800.000 Personen angehoben, sondern um 300.000 gesunken hat. Er sagt:

„Besser schlechte Jobs als keine Jobs. Die Armutsgefährdung in Deutschland ist dadurch wieder zurückgegangen und die statistische Mittelschicht wurde gestärkt.“

Der SPIEGEL fragt dumm-polemisch nach, mit Verweis auf den Armutsbericht. Daraufhin muss sich ein sogenanntes Leitmedium dieses Landes erklären lassen, dass dieser Bericht auf Zahlen aus dem Jahr 2005 beruht. Weit vor dem Aufschwung, das Jahr mit der höchsten Arbeitslosigkeit in der Geschichte der Bundesrepublik.

Hans-Werner Sinn sagt, das Outsourcing betriebswirtschaftlich die perfekte Lösung, volkswirtschaftlich nah an einer Katastrophe ist. Er sagt aber auch, dass es das Beste war, einen Niedriglohnsektor zu schaffen, Löhne staatlich aufzustocken. Und auf die Frage, ob es eine Utopie sei, dass alle Menschen allein von ihrer Hände Arbeit leben könnten, sagt er dann noch:

„Leider ist das in vielen Fällen so. Ansonsten musste man die Firmen zwingen, auch solche Menschen zu beschäftigen, die ihnen weniger bringen, als sie kosten. Das Großexperiment dazu haben wir auf deutschem Boden bereits gemacht.“

Jetzt habe ich fast ein bisschen feuchte Augen.

Buchtipp.

Als ich den Wälzer das erste Mal in die Hand nahm, muss meine Überheblichkeit offensichtlich gewesen sein. “Der Schatten des Windes” - was für ein grausamer Titel. Auf dem Buchrücken ist die Rede vom “Friedhof der Vergessenen Bücher” und von einer “damatischen Wende” im Leben eines “jungen Daniel”. Eigentlich hätte ich das Buch nicht lesen sollen.

Wenn ich mich jetzt, nach 563 rastlos verschlungenen Seiten, reden höre, worum es geht, denke ich, wie lächerlich, dass dich das so mitnimmt. Es geht um ein Abenteuer, was aber vor allem von der einen großen Liebe und dem Verlust der selbigen erzählt. Es geht um uneheliche Schwangerschaften, um obskure Moralvorstellungen, um Gewalt, Intrige, Mord, um Freundschaft, schlichte Grausamkeit, ja sogar um Inzest. Also alles dabei, worüber ich nichts lesen möchte. Es ist objektiv betrachtet nicht das, was ich unter Literatur verstehe,  aber wahrscheinlich spielt das keine Rolle, wenn ich so dermaßen berührt bin von der Geschichte.

Es ist der Wahnsinn, wie dieses Buch mich mitgenommen hat und viel stärker war als meine Überheblichkeit. Es ist der Wahnsinn, wie mein Herz beim Lesen schneller geschlagen hat, meine Füße verkrampften und ich vergessen habe zu atmen. Es ist der Wahnsinn, wie ich davon emotional betroffen bin, wie verliebt in die Figuren und wie unendlich traurig über ihr Schicksal. Ich gehe im Kopf permanent die Schlüsselszenen durch, habe Dialoge und Bilder vor dem inneren Auge und schleppe sie tagträumerisch mit mir herum. Ich bin fast so weit, dass ich sie wieder loswerden möchte, deswegen auch dieser Post. Das Buch hat mich eingesaugt, mich nach dem Zuschlagen nicht wieder ausgespuckt und parasitiert seitdem meine Phantasie. Vermutlich noch eine ganze Weile.

Wer keine Angst davor hat oder vielleicht sogar Bock drauf, der sollte dieses Buch lesen. Wie immer bei solchen Romanen, fängt der interessante Teil frühestens nach 50 Seiten an, aber da es zu keiner Zeit zäh geschrieben ist, vergehen diese schnell. Ich muss zurück in meinen Tagtraum.

Filmblog.

Ich hab da noch so ein anderes Blog, schaut mal hier. Bisher hab ich da recht einsam vor mich hingebloggt, was auch Sinn der Sache war: Ich wollte sehen, ob das funktioniert. Das tuts, ich habe wahrhaftig Spaß und kann deshalb auch verkünden, dass die Beta-Selbstfindungsphase beendet ist. Vorhang auf! (Das musste jetzt sein.)

Irgendwie so ganz und gar nicht wichtig, aber wohl gerade deshalb wunderbar:

Manches ist, wie es ist. Zum Beispiel: Wo Feuer ist, ist Rauch. Und wo Helmut Schmidt ist, ist Loki Schmidt. Und auch Rauch.

Hier weiter lesen. Eine Hommage auch an die Freiheit. Ein bisschen.

Shirt

Findsch diesmal geil, wilsch och!

Für alle, die das Blog nicht kennen: Netter Post drüben bei der Medien WG, wo ich das perfekte Auditorium fand und die nötige Motivation bekam, mir endlich auch mal Luft zu machen. So als gebürtiger Karl-Marx-Städter muss man ja irgendein Ventil finden für die Bürde, mit der man lebt.

Ein US-Soldat im Irak hat eine Freundin beauftragt seinen letzten Post im Falle seines Todes zu veröffentlichen. Jetzt hat sie ihn veröffentlicht.

I’m dead, but if you’re reading this, you’re not, so take a moment to enjoy that happy fact.

If you think the U.S. should stay in Iraq, don’t drag me into it by claiming that somehow my death demands us staying in Iraq. If you think the U.S. ought to get out tomorrow, don’t cite my name as an example of someone’s life who was wasted by our mission in Iraq.

I would be lying if I didn’t admit I would have liked to have done more, but it’s a bit too late for that now, eh?

A decision that for most of us in America was academic, whether or not to go to war in Iraq, had very real consequences for hundreds of thousands of people. Yet I was as guilty as anyone of minimizing those very real consequences in lieu of a cold discussion of theoretical merits of war and peace. Now I’m facing some very real consequences of that decision; who says life doesn’t have a sense of humor?

We’re all going to die of something. I died doing a job I loved. When your time comes, I hope you are as fortunate as I was.

Der Mann war ein echter Selbstdarsteller, wie es Blogger nun mal so an sich haben und er ist es noch nach seinem Tod. Er ist vermutlich auch in einem ganz typischen amerikanischen Dorf groß geworden, so mit Nationalhymne singen vor dem Unterrichtsbeginn. Aber er hat mehr zu sagen, als jeder Blogger, den ich kenne oder bisher kannte. Nennt mich pathetisch deswegen, aber ich dachte beim Lesen das erste Mal: Bloggen ist was Gutes. Bloggen stellt Leben dar, Menschen, Dinge, die man sonst gar nicht begreift, weil sie so scheiße weit weg sind. Ob geographisch oder geistig. Und ja, es gibt Sachen, die berühren mich wirklich. Wie dieser Beitrag.

David Lynch macht Werbung für das neue iPhone. “Get real”. Ich hau mich weg. Das von Lnych, zu geil. Gesehen hier.

Das sind so Städte-Namen, über die ich mich normalerweise nur lustig mache. In meinem Kopf eng verbunden mit westdeutscher Unterschicht und kohleverrauchtem Ruhrgebiet. Er hat, so wie mir scheint, sein ganzes Leben in Castrop-Rauxel verbracht und es scheint ihm nicht geschadet zu haben. Er ist 78 Jahre alt. Er bloggt. Von seiner Einschulung (süße Geschichte), der Pogromnacht 1938 in seiner Stadt (anders und besser als in den Geschichtsbüchern) und von Silvester 2007/2008, wo er für seine Frau Rollmöpse für den Morgen danach (! remember the age) besorgen sollte, aber keine Lust hatte, sich an der Kasse anzustellen. Sehr hübsch. Ich bezweifle, dass er Menschen in seinem Alter erreicht. Umso respektabler ist sein Blog und hat den Platz in meinem Feedreader sicher.

Im Radio sangen die Stars. Take Me To The Riot.

Ich: “Das ist die Hymne unserer Generation”
Er: “Wieso? Was heißt denn Riot?”
Ich: “Keine Ahnung. Es kommt nur in so vielen Songs vor.”

Dann schlug ich Riot nach und freute mich darüber, wie sehr ich unwissend Recht hatte.

Über Lied und Video kann man sich übrigens auch freuen:

Irgendwie bin ich gerade zu gar nichts zu gebrauchen. Zu so überhaupt gar nichts. Seit heute morgen. Ich rappel mich wieder, ganz sicher. Hier mal ein Video zum Gucken, bis ich wieder was anständiges zu sagen habe:

Dies ist ein von Rankaholics.de bezahlter und vermittelter Eintrag! <– Das find ich witzig.

Lustsch

Bin grad in die beste, entlarvenste, geilste und absolut berichtenswerte Gruppe bei StudiVZ eingeetreten:

Glüht JEDER härter vor, als ALLE party machen?

Haha, das is so urkomisch!

Ein Text von mir bei dem wunderbaren mindestens haltbar. Diese Ausgabe mit Musik. Mehr dazu, wie das zu verstehen und handhaben ist im Editorial der aktuellen Ausgabe.

… ist nicht nur, was Medien so den ganzen Tag verzapfen, sondern vielmehr, dass sie es anscheinend auch noch besser wissen. Was freilich Wissen ohne Konsequenzen ist. Gesehen bei zapp.

Diese Woche hatte ich kaum Zeit, um irgendwas gut zu finden. Aber das macht fast nichts. Denn eines, das fand ich so gut, dass ich ihm auch einen alleinstehenden Post gönnen kann. Einfach der Ehre wegen. Und damit man sich das anhört. Auch wenn’s heute ein bisschen politisch wird. Nachfolgend also ein Beitrag aus der Rubrik Politisches Feuilleton vom Deutschlandradio.

Achso: Sieht aus, wie ein Video, is aber nur zum Hören. Hab jetzt weder Lust noch Zeit, um mich um eine optimalere Lösung zu bemühen. Irgendwann bestimmt.

[MEDIA=3]

Das ich tatsächlich mal eine Chemnitzer Party ankündigen würde, hätte ich mir so auch nicht träumen lassen. Aber ja, ich tus! Weil die hier eine so schöner ironischer Abgesang auf diese Stadt und ihre Feiern ist. Wir gehen dahin. Vielleicht. Suchen noch Mitstreiter. Kommt das.

Koestlich

Ich bin ziemlich oft online und lese ziemlich viel. Irgendwie gelingt es mir da nicht, um all die guten und schlechten Texte drumherum zu kommen, die sich in meinen Feedreader schleichen oder irgendwie anders an mich rankommen. Deswegen heute mal ein Blick von mir auf das, was mir in den vergangenen Tagen (oder schon ein bisschen länger her) untergekommen ist.

Das, was ich schon lange beobachtet und als “yo-bro-Syndrom” bezeichnet habe, ist endlich in einem schönen Text zusammengefasst worden - von wem anders und so dermaßen lustig, dass selbst ich, die ja das Pänomen schon lange kennt und jeden Tag beobachten und anklagen kann, sehr lachen musste. Nur das Ende des Textes ist etwas sehr platt und schnell und zu gedanklich einfach herbeigeführt - außerdem zu wenig verurteilend für das “yo bro-Syndrom”. Vielleicht sollte ich selbst auch mal eine soziologische Abhandlung darüber schreiben.

Helmut Böttiger hat einen Groschenroman rezensiert. Oder sowas, was ein Groschenroman sein müsste. Es vielleicht am Ende doch nicht ist. Der Rezensent ist sich irgendwie selbst nicht sicher. Selten so eine unterhaltsame, selbst reflektierende Buchrezension gelesen.

Was mir zu dem Autor des Buches, um das es sich in dem Text dreht einfällt: Der ist hier Dozent. Da wollte ich mal studieren, nach Mittweida. Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus heißt der Studiengang. Vielleicht will ich es immer noch, mal sehen. Warum sich das nicht so sehr von Mittweida unterscheiden würde, hab ich dann vor einiger Zeit hier gelesen.

Tschernobyl trägt zu Unrecht das Attribut schlimmster Atomunfall ever - das hab ich hier gelesen. Und das sollte nicht unerwähnt bleiben. An dem Karatschai-See, da wo die Russen damals alle Atomabfälle reingeleitet haben (der ist heute zubetoniert), kann man sich keine 15 Minuten aufhalten, es sei denn, man ist willig zum Suizid. Nach einer Stunde Aufenhalt tritt dann der sofortige Tod ein. Netter Ort.

Literarisch fand ich letztens den und den Text gut.

Und zum Schluss: Wer bisher noch keinen einzigen meiner mühsam zusammengeklaubten Links angesehen hat, sollte spätestens jetzt klicken - is auch n Video, Jungs und Mädsche. Im extra-3 Podcast ist Olivia Jones unterwegs - bei der NPD in Niedersachsen. O-Ton: “Ist ja alles nicht so schlimm, mein kleines braunes Häschen.” Zum schießen. Hier das Video bei You Tube in schlechterer Qualität.

Klima wandel dich!

Ein weiterer Beitrag zum Thema steht bei jetzt.de. Herrlich anders und herrlich richtig.

Niederknien

Texte sind schön, lange Texte sind schöner, poetisch anmutende Texte sind am schönsten. Mit der Ansicht gehöre ich zu einer aussterbenden Rasse, glaube ich. Kurz muss es sein und die Sätze dürfen maximal 22 Wörter habe. (Ich sage absichtlich “Wörter”, denn Sätze wie diese beinhalten für mich meistens keine “Worte”) Jedenfalls könnte ich immer niederknien, wenn wieder jemand einen schönen, langen, sprachlich hoch anspruchsvollen Satz geschrieben hat. Wenn das in journalistischen Formaten vorkommt, freut mich das am meisten. Und mach Hoffnung. Immer, wenn ich zukünftig so etwas finde, werde ich hier darauf hinweisen. Auf das die Textkultur nicht untergehe. Oder so ähnlich.

“Kinder zu haben gibt einem heute angesichts der demographischen Entwicklung moralisch derart Oberwasser, dass man für die Kollateralschäden des Nachwuchses kaum mehr belangbar ist.”

Der Link zu dem Artikel funktioniert zu meinem Bedauern nicht mehr. Er stand im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Es ging darum, dass Kinder heutzutage immer assiger werden und die einzigen, die das nicht zu stören scheint, deren Eltern sind.

Bald mehr.

Nachtrag: Hier steht eine Abhandlung dazu, die mal wissenschafltich sein sollte, inzwischen wenigstens lesenswert ist. Weil sie Recht hat.

 

Eigentlich tue ich das ja nicht, aber meine derzeitige WG hat einfach alles abonniert: ZEIT, Handelsblatt, zitty - eben alles. So auch die NEON. Neugierig wie ich bin las ich nun gestern also darin und ertappte mich bei dem Gedanken, dass die Bebilderung der Artikel auch schon mal wesentlich kreativer war. Um nicht alles schlecht finden zu müssen und als Misepter zu gelten, Weil er wirklich interessant ist, fand ich einen Artikel mit der Überschrift “Schafft die Jugend ab!” wunderbar. Er handelt davon, dass das Wort Jugendlicher aus dem Wortschatz zu streichen ist, weil es nicht mehr eine Epoche zwischen 13 und 21, sondern einen Lebensstil beschreibt, der Leute jenseits der 30 lächerlich macht und es den Jugendlichen unmöglich, wirklich jugendlich, sprich rebellisch und so weiter zu sein. So oder so ähnlich!

Eine Sache find ich allerdings komisch an de Sache: Nimmt die NEON sich da nicht selbst den kommerziellen Wind aus den Segeln?

Genau das Richtige für mich. Sogar für mutiple users gemacht.

[via]

Manche Leute mögen Mittweida. Eine nette Umschreibung. Es gibt hier halt Nazis, aber sie sind nett. Ich weiß, dass das ein bisschen Zitatverfälschung ist. Unter den gegebenen Umständen, dass meine Sympathien für Mittweida derzeit sehr beschränkt sind, möge man mir das aber nachsehen und unter journalistischer Verkürzung oder Zuspitzung verbuchen. Eine Sache wäre da aber noch: Es gibt hier “sogar EIN Mittweida-Blog”, “mittlerweile”??? Nichts gegen Andi, aber der lebt ja nicht mal mehr hier! Ich fühle mich diskriminiert. Und ich wette, eine ganze Mittweidosphäre kann es nachvollziehen.

Alles wird besser, anders, neuer, schneller, weiter, größer, süßer, origineller, 2.0iger: Das war ja schon witzig, richtig lachen dagegen musste ich hier. Die Axt im Haus macht ja auch so lustig.

[via] (<-- das wollte ich schon immer mal machen, so schön 2.0ig.)

“Jeder denkt, dass er etwas zu sagen hat – bis ihm mit dem Blog eine Bühne geschaffen und er um seine Meinung gebeten wird.”

Bisher hab ich nicht allzu viel darauf gegeben, was in den Elfenbeintürmen der Medienforschung alles über Web2.0, neue Kommunikationskanäle und Websprachen gesagt wurde. Kulturpessimisten, die mit Blogs und Instant-Messaging-Terror schon wieder Gehirnzellen und klassische Kommunikationsfähigkeiten davonschwimmen sahen - Platon hatte vor kurzem ja auch recht damit, dass das Papier und das damit verbundene Aufschreiben von Dingen den Anfang vom Ende jedweder Erinnerungsfähigkeit markiert - waren mir genauso supspekt, wie all die Online-Propheten, die die Bergung des heiligen Grals irgendwo zwischen Bildblog.de und MySpace.com voraussagten. Bisher wusste ich auch noch nicht, dass es selbstgekrönte “Chief Blogging Officer” gibt. Und ich wusste nicht, dass die sich zusammen mit anderen “Blogexperten” (ein scheinbar ebenso anerkannter Beruf wie “Terrorexperte” oder “Einzelhandelsexperte”) durchaus differenzierte Gedanken machen. Und zu interessanten Erkenntnissen kommen. Lesen!

Festessen

Wenn die Gans schon im Chorgesang gelobt wird, die Geschenke zum bereits dritten Mal bewundert werden, in Gedanken längst die Umtauschliste geschrieben wird und Weihnachten immer noch nicht vorbei ist, dann hab ich hier ein Festtagsgericht, das nicht so schwer im Magen liegt wie Kartoffelsalat und mit dem Weihnachten länger Spaß macht.

Vorspeise: Jetzt.de hat die Weihnachten am häufigsten geklopften Sprüche zusammengestellt. Von Onkel Heinz, der auf die Freundin des Neffen scharf ist, über Mutti, die sich über die Essgeschwindigkeit der Festtagsgäste beschwert bis hin zu Papi, der es beim Weihnachtsbaumschmücken wieder keinem recht machen kann. Köstlich! Und sollte die Familie auch nach dem dritten Glühwein nicht auf Selbstironie stehen, dann ist es immerhin noch was zum leisen Schmunzeln unter der Federbettdecke kurz vorm Einschlafen.

1.Gang: „Weihnachten bei Hoppenstedts“ von und mit Loriot. Der Virtuose der Running Gags („Ein Klavier, ein Klavier!“), der Vater aller Sketche und Todesengel jeder Freitag-Abend-Sat1-Comedy-Geistlosigkeit at his best. „Gezapft und originalverkorkt – plopp – von Pallhuber & Söhne!“ Ein echter Gaumenschmaus!

2. Gang: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Eigentlich nicht zu verpassen, kommt es doch um Weihnachten mindestens viermal auf jedem einzelnen Dritten Programm und oft auch noch mal in der ARD, vorzugsweise morgens gegen elf. Schön, wie Träume Stück für Stück wahr werden. Und noch viel schöner, dass das alles nur von drei nutzlos erscheinenden Haselnüssen kommt. Der an manchen Stellen hervorlugende Wortwitz vom von Rolf Hoppe - einer von den sozialdemokratischen Schauspielern, bei dem die vor dem Fernseher versammelte, alternde Verwandtschaft immer sagt: “Das ist doch hier der… Mensch, wie hieß er noch?” - verkörperten König und Vater des angebeteten Prinzen würzt zudem. Und es ist doch immer wieder süß, wie sie am Ende zu den Ding-Ding-Ding-Klängen über das beschneite Feld in eine glückliche Zukunft reiten.

3. Gang: Hoch vom Sofa - oder den notdürftigen, am Hintern schon schmerzenden Klappstühlen, weil man der letzte war der gekommen ist - und raus in die sternenklare Weihnachtsnacht. Nach dem Stern von Bethlehem zu suchen, ist vermutlich sinnlos, dafür kann man Lichterbögen zählen, mit affektierten „Oh“s und „Ah“s geschmückte Vorgärten bewundern, in Erwartung des baldigen Silvester-Happenings schon mal ein paar Wunderkerzen anzünden und versuchen, damit seinen Namen in die Luft zu schreiben oder einfach nur laufen und sich über räucherkerzenrauchfreie Luft freuen.

Nachspeise: „Adeste fidelis“ singen. Vielleicht sind das die Nachwehen meines jahrelangen Latein-Drills, vielleicht mag ich dieses Weihnachtslied einfach nur so. Besser als „Stille Nacht, heilige Nacht“ allemal. Und wenn Opa und Oma sich gerade mal wieder gestritten haben, wessen Augen Sohnemann nun geerbt hat, ist das auch ein netter Friedensstifter, der garantiert Weihnachtsstimmung aufkommen lässt.

Auch wenn die Weltmeisterschaft jetzt vorbei ist: Fußball ist immer noch wichtig!

Übrigens eine nette Kombo, die häufiger mal zusammen vors Mikro treten sollte.

Witzig

Hört euch das mal an. Aber mindestens 10 Minuten. Dann isses echt gut.

Die Achse des Bösen ist der Achse des Blöden doch näher, als es den Anschein hat, zumindest wenn man dem glaubt, was hier steht.