Juni 2008

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Die vergangenen paar Tage, im Schwarzwald, zum Zwecke, das nicht ganz so schlechte Abitur meines Bruders zu feiern. Ich habe Souvenirs mitgebracht:

  1. Stolz: Kevin ist der Beste. So oder so.
  2. Erkenntnis I: Wenn man sich den Abiturjahrgang der Schule meines Bruders anschaut, muss man sich wenig Sorgen um die Zukunft machen. Die Zukunft von was - das ist mir noch nicht ganz klar. Begriffe wie “Deutschlands”, “des Geistes”, “des lebensfähigen Menschen an sich” verschwimmen zwischen Bildern von Komasaufen, Jugendlichen mit Handyspeakern und Jamba-Sparabo, Menschen mit Einstellungen, die jedes Existenzrecht schuldig bleiben und diversen Profilseiten von einigen Persönchen, die mit mir Abitur gemacht haben. Oder letztlich auch nicht, ich will mich nicht an Einzelheiten erinnern.
  3. Erkenntnis II: Wandern ist tatsächlich eine herrliche Angegelegenheit. Ich hatte nur wenige eifrig zusammegeklaubte und eifersüchtig verteidigte Stunden Zeit, um mich im erst noch herrlich vernebelten und dann wunderbar sonnigen Hochschwarzwald daran zu erinnern, wie sich Stille anhört.
  4. Zweifel: Der ist ja sowieso mein stetiger, niemals betrunkener, niemals müder und mit einem brillianten Geist ausgestatter Begleiter. Es geht ihm besonders gut zur Zeit.
  5. Ein an Egozentrik und Selbstreferenz hingeschenkter Tag: Überraschend habe ich mir doch einen weiteren Tag außerhalb des Zentrums der Macht gegönnt. Und ihn der Produktivität gewidmet. Herausgekommen ist ein an der eigenen Schwäche und den nimmermüden Synapsen im Negativ-Zentrum meines Hirns gescheiterter Wille zur Produktivität.
  6. Für den treuen Leser: Ich habe die statischen Seiten dieses Blogs ein wenig überarbeitet. Möglicherweise eine abstruse und von schwelender Umnachtung hervorgebrachte Momentaufnahme, möglicherweise das Einzige, was man wirklich über dieses Blog sagen kann.

Ich bin übrigens wieder da.

[Trigami-Review]

Update: Hab noch ein bisschen rumgeklickt und entdecke auf der Hauptseite von Surfino, hier, doch noch eine Desgin-Vorschau. Gut, dass es sie gibt, also muss ich die Kritik an ihrem Fehlen zurückfahren. Hier hätte ich sie aber nicht erwartet.

Ich habe mir schon lange überlegt, mit neben dem Blog eine private Homepage einzurichten. Hat keinen bestimmten Grund, macht nur Spaß. Ist aber auch anstrengend. Surfino bietet da eine sehr nette Diensleistung: Für lau kann man sich nach dem Baukastenprinzip schnell und einfach seine Homepage einrichten. Wer ein bisschen mehr Geld in die Hand nimmt, bekommt auch ein bisschen mehr. Speicherplatz, individuelle Betreuung durch Surfino, das eigene Corporate Design. Ich teste das ganze jetzt mal mit dem neuen Angebot von Surfino: Exklusiv-Tarfi für 19,90 im Monat mit unbegrenzten Unterseiten, unbegrenzten Fotos und eigenem Firmendesign. Los geht’s.

Aller Anfang…

… ist kein bisschen schwer. Ich bekomme eine Email mit der Adresse der für mich eingerichteten Page, Zugangsname und Passwort. Außerdem noch eine Email, in der ich kurz eingeführt wird, mir ein persönlicher Ansprechpartner bei Surfino zugeteilt wird - toll, ich bekomme das Gefühl, die nehmen mich tatsächlich ernst. Ich komme zum Assitenten zur Seitengestaltung und muss nur in vorgefertigte Felder reintippen oder Kästen anklicken. Alles sehr sehr einfach und intuitiv. Bei der Auswahl des Designs ein erstes Ärgernis: Ich soll ein Design auswählen auf Basis einer Liste, wo keinerlei Vorschau für das jeweilige Design angezeigt wird. Kann ich da vielleicht später noch was dran drehen? Steht nicht da, ich nehm erstmal Standard. Nachdem ich meine Unterseiten benannt habe, kann ich sie bearbeiten.

Das Dashbord

Aufgebaut ist das Dashbord von Surfino in etwa so, wie der Tellerrand bei Wordpress. Man kann seine einzelnen Seiten anklicken und sie in einem einfachen CMS bearbeiten. Neben diesen textlichen Elementen hat man verschiedene vorgefertigte Module, wie eine Fotogalerie, ein Gästebuch, Laufschriften, Kontaktformular u.ä. zur Verfügung. Problem dabei: Ich kann diese Module zwar schick bearbeiten, Bilder reinladen und Veranstaltungen planen, wie aber kriege ich das Zeug auf den Seiten platziert? Das Hilfevideo und die Texthilfe erklären zwar idiotensicher den Umgang mit dem CMS (das ähnlich aussieht wie ein einfaches Textbearbeitungsprogramm - und das sollte ja nun wirklich fast jedem bekannt sein, aber seis drum: im Zweifel für mehr Infos.), aber nicht die Koppelung zwischen den Modulen und meiner Seite? Ich klicke mich ein bisschen rum, finde viele nette Tools (Passwortschutz, Kommentarfunktion, wichtige und richtige organisatorische Einstellung wie automatisches Veröffentlichen von Inhalten etc.) aber nicht so richtig die Antwort auf meine Frage. Plötzlich lande ich bei einem alten bekannten, der Designauswahl: An dieser Stelle sehe ich zwar die Vorschau meines aktuellen Designs, klicke ich auf Design ändern, bekomme ich aber die selbe dämliche liste wie zu Beginn - ohne Vorschau. Muss ich das jetzt alles durchklicken und jeweils in der Vorschau meiner Seite ansehen, um mich zu entscheiden? Ich beschließe, dass ich dazu keine Lust habe. Auch wenn mir das aktuelle Design nicht gefällt.

In der sehr übersichtlichen Hilfe finde ich dann auch, wonach ich suche: Die Module lassen sich recht einfach auf verschiedene Seiten einbauen - mit einem Klick oben rechts. Habe ich beim erstem Mal einfach übersehen, kein Beinbruch, mir wurde ja geholfen.

Fazit

Nach ein bisschen rumklicken und gucken und machen, stelle ich fest, dass der Dienst zwar sehr einfach zu bedienen ist, aber dadurch auch ein bisschen auf der langen Leitung steht. Man muss immer wieder umständlich und oft ohne einfachen Klick in den Vorschaumodus. Was für ein Blog noch funktioniert, geht mit so verschiedenen Modulen einer richtigen Homepage irgendwie schwerfällig. Mag in der Natur der Sache liegen und ist bei Surfino durchaus nicht unklug gelöst - aber irgendwie so richtig Lust, mich damit zu beschäftigen, macht mit der relativ langatmige Umgang nicht.

Die Idee, eine Homepage für kleine Firmen oder begeisterte Menschen mit Hobby anzubieten und diese so einfach wie möglich gestaltbar zu machen, gefällt mir. Auch ist der Umgang mit dem Bearbeitungtool recht intuitiv - aber umständlich. Großes Minus für die fehlende Vorschau bei den Designs. Wenn man aber, was im Exklusiv-Paket drin ist,  das ganze durch Surfino verwalten lässt (plus die Erstellung eines Designs nach dem eigenen CD versteht sich), ist das ein preislich sehr günstiger Dienst, den man nutzen sollte, bevor man als kleine Firma oder Hobby-Aquarist ein hässliches HTML mit bewegtem Hintergrund selbst zusammenbastelt.

Das, was ich kurz versucht habe, findet ihr übrigens hier. Vielleicht baue ich das nochmal aus, aber ich brauche länger, mich einzufitzen, als ich dachte. Ich vermelde Fortschritte aber hier.

Ein echtes Kleinod findet sich heute im gedruckten SPIEGEL. Das liegt nicht am SPIEGEL, sondern an Hans-Werner Sinn, der Chef des Ifo-Instituts ist und den ich ja mag. Er lobt die Agenda 2010 und warnt davor, die Reformen nicht fortzusetzen. Er sagt, die Absenkung des deutschen Mindestlohns unter Schröder habe Deutschland, „den kranken Mann Europas“, ein bisschen gesünder gemacht. Auf Nachfrage erklärt er, natürlich habe es schon damals einen flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland gegeben:

“Lohnersatzleistungen, von der Sozialhilfe über die Arbeitslosenhilfe bis zur Frührente, wirken wie Mindestlohn. Die Gelder fließen, wenn man nicht arbeitet, und sie versiegen, wenn man es tut.“

Er spricht davon, dass der aktuelle Aufschwung ein guter ist, weil er erstmals seit 1970 die westdeutsche Sockelarbeitslosigkeit nicht um 800.000 Personen angehoben, sondern um 300.000 gesunken hat. Er sagt:

„Besser schlechte Jobs als keine Jobs. Die Armutsgefährdung in Deutschland ist dadurch wieder zurückgegangen und die statistische Mittelschicht wurde gestärkt.“

Der SPIEGEL fragt dumm-polemisch nach, mit Verweis auf den Armutsbericht. Daraufhin muss sich ein sogenanntes Leitmedium dieses Landes erklären lassen, dass dieser Bericht auf Zahlen aus dem Jahr 2005 beruht. Weit vor dem Aufschwung, das Jahr mit der höchsten Arbeitslosigkeit in der Geschichte der Bundesrepublik.

Hans-Werner Sinn sagt, das Outsourcing betriebswirtschaftlich die perfekte Lösung, volkswirtschaftlich nah an einer Katastrophe ist. Er sagt aber auch, dass es das Beste war, einen Niedriglohnsektor zu schaffen, Löhne staatlich aufzustocken. Und auf die Frage, ob es eine Utopie sei, dass alle Menschen allein von ihrer Hände Arbeit leben könnten, sagt er dann noch:

„Leider ist das in vielen Fällen so. Ansonsten musste man die Firmen zwingen, auch solche Menschen zu beschäftigen, die ihnen weniger bringen, als sie kosten. Das Großexperiment dazu haben wir auf deutschem Boden bereits gemacht.“

Jetzt habe ich fast ein bisschen feuchte Augen.

Bestandsaufnahme

So kurz vor Ende der Gruppenphase, wird’s Zeit, den großen Fußball-Analysten zu geben. Raushängen zu lassen. Hab ich nun schon genug getan, mit geringen Publikum vorm Fernseher. (Fast) Keine Prognosen, nur Tendenzen.

Gruppe A

Portugal enttäuscht mich. Hört sich komisch an, wo sie doch Gruppensieger sind. Aber was Ronaldo durch den Einfluss des englischen Fußballs gelungen ist, kann er bei der EM kaum zeigen, weil es seiner Mannschaft nicht gelungen ist: Die erquickende Verbindung von Genilität, Charakter und Pragmatismus. Die Portugiesen spielen schön wie immer und vergessen dabei wie immer, dass der Ball nicht zwingend lange an den Fuß, sondern ins Tor gehört. Und sie werden rumheulen und foulen, wenn sie gegen Deutschland eben doch mal den Ball verlieren.

Tschechien ist raus. Nicht zwingend aus der EM, aber aus dem Fußball-Geschäft. Den Ball nach vorn zu schlagen und auf Kollers haarlose Stirn zu hoffen, ist kein modernes Spiel. Es ist ein unsympathisches Spiel. Und die Tschechen machen nicht den Eindruck, als könnten sie es besser. Nicht jetzt und nicht in den nächsten fünf Jahren.

Die Türkei gehört eigentlich nicht nach Europa, aber das ist nicht das Thema. Der Fußball der Türken ist streckenweise nett und wenn die Klasse nicht mehr reicht, dann kämpfen sie wenigstens. Spielen ein bisschen so, wie Deutschland einst und hätten gegen die einfallslosen Tschechen sogar ein Weiterkommen verdient.

Die Schweizer müssen sich nicht grämen. Sie sind noch nicht wirklich reif, um in einem Turnier zu bestehen und verdient ausgeschieden. Aber junges Potential (was sich zwangsläufig ergibt aus einer so hervorragenden Jugend- und Integrationsarbeit. Letzteres ist ja eigentlich untypisch für die Schweiz, aber das ist schon wieder nicht das Thema) und eine nette Spielanlage sind unverkennbar. In zwei Jahren kann man mit ihnen rechnen.

Gruppe B

Die Kroaten werden es in jeder erdenklichen Konstellation schwer haben im Viertelfinale. Slaven Bilic ist mir zwar trotz seiner Zuhälter-Aura sympathisch, aber sein Team gibt nicht so viel her, wie immer behauptet wird. Bisher hat es sich zwar klug angestellt - es wurde ihm aber auch immer leicht gemacht. Die Spieler haben nicht wirklich was gezeigt. Zeigen müssen könnte man anfügen, aber das lasse ich nicht gelten. Wer sich zeigen kann, muss es tun. Sonst hat er nichts zu zeigen.

Deutschland wird zwar natürlich schlecht geschrieben nach dem Deppen-Spiel gegen Kroatien. Was aber freilich kein Symptom war für das Können der Mannschaft - das einzuschätzen ist nun wirklich kein Kunststück, aber eben auch nicht polemisch genug. Echte Sorgen mache ich mir um Lehmann. Der ist offensichtlich unsicher. Alle anderen fangen sich wieder und spielen so, wie Jogi es will. Und der will Fußball, wie ich ihn mag.

Österreich strengt sich an. Herauskommt Fußball, der in etwa so sympathisch ist, wie der eines sich mit Herzblut gegen den Abstieg stemmenden Bundesligavereins. Aber auch in etwa so zum Haare raufen.

Polen ist, entgegen dem Text ihrer Nationalhmyne, leider verloren. Beenhakker ist mir sympathisch und macht einen guten Job - genau wie seine Mannschaft. Aber zum ganz großen Fußball gehört halt auch Talent.

Gruppe C

Genial und effektiv, Individualität und Mannschaftssinn: Die Niederlande präsentieren den perfekten Fußball. Das kann nur eine logische Konsequenz haben.

Die Schwäche der anderen ist Rumäniens Stärke.  Aber wer hat schon erwartet, dass Mannschaften (ein noch zu nennender Teilnehmer ausgenommen) bei der EM nicht auch Fußball spielen können, außer vielleicht Italien und Frankreich?

Die Zeiten, in denen schöner Fußball aus Frankreich kam, sind schon lange vorbei. Bisher waren Henry und Co. aber wenigstens noch effektiv. Und kampfstark. Nun sind sie nur noch Ribéry. Dass das nicht reicht, überrascht vermutlich nur Raymond Domenech. Aber der wechselt ja auch Anelka zu Gomis und Henry ein und lässt besagten Ribéry 90 Minuten lang über rechts spielen. Wer das tut, stellt auch sein Auto direkt vor dem Elysée-Palast ins Halteverbot.

Italien ist ein einziges Minenspiel. Und das ist unterhaltsamer, als mit ansehen zu müssen, wie Italien immer noch schlechten Fußball spielt. Mit Hang zum tschechischen, mit dem Unterschied, das hier nicht nach Kollers sondern nach Tonis Kopf gesucht wird. Immer wieder. Und wieder. Bis dann mal irgendwie ein Eckball unglücklich auf Panuccis Fuß fällt und der es nicht schafft, selbigen wie seine Kollegen vom Tor wegzudrehen. Die Italiener spielen vielleicht noch einen etwas besseres Fußball als Tschechien. Aber nur, weil sie mehr gute Fußballer haben. Abgesehen davon sind sie mit diesem unmodernen Spiel genauso raus.

Gruppe D

Ich hatte nicht mit so gutem Fußball der Spanier gerechnet. Warum? Sie hatten immer gute Leute und selten was gerissen. Diesmal aber kann es sich Trainer Argonés sogar leisten, die völlig gesunden Fabregas und Xabi Alonso für nur lächerliche 15-20 Minuten einzuwechseln. Das sollte Gegner aufhorchen lassen. Auf David Villa (wie konnte Valencia nur mit diesem Mann fast absteigen??) als Torschützenkönig der EM hat aber vorher wahrscheinlich auch niemand getippt. Es sei denn, man wusste, dass Aragonés Torres nicht als Mittelstürmer sondern als Vorlagengeber bringen würde.

Schwedens goldene Zeiten sind vorbei. Zwar tragen noch die meisten der Spieler des Landes diese Farbe auf dem Schopf, aber die, die das des Glanzes wegen nicht tun und an früheren Erfolgen maßgeblich beteiligt waren, gehen mindestens straff auf die dreißig zu und haben ihren Zenit schon lange überschritten: Henrik Larsson, Marcus Allbäck, Freddie Ljungberg. Gut, das wenigstens Zlatan Ibrahimovic wieder trifft. Das rettet in’s Viertelfinale.

Russland hat die jüngste Mannschaft des Turniers, spielt anständig Fußball, wackelt in der Abwehr und kann in der Zukunft was reißen. Diesmal noch nicht.

Ich wundere mich, dass Griechenland zum Turnier zugelassen wurde. Denn die Sportart, die die Iakosse dort auf den Rasen zementieren, mag vieles sein, aber nicht Fußball. Ich habe schon vor Anpfiff der EM gehofft, dass uns das nur drei Spiele lang angetan wird. Und meine Gebete wurden erhört.

Es gibt nichts Besseres zur Zeit.

[Trigami-Review]

Bei Dastronauten.de stellen User sich mit ihren Profilen, Fotos und Videos vor, machen sich beliebt und werden von der Community zum Astronauten gewählt. Klingt verrückt, ist es auch: Die Leute stimmen per SMS (kostet 50 Cent) ab, wer ihr Favorit auf den Astronauten-Job ist und jeden Tag gibt es einen Sieger. Am Ende wird aus diesen Tagessiegern dann der Dastronaut ermittelt, dem die Betreiberfirma des Portals einen 200.000 Dollar teuren Weltraumflug bezahlt. Sollte das Geld in drei Monaten nicht zusammenkommen, wird es “Jugend forscht” gespendet. Klingt irgendwie nach einer guten Idee, eine endlich mal profitable Community aus dem Web2.0-Acker zu stampfen, hat aber für mich einen ganz fiesen und auch sehr fahlen Beigeschmack.

Das Technische

Das Portal zunächst ist erdkugelblau, übersichtlich und kommt mit unverständlicherweise immer noch hippen Web2.0-Spiegeldesign daher. Man findet sich schnell zurecht und klickt sich auch fix mal durch ein paar User. Alles easy, netter Zeitvertreib. Die Anmeldung geht einfach und unkompliziert - sogar ohne Bestätigungsemail. Dumm ist aber, dass mir mein Passwort einfach so angezeigt wird, im Contentbereich einer Seite, die ich mit einem falschen Klick einfach zuklicken kann - was mir pompt passiert. Verzeihbarer Fehler, wurde mir doch die das Passwort schnell per Email geschickt. Nun kann ich mein Profil bearbeiten, was mir schön Schritt für Schritt erklärt wird und intuitiv bedienbar ist. Ich kann Videos einstellen, mit anderen Nutzern in Kontakt treten, rumgucken, voten (ab 30. Juni, dann ist Startschuss), kann mir Favoriten unter den Usern speichern, per RSS die neuesten Beiträge der 10 besten User abonnieren - lauter feine Spielzeuge dabei und ich bin schnell und einfach Mitglied einer Community, die wirklich mal Sinn macht. Fazit: Bis hier hin abgesehen von ein paar zu vernachlässigenden Mankos alles schick, das Web2.0-Handwerk und den Umgang mit Communities verstehen die Macher von Dastronauten.de.

Das Inhaltliche

Nun zu meinen schlimmen Bauchschmerzen, die mir das Portal macht. Es geht hier darum einen Weltraumflug zu gewinnen - und dazu werde ich so gut wie nicht aufgeklärt: Was ist ein “suborbitaler Flug”? Wer ist der “Fluganbieter”? Hier Ross und Reiter zu nennen, darum drückt sich das Team konsequent - aus gutem Grund, wie wir gleich sehen werden. Ist das alles überhaupt sicher? Wie kann ein Weltraumflug nur 200.000 Dollar kosten, wenn Dennis Tito noch 20 Millionen Dollar zahlte? Steckt das nicht noch alles in den Kinderschuhen, Weltraumtourismus und so? Diese wirklich sehr wichtigen Fragen - schließlich geht es hier im Zweifel um mein Leben! - beantwortet das Portal mit einer lächerlichen Linkliste! Und noch einer! All das, was hier schamlos und lieblos outgesourct wird, müsste ein Hauptinhalt des Portals sein. Auch der Blog von Dastronauten.de hilft da nicht weiter, im Gegenteil, er ist sogar noch lächerlicher als die Seite selbst:

Wir werden von Freunden immer wieder gefragt was suborbitale Raumflüge denn sind (wir dachten fälschlicherweise alle würden es wissen;-)

Hier ein Link zum SOI (SubOrbital Institute) wo das Thema gut erklärt wird - leider nur in Englisch: http://www.suborbitalinstitute.org/

 

Erklärung outgesourct. In Englisch. Ähnlich wie chinesische Bedienungsanleitungen, fällt mir da ein.

 

Ich habe also selber mal ein bisschen recherchiert, um meine Fragen zu beantworten. Beim suborbitalen Flug erreicht man eine Höhe von etwa 100 Kilometern. Das ist sehr hoch, aber noch lange nicht in einer Umlaufbahn. Also kein echter Weltraumflug. Das ist ein Unterschied von fast 20 Millionen Dollar, aber für Dastronauten.de kein Grund darauf hinzuweisen. Es gibt einen Fluganbieter, Virgin Galactic, der von sich sagt, er könne schon “7000 Interessenten für einen Flug zum Preis von rund 200.000 US-Dollar vorweisen”. Na, das ist ja ein Ding, 7000 Anmeldungen schon, der Hammer! Wenn man bedenkt, dass es den Dienst noch gar nicht gibt, auf den sie sich angemeldet haben. Fliegen sollen die 7000 mit dem privat enwickelten Raumschiff SpaceShipTwo. Wann, darüber ist man sich nicht so einig. Ende 2009/2010 soll es wohl losgehen. Ende 2007 sollten Testflüge sein - war was? Nicht nach meinen Recherchen. Da ist immer nur die Rede von “angekündigt” und “geplant”. Das Vorgänger-Modell, SpaceShipOne, hatte seinen letzten Testflug übrigens im Oktober 2004.

 

Alles also sehr vage, zumindest nach einer kurzen Recherche. Das muss ja so nicht zwingend stimmen, Virgin Galactic kann ja ganz hervorragend im Zeitplan liegen, die Flüge schon gebucht sein und ich weiß nur nichts davon. Oder vielleicht ist Virgin Galactic gar nicht der Anbieter, den Dastronauten.de nutzt, sondern das Portal vertraut auf einen Underdog, der schon viel weiter ist in der Entwicklung, als der “Marktführer”? Kann alles sein - nur sollte ich das als User und potentieller Astronaut wissen! Dass Dastronauten.de zu all dem schweigt, ist bodenlos unprofessionell. Es entsteht der Eindruck, als gehe es den Betreibern mitnichten um diese ganze Weltraumsache, sondern nur um das schnelle Werbe-Web2.0-Geld. Die Macher müssen ja nicht zwingend Weltraumtechnik studieren, aber sie sollten Bescheid wissen. Tatsächlich tun sie noch nicht mal so, als wüssten sie, wovon sie reden. Das ist sehr schade, ich hatte mir mehr erwartet. So fällt das Portal trotz gutem Ansatz kompromisslos durch.

 

Es ist keine große Kunst, auf Portugal als Europameister 2008 zu setzen. Seit Jahren schon spielen die Portugiesen auf hohem Niveau, gelten als eine der besten Mannschaften Eurpoas, wenn nicht gar der Welt. Paradox, aber trotzdem sind sie irgendwie immer wieder ein sogenannter Geheimtipp. Weil sie nie was gewinnen. Noch nicht mal mit Rui Costa, Figo, Xavier und wie sie alle hießen aus der sogenannten “Goldenen Generation”. Aktuell mit Carvalho, Paulo Ferreira und Meira, mit Quaresma, Petit, Deco und bestimmt auch mit Nani und mit dem an Genie und Arroganz sowieso jedem Fußballer überlegenden Cristiano Ronaldo beschwören manche Experten die “Postgoldene Generation” herauf. “Wir haben keine Schwächen”, sagt Hugo Almeida sehr richtig in einem sehr richtigen Text. Ein Grund mehr, nicht auf Portugal zu setzen. Ich tu’s trotzdem. Schon allein, weil’s ja halt meine Kragenweite ist. Damit also noch weit vor Anpfiff des ersten Spiels setze ich völlig unkreativ und mainstreamig auf Portugal. Und halt schon mal die Taschentücher bereit.

Eben erschrak ich, wie überassoziiert ich bereits bin:

Sachsen ist Schrittmacher der Solarenergie.

textete ich und dachte: ‘Eigentlich ein Stino-Satz, aber die Alliteration ist hübsch.’ Um es mir dann blitzschnell durch den Kopf schießen zu lassen: ‘SSS? Kann man das machen? In Sachsen? In Deutschland?’ Ich beruhigte mich schnell wieder und lächelte: ‘Klar, kann man.’ Und dachte: ‘Wie blöd, manchmal könntest du dich selbst an die Wand stellen, für solche geradezu pawlowschen Gedankenreflexe. An die Wand stellen? Kann man das machen, in dem Zusammenhang?’