Jeden Morgen fahre ich mit dem Fahrrad. Erst über die Elbe, dann an ihren Weltkultuerbe-Ufern entlang. Ich freu mich jedes Mal wieder, wenn meine Augen mit dem Blick auf die morgens irgendwie fast immer in Dunst getauchten Fassaden der Hofkirche und Co. wach wird. Heute haben Leute mit Ohrenschutz und Riesenbrillen die Wiesen gemäht. Es roch nach frischem Gras und gehexelten Schnecken. Ich freute mich noch mehr als sonst, weil ich das Gras-Schnecken-Gemeng gern rieche und weil in meinen Ohren von Bullets und Teeths die Rede war.
Jeden Morgen komme ich auch an dem berühmten Pavillon vorm Hotel Bellevue vorbei. Und jeden Morgen liegt er da, ein Penner auf seiner Bank. Jeden Morgen hat er seine Asics (!) fein säuberlich mit den Schnürsenkeln an einem der Streben der Bank festgemacht.Jeden Morgen schläft er noch, egal ob ich halb neun, um neun oder nach neun vorbeikomme. Außerdem hat er keine Zeitungen, nicht mal nur eine Decke: Er hat einen Schlafsack. Und nach dem Aufwachen den besten Blick der Stadt. Kein Mitleid also: Heiterkeit.
Heute sah ich schon von Weitem eine Horde Grundschulkinder in dem Pavillon stehen. Und dachte: Da musste er heute wohl mal eher aufstehen. Als ich näher kam dann nur noch Schmunzeln: Er lag da, wie jeden Morgen, den Kopf bis auf ein kleines Stück Haarschopf vom Schlafsack bedeckt. Die bunten Kinder lärmten um seinen grauen Schlafsack, beachteten ihn nicht und blieben selbst unbeachtet. Hätte ich mehr als mein halbkaputtes Handy dabei gehabt: Das wäre das Motiv meines Lebens gewesen. So blieb mir nichts anders, als das Gras-Schnecken-Gemeng zu atmen und die Musik lauter zu drehen. Passte ja auch irgendwie.
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Schön! Es hat mich gerade einfach gefreut, das zu lesen - so mit dieser Musik im Ohr. Danke gebabtessss…

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