Ich ziehe ja um. Wissen inzwischen die meisten. Mich umtreiben da eine Menge Fragen: Wo ist das nächste Kaufland? Welchen Weg nehme ich zur Arbeit? Wo ist der nächste Park zum sonnen? Wo bekomme ich gute Wochenend-Frühstücksbrötchen her? Und unter anderem auch: Wo geh ich zum Arzt? Ich muss ja recht oft zum Arzt. Die Nase läuft, die Ohren schmerzen, die Haut juckt - naja, und dann noch die ganzen Routine-Geschichten: Zahnarzt, Gynäkologe… man kennt das ja.
“Von Patienten empfohlen”
DocInsider will Abhilfe bei diesem Suchproblem schaffen. Denn bei Ärzten ist ja nicht damit getan, dass man Google Maps aufschlägt, seine neue Adresse eingibt und dann halt zu dem geht, der am nächsten liegt. Man will wissen wie der Arzt so ist. Ein grummeliger? Verschreibt er gleich bei jedem Zipperelin Antibiotika? Gab’s schon schlimme Fehldiagnosen? Antworten auf diese Fragen bekommt man wohl am ehesten von Ex- oder Nochpatienten. Das ist auch schon das ganze, wie ich finde gute Prinzip von DocInsider. “Von Patienten empfohlen” lautet der etwas hölzerne Unertitel, ist aber zumindest selbstbeschreibend. Patienten finden ihren Arzt (oder auch einen anderen Gesundheitsberuf: Physiotherapeut, Hebammme, etc.) in der Datenbank oder tragen ihn ein und geben dann eine Bewertung ab - in Textform auch, damit man sich was konkretes vorstellen kann. Andere, die wissen wollen, wie dieser Arzt so ist, lesen die Bewertung und gehen dann zu ihm hin - oder halt nicht. Daneben gibt’s noch so eine Art Forum, wo man sich von anderen Usern Gesundheitsfragen ala “Kennt jemand Colostrum oder hat schonmal was davon gehört!!” oder “Was kann ich selber zur Schmerzlinderung tun?” beantworten lassen.
Fazit zum Prinzip: Einfache Idee, aber mit großem Nutzwert wie ich finde. Zusätzliches Plus: DocInsider will nach eigenen Angaben die festgefahrenen Marktstrukturen im Gesundheitswesen auflösen. Ich als alter Wirtschaftsliberalist kann da natürlich nur applaudieren: Viel zu viele Menschen nehmen zu lange Wartezeiten in Kauf, zu unfreundliche Schwestern, zu schnelle Abfertigung im Wartezimmer - nur weil sie schon seit Jahren bei diesem Arzt sind oder sonst einen ominösen Grund haben, gut mit der Straßenbahnlinie xy zu erreichen oder was weiß ich. Deshalb: Frei Arztwahl muss auch mal in die Köpfe, damit sich einige Ärzte, die glauben: “Ich hab Praxis und Patienten, was will ich mehr?” mal n bisschen anstrengen.
So, dass zum Pathos. Jetzt also der Selbstest: Ich ziehe nach Dresden und will einen neuen Zahnarzt. Let’s go, DocInsider.
Die einfache Suche
Auf der Seite wird man mit der Nase auf eine einfache und intuitive Suchmaske gestoßen. Ich gebe “Zahnarzt” in “Dresden” ein und bekomme 564 Ergebnisse. Nicht schlecht, denke ich mir, stelle aber schnell fest, dass zum Beispiel auf der ersten Seite nur 3 Zahnärzte bewertet sind. Ich versuche die Zahnärzte nach Bewertungen zu sortieren - was zu meinem Ärger nicht gelingt, bei allen anderen Kriterien (Name, Fachgebiet) geht es, auch wenn ich andere Suchanfragen teste.
Gut, ich klicke mich also durch die Seiten und stelle nach der zehnten fest:
Viel mehr als die drei Bewertungen auf der ersten Seite gibt es nicht. Mmh. Manko also, dass das Portal noch keine ausreichende Datenbank hat. Das ist sehr schade und würde mich quasi als Neuuser sofort wieder verschrecken. Ich als Rezensent weiß natürlich: Das Portal is jung, wird noch wachsen, da darf man nicht so streng sein. Die drei Bewertungen sind gut und ausführlich, die Stichprobe mir allerdings zu wenig. Plus bei der Suchanfrage, obwohl fast schon Standard: Die Karte, auf der die Suchergebnisse eingezeichnet sind.
Die Registrierung
Mal sehen, was DocInsider für registrierte Nutzer zu bieten hat: Man kann zwischen einfacher und erweiterter Registrierung wählen. Zweiteres erschließt sich nach einem Klick: Adresse und so weiter muss angegeben werden - dann also die einfache Registrierung. Läuft alles ganz locker, gar ohne Email-Aktivierung. Sekunden später bekomme ich lediglich eine Infomail mit meinen Daten: Ist allerdings recht wertlos, weil mein Passwort nicht drinsteht. Sowas mag ich nicht, wozu ist dann so eine Email da? Zumal ich dauernd meine Passwörter vergesse und dann gern auf solche Mails zurückgreife. Egal. Kleines Manko. Weiter also: Nächstes Ärgernis: Obwohl ich noch genau weiß, was mein Passwort war, kommt bei der Anmeldung dauernd die Fehlermeldung:
Sie konnten nicht erfolgreich angemeldet werden.
WTF? Ich bin genervt, schreibe aber eine Email an den Support (was ich im Normalfall nie machen würde, sondern einfach weiter ziehen). Ich erscheine auf der Startseite bei “Neueste DocInsider”, kann mich aber nicht einloggen. Abstrus! Sollte ich demnächst noch Antwort vom Support bekommen, werde ich das hier in der Rezension ergänzen.
Frage stellen
Auch unangemeldet kann man eine Frage stellen, die andere User dann beantworten. Das versuche ich, werde aber mit Millionen Fehlermeldungen (Schreiben Sie einen Text, Wählen Sie eine Kategorie aus..) genervt. Meine Frage lautete: “Ich kann immer schlecht einschlafen. Was tun?” Was bitte soll ich da noch extra eine Facharzt-Kategorie eingeben oder einen Beschreibungstext? Is mir viel zu anstrengend!
Fazit
Die Idee gefällt mir gut, allerdings ist quantitativ noch zu wenig los auf den Portal, nach eigenen Aussagen 10.000 Bewertungen - ich weiß nicht, wie viele Ärzte es in Deutschland gibt, aber das erscheint mit wenig. Wie wärs mal, wenn man externe Firmen damit beauftragt, nach Schreibern zu suchen bzw. verschiedene Schreiber anzubieten, die dann verschiedene Ärzte, vor allem in den Großstädten bewerten? Dann wäre halt schon mal was los für den normalen User und er nicht sofort enttäuscht. Großes Manko natürlich bei mir die Sache mit der Anmeldung, aber das ist vielleicht ein Einzelproblem, dass will ich mal nicht so stark betonen. Aber ein bisschen umständlich (s. Fragestellung) ist das Portal dennoch. Also: Gute Idee, arbeiten sollte das Team von DocInsider an der Quantität der Bewertungen und an der Einfachheit des Portals.
-
Hallo, wir haben ca. 400.000 Adressen in der Datenbank. Da sind 10.000 Bewertungen natürlich erst ein Anfang, aber von drei Monaten gab es noch keine Arztbewertung im Internet. Der erste Schritt ist also gemacht und die Bewertungen wurden in 3 Monaten eingesammelt, was denke ich nicht so schlecht ist für den Anfang.
-
Der Support meldet sich natürlich per Mail, es wird grade an dem Problem geforscht!
-
Also bevor du ganz krank oder ohne Pille da stehst, kann ich dir zur Not auch paar Ärzte empfehlen

Was machst du denn in Dresden? -
praktikum. und leben! aber danke, ich komm drauf zurück
-
Herr Bandick hat sicher ein grösseres Problem mit sich selber - ist wahrscheinlich öfters zu kurz gekommen !!!
Eventuell würde er besser mal in sich gehen und sich selber bewerten.Tja - in der heutigen Zeit kann sich jeder ins Lampenlicht rücken - egal mit was , hauptsächlich muss es provozieren. Gell Herr Bandick.

7 comments
Comments feed for this article
Trackback link: http://www.casus-belli-blog.de/2008/02/28/arzte-gutfinden/trackback/