Na nu…

… die taz ist ja plötzlich so ganz und gar nicht verschrubbelt und vorhersehbar.

Zwei Beispiele: dieser Artikel passt zwar natürlich perfekt in die aufgeheizte Diskussion, aber populäre Themen aufzugreifen allein, naja, dass muss man den Medien ja noch nicht vorwerfen, wie oft es von irgendwelchen Pseudo-Weltverbesserern und Hyperintellektuellen getan wird. Zurück zum Artikel: Der passt zwar auch perfekt in die taz, natürlich, ist aber sehr erfrischend. Sicher, er dreht eigentlich nur den Spieß um, weißt auf das, worauf in den Feuilletons momentan alle Gutmenschen empört hinweise, aber er tut es aggressiver.

“[...] die einen Schuldirektor i. R. als “Scheißdeutschen” beschimpften. Ich kann mir eigentlich keine treffendere Bezeichnung für so eine bayrische Respektsperson denken. Und dass sie ihn zusammenschlugen, ist zwar eine bedauerliche Entgleisung, aber erstens haben sie damit allen Rauchern aus der Seele getreten, die nun permanent von selbsternannten Rauchverbotswächtern angepisst werden, und zweitens werden doch umgekehrt andauernd ausländisch aussehende Jugendliche von Kerndeutschen als Scheißausländer beschimpft, sogar zusammengeschlagen, angezündet, von postfaschistischen Polizisten an die Wand gestellt oder sonst wie mies behandelt.”

Bumm, so mag ich das! Mal abgesehen davon, dass man der Aussage bei Weitem nicht in all Ihren Konsequenzen (Auge um Auge, Zahn um Zahn; Beleidigungen sind aufgrund lächerlicher Verärgerungen und persönlicher Ressentiments gerechtfertigt) zustimmen muss, so ist dass rhetorisch betrachtet mit das Beste, was ich zu diesem Thema gehört/gelesen habe. Das lässt die Alarmglocken in allen deutschen Bevölkerungsschichten klingeln: Der Studienrat fühlt sich persönlich angegriffen, die Moralisten finden es unsanständig, gefährliche Köperverletzung auch noch mit einer abstrusen Ablehnung des Nichtrauchergesetzes zu rechtfertigen und die Stammtischnazis, naja, die hören solche Aussagen eh überall raus und winken ab: Ausländerficker, elender!

Zweites Beispiel: Dieser Artikel zu DJTomekks Hitlergruß. Nazis? - Geht gar nicht! Unglaublich komisch diese Passage:

“Details sind leider nicht überliefert, und die taz hat auch keinen Reporter in Australien, weder außerhalb des Camps (bloß jetzt nicht schreiben: Lager), auch nicht innerhalb dieses, nun ja doch, Lagers der versammeltsten Art (um auf alle Fälle das Wort ‘konzentriert’ zu meiden). Nun sind etliche Schlüsse aus diesem Entertainmentskandal, und sei er nur ein sogenannter, zu ziehen.”

Ja, das darf man witzig findet, ungeachtet dessen, wie man DJTomekk und seinen Hitlergruß findet. In einem Land, in der sich Leute Überschriften wie “Kriminelle junge Männer auf Heimfahrt” wünschen und die betäubte Masse zustimmt, da gehen Hitlergrüße von möglicherweise betrunkenen, vielleicht aber auch nur sinnfrei ausgelassenen polnischen Jugendlichen aus Berlin im Urlaub gar nicht. Logisch. Da muss man schon Maß halten. Komisch finde ich aber immer noch, dass dann ausgerechnet die taz solche Artikel auspackt. Aber, der Status Quo kann aufatmen: Den Leser interessiert es eh nicht. Ein Blick in die Kommentar zeigt eine Mischung aus Empörung, die der einer in Ohnmacht fallenden Frau in einem Historienfilm gleicht:

Ich finde es vollkommen richtig, dass jemand nach einem Hitlergruß gehen muss. Gerade in der Taz ein Plädoyer für solche völlig unangebrachten “Scherze” zu finden, irritiert mich gerade ziemlich.

Und natürlich darf auch der intellektuelle GEZ-Zahler nicht fehlen:

Ich wusste gar nicht, dass die TAZ das Bildungsfernsehen RTL und ihre trashige-debile Dschungelsenung anschaut!

Willkommen in der Verdummungsfalle der Massenmedien;-)

Letzerer hat nichts begriffen, außer, dass man öffentlich-rechtlich sieht und satirische Rhetorik gewinnt. Nur schlägt die in Wahrheit glücklicherweise keinen einzigen klugen Gedanken.

  1. An sich ist die Tatsache des DJ Tomekk schon ein witziges Kerlchen und es wundert mich sehr, dass Roland Koch noch nicht wirklich auf ihn aufmerksam wurde. Schließlich könnte er Arm in Arm mit Roland vor den Medien stehen und sehr schön als Intgrationsbeispiel dienen, auch wenn es für die meisten von uns etwas zu übertrieben wäre. Wer Ironie findet, der möge auch weiterhin danach suchen ;)

    Gruß

    AMUNO

  2. naaaa jaaa…

    richtig erkannt hast du, wie pekiert das deutsche volk auf solche taz-artikel reagiert und wie unnötig. gerade diese massenmedien-anti-leute, die nerven mich tierisch. solche popkulturverschwörer. pfui spinne.

    auch die frau, die du zitierst…hilfe. ein bisschen mehr argumente dürfens schon sein, außer diese gutmenschen-totschlag-ding.

    dennoch ist es einfach, einfach mal die tatsachen umzudrehen, ein bisschen populismus, opportunismus und reaktionismus in den topf zu werfen, umzurühren und damit das meinungsaufgedrückte volk der schafe zu schockieren. klar muss die taz anti sein. die haben als unabhängiges blatt schließlich einen ruf zu verlieren. aber hey, das ist doch jetzt keine glanzleistung.

    manchmal denk ich mir, da schreiben irgendwelche möchtegern intellis, die meinen, die böse welt in ihren dummen denkstrukturen verstanden zu haben, ein bisschen was aus ihrem eigenen unrelevanten nähkästchen. hey und sowas kann nun absolut jeder hm?

    dinge immer aus der sichtweise zu betrachten, die ein “innen” so gar nicht zulässt…naja das ist einfach arm und realitätsfern. macht sie das nicht zum neuen gutmenschen?? also ehrlich…mir fallen da schon wieder zwei tugendsuende-beiträge ein :)

  3. zum thema “klar muss die taz anti sein”: ich finde, das trifft bei den beiden verlinkten artikeln nur oberflächlich zu. ja, der ansatz ist natürlich anti, aber er differenziert. und eine differenzierte meinung zu publizieren, einen ganz und gar durchdachten beitrag, der selbst die eigenen leser schockiert, das finde ich mehr als noch oke, das rechtfertigt gar meinen applaus.

    grundsätzlich stimme ich dir zu: die taz, ein haufen zerknirschter edelfedern, die ja irgendwo hin müssen mit der schweren last ihrer intelligenz. das habe ich bisher immer genauso empfunden. um so mehr haben mich die beiden beiträge überrascht - deshalb der post.

    und jetzt brechen wir das ganze nochmal auf diese gutmenschen-diskussion runter :): puh… also für die beiden verlinkten beiträge - da seh ich sich nur ein haufen gutmenschen in den kommentaren tümmeln. die autoren, den kann ich das zumindest für diese zeilen nicht bescheinigen - auch wenn ich natürlich nicht allen passagen der texte zustimmen kann oder nicht auch an der ein oder anderen stelle arroganz rauslesen würde. aber hey - die beiden beiträge sind wie gesagt das beste was mir von der schreibenden zunft zum jeweiligen thema untergekommen ist. zeig mir was besseres ^^

    und: deine gutmenschen-theorie ganz allgemein bzgl der taz-autoren (oder meinteste du da schon alle feuilletonisten?) - die ist mir zu pauschal, zu sehr über einen kamm geschert, ein bisschen flach, frau lantzsch!

  4. da muss ich intervenieren, frau peikert.

    ich habe die autoren nicht einfach so als gutmenschen betitelt. es war auch eine frage. eben aus ihrer sichtweise heraus…sich mit nichts identifizieren zu wollen. niemals zu der angesprochenen gruppe zu gehören. trivial gesagt: etwas besseres zu sein.

    zum thema leser der taz: nun ja, du schreibst sie schockieren mit diesen texten sogar ihre leser. die frage ist: wer sind die taz-leser? wie sind sie? sind die kommentatoren überhaupt die wahren tazzis??? ja du merkst, wie wenig man da zuordnen kann, deswegen schenke ich dieser aussage wenig glaubhaftigkeit bzw. ist das für mich kein argument für die qualität der texte.

    leider hast du recht: zu diesem thema gibt es nur gequirlte scheiße zu lesen. ich finde die tazartikel wirklich sehr erfrischend zu lesen. die nachhaltigkeit der inhalte bezweifle ich aber, positioniert wird da nix. oder sollte das gar kein kommentar sein? :D dann ist es formal-qualitativ ein ziemlich mieser artikel.

    die taz kommt mir wirklich manchmal einfach nur wie ein riesengroßer pseudo-rummel vor…

  5. natürlich: die taz ist ein riesengroßer pseudo-rummel. ich habe hier eine ausgabe liegen, wo auf der titelseite 6 fotos von generalbundesanwältin monika harms zu sehen sind und ihr die gesellschaftsanwälte der taz ihre verfehlungen vorhalten. putzig, wie sie nicht wissen wohin mit ihrer intelligenz.

    gut, dass dir nun wieder das argument rausgepickt hast von wegen sie schockieren ihre eigenen leser und deswegen sind sie gut - chapeau! das ist eine schwachstelle, unbedacht dahingesagt, wahrscheinlich sollte es noch nicht mal ein argument sein.

    und dennoch: die beiden verlinkten artikel sind gut. sicher steckt nicht jedem satz ein guter gedanke, aber in jedem zweiten. ^^ sie positionieren sich wohl, anti ja, aber nicht undifferenziert. und das halte ich wohl für eine leistung.

  6. “und dennoch: die beiden verlinkten artikel sind gut. sicher steckt nicht jedem satz ein guter gedanke, aber in jedem zweiten.”

    wieviel spielraum lässt dieser satz für eine nachfolgende diskussion?? keinen.

    differenziert??? muharhar. zeige mir doch mal die stellen. das einzig differenzierte an den beiden artikeln ist, dass sie dinge in einen zusammenhang stellen, die inhaltlich wenig miteinander zu tun haben. supi!