Januar 2008

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Räuspern.

Offener Brief an die Redaktion vom ZDF Heute Journal, zu Händen Marietta Slomka

Liebe Frau Slomka!

Warum räuspern Sie sich immer?

Ich sehe das Heute Journal quasi täglich, meistens als Podcast und da fällt es besonders auf, weil ich zurückspulen kann: Immer, wenn Ihr Kollege Heinz Wolf die Nachrichten verliest, räuspern Sie sich. Gestern war es ganz schlimm, da haben Sie sich in kurzen Abständen zweimal deutlich hörbar geräuspert. Wissen Sie nicht, dass das schlecht für Ihre Stimme ist?

Ich frage mich, wie dieses regelmäßige Räuspern zu Stande kommt. Ist es im Studio technisch nicht möglich, Ihr Mirkofon abzuschalten, während Heinz Wolf spricht oder räuspern Sie sich einfach nur so lautstark, dass das auch von seinem Mikrofon erfasst wird?

Ist das vielleicht ein Marketing-Gag? Soll dieses Räuspern eine so professionelle Sendung wie das Heute Journal etwas menschlicher machen?

Ich kann es mir einfach nicht erklären! Bitte helfen Sie mir!

Mit besten Grüßen

Denise Peikert
Regelmäßige Zuschauerin

Warum so inkosequent? Warum kann man als Film-Typ keinen Film, als Layout-Typ kein gesetztes Buch/Zeitung/Zeitschift/whatever oder als Radio-Typ kein Super-Beitrag abgeben? Also, man müsste natürlich über die Rahmenbedingungen nachdenken, die Erwartungen und Maßstäbe, sodass die Bachelorarbeit schon die Anforderungen eines Beleges übersteigt, aber das wäre doch zumindest im Sinne des Mittweidaer Modells oder täusche ich mich? Wissenschaftliche Arbeit, pff! Da ist das ganze Studium nichts mit Wissenschaft, die praktischen Seiten des Studiums werden zurecht gehypt und am Ende steht eine wissenschaftliche Abhandlung? Das ist irgendwie nicht sinnvoll, nicht konsequent, nicht logisch.

Gleich vorweg: Ich entschuldige mich gar nicht dafür, es muss einfach jetzt mal sein. Mir sind in den vergangenen Wochen soviele Hutschnüre gerissen, da muss ein verdammtes Ventil her.

Ich bin ja kein Radio-Nerd, aber ich hab’s wirklich gerne gemacht. Ich weiß, dass man die Drops auf die Ramp und nicht vor dem Lied spielt und ich weiß, dass man Promos weder an- noch abmoderiert. Das passiert bei 99drei. Aber hey: Der Krebsschaden liegt ganz woanders.

Da wird in der Redaktionskonferenz halt man ganz spontan entschieden, dass in den Nachrichten ab sofort die bundesweiten Nachrichten ganz vorn gelesen werden. Bundesweite Nachrichten?? Da bin ich ganz konkret aus allen Wolken gefallen. Wogegen will man denn mit diesen bundesweiten Nachrichten ankommen? RTL? ZDF? Radio PSR? Den einzigen Trumpf zu verspielen, den man hat, wissentlich ins Verderben zu rennen: Das ist peinlich und eine flammende Hommage an die eigene Faulheit. Klar, wenn keiner rausgeht, Töne holt, seit Wochen keine Stadtratssitzungen mehr besucht werden, wo will man denn die lokalen Nachrichten herhaben? Ist ja auch ganz entspannt, so vom MDR abzuschreiben oder aus dem RTL-Videotext.

Radio Mittweida ist deutlich studentischer geworden. Da wird eben im Feierabend ein russischer Austauschstudent zum Reden ins Studio geholt. Oder alle zwei Minuten der Studentenfasching geteast. Ja, nett alles, wenn man ein klassisches Campusradio sein will. Aber das haben auch die ganzen Germanistikstudenten da draußen an sämtlichen Unis Deutschlands. Die Ausbildung für Leute, die wirklich mal was im Radio machen wollen, die muss bei einem “echten” Radio, so mit Nachrichten sammeln, O-Töne, schön in der lokalen Scheiße waten, stattfinden. Dass die Studenten, die da jetzt am Ruder sind, das nicht wissen - geschenkt. Aber da muss ja jemand dafür verantwortlich sein. Für die Ausbildung. Der tut dieses ganze Wischiwaschigemache so gar nicht gut. Ich finde, da sollte eingeschritten werden, wenn sich das Laissez-fair-Prinzip aus dem Rahmen heraus bewegt.

Apropos Verantwortliche: Seit 05 haben die Medienstudenten scheinbar keinen echten Radiomenschen mehr abgeworfen. Oder er versteckt sich bisher gut. Läuft da was falsch beim Einstellungsverfahren? Will man nur Kamera-Nerds und Schnitt-Freaks ranzüchten?

Vom Fußvolk erbittet man sich immer Feedback bei 99drei, man ist ja ganz offen und unautoritär. Am 1.12. hab ich eine lange lange Feedback-Mail geschrieben. Weil ich es nicht gut fand, mich als Moderator immer selber um das Thema Aktuell kümmern zu müssen. Weil ich es nicht gut fand, wenn ich plötzlich mal ohne Nachrichtenmann im Studio stand. Weil ich es nicht gut fand, mir ständig Geningel vom Kaliber “Füllt doch mal die Schichten!” und “Die CvDs haben auch nicht immer Zeit!” anhören zu müssen. Bis heute keine Antwort. (Außer von einem der fünf (!) beteiligten Personen aus der Chefetage) Obwohl mir natürlich immer wieder gesagt wurde, wie gut doch mal so eine Mail sei und wie sehr man sich damit beschäftige. Kotzen könnt ich da, ganz ehrlich.

Nun ist es ja nicht schlimm, wenn man keine Ahnung hat. Schließlich sind das hier alles Lehrprojekte und manch hartes Wort in diesem Post angesichts dessen scheinbar nicht gerechtfertigt. Aber bei soviel himmelschreiender Arroganz, da gibt’s keine Entschuldigung. In jeder Mail ans Fußvolk herumzuposaunen, wie toll doch alles ist und wie gut das Radio ist, wenn man keine Ahnung hat und die Realitität einfach mal erbärmlich ist, ist schlicht peinlich.

Den Post hätte ich wohl nicht geschrieben, wenn man sich bei 99drei jetzt nicht auch noch vor der gesamten Studentenschaft Mittweidas lächerlich gemacht hätte. Eben kam eine E-Mail vom StuRa, Titel: “Radio Mittweida - jeder kann mitmachen”, Inhalt: wir brauchen Hilfe. Alle Studenten werden darin aufgefordert bei Radio Mittweida mitzuarbeiten. An sich so schlecht nicht, wenn die Rahmenbedingungen andere wären. In der E-Mail steht, dass Radio gar nicht so schwer isst [sic!] und: “Ein Radiosender ohne eine gute Webpräsenz ist heutzutage nicht mehr wegzudenken.” Unter der Mail steht übrigens kein Absender. Das ist dem Verfasser kaum zu verdenken, wer will sich schon für so einen Schwachsinn verantwortlich zeichnen.

Filmblog.

Ich hab da noch so ein anderes Blog, schaut mal hier. Bisher hab ich da recht einsam vor mich hingebloggt, was auch Sinn der Sache war: Ich wollte sehen, ob das funktioniert. Das tuts, ich habe wahrhaftig Spaß und kann deshalb auch verkünden, dass die Beta-Selbstfindungsphase beendet ist. Vorhang auf! (Das musste jetzt sein.)

Irgendwie so ganz und gar nicht wichtig, aber wohl gerade deshalb wunderbar:

Manches ist, wie es ist. Zum Beispiel: Wo Feuer ist, ist Rauch. Und wo Helmut Schmidt ist, ist Loki Schmidt. Und auch Rauch.

Hier weiter lesen. Eine Hommage auch an die Freiheit. Ein bisschen.

Na nu…

… die taz ist ja plötzlich so ganz und gar nicht verschrubbelt und vorhersehbar.

Zwei Beispiele: dieser Artikel passt zwar natürlich perfekt in die aufgeheizte Diskussion, aber populäre Themen aufzugreifen allein, naja, dass muss man den Medien ja noch nicht vorwerfen, wie oft es von irgendwelchen Pseudo-Weltverbesserern und Hyperintellektuellen getan wird. Zurück zum Artikel: Der passt zwar auch perfekt in die taz, natürlich, ist aber sehr erfrischend. Sicher, er dreht eigentlich nur den Spieß um, weißt auf das, worauf in den Feuilletons momentan alle Gutmenschen empört hinweise, aber er tut es aggressiver.

“[...] die einen Schuldirektor i. R. als “Scheißdeutschen” beschimpften. Ich kann mir eigentlich keine treffendere Bezeichnung für so eine bayrische Respektsperson denken. Und dass sie ihn zusammenschlugen, ist zwar eine bedauerliche Entgleisung, aber erstens haben sie damit allen Rauchern aus der Seele getreten, die nun permanent von selbsternannten Rauchverbotswächtern angepisst werden, und zweitens werden doch umgekehrt andauernd ausländisch aussehende Jugendliche von Kerndeutschen als Scheißausländer beschimpft, sogar zusammengeschlagen, angezündet, von postfaschistischen Polizisten an die Wand gestellt oder sonst wie mies behandelt.”

Bumm, so mag ich das! Mal abgesehen davon, dass man der Aussage bei Weitem nicht in all Ihren Konsequenzen (Auge um Auge, Zahn um Zahn; Beleidigungen sind aufgrund lächerlicher Verärgerungen und persönlicher Ressentiments gerechtfertigt) zustimmen muss, so ist dass rhetorisch betrachtet mit das Beste, was ich zu diesem Thema gehört/gelesen habe. Das lässt die Alarmglocken in allen deutschen Bevölkerungsschichten klingeln: Der Studienrat fühlt sich persönlich angegriffen, die Moralisten finden es unsanständig, gefährliche Köperverletzung auch noch mit einer abstrusen Ablehnung des Nichtrauchergesetzes zu rechtfertigen und die Stammtischnazis, naja, die hören solche Aussagen eh überall raus und winken ab: Ausländerficker, elender!

Zweites Beispiel: Dieser Artikel zu DJTomekks Hitlergruß. Nazis? - Geht gar nicht! Unglaublich komisch diese Passage:

“Details sind leider nicht überliefert, und die taz hat auch keinen Reporter in Australien, weder außerhalb des Camps (bloß jetzt nicht schreiben: Lager), auch nicht innerhalb dieses, nun ja doch, Lagers der versammeltsten Art (um auf alle Fälle das Wort ‘konzentriert’ zu meiden). Nun sind etliche Schlüsse aus diesem Entertainmentskandal, und sei er nur ein sogenannter, zu ziehen.”

Ja, das darf man witzig findet, ungeachtet dessen, wie man DJTomekk und seinen Hitlergruß findet. In einem Land, in der sich Leute Überschriften wie “Kriminelle junge Männer auf Heimfahrt” wünschen und die betäubte Masse zustimmt, da gehen Hitlergrüße von möglicherweise betrunkenen, vielleicht aber auch nur sinnfrei ausgelassenen polnischen Jugendlichen aus Berlin im Urlaub gar nicht. Logisch. Da muss man schon Maß halten. Komisch finde ich aber immer noch, dass dann ausgerechnet die taz solche Artikel auspackt. Aber, der Status Quo kann aufatmen: Den Leser interessiert es eh nicht. Ein Blick in die Kommentar zeigt eine Mischung aus Empörung, die der einer in Ohnmacht fallenden Frau in einem Historienfilm gleicht:

Ich finde es vollkommen richtig, dass jemand nach einem Hitlergruß gehen muss. Gerade in der Taz ein Plädoyer für solche völlig unangebrachten “Scherze” zu finden, irritiert mich gerade ziemlich.

Und natürlich darf auch der intellektuelle GEZ-Zahler nicht fehlen:

Ich wusste gar nicht, dass die TAZ das Bildungsfernsehen RTL und ihre trashige-debile Dschungelsenung anschaut!

Willkommen in der Verdummungsfalle der Massenmedien;-)

Letzerer hat nichts begriffen, außer, dass man öffentlich-rechtlich sieht und satirische Rhetorik gewinnt. Nur schlägt die in Wahrheit glücklicherweise keinen einzigen klugen Gedanken.

Shirt

Findsch diesmal geil, wilsch och!

Das Schlimme am deutschen Steuerrecht ist ja, dass es in der Praxis tatsächlich Anwendung findet.

Neu!

Sooo… jetzt mal zur Abwechslung ein neues Theme, macht ja grad keiner… Mein altes war zwar hübsch anzusehen, aber alles andere als praktisch. Nun also back to basics, Tagebuchstyle und so. Noch läuft nicht alles perfekt, ein Favicon hätte ich gerne noch, ein neues, Sidebar aufhübschen und eventuell die asides-Funktion des Themes nutzen. Kommt noch. Dank für den Header gilt Christian und für das Foto Falk. Ich mache da bei Gelegenheit noch Credits ins Impressum.^^

Für alle, die das Blog nicht kennen: Netter Post drüben bei der Medien WG, wo ich das perfekte Auditorium fand und die nötige Motivation bekam, mir endlich auch mal Luft zu machen. So als gebürtiger Karl-Marx-Städter muss man ja irgendein Ventil finden für die Bürde, mit der man lebt.

Dreier-Kaskade.

Das habe ich ja schon immer gewusst, manchmal ein bisschen angefangen neben dem Schreiben zu jonglieren, aber es nie wirklich konsequent durchgehalten. Der Beitrag hat mich dazu animiert, auch mal wieder danach zu suchen:

Außer der klassischen Dreier-Kaskade gelingt mir zwar fast nichts mehr und mit den verbliebenen Mini-Tricks (”Außenrumwerfen”, “Regentropfen” und verschiedene Techniken zum auffangen und loswerfen) kann ich sicher niemanden mehr beeindrucken, aber es macht doch immer sofort wieder Spaß. Und so ein bisschen Kreativ-Doping is schon gut. Die Hacky-Sacks sind ungleich stylischer als die klassischen Jonglierbälle, aber sie liegen nicht so gut in der Hand und stinken ein bisschen nach dem Bong-Wasser, in dem sie früher regelmäßig getränkt wurden. Für noch mehr Klischees wie gesagt diesen Beitrag klicken.

Da warnt aber jemand, der echt Ahnung zu haben scheint!

Abschluss.

Schon beschissen, so vor meinem PC zu sitzen und die Lesezeichenleiste anzustarren. Wo könnte ich jetzt noch drauf klicken, damit ich nicht anfangen muss, den Berg Arbeit abzuarbeiten? Den Berg, der da irgendwo schlummert, er schlummert, weil mir niemand sagt: Mach das jetzt. Mach mal eine anständige Themenzusammenfassung. Mach mal! Druck dir mal die Vorlesungsunterlagen aus! Schreibe! … “Bing!” Eine Email, nach Gott sei Dank! Bloß Spam, aber egal, egal, zwei Sekunden Ablenkung. … Wie schnell ist Torrent? Ich beobachte die kb/s. Spannend. Was wird zuerst fertig? … Was esse ich heute? Eintopf, das dauert ein bisschen, Gemüse schneiden, und Kartoffeln und so. Ja! Muss ja essen. Ist keine Zeitverschwendung! … “Mach jetzt, fang an!” - Was? Achso, nur das Gewissen. Na dann is ja gut. Weggewischt mit einem sinnlosen Gang zum Kühlschrank, auf und wieder zu, die Speisen gar nicht wahrgenommen, meine Art, ein Tiger im Käfig zu sein. … Ein bisschen Zeit vertrödeln auf dem Weg zu Haus 4. Jaja, vergessen die Selbstständigkeitserklärung zu unterschreiben, so ein Unglück, nun muss ich da nochmal hin! Gleich noch zu Frau Baumann, da warten heute aber viele! Na, macht ja nüscht, ich reih mich ein und rede. … Was, schon so spät? Dabei hab ich noch gar nicht angefangen! Und so viel zu tun! Na, morgen, morgen ist auch noch ein Tag. … Zuerst les ich mir den Leitfaden durch. Leitfaden, das hört sich gut an, nach leiten, Stern von Bethlehem und so. Ach, Mist! Der Modulschein fürs Radio ist hier irgendwie dazwischen gekommen! Da muss ich nochmal hin, abgeben, abschließen, endlich fertig werden…

So hetze ich. Hetze in aller Ruhe, um abzuschließen. Monascheine, Anträge, Druckkarten. Hauptsache Abschließen. Nur der ganz große Abschluss, der will nicht gelingen. Was ist dann überhaupt besser, wenn er gelungen ist? Sehe ich dann ein Ergebnis? Sehe ich dann, dass irgendwas vorangegangen ist? Das geht mir zu langsam, das Leben, viel zu lange dauert es, abzuschließen, der Schlüssel ist danach nicht mehr zu gebrauchen. Und die neuen Türen, die müssen irgendwann auch abgeschlossen werden. Gekommen um zu gehen. Mmh. Selbstreferentielle Scheiße! Aber ist es wirklich so? So Klein Klein? Immer wieder, wenn was neu beginnt ist es nur ein Kaffeebohnenschritt? Geduld, Geduld, Hartnäckigkeit! Damit bin ich wohl nicht gesegnet, sorry, Leben, aber das wird wohl nichts mit uns beiden. Mit mir wirst du nie Gegenstand einer Titelstory in der brand eins sein. So von wegen die starke Frau von sieben Kindern und nebenbei Managerin eines Kuckucks-Uhren-Handwerkbetriebes. Das hat sie sich alles alleine aufgebaut, geholfen, ha, geholfen hat ihr nur ihr unbändiger Wille! Wille, Klein Klein, pah! Ich habe noch nicht mal genügend Willen, um eine selbstständige Arbeit anständig abzuschließen! Selbstständigkeitserklärung vergessen zu unterschreiben, ha, an mir hätte Freud seine wahre Freude! Antrieb, Motivation! Beinah alles langweilt mich! Die entscheidende Frage ist doch: Wie kriege ich die Zeit rum? Bis zu meiner Beerdigung?

Manchmal würde ich mich gerne malen können. Ich, inmitten von Bürokram, Clipheftern und kleinen, säuberlich sortierten Häufchen von bedruckten A4-Blättern, bin im Stuhl zurückgelehnt und starre vorbei an der Schreibtischlampe, neuerdings mit Energie-Spar-Leuchtmittel, aus dem Fenster. In der rechten Hand einen Füller, gerade eben mit frischer Tinte wieder zum Leben erweckt und vor mir einen Briefumschlag.  DIN C 4, weiß und mit Papprückwand. Und der falschen Postleitzahl.

Der Soundtrack dazu:

Working for the church while your life falls apart

Und plötzlich hab ich Lust, mich ganz übel zu betrinken.

Gerade bin ich auf diesen Beitrag gestoßen und eigentlich wollte ich nur ihr diese Liste schicken. Beim Durchscrollen hab ich Lust bekommen. Mein Theme hat so einige Macken… Vielleicht steht ein Relaunch an, ausnahmsweise. Ich bin wie immer auf der Suche nach einem schlichten und nutzerfreundlichen Theme. Diese Grid-basierten Sachen wie dieses hier, die aussehen wie Magazine sind cool, aber nichts für mein so unregelmäßig und einigermaßen monothematisch aktualisiertes Blog… Ich würde gern back to basics, so Tagebuchstyle… Na, ma sehn… Das perfekte Theme, ihr wisst schon…

Heute ist der erste Tag, an dem ich denke: Ich habe meine Erkältung so gut wie überstanden. Und bin deshalb, was natürlich nicht wirklich überraschend ist, sehr euphorisch und energiegeladen. Einige Worte dazu, was ich so treibe, hier in Downtown Mittweida:

  • mir vornehmen, dass ich unbedingt häufiger den Tag des besonderen Films in der Filmbühne nutzen muss, solange ich noch hier bin
  • überlegen, wo meine Möbel ab 1. April hinkommen
  • überlegen, wo ich ab 1. April hinkomme
  • Vorlesungen besuchen. Sind die letzten vor der Prüfung. Gleich drei mal die Woche. Ich fühle mich überanstrengt.
  • mir vornehmen, öfter schwimmen zu gehen. Und in die Sauna. Gut, ein kleines Problem muss ich hinsichtlich dessen noch lösen: Mittweida hat kein Schwimmbad. Und nur zwei überteuerte Saunen. Eine davon ist hässlich, die andere kenne ich nicht.
  • viel Kram erledigen. Projektarbeit ist fertig, nächsten Montag Kolloquium. ADM vollkriegen, heißt, meinen IFA-Eintrittschein finden. Notenauszug holen. Bachelorarbeit anmelden. Ich denke, da kommt noch mehr Gerenne auf mich zu. Is ja nicht so, dass ich an einer gut organisierten Hochschule studieren würde. Da gehen Unterlagen schon mal verloren, kann ja passieren.
  • die Bachelorarbeit: Nimmt thematisch Formen an in meinem Kopf. Heute für 10 Euro Zeitungen gekauft: alle dem Tode geweiht. Ja, ich weiß es besser und hebe den Heiligen Gral. Werdet es alle sehen. Am 31. März. Dann ist die Bachelor-Arbeit nämlich fertig. So!
  • Mietvertrag kündigen. Das Datum zurückdatieren. Philipp hat das glücklicher Weise geklärt. überlege, was ich noch alles kündigen muss. oder umschreiben.
  • bewerben. hab ne schöne excel-datei mit allen potenziellen Arbeitgebern. Und den Konditionen, Bewerbungsschluss usw. Sie heißt Quo vadis.xlsx
  • arbeiten. Bedeutet physiologisch sitzen und starren. Ich brauche einen Ausgleich.
  • einen Rodelausflug fürs Wochenende planen. Sachsens längste Naturrodelbahn. 1,5 km lang und über 170 Höhenmeter! Einer der Lieblingsorte meiner Kindheit.Will jemand mit?
  • mir denken: du hast zu viel Energie und du machst wie immer zu wenig draus. Jetzt schalt doch mal das Internet ab.
  • just nach diesem Gedanken bloggen

Telefonkacke

Eben erschrack ich, weil neben mir mein Handy klingelte. Einmal.

+49069661021836

Das stand auf dem Display. Ich wunderte mich, gab zu erst die Vorwahl bei Google ein. Frankfurt, hm. Kenn ich keinen, auch keine Bewerbung o.ä. dort laufen. Dann mal aus Spaß die ganze Nummer bei Google eingegeben. Schade, dass ich nicht gleich zurückgerufen habe. Man wollte mich nur über einen Gewinn informieren.

Es lebe das Web2.0! Sagt auch er hier. Und hier gibt es sogar schon eine Liste, mit all den Nummern, die wohl grade rumrufen. Also aufpassen. Jetzt geht die Kacke auch auf dem Telefon los. Dabei hab ich meine Handy-Nummer gar nicht bei StudiVZ angegeben…

Ein US-Soldat im Irak hat eine Freundin beauftragt seinen letzten Post im Falle seines Todes zu veröffentlichen. Jetzt hat sie ihn veröffentlicht.

I’m dead, but if you’re reading this, you’re not, so take a moment to enjoy that happy fact.

If you think the U.S. should stay in Iraq, don’t drag me into it by claiming that somehow my death demands us staying in Iraq. If you think the U.S. ought to get out tomorrow, don’t cite my name as an example of someone’s life who was wasted by our mission in Iraq.

I would be lying if I didn’t admit I would have liked to have done more, but it’s a bit too late for that now, eh?

A decision that for most of us in America was academic, whether or not to go to war in Iraq, had very real consequences for hundreds of thousands of people. Yet I was as guilty as anyone of minimizing those very real consequences in lieu of a cold discussion of theoretical merits of war and peace. Now I’m facing some very real consequences of that decision; who says life doesn’t have a sense of humor?

We’re all going to die of something. I died doing a job I loved. When your time comes, I hope you are as fortunate as I was.

Der Mann war ein echter Selbstdarsteller, wie es Blogger nun mal so an sich haben und er ist es noch nach seinem Tod. Er ist vermutlich auch in einem ganz typischen amerikanischen Dorf groß geworden, so mit Nationalhymne singen vor dem Unterrichtsbeginn. Aber er hat mehr zu sagen, als jeder Blogger, den ich kenne oder bisher kannte. Nennt mich pathetisch deswegen, aber ich dachte beim Lesen das erste Mal: Bloggen ist was Gutes. Bloggen stellt Leben dar, Menschen, Dinge, die man sonst gar nicht begreift, weil sie so scheiße weit weg sind. Ob geographisch oder geistig. Und ja, es gibt Sachen, die berühren mich wirklich. Wie dieser Beitrag.

David Lynch macht Werbung für das neue iPhone. “Get real”. Ich hau mich weg. Das von Lnych, zu geil. Gesehen hier.

Das sind so Städte-Namen, über die ich mich normalerweise nur lustig mache. In meinem Kopf eng verbunden mit westdeutscher Unterschicht und kohleverrauchtem Ruhrgebiet. Er hat, so wie mir scheint, sein ganzes Leben in Castrop-Rauxel verbracht und es scheint ihm nicht geschadet zu haben. Er ist 78 Jahre alt. Er bloggt. Von seiner Einschulung (süße Geschichte), der Pogromnacht 1938 in seiner Stadt (anders und besser als in den Geschichtsbüchern) und von Silvester 2007/2008, wo er für seine Frau Rollmöpse für den Morgen danach (! remember the age) besorgen sollte, aber keine Lust hatte, sich an der Kasse anzustellen. Sehr hübsch. Ich bezweifle, dass er Menschen in seinem Alter erreicht. Umso respektabler ist sein Blog und hat den Platz in meinem Feedreader sicher.

Am Vorabend

Plötzlich kratzt es im Hals. Du schluckst und schluckst. Es geht nicht weg. Dann wartest du kurz. Du schluckst wieder. Es ist immer noch da. So geht das eine Weile, bis du einsiehst: Das geht heute nicht mehr weg. Du kennst dieses Kratzen. Was da kommt, das kommt nicht in Frieden. Noch schnell zu einer Nachtapotheke, Grippostad oder Mucosulvan kaufen? Den Gedanken verwirfst du schnell, kostet schließlich ein Haufen Geld, das Zeug. Und du bist ja nicht aus Zucker. Vor dem Schlafen trinkst du noch schnell eine den Saft einer ausgepressten Zitrone und freust dich, dass du so ein Öko-Hausmittelchen genommen hast statt der teuren Chemikalien. Dein Gewissen kann jetzt jedenfalls gut schlafen.

Der erste Tag

Deine Nase ist verstopft und an den Rändern schon verkrustet, die Augen gehen kaum auf vor Dicke und im Hals kratzt es natürlich. Du hustest vorsichtig und bemerkst dabei den Kopfschmerz. Scheiße, denkst du dir, ist der Mist schon da? Genervt stehst du auf, unter Schmerzen duschen, kaum was essen und Tee machen. Du denkst dir: Viel zu viele Menschen verwechseln einen kleinen Schnupfen mit einer Grippe. Vorsichtshalber steckst du dir aber doch ein Thermometer unter den Arm. Deine Nase läuft. Du kaufst dir teure Taschentücher, Obst und so einen isotonischen Mist für deine Nase. Richtige Nasentropfen machen abhängig und die Nase trocken. Bis zum Abend schaffst du es gerade noch, die Filme auszuleihen und sie dir alle nach einander reinzuziehen. Du überlegst, dass eine Erkältung für gewöhnlich 9 Tage bleibt. 3 Tage kommts, 3 Tage bleibts, 3 gehts. Noch 8 Tage.

Der zweite Tag

In der Nacht hast du dir schon alle 2 Stunden Nastentropfen reingehauen. Die, die abhängig und die Nase trocken machen. Du überlegst, gar nicht erst aufzustehen, tust es dann aber doch. Das übliche Prozedere. Deine Haare sind fettig aber du zu schwach, um sie dir zu waschen. Dein Körper fühlt sich an, wie eine kleine vertrocknete Pflaume, die den Baum, an dem sie hängt tragen muss. Du beginnst, den Vorabend mitzuzählen. 3 Tage kommts, 3 Tage bleibts, 3 gehts. Noch 6 Tage.

Der dritte Tag

Du bildest dir ein, es geht ja schon wieder. Stehst auf, wäschst die Haare und sehnst dich sofort nach deinem Bett. Du lässt dir eine Wärmflasche machen und dich zudecken. Wenn man 18 Stunden am Tag schläft, sieht die Welt auch nicht besser aus, das musst du einsehen. Zwischen zwei Abschnitten deines Deliriums rufst du Mutti an. Nachdem du dein Handy zwischen all den vollgerotzten Taschentüchern gefunden hast. Du denkst an Thymian-Erkältungsbäder und Wick-Vaporup-Einreibungszeug. Sowas gibt’s in nicht in deiner Hausapotheke, seitdem du so unabhängig bist, es gibt noch nicht mal eine Hausapotheke. Du bist so krank, ningelst du. Hättest du doch Grippostad genommen. Oder Mucosulvan. Dafür ist es nun zu spät. Du sagst nichts. Zum Arzt sollst du gehen. Du legst auf. 10 Euro Praxisgebühr, pff.

Wenn eine Erkältung eine Hyperpel ist, dann ist das der Höhepunkt. 3 Tage kommts, 3 Tage bleibts, 3 gehts. Noch 5 Tage. Optimistisch gerechnet.

Im Radio sangen die Stars. Take Me To The Riot.

Ich: “Das ist die Hymne unserer Generation”
Er: “Wieso? Was heißt denn Riot?”
Ich: “Keine Ahnung. Es kommt nur in so vielen Songs vor.”

Dann schlug ich Riot nach und freute mich darüber, wie sehr ich unwissend Recht hatte.

Über Lied und Video kann man sich übrigens auch freuen:

Als Berlin rauchte und Lichtenberg brannte, war Silvester dann doch nicht mehr so schlecht.

Mehr Eindrücke und Fotos hier.