Ich weiß noch: Letztes Jahr hab ich irgendwie versucht an einem Rückblick zu zimmern. Sowas fällt mir nicht leicht, mir alle Einzelheiten des Jahres zu merken. Und ich mag es ja wie schon viel zu häufig propagiert einfach nicht, wenn man zu einem bestimmten Tag irgendwie denkt: Ab jetzt alles anders, eine Sekunde mehr zwischen 23:59 und 00:00. Die Magie, die irgendwie in dieser einen Sekunden zu stecken scheint, hat ihre Funken noch nicht weit genug gesprüht, um mein zynisches Gemüt zu erreichen. Dabei weine ich manchmal bei Filmen.
Wie dem auch sei, ich hab mich sehr in der Versuchung gesehen, hier Listen über das Beste, Klügste, Hübscheste, Tollste und Fuckigste des letzten Jahres aufzustellen. Das ging mir aber zu schnell auf den Kranz und womit ich nun beileibe nicht gesegnet bin, ist Geduld. Aber als ich den Jahresrückblick 2006 nochmals las, musste ich bei einigen Zukunftsprognosen aber dann doch schmunzeln. Deswegen kurz ein Blick darauf, was aus meiner Ende-2006-Glaskugel in der Realität geworden ist. O-Ton damals: “Vermutlich werde ich einfach so weiter machen….”
- “Zu viel trinken, zu wenig schlafen.” Ich bemühe mich, sieben Stunden mindestens zu schlafen. Ich bin eben ein Schläfer und ich mag das auch. Wie schrecklich muss es mir denn 2006 gegangen sein?? Alkohol: Wenn, dann zu viel. Aber wenn ist selten.
- “Im Haus vier am Automaten Kaffee schlürfen.” Ja. 2007 war’s manchmal auch Kakao.
- “Gegen Lantzschi noch viele tolle Battle-Texte verfassen.” Ob es viele waren, da bin ich mit nicht sicher. Aber sicher waren sie toll.
- “Zu jedem Stichwort eine Liedzeile anstimmen.” Das ist weniger geworden. Ich singe einfach ohne Stichwort.
- “Beim Activity gewinnen.” Verdammt. Da war doch was.
- “Mein Gehirn nochmal wiegen lassen und auf mehr als 1034 Gramm hoffen.” Wie?
- “Mit Ohrstöpseln schlafen und ohne viel zu laute Musik hören.” Ja und ja.
- “Meine Augenringe pflegen.” Siehe erster Anstrich.
- “In der Mensa Schnitzel mit Pommes und im Bukowski Nachos mit Käse essen.” Ja und nein. Oder doch? Na, bestimmt.
- “Zu viel Hesse lesen.” Nicht zu viel.
- “Mit der Redaktion viele gute und schlechte NOVUMs produzieren.” Ja. Logisch.
Btw: NOVUM ab sofort ohne mich. Dem Team wünsche ich nur das Beste. Und das ist wahrscheinlich einer der ehrlichsten Wünsche in dieser wunschinflationären Zeit.
- “Und jeden Tag – wenn ich es nicht mal aus Versehen vergesse – froh darüber sein, dass ich doch nicht Rechtsanwaltsgehilfin geworden bin.” 2006 muss ich noch richtig verliebt gewesen sein in die Idee, Journalistin zu werden. Jetzt werde ich sie bloß nicht wieder los.
- “Vielleicht zieh ich um, denn davon träumt mein prophetisches Gemüt zur Zeit ständig.” Zweimal. Nee, eigentlich dreimal. Einmal richtig.
- “Vielleicht gelingt es mir, Fotos von mir machen zu lassen, auf denen ich einfach nur – ohne Zunge, ohne Grimasse – in die Kamera gucke.” Ja. Wobei ich letztens auf dieser Medienweihnachtsfeier einen ominösen Rückfall hatte. Schreckliche Bilder.
- “Vielleicht geh ich endlich mal zum Zahnarzt.” Was das da zu suchen hatte - keine Ahnung. Ich war 2007 x-mal beim Zahnarzt. Den letzte Termin hab ich verschlafen. Da muss ich wohl 2008 nochmal.
- “Vielleicht läuft mir die Liebe meines Lebens über den Weg.” Ja. Obwohl es da mit dem Weg und dem Laufen terminliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Festlegung auf 2007 gibt.
- “Vielleicht gewöhne ich es mir ab, an den Nägeln zu kauen.” Nein.
- “Vielleicht werde ich geduldiger.” Nein.
- “Vielleicht lass ich mich fürs Bloggen bezahlen…” Äh… Lass mich… Nein.
- “… und kaufe von dem Geld die AMAK AG” Bewahre, nein!
- “Auf jeden Fall aber freu mich mich drauf. Prost!” Gott, was für ein gräßliches Ende eines Posts.
Sonst so: Dieses Jahr gibt mir ein molliges Gefühl. Es ist irgendwie nicht ganz so scheiße gelaufen, wie gewöhnlich. Persönlich hab ich einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht. Ohne dabei wirklich so erwachsen zu sein, wie ich das in mancher dunklen Nachtstunde bereits befürchtete. Ich denke manchmal, und jetzt fang ich doch wirklich noch an, mich nackig zu machen, Herrgott!: Früher war ganz bestimmt nicht alles besser, das meiste war früher sogar sehr viel schlimmer. Es gibt so Zeitabschnitte in meinem Leben, an die ich mit einem sehr sehr unguten Gefühl zurückdenke, manchmal bekomme ich davon gar so eine Art Brechreiz. Weil damals einfach nichts richtig war und das nicht nur einfach, weil soviel Scheiße passiert ist. Sondern, weil ich die Scheiße schon damals nicht gut fand. Und das ist eigentlich das Beste (verdammt!) an diesem Jahr: Das Gefühl zu haben, zu den Guten zu gehören. Obwohl jetzt immer noch viel Scheiße passiert.
Einen Ausblick 2008 spar’ ich mir, nicht, dass ich nächstes Jahr wieder so einen blöden Beitrag schreiben muss.
-
du bist echt so bombe-geil
watn geiler vor-rückblick-dings (wie auch immer)… typisch denise eben… schön schön

1 comment
Comments feed for this article
Trackback link: http://www.casus-belli-blog.de/2007/12/27/die-scheisse-der-guten/trackback/