Zum Kotzen: Vaterlands-Rhetorik

Ich weiß gar nicht, was dran ist an Stauffenberg. Er war Antidemokrat, hasste die Weimarer Republik, träumte von der Wiederherstellung eines “wahren deutschen Reiches”, sah sich selbst als legitimer Nachfolger des mittelalterlichen Stauferkaisers Friedrich II. von Hohenstaufen und akzeptierte Hilter als die übergeordnete Instanz im Deutschen Reich.

Es lag in der langen Tradition der Familie Stauffenberg, den Dienst am Vaterland über alles zu stellen - auch über das eigene Leben.

Das steht bei heute.de und dort tut man so, als wäre das was Gutes, obwohl diese Blut und Eisen-Rhetorik das Allerletzte ist. “Den Dienst am Vaterland” - solange Deutschland im Zweiten Weltkrieg siegreich war, schien das Deutsche Reich nicht in Gefahr zu sein. Mit den ersten Niederlagen dann kam Stauffenberg die Idee, mal was gegen Hitler zu unternehmen, bevor sein Vaterland den Bach runtergeht. Hinterher sieht es so aus, als wären Stauffenberg und Co. das deutsche Gewissen gewesen, als hätten sie nicht jahrelang zugesehen, wie ihr Führer abseits des ehrenvollen Schlachtfeldes Menschen umbringt.

Die Bundeswehr ist Stauffenberg besonders verpflichtet, denn er gehört zu unserer Tradition des Widerstandes. Die Männer des 20. Juli haben vorgelebt, wann Verantwortung, Ehre und Gewissen der militärischen Führer Grenzen des Gehorsams weisen.

Sagt Verteidigungsminister Jung. Der hat zwar eh ein Rad ab, aber mal ehrlich: Fällt das niemandem auf? Muss man unvoreingenommen über den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr für Stauffenberg berichten? Stauffenberg und seine Vaterlands-Scheiße ist super, aber Autobahnen gehen gar nicht. Willkommen im Vaterland der Heuchelei.

Achso, bevor ich von den Autobahn-Rhetorikern als Nazi bezeichnet werde: Natürlich hätte der Zweck im Falle des 20. Juli 1944 die Mittel geheiligt. Aber es hat ja noch nicht mal funktioniert.

Und: Viel mutiger als Stauffenberg, der ja eh gern sein Leben gelassen hat fürs Vaterland, sind all die anderen gewesen. Die ehren wir dann an deren Geburtstagen, nicht wahr?

  1. Ungeteilte Zustimmung, dieser alte preußische Militärgeist ist verachtenswert, wir wissen ja genau wohin das geführt hat. Darum versteh ich auch nicht, warum die Bundeswehr Stauffenberg so sehr hochhält, schließlich war er nicht der einzige Widerstandskämpfer – auch nicht am 20.Juli. Vielleicht gäbe es wieder so etwas wie eine Dolchstosslegende, wenn es geklappt hätte. Dennoch ist der Putsch wichtig gewesen, ein Zeichen, dass es Widerstand gegen den Naziterror gab.
    Wir sollten aber nicht zum kompletten Gegenteil übergehen und Patriotismus total verachten. Ein unverkrampftes Verhältnis zum eigenen Land, wie wir es während der WM erlebt haben täte uns ganz gut.

  2. “Das ist doch populistischer Scheiß!” um es mal mit den Worten von Uli Hoeneß zu sagen.

    Harte Thesen stellst du auf, die zum Teil schon fast einer Agitation gleich meine Liebste. Du stellst ja sogar die Geschichtsbücher der deutschen Schulen in Frage.
    Sicherlich hast du nicht ganz Unrecht. Deine Meinung hier stützt sich aber lediglich auf die wohl etwas fehlgeleitete und fehlinterpretierte Berichterstattung des ZDF.

    Wo sich mir aber dennoch die Frage stellt: Hätte Stauffenberg das alles so geschafft, hätte er bei den Nürnberger Prozessen noch gelebt, was wäre sein Urteil gewesen? Er ist so ein typische Speer-Kandidat…

    @micha.
    Du widersprichst dir etwa 2-3 Mal und holst nach den Äpfeln gleich die Birnen vom Baum. Und deine Ansicht mit der Dolchstoßlegende versteh ich auch nicht.

  3. allerdings:
    deine anspielung auf das heutige deutschland und seine neoliberale scheiß-grundeinstellung, die doch aber mehr dem fähnchen-nach-dem-wind-typus gleicht, (”wir bestimmen selbst, was gutmensch ist und was nicht”), finde ich allerdings durchaus richtig gewertet.

    diese überkanditelte politically-correctness in diesem land ist echt das letzte!

  4. speer und stauffenberg: kaum zu vergleichen, finde ich. ich hab mal speers ausführliche biografie von fest gelesen und was da alles ans licht kam - hätte man das in nürnberg bereits gewusst, der mann wäre hingerichtet worden. was nun stauffenberg wusste oder nicht, er hat immerhin gehandelt. das sind glaube ich zwei recht verschiedene fälle.

    damit widerspreche ich jetzt anscheinend dem post. aber mir geht es da ja vor allem um den undifferenzierten umgang mit dem thema stauffenberg. wenn jemand gegen das absolut böse ist, dann kann er nur gut sein, egal was er persönlich am stecken hat. das ist zu schwarz-weiß gedacht.

    meine beobachtungen übrigens stützen sich nicht nur auf heute, da sind aj noch mehr links im post, heute is nur die spitze.

    schulbücher: in meinem schulbuch (in einem von den millionen geschichtsschulbüchern meines kurses jedenfalls) wurde stauffenberg kontrovers diskutiert wie übrigens auch im unterricht. ;)

  5. gut gut. dann gebe ich mich zumindest hier dir geschlagen, was deine stauffenbergmeinung und die geschichtsbücher angeht. wir haben das leider nie differenziert betrachtet, obwohl auch nicht hochgejubelt.

    mit speer-kandidat meinte ich aus der sicht des gerichts und der retrospektive. da war ja speer auch immer der noch halbwegs-gute. hat ja nur häuser gebaut :D