Medienforum V: Panel zur “New Economy 2.0″

Wie schon erwähnt, ich hatte ja Kopfschmerzen, ziemlich derbe gar. Nun saß ich da, im erhitzenden Scheinwerferlicht und dachte, dass ich eigentlich lieber im Kissen ruhen würde. Nützt alles nüscht, konnte das ja unmöglich verpassen.

Schleppender Start. Moderator Holger Hank mit einiger Euphorie und Wortgewandtheit gab sein bestes, aber irgendwie wollte die Diskussion nicht in Gang kommen. Na klar, dass hier war eine Diskussion um die New Economy, das es verdammt wirtschaftlich wird, hätte ich mir denken können. Aber muss man sich deswegen vor einem Haufen, allenfalls mit gefährlichem Halbwissen gewappneter Studenten, in Ausführungen darüber verlieren, wieviel Venture Capital von damals jetzt noch da ist und wie und wo es vermutlich investiert wird? Horst Müller gab dann - glücklicherweise nicht zum letzten Mal an diesem Abend - den Erklärbär, und so erfuhren wir nicht nur zu meiner Erleichterung, was Venture Capital eigentlich ist. Das geklärt, konnte es endlich losgehen. Werbung ist scheiße, keiner braucht Werbung, Werbung stört alle, Werber sind Pisser von Rainer Meyer auf der einen; wie soll sich das Internet ohne Werbung finanzieren?, das kostet doch auch alles was, und personalisierte Werbung ist besser als bloße Störfeuerwerbung von Marc Schwieger und Nico Lumma auf der anderen Seite. (Alle Diskutierenden und ihr Tun hier.) Die Werbefaschisten gegen die personalisierte Antifa. Und dazwischen der Erzkonservative Müller, der immer mal ein bisschen journalistischen Anspruch und Ansätze einer Qualitätsdiskussion in den Raum warf. Ein sehr nett anzuschauende Demonstration, was die Gladiatoren so drauf haben, in der Arena. Lumma rannte gleich mal mit seinem Stuhl auf die andere Seite des Podiums, um Meyers “die da drüben” abzuwürgen, schien sich dann aber doch thematisch mehr dem Tchibo-Mann Schwieger zugeneigt, denn er ging wieder zurück. Dieses kleine Stuhl-zur-Schau-tragen der Höhepunkt der Diskussion, war es doch symptomatisch. Die Fronten eh verhärtet, ging es vornehmlich darum, Argumente, die man kennt, kennt man den Krieg, besonders explosiv zu platzieren. An der Heeresspitze Lumma und Meyer. Der eine kaute gelassen Kaugummi, während er die Herrlichkeit des Geldes als Antrieb für alle Mechanismen im Web2.0 lobte, der andere sezierte mit einem sehr höflich-seriösen Auftreten und einer derben Sprache alle Argumente logisch und mit dem Rückenwind des Publikums. Ein bisschen schmierig wirkten beide. Der eine, weil er Werber ist und Werber nun mal schmierig sind, der andere, weil er zu sehr den Gutmenschen gab. Vielleicht als Abgrenzung vom grimmig-bösen Don Alphonso, vielleicht aus missionarischem Eifer. Das ist auch völlig egal, denn ich schweife ab.

Neben den Glanzfiguren des Abends blieb der Rest blass, was man schade finden kann oder auch nicht. So ist es immer. Gewürzt haben Evsan mit seinem “Ich bin der Techniker und hab keine Ahnung vom Geschäft, aber Videos sind toll!”-Gerede, Schwieger mit Anekdoten aus seinem Familienleben und Müller mit den präzise vorgebrachten Nachfragen und dem Hochhalten der journalistischen Flagge die Sache allemal. Aber da ist es nunmal wie mit dem Salz - weniger ist mehr.

Das Ende habe ich verpasst, denn neben dem Medienforum ging das Leben in Mittweida nunmal weiter und um 18.30 Uhr eine Ausschusssitzung los. Im inhaltlichen Sinne verpasst habe ich sicher nicht allzu viel, wie schon gesagt: Das Panel war wie ein politisches Gipfel-Treffen. Die wirklich wichtigen Dinge werden schon im Vorfeld geklärt, die Positionen sind klar - es geht nur noch um das wie. Und vielleicht um ein zwei neue Denkanstöße.

Insgesamt dennoch auch ein positives Bild von diesem Abend. Kommentar zur Organisation spar ich mir, das wurde schon genug getan. Außerdem: Wir alle wissen, was Earned Media ist.

  1. Also, ich finde Gutmensch im Zweifelsfalle immer noch besser als Schlechtperson - wobei, Gutmensch, das hat schon seit Jahren keiner mehr zu mir gesagt, da fehlt es eigentlich an Philantropischen bei mir. Nachdem, was ich sonst so über mich lesen durfte, ist das dennoch schon fast ein Kompliment. Ist er vermessen, wenn ich Dich bitte, das nächste Mal einfach vorbeizukommen und Hallo zu sagen?

  2. ehrlich gesagt war mein wasserglas noch auf der anderen seite und neben rainer sass ich schon fast dem publikum mit dem rücken zugewandt, was ich auch nicht so gut fand.

  3. @ don: ich dachte früher auch immer, dass dir das philantropische völlig abgeht. gestern hatte ich einen eher schwammigen eindruck, wie dargestellt. blöd, wenn nicht alles immer so einfach ist.

    ist nicht vermessen, ich bin sowieso ein fan der realität.

    @ nico: das wasserglas? blöd, wenn immer alles so einfach ist. ich wollte was pseudo-feuilletonistisches drumrum spinnen.

  4. Wenn wir ganz ehrlich sind: Der Schwieler hat Nico noch mehr für das Überlaufen geboten. 2 Gläser Wasser, da konnte ich nicht mithalten.