Medienforum IV: Dr. Jan Schmidt “Die Mythen der Blogosphaere”

Diesen Vortrag musste ich mir mit meinem Inneren hart erkämpfen. Doch lieber Lückerath und DWDL? Letzlich siegte der vermeintliche Underdog Jan Schmidt, Vorträge im Studio B hatte ich zu dem Zeitpunkt ja schon genug gehört und weitere vor.

Mit drei Mythen der Blogosphäre wollte Schmidt aufräumen: Der Blogger ist übergewichtig und trägt Dreitagebart, Weblogs machen jeden zum Journalisten und 99 Prozent aller Weblogs sind Müll. Sehr nett vorbereitete Powerpointpräsentation, die in wissenschaftlicher Korrektheit abarbeitete und die Mythen zu widerlegen versuchte: 66 Prozent aller Blogger sind laut einer Zufallsstichprobe, die in den Long Tail sticht, weiblich. Der Mythos jedoch entsteht, da die Autoren der “Top-Blogs” nur zu 25 Prozent weiblich seien. Überhaupt war der Vortrag sehr von Zahlen geprägt - zu erwarten bei einem Wissenschaftler. Überhaupt: Seine Nüchternheit tat gut. So behandelte er unaufgeregt das Thema Blogger vs. Journalisten und erklärte mir zum ersten Mal wirklich gut, das Blogs überhaupt keine Relevanz haben müssen und auch nicht wollen. Natürlich, das wusste ich, auch die Sache, dass Blogs nun mal vorrangig private Relevanz haben - er meinte, dass sie genau deswegen auch gar nicht an öffentlicher Relevanz gemessen werden müssen.

Insgesamt ein solider Vortrag mit ein paar neuen Denkanstößen und vielen wissenschaftlichen Untermauerungen schon bestehenden Wissens. Auch nett: Die nach kurzer Diskussion entstandene Antwort darauf, warum wir denn diesen verdammten Long Tail ernstnehmen müssen, warum Blogs was “Gutes sind”. Schmidt lächelnd: Für ihn als Wissenschaftler ein interessantes Phänomen der Kommunikation und gesellschaftlich eine soziale Veränderung hin zu öffentlich-privater Kommunikation. Irgendwie kryptisch, aber irgendwie nett befriedigend.

  1. “Auch nett: Die nach kurzer Diskussion entstandene Antwort darauf, warum wir denn diesen verdammten Long Tail ernstnehmen müssen, warum Blogs was “Gutes sind”. Schmidt lächelnd: Für ihn als Wissenschaftler ein interessantes Phänomen der Kommunikation und gesellschaftlich eine soziale Veränderung hin zu öffentlich-privater Kommunikation. Irgendwie kryptisch, aber irgendwie nett befriedigend.”

    Hmmm, für das kryptische war vermutlich der Restalkohol in meinem Blut nach dem Biergipfel verantwortlich.. :)
    Ich versuchs nochmal unkryptischer:
    Das Besondere am neuen Netz (blogs, studivz und konsorten) ist, dass immer mehr menschen ihre eigenen erfahrungen, meinungen, kompetenzen etc. öffentlich machen können, also persönliche Öffentlichkeiten schaffen können. Das ist gut, weil es den Bloggern die Möglichkeit bietet, mit andern Leuten in Kontakt zu treten, die die gleichen Interessen teilen. Gesellschaftlich gesehen verändert das die Art und Weise, wie wir unsere sozialen Netzwerke pflegen - und das finde ich wissenschaftlich so spannend.

  2. danke. :)