September 2007

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Koestlich

Ich bin ziemlich oft online und lese ziemlich viel. Irgendwie gelingt es mir da nicht, um all die guten und schlechten Texte drumherum zu kommen, die sich in meinen Feedreader schleichen oder irgendwie anders an mich rankommen. Deswegen heute mal ein Blick von mir auf das, was mir in den vergangenen Tagen (oder schon ein bisschen länger her) untergekommen ist.

Das, was ich schon lange beobachtet und als “yo-bro-Syndrom” bezeichnet habe, ist endlich in einem schönen Text zusammengefasst worden - von wem anders und so dermaßen lustig, dass selbst ich, die ja das Pänomen schon lange kennt und jeden Tag beobachten und anklagen kann, sehr lachen musste. Nur das Ende des Textes ist etwas sehr platt und schnell und zu gedanklich einfach herbeigeführt - außerdem zu wenig verurteilend für das “yo bro-Syndrom”. Vielleicht sollte ich selbst auch mal eine soziologische Abhandlung darüber schreiben.

Helmut Böttiger hat einen Groschenroman rezensiert. Oder sowas, was ein Groschenroman sein müsste. Es vielleicht am Ende doch nicht ist. Der Rezensent ist sich irgendwie selbst nicht sicher. Selten so eine unterhaltsame, selbst reflektierende Buchrezension gelesen.

Was mir zu dem Autor des Buches, um das es sich in dem Text dreht einfällt: Der ist hier Dozent. Da wollte ich mal studieren, nach Mittweida. Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus heißt der Studiengang. Vielleicht will ich es immer noch, mal sehen. Warum sich das nicht so sehr von Mittweida unterscheiden würde, hab ich dann vor einiger Zeit hier gelesen.

Tschernobyl trägt zu Unrecht das Attribut schlimmster Atomunfall ever - das hab ich hier gelesen. Und das sollte nicht unerwähnt bleiben. An dem Karatschai-See, da wo die Russen damals alle Atomabfälle reingeleitet haben (der ist heute zubetoniert), kann man sich keine 15 Minuten aufhalten, es sei denn, man ist willig zum Suizid. Nach einer Stunde Aufenhalt tritt dann der sofortige Tod ein. Netter Ort.

Literarisch fand ich letztens den und den Text gut.

Und zum Schluss: Wer bisher noch keinen einzigen meiner mühsam zusammengeklaubten Links angesehen hat, sollte spätestens jetzt klicken - is auch n Video, Jungs und Mädsche. Im extra-3 Podcast ist Olivia Jones unterwegs - bei der NPD in Niedersachsen. O-Ton: “Ist ja alles nicht so schlimm, mein kleines braunes Häschen.” Zum schießen. Hier das Video bei You Tube in schlechterer Qualität.

Irgendwie hat Wordpress ein bisschen an atlten Zeitstempeln gedreht und ein paar alte Artikel nach oben gespühlt. Inzwischen hab ich das bereinigt - zumindest aufm Blog, nicht aber im Feed. (Weil ich schlicht nicht weiß, wie das geht.) Wem’s aufgefallen ist, dem sei es hiermit erklärt, wem nicht, der ignoriere diesen Beitrag.

So far so good

Es ist verrückt. Vor dem Sommer hab ich nichts mehr gewollt, als die neue Aufgabe beim Praktikum. Zum Ende von eben diesem hab ich nichts mehr gewollt, als mich wieder meinen Aufgaben in Mittweida zuzuwenden. Ich weiß, wie blöd sich der letzte Halbsatz anhört, aber er ist wahr. Und traurig ist er auch. Nicht wegen Mittweida, die Diskussion hab ich lange satt. Sondern weil ich befürchte, dass das mein restliches Leben so weiter gehen wird. Dieser Hickhack. Ständig muss irgendwas neues her. Ständig muss irgendwas neu anfangen und dann aber bitte genauso schnell wieder zu Ende gehen. Ob mich das anstrengt? Nicht sonderlich. Ob ich trotzdem will, dass es aufhört? Unbedingt.

Vielleicht noch ein paar Worte zum Praktikum. Ich habe es in der leisen Ahnung angetreten, dass es nicht das ist, was ich machen will. Es war dafür gedacht, aus einer Ahnung Gewissheit zu machen. Das ist mir gelungen - was die Arbeit im Praktikum nicht abwerten soll. Sie war intensiv, konstruktiv und überhaupt nicht zu unterschätzen. Aber: Ich will schreiben, so viel steht fest. Ich weiß nicht, ob ich das gut genug kann, ich weiß nur, dass ich nichts anderes kann.

Sonst… Berlin ist nett. So als Stadt meine ich. Ich hab eine Weile gebraucht, bis ich die Stadt nett fand und mehr als nett war in den zwei Monaten nicht drin. Vielleicht ist das nie drin. Kein Flair, kein Gesicht - aber sozial interessant, irgendwie schön und außerdem immer voll. Deswegen nett.

Jetzt? Es geht weiter. Wie gewohnt. Ein halbes Jahr noch NOVUM, 99drei, Bürkel-Halle und Studentenclub. Danach dann noch viel weiter und so. Glauben wir ja alle dran. Und machen uns keine Sorgen drum. Und wenn nichts mehr geht - medien-mittweida.de hilft.

Abgekabelt

Muskelkater. Rückenschmerzen. Dagegen den neuen Stuhl. Kein Netz. Wahrscheinlich noch länger. Dagegen noch kein Rezept. Ich geh schlafen.

Klima wandel dich!

Ein weiterer Beitrag zum Thema steht bei jetzt.de. Herrlich anders und herrlich richtig.

Parteipolitik

Ein Gespräch in einem lichtdurchfluteten, geschmackvoll eingerichteten Büro in der Äußeren Rittersbacher Straße in Fürth.

Gabriele Pauli (feilt ihre Nägel): “Der Seehofer und der Huber, die haben doch auch nichts neues zu sagen, in ihren Programmen.”

unbekannter PR-Berater: “Aber in Prognosen liegen sie vor Ihnen.”

Gabriele Pauli (wirft die Feile auf den säuberlich aufgeräumten Schreibtisch, steckt ihre Hose in die Stiefel und seufzt): “Ich weiß.”

unbekannter PR-Berater: “Sie müssen etwas unternehmen.”

Gabriele Pauli: “Mmmhhh…”

unbekannter PR-Berater: “Wie wärs, wenn Sie sich in Ihrem Programm an die Grundfeste der CSU machen?”

Gabriele Pauli: “Wie, wir sollen zukünftig nicht mehr auf die Dummheit der Bayern vertrauen?”

unbekannter PR-Berater: “Nein, ich meine eher so politsch-programmatisch.”

Gabriele Pauli: “Achso. … Wie wärs, wenn wir vorschlagen, alle Kameras auf Deutschlands Straßen und Plätzen abzubauen?”

unbekannter PR-Berater (überlegt kurz, schaut auf Paulis Einkaufstaschen, die sie vor die vor ihr Bücherregal gestapelt hat): “Nein. Sicherheitspolitik ist zu kompliziert.”

Gabriele Pauli: “Okay. Also die Kirche. Vielleicht sollten wir eine neue Übersetzung des Neuen Testaments schreiben oder die 10 Gebote abschaffen?”

Gabriele unbekannter PR-Berater (schaut sie empört an): “Sind Sie verrückt? Oder sprechen Sie meißnerisches Kanzleideutsch?”

Gabriele Pauli: “Reicht bayerisch nicht aus?”

unbekannter PR-Berater (ignoriert den Einwurf): “Wie wärs mit der Ehe? Konservativ aber sowieso out. Damit rennen wir offene Türen ein.”

Gabriele Pauli (jubiliert): “Wir schaffen die Ehe ab!”

unbekannter PR-Berater (stöhnt): “Bei den offenen Türen handelt es sich nicht um die Eingänge zum Kolosseum in Rom.”

Gabriele Pauli: “Was?”

unbekannter PR-Berater: “Vergessen Sie es. Wie wärs, wenn Sie vorschlagen, die Ehe auf 7 Jahre zu begrenzen? Das löst einen konservativen Aufschrei aus und ist außerdem modern - ohne Grundgebühr und Vertrgslaufzeit, Pre-paid, Flatrate - suchen Sie sich was aus.”

Gabriele Pauli (seufzt): “Okay, wenn Sie meinen. Schreiben Sie das auf!”

unbekannter PR-Berater: “…Kisch!”

Gabriele Pauli: “Was?”

unbekannter PR-Berater: “Vergessen Sie es!”

Befangen

Dieses Blog schweigt zur Zeit. Nicht nur, weil ich seit sieben Tagen nichts mehr veröffentlicht habe, sondern auch, weil die Veröffentlichungen unpersönlicher werden. Ich habe mich lange gefragt woran das liegt. Ein Analyse-Versuch.

Das ewige Künstler-Klischee. Nur wer so richtig schön unglücklich sein kann, kann auch produktiv sein. Das stimmt soweit, als dass ich das Beste, was ich bisher schrieb, in einem wenigsten diffusen Gefühl von Melancholie oder gar allgemein aufflammender Depression schrieb. Mich in diesen Zustand zu bringen, gelingt mir seit einiger Zeit nur noch selten. Von alleine entsteht er so gut wie gar nicht mehr. Sorgen macht mir das zum Glück keine, obwohl es nicht verwunderlich wäre. Es bleibt schlicht festzustellen: Mein Hang zur Melancholie ist wohl noch vorhanden, allerdings in einem stark abgeschwächten Maße.

Das Keine-Lust-Syndrom. Mein Moleskine-Buch, das ich in freudiger Erwartung auf einen guten Gedanken und in akribischer Vorsorge, ihn konservieren zu können, mit mir herumtrage, fängt noch manches Mal gute Gedanken auf. Nicht weniger als früher, als dieses Blog noch persönlicher und vielleicht auch ein Stück besser war. Ich habe nur schlicht keine Lust, jedem Gedanken nachzugehen und die vielen anderen Gedanken, die sich hinter zwei/drei hektisch hingekritzelten Worten verstecken, zu erhaschen. Dass das Spaß macht, weiß ich. Dass das anstrengend ist auch. Zeit hatte ich auch früher selten, Lust dafür aber eigentlich immer. Jetzt ist mir ein bisschen von dem “Das muss ich Bloggen”-Kribbeln verloren gegangen.

Ich habe schon lange nicht mehr geweint. Das könnte man jetzt mit der Melancholie-Schiene verbinden oder denken: “Boah, jetzt wirds aber richtig schlimm hier.” Und ich mache es noch schlimmer: Weinen tat mir immer gut. Wie ein warmer Platzregen, der den Dreck vom Auto wäscht. Danach konnte ich immer mit dem gleichen Herzblut helle Texte verfassen wie sonst die dunkelschwarzen.

Ich bin befangen. Als ich dieses Blog gestartet habe, habe ich alles geschrieben, einfach alles. Schamgefühl war selten dabei, ich schrieb drauf los, wurde folglich auch richtig schön persönlich. Ein Problem war das nie, persönliche Texte entstanden aus Empfindungen gegenüber mir selbst. Und nur gegenüber mir selbst, betrafen also auch nur mich. Nur selten touchierten sie andere Menschen in meinem Dunstkreis - und dann nur in Andeutungen. Wer sollte auch eine wirklich persönliche Rolle spielen, damals, in den Texten? Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass sich diese Rahmenbedingungen geändert haben. Das bedeutet nicht nur, dass vieles schon, bevor es zu einem schönen persönlichen Text werden kann, einige Synapsen hinabgeredet wurde. Sondern auch schlicht: Mein Leben und alles, was darin furchtbar und wunderbar ist, betrifft nicht mehr nur mich. Das ist der wichtigste Grund, warum ich irgendwann aufgehört habe, so richtig persönlich zu sein. Nicht aus einer bewussten Entscheidung heraus, wohl aber mit einer diffus empathischen Empfindung, dass nichts aber auch gar nichts daraus, aus eben diesem Leben, es wert ist, hier herunter geschrieben zu werden. Mit den alten Mustern. Mit dem alten Exibitionismus. Einfach, weil das helle es Wert ist, “geheim” zu bleiben und ich andererseits einfach auch oft keine Worte finde - so nah wie ich jetzt auch am Kitsch vorbeischramme, aber so ist es. Zu dem dunkelschwarzen siehe diverse Textstellen weiter oben.

Ich mochte mein Blog von damals, das persönliche, sehr sogar. Mehr als das, was inzwischen aus ihm geworden ist. Welche Konseuqenz ich daraus ziehen werde - I don’t know. Was mich zu diesem Post veranlasst hat jedenfalls, könnte man in diesem Kontext als positiv bezeichnen: Es gibt es noch, dieses ehrfürchtige Kribbeln in dem Gefühl, etwas bloggen zu müssen. Das hatte ich vorhin und wollte auf der Stelle losschreiben, bis ich zum ersten Mal die Schere in meinem Kopf bewusst wahrnahm. Worüber ich eigentlich bloggen wollte, hätte sich darum gedreht:

Meine Zukunft kommt mir verschwommen vor, verschwommen, unsicher und absolut unsympathisch. Sie ist eine Person, mit der ich nichts zu tun haben möchte. Ohne, dass ich selbst Entscheidungen treffen müsste oder unmittebar vor einer Veränderung stünde. Aber schon das Zuschauen und das dermaßen nahe und tiefe Mitfühlen, macht mich glücklich, unglücklich, frustiert, deprimiert, euphorisch - emotional stark betroffen. Ich lasse das alles einen Teil von mir werden und finde es auch noch gut. Fast bin ich dadurch doppelt Mensch. Mit doppelten Freuden und doppelten Schmerzen. Doppelt schön, doppelt anstrengend.

Mehr nicht.

PS: Bald hat Mittweida mich wieder. Vorprogrammiert: Melancholie. Hoffnung für das Blog naht also auch von anderer Seite.

Vom Regen in die Traufe

Oder: Vom Matriarchat zum Patriarchart.

Kann man nur hoffen, dass das ein kurzfristiges Engagement bleibt.

Gerade war ich für ein paar Minuten nicht ansprechbar. Mit offenem Mund saß ich vor diesen Berichten und Videos. Schlimm. Das Ende der Spaßgesellschaft.

Fast zynisch ist es daher, zum Mittweidaer Stromausfall zurückzukehren, dessen Ablauf hier von einem Betroffenen geschildert wird. Deshalb von mir nur kurz ein paar Daten und Fakten.

Zahlen

Dienstag gegen 5 Uhr morgens hat es im Umspannwerk angefangen zu brennen. Gebrannt hat es 4 Stunden und beschädigt wurden 25 Schaltkästen. Zu Hochzeiten waren 14.500 Haushalte ohne Strom. EnviaM-Sprecher Stefan Buscher hat sowas seit 10 Jahren nicht mehr gesehen. Der hat auch behauptet, bis 19 Uhr (gestern) solle der Strom wieder dasein. Offiziell behauptet er, heute morgen um 5 Uhr sei er wieder überall dagewesen. 24 Stunden ohne Strom wären das dann. Inoffiziell hört man was anderes. Der Brand soll 650.000 Euro Schaden angerichtet habe - Schadensersatz wird die envia auch noch zahlen müssen. 27 Besucher über Google so irgendeinem Suchbegriff rund um den Stromausfall zählt Blogcounter. Vearscht sich damit selbst. Die unique user-Zahlen sind um ein Vielfaches von 27 höher als sonst.

Medien

Es wurde eine ganze Menge darüber berichtet. Verlierer ist die enviaM selbst, auf deren Seite nichts aber auch gar nichts konkretes zum Stromausfall zu lesen ist. Nur soviel: Der Strom ist ausgefallen und inzwischen wieder hergestellt worden. einen Orden für dieses Wissen. Gewinner ist die Freie Presse. Bei der menschelts wenigstens noch: Nur knapp dem Tode entronnene Fische und Erhard Hellmig, der noch keinen neuen OP-Termin hat.

Meine Fragen: Wie viel Verantwortung packt man eigentlich auf die Schultern eines einzigen Umspannwerkes? Und sieht ein Notfallplan so aus, das die meisten Menschen erstmal 24 Stunden keinen Strom mehr haben? Wieso hat der HTWM-Server keinen Notfallplan? Und - jetzt kommt der Knaller - warum ist diese Gesellschaft so abhängig vom Strom?

Seit 7.30 Uhr haben die letzten in Mittweida Eingeschlossenen wieder Strom! 7.30 Uhr!!! Mehr als 24 Stunden ohne!

Was mich aufregt: HTWM geht immer noch nicht. Die hatten ja nun Stunden Zeit, sich auf ein eventuell wieder anspringendes Stromnetz vorzubereiten. Warum steht da nicht spätestens 8 Uhr einer auf der Matte und sorgt dafür, dass ich meine Mails wieder abrufen kann?? Arg.

Ausführlicheres folgt, wenn ich meine Quellen genau gesichtet und Betroffene gefragt habe.

Die HTWM-Seite geht seit heute morgen schon nicht. Medien Mittweida auch nicht. Schöner Dreck, die Rechnungszentrums-Bratzen mal wieder. Aber nein, die können diesmal gar nichts dafür!

Stromausfall in Mittweida!!!! Weil es im Umspannwerk gebrannt hat!

Kein Strom, in der ganzen Stadt! Kein Internet, kein ICQ, noch nicht mal 99drei! (Obwohl das inzwischen zu funktionieren scheint, steckt wohl an einem Notstromaggregat.) Abgeschnitten von der Außenwelt, mitten im finstersten Teil Sachsens! Ich bekomme Informationen aus dem Exil, von jemandem, der das Glück hat, auf der Rochlitzer Straße zu wohnen und dort ist wohl zwischenzeitlich schon wieder Strom. Ich werde die Welt über diesen außergewöhnlichen Vorfall auf dem laufenden halten. Hier gibts ja Strom.

11:48 Uhr: SMS aus Mittweida: “Strom weg! Mäh!” Ich rufe zurück: “Das weiß ich schon! Hab auch schon gebloggt. Nur leider kannst du das nicht lesen…”

11:52 Uhr: O-Töne aus dem dunklen Tal: “Son Dreck, es regnet und ist kalt und dann is noch nichma Strom!” - “Ich bin aufgewacht und nichts ging, gar nichts. Dann wollte ich ganz cool was am Schaltkasten machen, aber alle Sicherungen waren drin!” - “Ich hab mich dann noch ne halbe Stunde ins Bett gelegt!”

12:00 Uhr: 99drei scheint doch nicht zu funktinieren. Ich möchte gerne André sehen, wie er mit seinem Aufnahmegerät durch die Stadt läuft, O-Töne sammelt und sie mit seinem mobilen Akku-Schneidegerät zu einem Beitrag schneidet, der sofort, nachdem der Strom wieder da ist, gesendet wird.

12:44 Uhr: Im Osten nichts Neues.

12:54 Uhr: Unbestätigte News: Inzwischen versammeln sich schon ganz normale Bürger auf dem Marktplatz, der sonst nur bestimmten Randgruppen der Bevölkerung vorbehalten ist, um sich über die spärlich gestreuten Neuigkeiten zum Stromausfall zu erkundigen. Direkt und beim Bürgermeister.

13:12 Uhr: Plötzlicher Gedanke ob dieses Beitrages: War der Brand im Umspannwerk vielleicht vorsätzlich gelegt? In remember of it? “Offenbar” ein Kurzschluss sagt mir zu wenig. Wer mehr weiß, sagt Bescheid.

14:02 Uhr: Plötzlich auch wieder Aufregung in der Rochlitzer Straße: Erneut ist der Strom weg! Kurze Zeit später aber aufatmen: Strom wieder da. Allerdings: Kein gutes Zeichen für all die umliegenden, immer noch darbenden, stromlosen Bewohner der Region.

14:54 Uhr: Inzwischen sind erste Zahlen zum Unglück bekannt: Heute morgen sollen laut Envia M (deren Informationspolitik auf der Webseite auch spärlich ist. Kann ja aber von den Betroffenen doch keiner lesen) 14.500 Haushalte ohne Strom gewesen sein, einige sind inzwischen mit Notstromaggregaten angeschlossen. Wie lange die Dunkelheit für den Rest der Bevölkerung noch andauern wird, kann Envia nicht sagen.

15:04 Uhr: Die Brandursache ist weiterhin unklar.

15:29 Uhr: Beim MDR hat man Strom und kann daher Genaueres berichten. Erneut die Zahlen und - was viel ernüchternder ist: Das Umspannwerk ist weiter außer Betrieb und muss, bevor es wieder losgehen kann, erst von einer Spezialfirma gereinigt werden. Danach muss es repariert werden. Wie lange das alles dauert - unklar. Hat ja auch immerhin vier Stunden gebrannt.

15:50 Uhr: Neue Töne aus dem Exil: “Ich hab mehrere Stunden geschlafen und danach mein Zimmer ausgemessen.” - “Inzwischen hab ich 99 Prozent von Wladimir Kaminers ‘Ich bin kein Berliner’ [176 Seiten stark, Anm. d. Red.] gelesen. Was ich danach mache, weiß ich noch nicht.” Meine Empfehlung: Kerzen und Instant-Essen kaufen, bevor es dunkel wird und die Läden schließen.

16:07 Uhr: Nun scheint auch beim Stromversorger der Strom ausgefallen zu sein!

16.39 Uhr: Brandneue (höhö) Infos: Es soll noch einige Tage dauern bis, das Umspannwerk wieder voll in Betrieb genommen wird (alle 25 Schaltkästen sind beschäftigt), der Strom soll aber schon heute ab 19 Uhr wieder fließen. Der enviaM-Sprecher Stefan Buscher findet, sowas hat es seit 10 Jahren nicht mehr gegeben, eingesetzt hat sein Schuppen 14 Notstromaggregate und einige mobile Anlagen, damit die Landwirte ihre Kühe melken können. Der Schwelbrand ist scheinbar doch durch einen Kurzschluss entstanden, die Anlage wird zwei Mal im Jahr gewartet und die Kunden können sich den Ausfall bei der enviaM bezahlen lassen - die sind gut versichert. “Große Teile der Bevölkerung” sind noch immer ohne Strom.

16:44 Uhr: Ich hab jetzt Feierabend. Und geh einkaufen. In beheizten und beleuchteten Läden. Morgen dann Zusammenfassendes.

Drei Karten

Besonders abergläubig bin ich nicht. Trotzdem lese ich immer, wenn mir irgendein Boulevard-Blatt in die Hände kommt, mein Horoskop. In den nächsten Minuten habe ich den Inhalt dann vergessen. Ich schmeiße auch Zettel von Glückskeksen sofort weg, statt sie fein säuberlich mit Datum und Knack-Anlass an meine Pinnwand zu heften. Trotzdem hab ich mir am Wochenende zum ersten Mal so Tarot-Karten legen lassen. Und ob der mystischen Atmosphäre (so ‘ne Hexe mit tiefer Stimme in irgeneinem geistebahnartig-dekorierten Hinterzimmer, nur der Dialekt hat mich ein bisschen an Nina Hagen erinnert, was aber der komischen Stimmung keinen Abbruch getan hat) hab ich mir alles gemerkt.

Ich werde einen Liebesbrief, Kuss oder sonstwas erhalten. Kunststück. Er hatte die Karte auch, aber lassen wir das, abergläubig bin ich nicht und kitschig auch nicht.

Feste Bindung. Kommt noch? Is schon? Wurde langsam interessant, aber ich glaube ja nicht dran.

Den Namen der dritten Karte habe ich vergessen. Ich solle nur besser erst denken, bevor ich rede, hieß es. Gelächter im Raum.

Kluge Kollegen

Pressekonferenz, Anne Will steht ihren Kollegen zu ihrer neuen Sendung Rede und Antwort.

Unbekannter Journalist:

“Ist die Möblierung dieses Studios mit Sitzplätzen ein Indiz für das, was hier jeden Sonntag… für diejnigen, die hier jeden Sonntag sitzen werden?” <Pause> “Also die Anzahl meine ich jetzt”

Anne Will:

“Achso.” <Pause> “Nein. Wir können auch Stühle rausräumen und Sofas rausräumen. Das sind alles mobile Möbel.”

[via]

Hall of Fame

Es gibt auch gute Nachrichten über Sachsen! Der Wettbewerb “Ab in die Mitte! Die City-Offensive Sachsen“ zeichnete 2007 unter dem Motto “FamilienLeben - InnenStadt” aus. Und wer ist unter den Preisträgern? Mittweida! Bekommt einen Anerkennungspreis über 8.000 Euro. Es wird noch besser: Ebenfalls einen Anerkennungspreis erhält: Mügeln! Und damit alle beisammen sind - Hauptpreisträger ist: Chemnitz! Da fällt mir an bitterböser Ironie nichts mehr ein. Ist ja aber an sich schon ironisch genug.

Niederknien

Texte sind schön, lange Texte sind schöner, poetisch anmutende Texte sind am schönsten. Mit der Ansicht gehöre ich zu einer aussterbenden Rasse, glaube ich. Kurz muss es sein und die Sätze dürfen maximal 22 Wörter habe. (Ich sage absichtlich “Wörter”, denn Sätze wie diese beinhalten für mich meistens keine “Worte”) Jedenfalls könnte ich immer niederknien, wenn wieder jemand einen schönen, langen, sprachlich hoch anspruchsvollen Satz geschrieben hat. Wenn das in journalistischen Formaten vorkommt, freut mich das am meisten. Und mach Hoffnung. Immer, wenn ich zukünftig so etwas finde, werde ich hier darauf hinweisen. Auf das die Textkultur nicht untergehe. Oder so ähnlich.

“Kinder zu haben gibt einem heute angesichts der demographischen Entwicklung moralisch derart Oberwasser, dass man für die Kollateralschäden des Nachwuchses kaum mehr belangbar ist.”

Der Link zu dem Artikel funktioniert zu meinem Bedauern nicht mehr. Er stand im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Es ging darum, dass Kinder heutzutage immer assiger werden und die einzigen, die das nicht zu stören scheint, deren Eltern sind.

Bald mehr.

Nachtrag: Hier steht eine Abhandlung dazu, die mal wissenschafltich sein sollte, inzwischen wenigstens lesenswert ist. Weil sie Recht hat.

 

Wehmut? Nein.

Nachdem ich mich hier, hier und hier durch die schönen Fotos geklickt hatte, gab ich unter einem Anflug von Wehmut den Namen meiner Heimatstadt bei Technorati ein, in der Hoffnung auf ähnliche Perlen zu stoßen. Genau das Richtige, verflog doch die Wehmut sofort:

Gelernt:

Ich bin schlicht zu grün hinter den Ohren, als dass ich Leute erfolgreich für dumm verkaufen könnte.

Dreckswetter

Schon vor dem Mittag die Schreibtischlampe angeschalten. Unruhe verspürt ob der gegen die Dachfenster prasselnden Regentropfen. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich mir früher Schnecken als Haustiere hielt. Die klebten bei Regen auch immer völlig unruhig an der Innenwand ihrer Einweckgläser.

“Du hast zweifellos Talent, und nicht nur dazu”, sagte sie und tippte dabei auf meinen Aufsatz. “Vor allem hast du das Talent, unangenehm aufzufallen.” Ich rutschte ein bisschen tiefer in meinen Stuhl. Unangenehm aufgefallen war ich schon oft, aber ich war ein guter Schüler und deswegen waren mir Anhörungen wie diese hier bisher immer erspart geblieben.

Sollte mal ein Anfang sein, zu irgendwas. Heute passt er ganz gut, auch als bodenloser Anfang von etwas, dass wahrscheinlich eh nie ein Ende bekommen hätte. Potential hätte ich, hat er gemeint, ohne Frage, großes Pontential. Könne oder wolle es aber nicht abrufen und treibe deshalb in der Mittellosigkeit umher wie ein toter Fisch. Vermutlich hat er Recht. Ergebnisse gibt es kaum handfeste aus den vergangenen fünf Wochen, Frustration und eine Menge Herzblut in Sachen, die dann am Ende irgendwie nur murksig waren, dafür genug. Und viel Hingerotztes, von dem ich selber wusste, dass kein Meisterstück drunter ist. Ist nicht weiter aufgefallen, dass ich versucht habe, die wenigen Möglichkeiten, die sich mir zu geistiger Höchstleistung boten, zu umschiffen. Aus Faulheit und weil ich mit der einen Gehirnhälfte doch auch ganz gut aussah. Kurz vor Toresschluss hat’s dann doch noch jemand gemerkt. Und mir fehlenden Willen bescheinigt, mich schleifen zu lassen, mich faulen Rohdiamanten. Ziemlich ins Schwarze getroffen. Motivation? Möglich. Eher die Frage, ob ich überhaupt jemals Lust haben werde, Potentiale abzurufen. Und die Hoffnung darauf. Mit ein bisschen weniger Selbstbewusstsein vielleicht auch die Frage, ob Potential wirklich das Schwarze ist.