Ich bin jung und gehöre einer Generation an, die mit ansehen muss, wie Generationen weit über der eigenen versuchen, genauso jung zu sein. Berlin ist ein Tummelplatz für allerhand skurrile Leute und die skurrilsten sind die, die ich von Weitem für maximal 24 halte und beim Näherhinschauen für mindestens 42. Ich muss dann immer an dieses Lied denken, forever young und so. Es ist grässlich und einer jener Ohrwürmer, die ich am liebsten mit einem Taschentuch zerquetschen möchte. Entegegen aller Vernunft versuche ich aber in die Textzeile “I just wanne live forever” ein “don’t reinzubasteln. Also ich tausche gedanklich das “just” mit “don’t” aus. Obwohl beides einsilbrig ist, will es nicht recht passen. Es ist wohl nicht besonders in, nicht forever young bleiben zu wollen.
Es geht mir gar nicht darum, dass ich nicht zu der lächerlichen Spezies gehören will, die ihre Jugend verpasst oder versaut hat, um sich jetzt daran festzukrallen, bis die gichtigen Finger weiß werden. Natürlich, ich will nicht mit Anfang 40 plötzlich wissen wollen müssen, wie es eigentlich ist zu kiffen oder was dran ist am die-Nacht-durchmachen. Wer ein Gespür für Kausalzusammenhänge hat, der weiß, dass hier jetzt eigentlich ein Satz kommt, der sagt: Deswegen verschwende ich meine Jugend in vollen Zügen, mach was draus, bla blubb. Der kommt nicht. Denn erstens drohe ich wieder abzuschweifen und zweitens ist das einer von den Sätzen, die ich nur an guten Tagen unterschreiben kann. Oder wenn ich betrunken bin.
Ich will irgendwann eine Antwort. Eine Antwort auf alle Fragen, die mir das dreckige Stück Lebenserfahrung meiner 20 Jahre nicht geben kann. Ich will nicht in zehn Jahren das selbe denken wie jetzt, um Gottes willen: Sollte das so sein, lebe ich in zehn Jahren vielleicht schon gar nicht mehr. Vielleicht will ich Kinder und einen Gartenzaun ums Einfamilienhaus - die Frage ist aber noch nicht geklärt. Ich will mit 40 nicht dasitzen und mich fragen, ob es sich lohnt zu leben. Ich will nicht immer Pizza und Bier gut finden. Ich will nicht mein Leben lang die ganzen dummen Fehler mache, die ich momentan sehenden Auges mache. Ich will irgendwann einfach ein Stück schlauer sein und am Monatsende nicht mehr regelmäßig knietief im Dispo stecken. Ich bin vielleicht nicht wie die ganzen Jungspunde in den melancholischen deutschen Jugendfilmen, aber hey: Ich habe auch keine großen Visionen, die mir durch das Ewachsenwerden noch genommen werden könnten, dafür aber Ziele, die umsetzbar sind. Klingt vielleicht traurig, war aber selten anders.
Ich will nicht, dass das alles morgen passiert. Noch bin ich jung.
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Pingback from Casus Belli » Alt sein on 3. November 2007 at 00:34

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