Es ist ja so: Ich arbeite nun schon eine ganze Weile im Kaufland. Und spätestens seitdem jenes an manchen Tagen in der Woche bis 22 Uhr geöffnet hat, kann man dort alle Sozialgruppen Mittweidas analysieren. Und es gibt sie wirklich. Die Klischees. Das vom stinkenden Penner, der sich eine kleine Flasche Goldkrone holt und dazu einfach an den Kassen vorbei zu den Zigarettenständern dahinter torkelt. Das vom Sternburg kaufenden Nazi. Das vom “Die Kartoffeln sind doch reduziert, oder?”-fragenden Renter. Das vom Studenten, dem Kartoffelpreise egal sind, weil er eh nur Pizza, Chips und Cola kauft. Abgesehen davon gibt es einige nette Beobachtungen. Manche davon machen mich schmunzeln, andere kopfschütteln. Eine Zusammenfassung.
Kinder haben ADS
Es ist eine Krux. Die meisten Kinder, die ihre Eltern zum Einkaufen begleiten (müssen), sind klein und süß. Aber sie nerven. Und machen krach. “Wo ist mein Eis?” - “Meine Eisenbahn zuerst” - “Ritsch, ratsch, ritsch” (Das Geräusch, wenn ihre kleinen Hände die Ablaufrollen hoch und runter rutschen.) - “Wäääähhaaaahhuuuu!!!” (Wenn sie kein Ferrero Kinder-Joy bekommen) - “Raschel, ruschel, knick.” (Das Geräusch, wenn sie dir mit großen Augen jeden Artikel einzeln in die Hand geben, damit du ihn abscannts. Das piept auch so schön.) - “Klatsch!” (Das Geräusch, wenn sie von der Stange fallen, die zwischen den einzelnen Kassengängen ist, auf der sie irgendwie immer klettern müssen.) Kinder brauchen Aufmerksamkeit. Auch in Einkaufszentren. Gebt ihnen ein Brötchen! Darauf können sie schadlos rumkauen. Und die Eltern haben nur den Stress, an der Kasse zu sagen: “Eins von den Doppelbrötchen hat der Kleine schon gegessen. Haben Sie ein Küchenkrepp?” (Um die matscheligen Teigreste zwischen den kleinen, dicken Fingern zu entfernen.)
Männer kennen sich mit Statik aus, Frauen mit Stiften
Eigentlich ist es ja so: Die Frau kauft ein, der Mann bezahlt. Denkt man. In Wirklichkeit ist es so: Der Mann packt ein, die Frau bezahlt. Warum? Männer können Nahrungsmittelmassen besser in Klappkisten stapeln. Wahrscheinlich kommt das daher, weil sie handwerklich geschickter sind. Und Frauen haben die besseren Unterschriften. Beim Bezahlen mit EC-Karte.
Alte Menschen gehorchen vorbehaltlos
Dass man im Kaufland vor jedem Kassiervorgang die Wagennummer kontrollieren muss, hat den einfachen Grund, dass auch der dümmste Kassierer keine Getränkekisten oder K-Classic-Blumenerden unten im Wagen vergisst. Die schlauen Einkäufer wissen das und fragen nicht nach, wenn man einfach eine andere Wagennummer eingibt, als drauf steht, oder wenn man sie nicht lesen kann. Alten Leuten scheint es enorm wichtig zu sein, dass die korrekte Wagennummer eingegeben wird. Manches Mal knien sie mit ihrem Rheumaknien fast auf dem Boden, um aus den noch erhaltenen zehn Prozent des Nummernaufklebers die Ziffern enträtseln zu können. Ich habe oft Angst, dass sie einen Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall bekommen und ich ihren Drei-Nektarinen-und-Correga-Tabs-Vorratspackungs-Einkauf in den Markt zurückbringen muss. Ich weiß nicht, warum sie so erpicht auf die Wagennummer sind. Wahrscheinlich sind sie einfach gewohnt, zu gehorchen. Von damals noch. Wenn jemand die Wagennummer wissen will, denkt man nicht nach, warum. Die Wagennummer muss angesagt werden, koste es, was es wolle. Korrekt. Am besten noch vor der Begrüßung. In militärischem Ton.
Familien kaufen Nudossi und K-Classic-Masdammer, Studenten Nutella und Grünländer
Is einfach so. Keiner kann sich auf Dauer diese Markenprodukte leisten, nehm ich jetzt schlicht an. Studenten aber glauben, sie könnten es. Kommt ja auch jeden Monat das BAfÖG.
Ich weiß noch mehr. Auch so Marktgeschichten. Die von der immerzu aus der Irrenanstalt Entlaufenden, die für 50 Euro einkauft, obwohl die nur 20,11 Euro mithat und das beim Bezahlen merkt. Jedes Mal. Die vom Tod-in-Venedig-Aschenbach-Verschnitt, der mit seinem Filzhut und der gülden umrandeten Sonnenbrille immer nur Rotkäppchen-Piccolos kauft. Oder die Sohn-Mutter-Einkaufsoptionen: Die, bei denen getrennt bezahlt wird und die, bei denen es eben nicht wird. Letztere Männer tragen meistens Feinripphemden. Ohne etwas drüber.Vielleicht poste ich dazu mal ausführlich.
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Stehen die Rentner mit dem Kleingeldfetisch eigentlich immer nur vor mir an der Kasse?
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ach schön…iss ja nun nicht nur die aufgefallen diese klischees und typen von menschen hier in mw…
aber im kaufland, ja da triffts man sie alle auf einem haufen.
irgendwie wär das aber auch der einzige grund für mich da zu arbeiten: soziale studien…p.s.:
danke für die erläuterung mit der wagennummer, war bis jetzt auch immer zu faul und/oder feige nachzufragen;-)
ich glaub ich werd das bei einem der nächsten einkaäufe mal anbringen.
appropos, was soll eigentlich dieses alberne “war alles in ordnung”?
es ist nervend, aufdringlich und pseudo-freundlich, wirkt gezwungen, ist gezwungen und wenn man mal wirklich kritisiert interessiert es die arme kassiererin doch nen scheißdreck, wenn sie überhaupt noch hinhört, weil die leute eh nur sagen, “ja”…
wer nett, wenn de da auch mal paar hintergrundinfos hättest^^ -
ich fühle mich 2 jahre zurückerinnert. toll. wer schon mal im kaufland gearbeitet hat, hat glaube ich viele solcher geschichten zu erzählen, aber eins ist bei allen gleich, die stinkenden, besoffenen penner mit der goldkrone
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wieso kündigst du bald? gefällts dir nich?
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nee. wegen berlin. da muss ich kündigen.
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naja hier gibts auch genügend kaufländer ^^

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