100+

Das sehe ich immer, wenn ich mal meinen Feedreader anschmeiße. 100 und mehr neue Meldungen, nicht zum aushalten, die meisten klicke ich weg. Informationssucht adé, ab jetzt gilt es nur noch, der allumfassenden Trägheit zu fröhnen. Es ist auch so furchtbar warm, ich hasse Sommer. Jedes Jahr ein bisschen mehr. Frühling ist okay, aber Sommer, das ist wie Schokolade mit Caramel, irgendwie zu viel. Das alles macht mich zu träge. Zu träge zum Bloggen, zu träge zum Blogs lesen. Deswegen meine Abstinenz.

Gestern war Bergfest. Kaum berichtenswert. Also die Mensaparty. Irgendwie leer. Yellow Umbrella waren lustig und ich vom Fußball-Nudel-Trauma einigermaßen betrunken. Deswegen wars zum Aushalten. Aber warm wars und ich so nass, als hätte ich mich mit Ska geduscht. Im Club war ich dann nur kurz. “Ich bleib noch, ich will mal wieder sehen, wie der Club voll aussieht.” Ich hab vergessen nachzufragen, ob die Zielvorgabe erreicht wurde.

Den Rest der Zeit hab ich viel zu tun, ohne das Gefühl zu haben, damit irgendwie irgendwas voranzubringen. Aber das hatten wir ja schon oft. Dazu kommt, dass ich momentan in einem Verwaltungs-Overkill-Trance lebe, der kaum noch auszuhalten ist. 90 Prozent von dem was ich tue verwaltet das Tun bloß, reine Umschichtungen der Materie Leben, ebenso sinnfrei wie Umverteilungen im bundesdeutschen Sozialsystem. Während ich auf heißen Kohlen sitze, muss ich mich mit einem stumpfen Teelöffel eine Mörtelwand um mich herum einreißen, nur um endlich aufstehen zu können. Es folgen meine Top Verwaltungsaufreger in der letzten Zeit. Eine Hierarchie ist hier nicht zu machen, ich hab’s versucht, aber zwischen Pest und Cholera zu wählen ist zu schwierig für ein träges, aber von wilder Unruhe geplagtes Gehirn.

  • Packen. Ich hasse packen. Packen ist so überflüssig. Nur um irgendwelche Sachen an einen anderen Ort zu befördern, müssen sie ausgewählt und gepackt werden. Grausam. Schlimmer noch ist hochtragen. Oder umziehen. Umziehen ist der Verwaltungsakt schlechthin. Man will einfach nur wo essen und schlafen und muss dafür wochenlang Kisten PACKEN und HOCHTRAGEN.
  • Einparken. Um von A nach B zu kommen, ist es einfach, ein Auto zu nehmen. Das Auto muss aber jeweils ein- und ausgeparkt werden. Reine Zeitverschwendung und noch dazu sehr schwierig für mich. Ich wünsche mir einen Einparker, so einen mit einem roten Hut, wie ihn die Schellenaffen tragen.
  • Joghurt essen. Zum Essen überhaupt habe ich ein seltsames Verhältnis. Ich mag eigentlich gern leckeres Essen, ich hasse es aber, es zuzubereiten. Verwaltung. Bringt mir nichts. Satt machen muss es, ist dann im schlimmsten Fall meine Minimaldevise. Von der bin ich nun schon recht weit abgerückt in der vergangenen Zeit, Joghurts zu essen, halte ich aber immer noch für eine völlig sinnfreie und geldverschwendende Tätigkeit. Joghurts machen weder satt, noch fühlt man, dass man etwas im Mund hat. Und schmecken tun sie meistens auch nicht besonders. Ich kann Leute, die im Kaufland ganze Paletten an Joghurts kaufen sowas von überhaupt nicht verstehen.
  • Schlafen. Ich schlafe gern. Weil ich oft müde bin. Vorallem aber mag ich das einschlafen und das aufwachen, die Zeit dazwischen ist völlig sinnlos. Hat zumindest keinen unmittelbaren Nutzen für mich. Ich merke ja nichts, im schlimmsten Fall träume ich etwas Schreckliches, was in letzter Zeit recht häufig vorkommt. Abschaffen.
  • Schneiden. Audiodateien schneiden sucks. Einfach immer alles live machen. Das bloße Zurechtschneiden von reinen Wortbeiträgen ist nur nervend. Zumal, und jetzt tu ich mal so, als hätte ich Ahnung, es sich sowieso versendet.
  • Suchen. Wenn ich vermisste Dinge nicht nach drei Sekunden finde, raste ich aus. Meistens fluche ich, zetere vor mich hin oder sage Dinge wie: “Hab ich schon erwähnt, dass ich Suchen hasse?”
  • Windows hochfahren/Seiten als EPS ausgeben/Updates machen. Das dauert. Und dauert. Und meistens schaffe ich es nicht, die Zeit mit etwas Sinnvollem zu füllen. Wieder ein Stück meines kostbaren Lebens verschwendet.

Ich könne endlos so weitermachen. Mit allerlei Hausarbeiten, mit Laufen, mit dem Lesen der meisten Emails, mit BAföG-Antrag ausfüllen. Ich weiß, irgendwie ist das fast alles schlicht nötig. Ein Handy funktioniert auch nur, wenn man es auflädt, ohne das der Aufladevorgang an sich irgendeine unmittelbar nutzbare Funktion hätte. Trotzdem wünsche ich mir ein Perpetuum mobile des Lebens. Ein Leben, dass einfach jede Sekunde nutzbar ist, ohne lästiges Verwalten.

  1. Ich hasse wiederkehrende, mein Leben allgemein nicht voranbringende, Aufgaben. Dazu gehören solche Sachen wie Aufwaschen und die meisten Dinge aus deiner Liste. Außer Joghurts, die ich zum befrieden eines kurzfristen Appetitsgefühl sehr praktisch finde und eben keine große Zeit zum zubereiten benötigen. Da ich aber grad mein Geld lieber in ein privates Filmprojekt stecke, habe ich mir diese Befriedigung auch grad abgewöhnt ;)