Battle-Runde #5: Geplatzte Träume

Fading

Träume sind ein Konstrukt des Geistes. Ob nachts, wenn sinnfrei Erlebnisse des Tages aneinander gereiht werden oder am Tag, wenn im Kino Kopf statt des mit Geschirrklappern gefluteten Essensaals plötzlich die azurblau ummeerte Südseeinsel Aufenthaltsort ist. Durch Weckerklingeln oder Letschosoße auf der Jeans platzen solche Träume ständig. Und wir nehmen es hin. Weil wir wissen, dass sie nicht wahr werden. Dafür sind sie auch nicht gemacht. Was wir nicht hinnehmen, sind platzende Träume vom Leben. Träume, die als solche nicht wahrgenommen werden, weil sie weder aussehen, wie mit einem dilettantisch verwendeten Kanalmixer gefärbt, noch nur unrealistisches Mittel zur Ablenkung sind. Wir glauben, dass Träume vom Leben wahr werden können. Und dass es in unserer Hand liegt. Der Managerposten bei BMW, wenn wir nur hart genug arbeiten. Die große Liebe, wenn wir nur lange genug danach suchen. Die Erfindung des perfekten Haarwaschmittels, wenn wir nur fest genug daran glauben. Ich glaube, dass das Schwachsinn ist. Träume vom Leben sind nicht weniger Schäume, wie Träume nach einer durchzechten Nacht voller unruhigem Schlaf. Wir bauen sie um uns auf, ob als Ziel oder den berühmten emotionalen Schutzwall. Und sind enttäuscht, wenn sie scheinbar plötzlich platzen. Wenn wir nur bei Fiat am Fließband landen. Wenn wir mit 52 eine „Denk an die Kinder, Schatz“-Ehe führen. Wenn Pantene Pro-V doch das Ende der Fahnenstange bleibt. Dabei sollte uns klar sein, dass Dinge, die wir in unser Leben einbetten, wie das Drei-Minuten-Frühstücksei, irgendwann aufhören. Sie gehen einfach langsam zu Ende. Wie die Propan-Gas-Flasche am Camping-Kocher. Am Anfang macht sie große, heiße Flammen, die nur mit der Zeit fast unmerklich kleiner werden. Wenn die Flasche leer ist, wundern wir uns darüber, obwohl wir es hätten merken müssen. Deswegen glauben wir auch, dass Lebensträume plötzlich platzen. Dann können wir ein bisschen trauern und fühlen uns irgendwann wieder gut. Die Phase des Schmerzes ist kurz, einzuschieben zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken. Nur in ganz langen Nächten ist klar, dass Träume nicht platzen. Dass sie unheilbar sind. Kopfschütteln, weiter leben. Mit neuen Träumen. Die langsam zu Ende gehen, anstatt uns den Gefallen zu tun, zu platzen.