Januar 2007

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Der Zug ist eigentlich längst abgefahren (höhö) und ich wollte eigentlich auch nicht aufspringen (nochmal höhö), aber jedesmal, wenn ich mich in meinen Counter einlogge, muss ich so herzlich lachen über diese skurilen Suchbegriffe, die die Menschen zu meinem Blog führen, dass ich das der nach Unterhaltung gierenden Öffentlichkeit nicht vorenthalten kann.

Ich hab mich gefragt: Wer oder was sind diese Menschen, die da vor ihrer Google-Startseite sitzen und diese Begriffe eintippen?

Zuerst einmal die Schlauen, die die wissen, wie man mit einer Suchmaschine umgeht und die wohl auch gefunden haben, wonach sie gesucht haben. Kleiner Asuzug:

  • casus belli blog
  • casus belli
  • denise blog casus
  • denise nisi

Dann die nicht ganz so Schlauen, bei denen ich mir sage: Es ist ja legitim nach diesen Dingen zu suchen, aber warum kommst du mit deinen Problemen zu mir? Warum findest du nicht schon bei einer viel höher gelisteten Seite, was du suchst? Und liest du auch mal den Umgebungstext bei Google? Beispiele:

  • glashaus dresden schienen
  • foto blumenkohlsuppe
  • gucci-plagiate
  • sächsiches baugesetz
  • rückbauverfügung
  • § 9 juschg
  • loriot weihnachten pallhuber
  • wayne carpendale
  • heimwerkersoap

Dann kommen auch schon die Dummen. Wie kann man bei Google nur so eine Syntax eingeben? Damit kann man ja nur auf einen Blog kommen, der sich der gesuchte Dinge nur als Metapher oder als anderes Stilmittel bedient.

  • pantene pro-v aus polen?
  • warum braucht man einen computer?
  • ich hab meine netzwerkschlüssel verloren
  • alles ueber blesshuhn

Zum Schluss die Leute, die ich definitiv nicht auf meinem Blog sehen will. Geht bloß wieder weg, Arschlöcher!

  • neffe fickt tante
  • vater fickt tochter

Und damit das nicht so garstig endet, noch was zum Schmunzeln:

  • sprichworte bedeutung polen offen (schön, wenn ich helfen konnte)
  • t-shirt zusammenlegen mit trick (und “Hänschen Klein” auf der Halloween-Pfeife spielen)
  • htwm semesterbeitrag (www.htwm.de)
  • world of washcraft (vertippt oder kommt noch jemand auf so einen Schwachsinn?)
  • strumpfhosen im renneinsatz (geiler titel für eine Kurzgeschichte)
  • mundwinkel platzen auf (meine nicht, ich bin süchtig nach Lippenpflegeprodukten)

Das hier ist jetzt meine neue Adresse. Übrigens das einzig Existentielle,was sich ändert.

Das ist kein Neuanfang, sondern einfach nur ein Umzug. Blospot werde ich nicht löschen, wegen den Permalinks und dem ganzen Web-Kram. Und weil ich darauf hoffe, dass Wordpress es mir irgendwann möglich macht, die Kommentare herüber zu transferieren.

Warum ich umgezogen bin? Weil das hier schöner ist. Und es so viel Spielzeug gibt, womit ich meine Zeit noch effektiver verschwenden kann. Da muss ich mich noch überall durchwühlen, um das Ganze noch aufzuhübschen.

Ich finde das hier toll und hoffe, ihr tut es auch.

Es lebe der Indikativ

Im Ethikunterricht hat uns Immanuel aus Königsberg von der fünften Klasse bis zum Abitur nicht in Ruhe gelassen: Kritk der reinen Vernunft, Religionsphilosophie, Kategorischer Imperativ und jeden zweiten Freitag im Monat zum Mittag Königsberger Klopse. Und weil das noch nicht gereicht hat, kam er auch noch in Deutsch: Vorreiter der Aufklärung, geistiger Papi Lessings und Verbreiter der Ansicht, der Mensch müsse sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien. In miefigen Klassenzimmern wurde dann triumphierend erklärt, dass sei der Beginn abendländlicher Wertevorstellungen. Deswegen liegen auch alle die, die das geografische Unglück haben, jenseits des Urals zu wohnen, im Krieg um Teile von heiligen Stätten. Oder Öl. Wäre Kant also mal aus seiner ostpreußischen Provinz rausgekommen, ginge es heute vielen Menschen besser.

Einzuschätzen, inwieweit Kant die Welt mit seinem akribischen Philosophieren geistesgeschichtlich wirklich besser gemacht hat, will ich mir nicht anmaßen. Mir ist gar rätselhaft, ob sich das überhaupt jemand anmaßen darf, egal, ob er nun Deutsch-Leistungskurs-Lehrer im sächsischen Hinterland ist oder 78jähriger Philospophie-Professor in Harvard. Einzig subjektiv, aus dem Häufchen Lebenserfahrung, das ich in den letzten 20 Jahren zusammengerafft habe, kann ich mich fragen, ob es den Menschen besser ginge, würden alle ihre Handlungen im Vorfeld danach abscannen, ob sie sich als allgemeines Gesetz eigneten.

Wahrscheinlich ginge es allen besser. Niemand würde mehr etwas tun, was er sich nicht angetan haben möchte. Keine Morde, keine Kratzer im Autolack, keine Plastikspinnen im Bett. Nur wäre das ein sehr steriles “besser”. Was wäre noch spannend? Jede einzelne Reaktion voraussehbar, jede einzelne Handlung algorithmisch determiniert. Leidenschaftsloses Leben. Immer mit dem Gefühl, alles richtig zu machen.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die ein derartiges Leben toll fänden, leidet Kants Imperativ am Grundübel aller philosophischen Weltvorstellungen: Er geht vom idealen Menschen aus. Gefühle wie Hass oder Neid müssten komplett von der Erde verschwinden, damit das System funktioniert. Unter solchen Gefühlsregungen lässt sich nicht objektiv über die Gesetzestauglichkeit einer Handlung entscheiden. Dass diese Gefühle verschwinden, ist aber absolut utopisch.

Mit einer Mischung aus Halbwissen und rebellisch-prinzipieller Ablehnung der meisten Aufklärer-Gedanken kann ich hier nur zwei Dinge feststellen: Immanuel mag sich viel Mühe gegeben haben mit seinem Kategorischen Imperativ, ich geb mir angesichts dessen, was ich von der Welt und den Menschen verstehe, nicht viel Mühe, um zu sagen, dass ich ihn für utopisches Gekritzel halte. Nur unter Laborbedingungen mit bescheidenem Mehrwert. Und zweitens: Für mein Leben nehme ich den wohlklingenden Satz mit der Maxime nicht an. Warum auch? Würde ich vor jeder Handlung darüber nachdenken, ob sich deren Motivation für alle empfehlen ließe, hätte mein Kopf gegenüber dem Bauch nur noch mehr zu tun, als so schon. Vernunfts-Overkill im Konjunktiv sozusagen. Dann lebe ich doch lieber im Indikativ, auch wenn das bedeutet, Fehler zu machen.

… löst doch tatsächlich einen Bloghype aus! Wenn einem nichts mehr einfällt oder man seinen Nachbarn im Großraumbüro nicht mag, redet man ja schon seit vor der Existenz von Blogs über das Wetter. Erst wars noch Kyrill, jetzt ist es schon schön pulvriges einfaches, weißes Zeug.

Ich mag Schnee auch. Mützen, Handschuhe und Schals sowieso. Ich hab sogar extra ein Termoplugin in meine Jacke eingereißverschlusst. Das Gefühl, wenn eingefrorene Wangen im Warmen wieder aufkribbeln, finde ich auch schön.

So, und um das abzuschließen, ein kleines Rätsel, angelehnt an ProSieben-Gewinnspielfragen: Was ist auf diesem Bild so herrlich sauber eingeschneit?

Zu gewinnen gibt’s eine Schneeballschlacht, höhö.

Ich bin heute sehr früh aufgestanden. So früh, dass mir statt Claims für die FH Mittweida (”Mittweida. Wir bewegen Bildung.”) nur abgegriffene Sprichwörter einfielen. Ich dachte dann einen Teil des Tages über den Sinn gewisser Sinnsprüche nach. Meine Überlegungen münden hiermit offiziell in den Top 5 der sinnlosesten, mir unveständlichsten, von meiner Umwelt dennoch inflationär verwandten Sprichwörter.

5. “Da ist Polen offen!”

Schon seit Daniela-Barbie aus irgendeiner Ausgabe von Big Brother mit diesem Satz durch sämtliche RTL II-Newssendungen noch vor der Zigarre des damaligen Kanzlers Schröder geschleift wurde, kann ich diesen Satz nicht ab. Polen offen? Polen gehört zur EU, Polen ist immer offen, vorallem für Alkohol, Zigaretten und Gucci-Plagiate. Ich weiß natürlich, dass der Spruch historisch bedingt ist. Dass allerdings mit einem Vergleich zu Hitlers Einfall damals heute Stubenarrest und Zickenterror angekündigt wird, halte ich für leicht übertrieben.

4. “Was stehst du denn da rum, und bietest Maulaffen feil?”

Maulaffen feil bieten? Ich verstehe das nicht. Was sind Maulaffen? Wo werden die verkauft? Und was hat das alles mit unnützem Rumstehen zu tun? Unverständlich hoch drei und syntaktisch kompliziert sowieso.

3. “Leute kauft Kämme, es kommen lausige Zeiten!”

Ich hör das meistens so: “Leude, kooft Gämme, es gomm laus’sche Zeiden!” Inhaltlich wird das damit nicht besser, definitiv. Kämme gegen Läuse? Klobürsten gegen Bakterien? Die Funktionalität zweifle ich zumindest an. Und wieso sollte man sich, zugespitzt gesagt, noch einen Luxusartikel kaufen, wenn demnächst das Geld knapp werden wird? Ich glaube, der Spruch wurde nur erfunden, weil er sich so schön sächsisch aussprechen lässt.

2. “Da beißt die Maus keinen Faden ab!”

Früher, wenn meine Mutti noch mit mir geschimpft hat und dann als Abschlussstatement diesen Satz brachte, musste ich immer lachen. Spätestens da. Ist es evolutionär von Bedeutung, ob Mäuse Fäden abbeißen? Geht das vielleicht darauf zurück, dass, wenn die Diskussion nun ohne wenn und aber beendet ist, niemand mehr am Thema rumzunagen hat? Ich weiß es nicht. Meine Mutti fand den Spruch wohl immer einschüchternd. Und wurde nur noch wütender, wenn ich mich darüber lustig gemacht habe.

1. “Der letzte ist immer ein Kombi!”

Der Spruch folgt oft nach “Hier wirste nur noch mit den Füßen voran rausgetragen.” Der letzte ist immer ein Kombi? Soll ich das gut finden? Drückt das den kleinbürgerlichen Wunsch aus, irgendwann mal einen VW oder Skoda Kombi zu besitzen, statt dem Opel Corsa? Wo hinten die Kühlbox reinpasst, wenn man mit den Kindern zum See fährt? Und wenn das damit nicht klappen sollte und man aufgrund räumlicher Enge immer nur matschelige Duplo-Riegel anbieten kann, dann ist doch wenigstens der Leichenwagen ein Kombi? So ein Schwachsinn.

Folgendes Spiel: Alle malen mit wenigen geometrischen Figuren ein Bild. Danach finden sich immer 2 Partner zusammen und nun soll der eine nach den Erklärungen des anderen die Figur des jeweiligen Partners nachmalen. Dabei sitzen beide Rücken an Rücken.

Erster Versuch

Original:

Kopie:

Schon ganz gut. Dann tauschen Maler und Beschreiber die Rollen, der Schwierigkeitsgad wird erhöht. Der Maler darf nun keine Nachfragen mehr stellen und auch nicht signalisieren, ob die Geschwindigkeit des Beschreibers genehm ist.

Zweiter Versuch

Original:

Kopie:

Man beachte die unterschiedliche Interpretation von “dann ein kleines Dreieck mit der Spitze nach unten in das untere Drittel des Rechtecks malen.”

Und warum machen wir das? Damit wir nach Hardcore Vorlesung nicht einschlafen. Damit wir lernen, wie wichtig präzise Kommunikation ist. Und was ein gleichschenkliges Dreieck ist.

Draußen bläst ein frischer Wind, sogar die Vorlesungen werden abgesagt. Ich hab mich kurz gefragt, warum und ob wir denn vielleicht auf dem Weg zur FH versichert sind. Für jemanden wie mich, der sich immer irgendwie weh tut, selbst ohne Sturm, wäre das wirklich wichtig zu wissen. Jetzt, wo ich das schreibe, wird mir die Dummheit der Frage klar. Natürlich sind wir versichert. In Deutschland gibt’s für alles eine Versicherung.

Edit: Eben im Printpool, O-Ton Prof. Graßau: “Sie haben ja alle die Email gelesen, ich mach jetzt hier einen kleinen Stubendurchgang und bitte Sie, 15:30 Uhr nach Hause zu gehen. Alles andere ist dann auf eigenes Risiko, unterschätzen Sie das nicht.” Auf meine Nachfrage, ob denn das Dach einstürzen könnte: “Das weiß ich genau so wenig wie Sie. Ich bin optimistisch und hoffe einfach, dass hier heute Nacht weder das Dach noch sonstwas wegfliegt. Sonst müsste ich ganz anders handeln.” Lustig. Es geht wohl wirklich um Versicherungen.
Und, eine Person neben mir, nachdem Prof. Graßau gegangen war: “Ich hol mal meinen Laptop aus dem Stuido.” Den, den er neben den Studiokameras platziert hatte. Nobel geht Haus vier zu Grunde.

Apropos: Gestern Kaminer in der Mensa gehört. Köstlich. Mein kleines, persönliches postalkoholisches Aufmerksamkeitsdefizit erzwang zwar eine überhöhte Anstrengung beim Zuhören, aber es hat sich gelohnt. Klischees über Deutschland und Klischees über Menschen. Sogar eigene Klischees erfindet der Mann. Schön.

Ansonsten ist es hier zur Zeit sehr ruhig. Lust zu bloggen hab ich keine, Gründe dafür auch nicht. Themen hab ich dagegen viele, nur um die Worte ist es schlecht bestellt. Natürlich bin ich auch faul. Jedenfalls warte ich einfach, bis es vorbei geht.

Fading

Träume sind ein Konstrukt des Geistes. Ob nachts, wenn sinnfrei Erlebnisse des Tages aneinander gereiht werden oder am Tag, wenn im Kino Kopf statt des mit Geschirrklappern gefluteten Essensaals plötzlich die azurblau ummeerte Südseeinsel Aufenthaltsort ist. Durch Weckerklingeln oder Letschosoße auf der Jeans platzen solche Träume ständig. Und wir nehmen es hin. Weil wir wissen, dass sie nicht wahr werden. Dafür sind sie auch nicht gemacht. Was wir nicht hinnehmen, sind platzende Träume vom Leben. Träume, die als solche nicht wahrgenommen werden, weil sie weder aussehen, wie mit einem dilettantisch verwendeten Kanalmixer gefärbt, noch nur unrealistisches Mittel zur Ablenkung sind. Wir glauben, dass Träume vom Leben wahr werden können. Und dass es in unserer Hand liegt. Der Managerposten bei BMW, wenn wir nur hart genug arbeiten. Die große Liebe, wenn wir nur lange genug danach suchen. Die Erfindung des perfekten Haarwaschmittels, wenn wir nur fest genug daran glauben. Ich glaube, dass das Schwachsinn ist. Träume vom Leben sind nicht weniger Schäume, wie Träume nach einer durchzechten Nacht voller unruhigem Schlaf. Wir bauen sie um uns auf, ob als Ziel oder den berühmten emotionalen Schutzwall. Und sind enttäuscht, wenn sie scheinbar plötzlich platzen. Wenn wir nur bei Fiat am Fließband landen. Wenn wir mit 52 eine „Denk an die Kinder, Schatz“-Ehe führen. Wenn Pantene Pro-V doch das Ende der Fahnenstange bleibt. Dabei sollte uns klar sein, dass Dinge, die wir in unser Leben einbetten, wie das Drei-Minuten-Frühstücksei, irgendwann aufhören. Sie gehen einfach langsam zu Ende. Wie die Propan-Gas-Flasche am Camping-Kocher. Am Anfang macht sie große, heiße Flammen, die nur mit der Zeit fast unmerklich kleiner werden. Wenn die Flasche leer ist, wundern wir uns darüber, obwohl wir es hätten merken müssen. Deswegen glauben wir auch, dass Lebensträume plötzlich platzen. Dann können wir ein bisschen trauern und fühlen uns irgendwann wieder gut. Die Phase des Schmerzes ist kurz, einzuschieben zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken. Nur in ganz langen Nächten ist klar, dass Träume nicht platzen. Dass sie unheilbar sind. Kopfschütteln, weiter leben. Mit neuen Träumen. Die langsam zu Ende gehen, anstatt uns den Gefallen zu tun, zu platzen.

Sehr geil. Bis vor kurzem gefiel’s mir hier noch. Auch weil das Skin mir inzwischen und endlich den zwanghaften Drang nach etwas Neuem gestillt hatte. Aber das Spielzeug drüben ist schon toll. Und das sag ich, obwohl ich bisher immer nur neugierig am Sandkastenrand gestanden und zugeguckt habe. Hoffnung hab ich auch keine, Blogger hat sich seit 1999 nicht aus dem Kinderkrankheitenalter heraus entwickelt. Und gehört Google. Mmh. Vielleicht. Irgendwann.

Running Battle

Kraft meines Amtes als Gewinner der letzten Battle-Runde verkünde ich hiermit ein weites Feld als neues Thema:

Geplatzte Träume

Veröffentlichung ist dann am Montag, 15.01., 23 Uhr.

Ich schreibe gerade an dem Beleg für Internationale Mediensysteme. Ganz stimmt das freilich nicht, denn ich blogge. Aber zumindest sollte ich mich Frau Balabans Aufgabe widmen. Die denkbar einfach ist: Darstellung des Mediensystems eines beliebigen Landes. Für sich genommen ist das kein Drama. Zusammen mit Frau Balabans Auffassung von wissenschaftlichem Arbeiten allerdings schon. Kleiner Auszug: “Jede wissenschaftliche Arbeit braucht eine Forschungsfrage. Unsere wäre also zum Beispiel: ‘Wie sieht das Mediensystem im Land X aus?’” Toll. Das Maß an geistiger Eigenleistung ist geradezu überwältigend. Da hab ich schon in der Schule spannendere Hausarbeiten geschrieben. Schlimmer ist, dass Frau Balaban aber nicht konsequent bei ihrer Linie des geringsten Gedankenvolumens bleibt. “Was ich absolut nicht will, ist Copy und Paste aus dem Internet. Auch nicht, dass Sie Passagen nur umschreiben. Ich krieg das raus!” droht sie mütterlich mit dem Zeigefinger. Klar, wir haben ja auch alle Zeit, mal eben ein halbes Jahr lang im Blätterwald und dem Kastenflimmern des Landes unserer Wahl zu verbringen. Sechs Monate, vorausgesetzt, wir beherrschen die Muttersprache bereits. Das ist meines Erachtens einer von drei Wegen, um ein konsequentes Abschreiben zu vermeiden. Ein anderer wäre die Aufstellung einer anständigen Forschungsfrage. Und den dritten, ja, den hat uns Frau Balaban leider auch verbaut: Die Betrachtung der Medienlandschaft im Land X unter anständigen Gesichtspunkten. Dazu wäre eine anständige Lehrveranstaltung nötig ganz gut gewesen. Aber abgesehen von leidlich spannendem Pseudo-Nähkästchen-Blablubb (was hat die Frau Balaban eigentlich gemacht? Außer Internationale Mediensysteme zu studieren? Ist das hier nicht eine Fachhochschule?) und sinnfreien, aufgrund von Schriftgröße 8 kaum zu erkennenden Dreiecken, die wohl irgendeine Theorie über die Grundtypen der Mediensysteme dieser Welt darstellen sollten, kam nicht viel. Den Rest der Zeit haben die, die dann noch zu den Vorlesungen kamen wir damit rumgebracht, Kommilitonen beim Referieren über die Mediensysteme in anderen Ländern zuzuhören. Die Powerpoint-Folien waren schön.

Nun habe ich also die Wahl: Mich selber in das Thema Internationale Mediensysteme einarbeiten und eine anständige, nicht geklaute Belegarbeit schreiben. Oder Copy-and-Paste-Deluxe alá Denise. Ich denke darüber nach, wenn mein Anfall pseudointellektueller Gewissenhaftigkeit vorüber ist.

Parkett, zweite Reihe links, Platz sieben: Opernglas dabei!

Gute Menschen haben’s schwer. Nicht nur, dass sie in den Industrienationen des 21. Jahrhundert, dem Mekka aller Ellenbogengesellschaftler, im Leben nicht vorankommen. Nein, für gute Menschen muss wirklich jeder Tag eine Qual sein. Die Überlegungen bevor sie etwas tun wollen, was sie dann doch nicht tun. Kann ich die vorletzte Erdbeere nun noch vom Teller nehmen oder mag die vielleicht jemand anders? Die Überlegungen, nachdem sie etwas nicht getan haben, was sie tun hätten sollen. Hätte ich meinen kleinen Finger nicht doch noch in die Ritze klemmen sollen, als dieser nun sicher wütende Mensch zum Fahrstuhl gerannt kam? Warum gibt’s hier aber auch keine solche Taste mit divergierenden Pfeilen? Die Gedanken, die sie sich um das Wohl anderer Menschen machen. Sollte ich ihn jetzt vielleicht fragen, warum sein linker Mundwinkel heute ein bisschen schief hängt? Oder wäre ihm das möglicherweise unangenehm? Die Gedanken, die sie sich um die Gedanken machen, die sich nicht um das Wohl anderer gedreht haben. Darf ich schlecht von ihr denken, weil sie mir mit ihrem Autoschlüssel den Lack meines Hybrid-Antrieb-Prototyp-Autos zerkratzt hat? Sicher hatte sie auch ihre Gründe. Die restliche Zeit sind Spendenschecks auszufüllen, Katzen zu füttern, Terrassen alter Leute zu fegen, Privatfernsehsender auf dem heimischen Gerät zu sperren, Greenpeace-Hefte zu abonnieren, Patenschaften in Kambodscha zu pflegen und Eierpackungen zurück zum Bauern zu bringen. Abends fragen sie sich dann noch kurz, ob sie genug getan haben und löschen die Sparlampe. Gute Menschen schlafen kurz und schlecht. Und haben’s schwer.

Stimmt. In einem Theaterstück, einer Parodie auf die „Olympiade Guter Mensch“, die in den Lifestylemagazinen und Country Clubs der Wirklichkeit stattfindet, haben es gute Menschen schwer. Leiden für ihre guten Taten, werden zu Märtyrern für die gute Sache. Immer mit dem Ziel, dem Rest der Welt zu sagen: „Schau her, ich bin besser als du! Nimm dir ein Beispiel an mir!“ Immer mit der Hoffnung, dass der Rest der Welt nicht auf den Rat hört. Denn dann wären sie nicht mehr besser. Hinter der Bühne aber, abgeschminkt und ohne Regieanweisungen, machen sich gute Menschen keine Gedanken um Erdbeeren und Fahrstuhltüren. Sie fragen auch nicht nach, ob sie jemandem helfen können. Sie tun es. Sie wissen, dass sie nicht verpflichtet sind, Spendenschecks auszufüllen, um das Prädikat „guter Mensch“ zu erkaufen. Wirklich gute Menschen sagen nicht „Schönes Wochenende“ weil sie denken, das gehört sich so, sondern weil sie ein schönes Wochenende wünschen. Sie haben auch keine Probleme mit Ellen- unter Rippenbögen, denn sie sind sicher, das Richtige zu tun. Und Unbeirrtheit macht erfolgreich. Gute Menschen sind nicht gut, weil sie bei Testreich.com gut abschneiden, sondern weil sie vor sich selbst gut abschneiden und man sie trotzdem mag.

Vielleicht haben wirklich gute Menschen gar kein Dilemma. Vielleicht habe ich aber auch nur die Szenen auf und hinter der Bühne vertauscht.

“Jeder denkt, dass er etwas zu sagen hat – bis ihm mit dem Blog eine Bühne geschaffen und er um seine Meinung gebeten wird.”

Bisher hab ich nicht allzu viel darauf gegeben, was in den Elfenbeintürmen der Medienforschung alles über Web2.0, neue Kommunikationskanäle und Websprachen gesagt wurde. Kulturpessimisten, die mit Blogs und Instant-Messaging-Terror schon wieder Gehirnzellen und klassische Kommunikationsfähigkeiten davonschwimmen sahen - Platon hatte vor kurzem ja auch recht damit, dass das Papier und das damit verbundene Aufschreiben von Dingen den Anfang vom Ende jedweder Erinnerungsfähigkeit markiert - waren mir genauso supspekt, wie all die Online-Propheten, die die Bergung des heiligen Grals irgendwo zwischen Bildblog.de und MySpace.com voraussagten. Bisher wusste ich auch noch nicht, dass es selbstgekrönte “Chief Blogging Officer” gibt. Und ich wusste nicht, dass die sich zusammen mit anderen “Blogexperten” (ein scheinbar ebenso anerkannter Beruf wie “Terrorexperte” oder “Einzelhandelsexperte”) durchaus differenzierte Gedanken machen. Und zu interessanten Erkenntnissen kommen. Lesen!

Susi! Trotz der mir noch nicht ganz aufgegangenen Bedeutung des ‘;)’ im Kommentar heißt das akutelle Battlethema nach eingehender Beratung:

Das Dilemma des “guten” Menschen

Veröffentlicht wird am Freitag, 20 Uhr.

Danke für alle Themenvorschläge.

Da der Battle diesmal mit einem friedlichen, aber antriebslosem Gleichstand endete, brauchen wir jemanden, der ein Thema bestimmt. Vorschläge hierzu bitte bis morgen Mitternacht in den Kommentaren.

Ich finds immer toll, wenn hier auf dem Blog kommentiert wird. In den Battlekommentaren tauchen nun seit geraumer Zeit Kommentare von Anonym oder nicht verlinkten, mir zum Teil unbekannten Namen auf. Manchmal gar regelmäßig. Nicht, dass ich irgendjemanden zwingen will, seine Identität preiszugeben. Ich bin nur neugierig. Sollte es tatsächlich Leute geben, die nicht in Mittweida Medien studieren, nicht in Karl-Marx-Stadt geboren sind oder die ich schlicht nicht kenne, die dieses Blog lesen und dann auch noch die Muse haben, zu kommentieren, zu voten? Schreibt mir ne Mail, kommentiert: Ich würde mich Meine Neugier würde sich über Aufklärung freuen.