Wenn die Gans schon im Chorgesang gelobt wird, die Geschenke zum bereits dritten Mal bewundert werden, in Gedanken längst die Umtauschliste geschrieben wird und Weihnachten immer noch nicht vorbei ist, dann hab ich hier ein Festtagsgericht, das nicht so schwer im Magen liegt wie Kartoffelsalat und mit dem Weihnachten länger Spaß macht.
Vorspeise: Jetzt.de hat die Weihnachten am häufigsten geklopften Sprüche zusammengestellt. Von Onkel Heinz, der auf die Freundin des Neffen scharf ist, über Mutti, die sich über die Essgeschwindigkeit der Festtagsgäste beschwert bis hin zu Papi, der es beim Weihnachtsbaumschmücken wieder keinem recht machen kann. Köstlich! Und sollte die Familie auch nach dem dritten Glühwein nicht auf Selbstironie stehen, dann ist es immerhin noch was zum leisen Schmunzeln unter der Federbettdecke kurz vorm Einschlafen.
1.Gang: „Weihnachten bei Hoppenstedts“ von und mit Loriot. Der Virtuose der Running Gags („Ein Klavier, ein Klavier!“), der Vater aller Sketche und Todesengel jeder Freitag-Abend-Sat1-Comedy-Geistlosigkeit at his best. „Gezapft und originalverkorkt – plopp – von Pallhuber & Söhne!“ Ein echter Gaumenschmaus!
2. Gang: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Eigentlich nicht zu verpassen, kommt es doch um Weihnachten mindestens viermal auf jedem einzelnen Dritten Programm und oft auch noch mal in der ARD, vorzugsweise morgens gegen elf. Schön, wie Träume Stück für Stück wahr werden. Und noch viel schöner, dass das alles nur von drei nutzlos erscheinenden Haselnüssen kommt. Der an manchen Stellen hervorlugende Wortwitz vom von Rolf Hoppe - einer von den sozialdemokratischen Schauspielern, bei dem die vor dem Fernseher versammelte, alternde Verwandtschaft immer sagt: “Das ist doch hier der… Mensch, wie hieß er noch?” - verkörperten König und Vater des angebeteten Prinzen würzt zudem. Und es ist doch immer wieder süß, wie sie am Ende zu den Ding-Ding-Ding-Klängen über das beschneite Feld in eine glückliche Zukunft reiten.
3. Gang: Hoch vom Sofa - oder den notdürftigen, am Hintern schon schmerzenden Klappstühlen, weil man der letzte war der gekommen ist - und raus in die sternenklare Weihnachtsnacht. Nach dem Stern von Bethlehem zu suchen, ist vermutlich sinnlos, dafür kann man Lichterbögen zählen, mit affektierten „Oh“s und „Ah“s geschmückte Vorgärten bewundern, in Erwartung des baldigen Silvester-Happenings schon mal ein paar Wunderkerzen anzünden und versuchen, damit seinen Namen in die Luft zu schreiben oder einfach nur laufen und sich über räucherkerzenrauchfreie Luft freuen.
Nachspeise: „Adeste fidelis“ singen. Vielleicht sind das die Nachwehen meines jahrelangen Latein-Drills, vielleicht mag ich dieses Weihnachtslied einfach nur so. Besser als „Stille Nacht, heilige Nacht“ allemal. Und wenn Opa und Oma sich gerade mal wieder gestritten haben, wessen Augen Sohnemann nun geerbt hat, ist das auch ein netter Friedensstifter, der garantiert Weihnachtsstimmung aufkommen lässt.

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