Zwanzig
Mit vierzehn tragen sie gestreifte Strumpfhosen, die an den Knien wenigstens aufgeschürft sein müssen, sprühen „Viva la Revolucion“ oder „Venceremos“ an Hauswände und überlegen sich dabei, einen Spanisch-Kurs zu besuchen.
Mit fünfzehn wischen sie die Kotze vom schlechten Gras auf, tränken ihre Hacky Sacks in Bong-Wasser und schauen nachts den Enten beim Schlafen zu.
Mit sechzehn lesen sie den Zauberberg, rezitieren Prometheus, lassen sich von Siddharta verwirren und glauben, auf ihren Schultern laste die Bürde, zu viel von allem zu verstehen. Von Zeit zu Zeit denken sie sogar daran, dass das Schwachsinn sein könnte.
Mit siebzehn schätzen sie die Chancen dafür, dass es Liebe wirklich gibt, täglich neu ein. Nachts stehen sie betrunken in verrauchten Garagen, hören ihren Freunden beim Produzieren schlechter Musik zu und schlafen im Laternenlicht.
Mit achtzehn denken sie nie an morgen und schwänzen die Schule, um mit selbst gebastelten Schildern für die Freiheit von Legebatteriehennen auf die Straße zu gehen.
Mit neunzehn bilden sie sich eine Menge darauf ein, anders als alle anderen zu sein, und sei es nur, um des Andersseinswillen. Ständig sind sie auf der Jagd nach dem neuesten Klischee, um es mit möglichst viel Getöse zu umgehen.
Mit zwanzig schauen sie sich um und stellen fest, dass sie nichts Besonderes sind. Abends tanzen sie im Regen und hoffen, dass es doch so ist.

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