Gestern abend wollte ich mich einfach nur gedankenlos ins Mittweidaer Nobel-Nachtleben stürzen, aber irgendwie kam es noch vor 24.00 Uhr anders. Umvölkert von der gesamten schwankenden Mittweidaer Jugend, bat ich mit fester Stimme und nichts Böses ahnend um drei Kirschschnäpse. Und dann schlug es mir entgegen, schallend wie eine Ohrfeige: “Wie alt bist du?” Ich weiß nicht genau, wie lange ich den Satz nicht mehr gehört habe, aber es ist schon eine kleine Weile her. Deswegen fiel mir auch nichts Schlaueres ein, als ein verblüfftes “Was?” zurückzuhauchen. Zum Glück half mir ein “Das sind doch Studenten!” aus meiner unerklärlicher Weise einschüchternder Misere. Irgendwie hatte ich in der Überraschung nämlich ganz und gar vergessen, wie alt ich bin. Vielleicht war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt schon 16 Lenze zähle. Jedenfalls bekam ich den Schnaps und goß ihn mir beinahe schon triumphierend in die Kehle. Einen faden Nachgeschmack hatte er trotzdem: Obwohl ich nüchtern war und eine durchschnittliche Kontrolle über mein Verhalten hatte, wurde ich verdächtigt, zur singenden und schreienden Dorfjugend Mittweidas zu zählen. Ende.

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