Juni 2006

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Ein wirklich sehr heißes und hartes Spiel, das wir da gesehen haben. Vier Platzverweise im Spiel Portugal gegen Niederlande. WM-Rekord. Da fliegt in einer, zugegebener Maßen einschläfernden ersten Halbzeit Costinha vom Platz und Tom Bartels lässt sich in seiner lethargischen Analyse der Härte des Spiels nicht aus der unerträglichen Ruhe bingen: “Und da bekommt er Gelb-Rot. Wir mussten in diesem Spiel nicht lange darauf warten, bis der erste Mann eine zweite Gelbe kassiert und damit vom Platz geschickt wird.” Kein aufbrausendes “Und das ist der Platzverweis für Costinha, völlig zu Recht!” Kein mitfühlendes “Ganz bitter, die Portugiesen eine ganze Halbzeit in Unterzahl gegen immer stärker werdende Niederländer!” Kein blumiges “Und da muss der Schiedsrichter zum gelben Karton in seiner in dieser ersten Halbzeit viel bemühten Brusttasche greifen.” Als würde er auf Bayern alpha in einer Vormittagssendung vor drei Hausfrauen ein Kochrezept verlesen. Ein so hoher Schlaftabletten-Faktor qualifiziert ja noch nicht mal für den Skispringen-Kommentar, bei dem Bartels wohl besser geblieben wäre…

Über die mehr als überschaubare Kompetenz der RTL-Kommentatoren ist viel geschrieben worden in den vergangen WM-Tagen. Daran, dass immer nur das erklärt wird, was jeder Zuschauer mit seinen eigenen Augen auf dem Fernsehbildschirm sehen kann, hab ich mich ja längst gewöhnt. Das ist auch bei den öffentlich-rechtlichen Beckmanns und Rethys keinen Strich besser. Aber das Fußball mit fehlender Emotionalität auf das Niveau von “Backen mit ohne Liebe” degradiert wird, ist unverzeilich.

Und jetzt, wo die Portugiesen ausgelassen jubeln, sind die ersten Sätze: “Portugal steht im Viertelfinale gegen England. Die Niederlande waren hier über 90 Minuten das bessere Team, die Portugiesen haben tapfer verteidigt.” Toll. “Es war ein Spiel, das von der Dramatik lebte.” Nur der Kommentator war offensichtlich längst tot.

Edit: Hab ich mich verhört oder hat Ulrike von der Groeben diesem begeisternden Fußball-Abend auf RTL eben die Krone aufgesetzt? “Zurück zu Günther Jauch und Toni Völler.” …

“Ei, guck ma, hier ist ja ein Radmarkt!”

Wer kennt ihn nicht, den Radmarkt, Herzstück jeder Stadt.

Gestern abend wollte ich mich einfach nur gedankenlos ins Mittweidaer Nobel-Nachtleben stürzen, aber irgendwie kam es noch vor 24.00 Uhr anders. Umvölkert von der gesamten schwankenden Mittweidaer Jugend, bat ich mit fester Stimme und nichts Böses ahnend um drei Kirschschnäpse. Und dann schlug es mir entgegen, schallend wie eine Ohrfeige: “Wie alt bist du?” Ich weiß nicht genau, wie lange ich den Satz nicht mehr gehört habe, aber es ist schon eine kleine Weile her. Deswegen fiel mir auch nichts Schlaueres ein, als ein verblüfftes “Was?” zurückzuhauchen. Zum Glück half mir ein “Das sind doch Studenten!” aus meiner unerklärlicher Weise einschüchternder Misere. Irgendwie hatte ich in der Überraschung nämlich ganz und gar vergessen, wie alt ich bin. Vielleicht war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt schon 16 Lenze zähle. Jedenfalls bekam ich den Schnaps und goß ihn mir beinahe schon triumphierend in die Kehle. Einen faden Nachgeschmack hatte er trotzdem: Obwohl ich nüchtern war und eine durchschnittliche Kontrolle über mein Verhalten hatte, wurde ich verdächtigt, zur singenden und schreienden Dorfjugend Mittweidas zu zählen. Ende.

Jenseits von Ballacks Wade werde ich in den nächsten vier Wochen nur rudimentäres Interesse für Dinge aufbringen können, die nicht rund sind und nicht ins Eckige müssen. Großbildleinwände, Biergartengarnituren und Bratwürste werden mich vergessen machen, dass ich keine persönlich ausgestellten, nicht übertragbaren, sauteuren Karten habe. Ob die schwarz-rot-goldenen Tränen dann am Ende aus Freude oder aus Trauer kullern, spielt fast keine Rolle. Denn wie immer im Leben Fußball geht’s um was anderes, als den nackten Sieg.

P.S.: Wer Weltmeister wird? Deutschland wurde im eigenen Land bisher immer Weltmeister…


Da ziehts mir echt die Schuhe aus! Gut, dass die Socken schon ein bisschen durchlässig sind, sonst wärs echt warmgeworden. Was mich morgens bewogen hatte, zwei paar Socken, und dazu noch die dicksten Wollsocken anzuziehen, war mir mittags im Sonnenlicht unerklärlich. Gut, dass der Sommer wieder da ist, und das das nun auch der letzte Idiot ich begriffen habe. Auch wenns dafür nasse Füße geben musste.


Pfingstfeiertage sind ein grandioser Maßtsab zur Messung verschiedener Charakteristika. Die einen freuen sich über die Herabsendung des heiligen Geist, andere einfach über freie Zeit. Wenn man jung und Gymnasiast mit latenten Hang zu einem Dauerinteresse an allem ist, kommt noch eine weitere hervorragende Beschäftigungsmöglichkeit hinzu: Blässhühner beim Brut- und Revierverhalten in freier Natur zu beobachten! Yes!

Am Donnerstag reiste ich vorurteilsfrei und ohne zu wissen, was ein Blässhuhn überhaupt genau ist und freilich ohne eine vage Vorstellung davon zu haben, wie sehr Blässhühner mein Leben in den folgenden Tagen bestimmen würden, in meiner schönen Heimatstadt an. Drei Tage später fühle ich mich nicht nur fähig, nein es juckt nahezu in den blassen Fingern, etwas über Blässhühner zu schreiben.

So machst du dir jedes Blässhuhn zum Freund

  1. Halte jeden Tag Ausschau nach potentiellen Blässhuhn-Brutstätten. Wenn du eine gefunden hast, behalts für dich. Blässhühner sind gute Zuhörer und als Freunde sehr begehrt.
  2. Kauf dir ein Buch mit dem Titel: “Wie das Blässhuhn lebt”. Lerne alles über aggressive Schnabelhiebe, Schilfbrutstätten, Brotreste und Küchenabfälle auswendig. Schließlich willst du bei deiner ersten Begegnung einen guten Eindruck hinterlassen.
  3. Laufe mit dem Buch unterm Arm, den Titel für jeden gut sichtbar, herum. Schenke jedem, der dich fragt, was ein Blässhuhn denn sei, einen erstaunt-mitleidigen Blick und erkläre hochwissenschaftlich: “Das Blässhuhn gehört zur Famile der Rallenvögel und sein lateinischer Name lautet Fulica atra . Es bevorzugt flache Teiche, Seen, Feuchtgebiete und langsam fließende Gewässer mit vielen Wasserpflanzen und einem Schilfgürtel.”
  4. Solltest du wider Erwarten in fragende Gesichter blicken, erkläre genugtuerisch und mit einer passenden, nickenden Kopfbewegung: “Das sind die schwarzen, entenartigen Dinger, die immer ‘tuk tuk tuk’ machen.”
  5. Bereite dein ersten Treffen mit den Blässhühnern vor. Hast du alles dabei? Digitalkamera? Clipbord für das biologische Protokoll? Frisches Brot als Begrüßungsgeschenk? Langenscheidts Deutsch-Blässhühnisch?
  6. Vergewissere dich ein letztes Mal persönlich beim Veterinäramt, dass in den letzten 2 Monaten auch bestimmt keine Vogelgrippeverdachtsfälle aufgetreten sind.
  7. Besuche die Blässhühner. Rede langsam und deutlich zu ihnen. Erschreck sie nicht. Komm den Kleinen (denen, mit der roten Blässe) nicht zu nahe. Schieß Fotos in Paparazzi-Manier aus sicherer Entfernung, damit die Blässhühner nicht auf die Idee kommen, ihr Recht am eigenen Bild einzufordern.
  8. Sei ja nicht dumm genug, die vom Revierverhalten gegen Enten geschossenen Fotos aus Versehen gleichzeitig vom PC und der Karte zu löschen.
  9. Falls du 8. nicht beachtet hast: Sei nicht traurig, so kannst du erneut Zeit mit deinen neuen Freunden verbringen.
  10. Zettele am Mittagstisch ein Gespräch über Blässhühner an und versuche es mit allen Mitteln am Leben zu halten.
  11. Tippe dein von Grasflecken übersätes Protokoll sauber ab. Achte auf die genaue Lokalisierung der Blässhuhnnester, die Aufzählung bereits geschlüpfter Blässküken sowie weiterer biologischer Erkenntnisse.
  12. Schalte zufällig den Fernseher ein und sei überrascht, dass gerade eine Dokumentation über Blässhühner läuft.
  13. Sage Dinge wie: “Blässhühner sind schon interessante Gesellen. Mit denen kann man gut auskommen.”
  14. Freue dich über neue Erkenntnisse und Freundschaften.
  15. Sollte 14. aufgrund fehlender Erfolge nicht recht gelingen, versuche beim Schlüpfen eines Blässkükens dabeizusein. Wenn du das Erste bist, was der neue Erdenbürger sieht und hört, hast du einen neuen Freund, den du so schnell nicht wieder loswirst. Garantiert!

Witzig

Hört euch das mal an. Aber mindestens 10 Minuten. Dann isses echt gut.