Ein wirklich sehr heißes und hartes Spiel, das wir da gesehen haben. Vier Platzverweise im Spiel Portugal gegen Niederlande. WM-Rekord. Da fliegt in einer, zugegebener Maßen einschläfernden ersten Halbzeit Costinha vom Platz und Tom Bartels lässt sich in seiner lethargischen Analyse der Härte des Spiels nicht aus der unerträglichen Ruhe bingen: “Und da bekommt er Gelb-Rot. Wir mussten in diesem Spiel nicht lange darauf warten, bis der erste Mann eine zweite Gelbe kassiert und damit vom Platz geschickt wird.” Kein aufbrausendes “Und das ist der Platzverweis für Costinha, völlig zu Recht!” Kein mitfühlendes “Ganz bitter, die Portugiesen eine ganze Halbzeit in Unterzahl gegen immer stärker werdende Niederländer!” Kein blumiges “Und da muss der Schiedsrichter zum gelben Karton in seiner in dieser ersten Halbzeit viel bemühten Brusttasche greifen.” Als würde er auf Bayern alpha in einer Vormittagssendung vor drei Hausfrauen ein Kochrezept verlesen. Ein so hoher Schlaftabletten-Faktor qualifiziert ja noch nicht mal für den Skispringen-Kommentar, bei dem Bartels wohl besser geblieben wäre…
Über die mehr als überschaubare Kompetenz der RTL-Kommentatoren ist viel geschrieben worden in den vergangen WM-Tagen. Daran, dass immer nur das erklärt wird, was jeder Zuschauer mit seinen eigenen Augen auf dem Fernsehbildschirm sehen kann, hab ich mich ja längst gewöhnt. Das ist auch bei den öffentlich-rechtlichen Beckmanns und Rethys keinen Strich besser. Aber das Fußball mit fehlender Emotionalität auf das Niveau von “Backen mit ohne Liebe” degradiert wird, ist unverzeilich.
Und jetzt, wo die Portugiesen ausgelassen jubeln, sind die ersten Sätze: “Portugal steht im Viertelfinale gegen England. Die Niederlande waren hier über 90 Minuten das bessere Team, die Portugiesen haben tapfer verteidigt.” Toll. “Es war ein Spiel, das von der Dramatik lebte.” Nur der Kommentator war offensichtlich längst tot.
Edit: Hab ich mich verhört oder hat Ulrike von der Groeben diesem begeisternden Fußball-Abend auf RTL eben die Krone aufgesetzt? “Zurück zu Günther Jauch und Toni Völler.” …




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