Going to Bundeshauptstadt

Dienstagmorgen, Nebelschwaden ziehen noch ihre Kreise über Mittweida und ich muss aufstehen. Aber immerhin fahren wir nach Berlin! Und immerhin sitzen die Coolen ganz hinten im Bus!

Ereignisarme vier Stunden später stehen wir am Zoo. Noch scheint die Sonne und die Füße sind munter. Beste Voraussetzungen also, um in der knappen Zeit, die uns bis zum ersten Termin bleibt, ein bisschen Hauptstadtluft zu schnappen. Freilich drehen wir nur kleine Kreise um die Gedächtniskirche, trinken Kaffee, entdecken die Liebe zur Fotografie - und die Schwierigkeit, inmitten eines Meeres an Geschäften an R6-Batterien zu kommen (fünf Euro haben mich letztendlich vier Stück gekostet) - und nutzen die Gelegenheit, einen Hamburger Royal TS mit Pommes zu bekommen.

Natürlich kommt der Bus zu spät. Und das obwohl wir “alle Manager sind”. Natürlich bleibt keine Zeit, die Menschen zu fragen, wie es denn bei RS2 gewesen sei. ProSiebenSat.1 wartet schon. Dort achtet man mit deutscher Genauigkeit auf jeden einzelnen seiner Gäste; jeder bekommt ein Kärtchen mit seinem Namen. Das muss freilich am Ende wieder abgegeben werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich keiner hinter der “Blitz”-Kulisse versteckt und während der Live-Übertragung mit einem RTL-Schildchen hervorspringt. Die Besichtigungstour durch die heiligen Hallen ist recht kurz, aber halbwegs interessant. Ich wusste nicht, dass die meisten Nachrichtenstudiokulissen so ganz und gar wirklich nicht da sind. Und das sich grüne Streifen im T-Shirt vor grün ausgelegter Kulisse wie von Geisterhand blau färben. Ich persönlich hätte mir aber weniger technische Details und dafür mehr redaktionelle und medienpolitische Aussagen gewünscht. Darauf hofft man aber wohl nicht nur in der Produktionsschmiede der Sendergruppe vergebens.

Wieder zurück im Bus bleibt endlich Zeit, die Radioleute nach ihren Erfahrungen zu befragen. Beliebte Antwort: “Bei uns gabs Kekse.” - “Bei uns auch.” Und Kaffee aus Sat.1 Tassen. Denen mussten wir mit Vehemenz ausreden, dass sie in unseren Rucksäcken mit nach Mittweida kommen dürfen.

Zum Schluss gings - nachdem wir uns durch den Berliner Feierabendverkehr gequält hatten und mit einer geschlagenen Stunde Verspätung - zum ehemaligen Stasigefängnis Hohenschönhausen. Brisantes Thema. Und äußerst interessant. Schade, dass für unseren Museumsführer einfach alles “oll” war - olle Tür, oller Monitor, oller Lichtschalter, olle Reißleine, olles Gefährt, oller Strich, oller Typ. Zudem hat mich seine ständige Hommage an Theodor Fontane deprimiert: “Das ist ein weites Thema.” Gebetsmühlenartig wiederholte er den Satz immer genau dann, wenn er im Begriff war, in differenziert zu betrachtende Themenkreise vorzudringen. Und Antworten auf brisante Fragestellungen wusste er geschickt totzureden, immer knapp am roten Faden vorbei . Am Ende schwirrte mir der Kopf von lauter unbeantworteten Fragen. Dennoch war es interessant, das alles zu sehen und Geschichten und Fakten zu hören. Ich hätte mir nur eine klarere Einorndung in die politischen Umstände der Zeit sowie weniger Tritte auf meine Füße, bei des Museumsführers nervösem Hin- und Hergetappse gewünscht.

Die Rückfahrt war deutlich lebhafter als die Hinfahrt. Ich liebe Stadt-Name-Land! Gelohnt hat sie die Fahrt aber nicht nur deswegen.